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6) für den Fall einer Vertagung oder Auflösung der Landeöversamm- lung IN Gemäßheit der Schlußworte des §188 der Verfassungs­urkunde , wonach der Ausschuß für die Vollziehung der landständi­schen Beschlüsse zu sorgen hat, diesen mit Besorgung deS weiter Erforderlichen in der Anklagesache an der Stelle der Landesver­sammlung zu beauftragen.

Die Landesversammlung ist alsbald bis zum 26. Juni vertagt worden. Bis dahin herrschen in Deutsch­land die Kosaken.

Oesterreich.

Wien, 1. Juni. (N.O.Z.) Der Kaiser ist heute früh nach Warschau abgereist, nachdem sein Premier den hohen Be­schützer Oesterreichs, den Czaren Nikolaus, nicht so gnädig gestimmt gesunden hat, als erwartet worden war. Man kann aus dieser Reise deS Kaisers schließen, daß der Czar die neuesten Bestrebungen Preu­ßens mit wohlwollenden Augen betrachtet und von der preußischen Hegemonie ein russischeres Deutschland erwartet als unter dem Präsi­dium Oesterreichs , welches in seinem eigenen Hause keine Ordnung kiuzusühren vermag. (Jubelt ihr Gothaer! Ihr seid von Nikolaus ausersehen, das Baschkirenregiment in Deutschland einzuführen. Ju­belt aber nicht zu frühe. Auch zu dieser Rolle werdet Ihr noch nicht gerecht genug befunden werden.) Die Mobilmachung der preußischen Armee und die Armirung von preußischen Festungen wird jetzt hier alS ein Drohmittel Preußens angesehen, unter dessen Eindruck es seine Plane durchzusetzen hofft. An Krieg ist dabei nicht zu denken; Oe- sterreich kann keinen Krieg gegen eine auswärtige Macht führen. Dagegen ist eS nicht unwahrscheinlich, daß Preußen Absich­ten habe, die widerspenstigen Unionsfürsten mit Nachdruck zum Bünd- niß avzuhalteu. (Erst mediatisirt und dann verösterreicht. Auch nicht übel.)

** Wien, 31. Mai. Ueber die energische Erklärung, welche Preußen gegen Oesterreich an den Czaren und dessen Kosaken abge­geben haben soll, um Rußland für die preußischen Pläne hinsichtlich deS Erfurter Deutschlands zu gewinnen, schreibt dieO. C." daß sie zubedenken gebe, ob nicht diese angeblich nach Warschau abgegangene Erklärung einen Beigeschmack habe, der sie mehr einer zögernd furcht­samen Verwahrung, einer Anklage vor einem höherenTribunale, (Gothaer, Gothaer!) als einer männlich offenen Aeußerung ähnlich er­scheinen lasse. Die Gothaer Partei werde sie vielleicht mit Freuden begrüßen; allein worüber sei Gotha nicht schon enthusiaSmirt gewesen!" DerLloyd" fügt hinzu:Seine Ueberzeugung, daß diese Ansicht, selbst wenn die eben mitgetheilte Nachricht (der preußischen energischen Erklärung nemlich) sich ihrem Wortlaute nach bestätigen sollte, sich Bahn brechen werde, sei noch keinen Augenblick gestört worden." Der Lloyd" weiß, daß sich Alleö entwickeln wird, wie es die russische Despotie wünscht.

Schweiz.

X Bern, 1. Juni. Der neue große Rath ist versammelt. Vorläufig haben die Philister und deren Reaktion die Majorität. Die Prüfung der Wahlbeanstandungen ist an eine Kommission gewiesen.

ES scheint übrigens, als würde der Streit der Parteien nicht so ernst werden, als man dachte. Die reaktionäre Sippschaft wird noch eine Zeit lang temporisiren. Sie hofft mit aller Bestimmtheit, ihre Kan- didaten für den Regierungsrath durchzusetzen.

Frankreich.

+ Paris, 2. Juni. Die Blätter derverfallenen Köpfe" rasen vor Freude über ihren leichten Sieg.Seht ihr!" rufen sievon allen euren Prophezeiungen ist nicht eine einzige in Er­füllung gegangen, Paris ist so ruhig, wie ein geohrfeigter Schuljunge, das Proletariat ist so still, wie eine verschmähte Dirne." Alberner Spott! Freilich, daö Proletariat ist still, Paris ist ruhig. Sollen wir Hrn. Changarnier in die Kanonen laufen? Sollen wir so dumm sein, geradezu in die Rattenfalle zu gehen, die uns das vornehme Gesindel bei Hellem Tage und vor unseren Augen gestellt hat? Die­sen Gefallen werden wir der rothen Reaktion nicht thun. Darauf kann sie sich aber verlassen, daß das Proletanat vor Wuth und Rache­durst schäumt, und daß es nicht lange dauern wird, bis über Nacht Hr. Changarnier und sein toller Präsident ihren Jubel über unsereGe- duld und Gutmüthigkeit", über unsereruhig hingenommene Demüthi­gung" mit dem Leben büßen werden. Daö Geschrei der äußersten Rechten nach Benutzung deS Siegs, nach Vernichtung der Presse, Trans­portation aller politischen Gefangenen in die Sümpfe, nach Belage­rungszustand und Diktatur, hat noch immer kein Ende. Und wcnn'ö in der nächsten Stunde den Hals kostet, die honette Kanaille will vor­wärts. Nur vorwärts, meine Herren! Daâ Volk hat auch seine Rattenfallen und zwar seine verborgenen. Geniren Sie sich nicht! Spielen Sie ihren letzten Trumpf aus, suöpendiren Sie die Verfas­sung, die Republik. Oder haben Sie noch Rücksichten zu nehmen? Ohne daö allgemeine Wahlrecht eristirt keine republikanische Verfassung mehr. Die Klubsitzungen der Rothen sind stürmischer denn je.

Nachschrift: Die Gesetzgebungen über Preßwesen, Transportation und Domizil sollen bereits fertig sein. Sie können sich denken, was für welche! Daö Wahlgesetz wird ohne Zweifel publizirt.

Italien.

Neapel. Die neapolitanische Regierung hat einen eigenthüm- lichen Weg eingeschlagen, um die Aufhebung deö Repräsentativsystemö im Königreich der beiden ©teilten durchzuführen. In dem Budget für das Dienstjahr 1850 hat sie den auf die Ausgabe für die Kammern bezüglichen Artikel gestrichen und zugleich den Befehl ertheilt, daß auf vie Anweisungen der Quästoren der Kammern keine Zahlung zu leisten sei. Die Quästoren, der Fürst von Santo-Antemo und der Her­zog von Serra Capriola gaben hierauf mit sämmtlichen Beamten der beiden Kammern ihre Demission. heißt, der Minister Fortunato dringe daraus, daß eine Amnestie erlassen werde, die übrigen Mitglie­der deö neapolitanischen Kabinetö seien aber entgegengesetzter Ansicht.

(W. Z.)

Rom, 23. Mai. In dem letzten Cousistorium haben sich mit Ausnahme von 6 Cardinälen, welche für die Aufrechterhaltung des Statuts stimmten, alle übrigen für daö alte System ausge­sprochen. (Lloyd.)

K e k a n n t m a ch u n g e n.

Gesucht:

(9? 1) Ein junger Mensch als Schreinerlehrling. Wo? sagt die Erped. d. Bl.

(877) Ein junger Mensch, welcher Lust hat, die Schreinerprofession zu erleinen, findet sogleich einen Meister. Wo? sagt die Erp. d. Bl.

(991) Ein gewandter Zimmerkellner. Näheres in der Erped. d. Bl.

Zu vcrmicthen:

(1001) Em movlirteè Zimmer in der ersten Etage, sowie zwei möblirte Zimmer in der zweiten Etage des Hauses Wr. 203 in der Garde-du-Eor, Sstraße, sogleich. (1003) Ein kleines Logis auf Johannis in der Anlo- nienstraße < Fuldagasse) Rr. 404.

(1025) Die Unterzeichneten besorgen zwischen Kassel und Fulda und umgekehrt, regelmäßig wech.nrlich alle Arten von Frachtgütern.

Fulda. A. Schäfer 8» Sohn.

(1020) ÄUe Diejenigen, welche an meinen verstorbe­nen Bruder, den Kaufmann Louis Müller, Forderun­gen haben, mögen so gut sein, und sich in meiner Wob- nung, Nr. 737 der Schloßstraße, einstellen und den Betrag in Empfang nehmen. .

August Müller.

J. C. J Haabë & Comp,

(Steinweg JYs 190):

Ronge, Europa darf nicht kosakisch, Europa muß frei werden. 2 Sgr.

Neuer Himmelsbrief, oder Send­schreiben des ersten Demokraten Jesus Christus an seine Brüder auf Er- den, geschrieben im Jahre der Schmach 1850. 2 Sgr.

Der neue Himmel. Glaubensbekenntniß eines Demokraten. 2 Sgr.

Maran Atha, oder daö Buch von der Erscheinung und Zukunft Christi. 20 Sgr. Kerkhaven, der Kaufmannödiener. Ein Antwerpner Sittengemälde. AuS dem Flämischen übertragen, von S. Bcrlit. _______________1 Thlr.

[1026] In der Schneidemühle auf dem Eisenhammer bei Bettenhausen wird wieder Holz zum Schneiden an­genommen. Näheres b im Faktor daselbst.

(974) Kunst - Anzeige.

Fünfte Vorstellung.

Freitag den 7. Juni c. im Saale des Gasthauses Zum Holländischen Hof" (beiHerrn Bestreich) mimisch-plastischeKunstvorstellttNlz. Anfang 7 Uhr. Daè Nähere besagen die Zettel; wozu ergeben st einladet

Loin'S Wlach, plastischer Künstler.

Sommertheater anfdrrKaffeemühle

Freitag, 7. Juni: Die Karlofchülcr. Schauspiel in 5 Akten.

Sonnabend, 8. Juni: Der Pariser EaugcnichE- Lustspiel in 4 Akten.

Der Anfang ist um 5 Uhr.

Theater-Nepertoire.

Donnerstag, 6. Juni: Rosenmüller und Finke, oder : Abgemacht 1 Ong.-Lustsp. in 5 A. von C Töpfer.

Sonnabend, b Juni: Die Zigeunerin. Oper mit Tanz in 3 A. von Kupelwiejer. Musik von M. W. Basse.

Sonntag, 9. Juni: Der Zaubeclchleier. Romant. komisches Feenspiel mit Gesang und Lanz in 3 A. nach Scribe von Told. Musik von Siti.

Kassel. Verantwortliche Herausgeber: H. Heise u. Dr. Kellner. Druck der Esti tune' scheu Buchdruckern.