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Ihre Pflicht ist cs, überall ein neues règeS VereinSleben zu erwecken und damit zu beginnen, wo die alten Vereine stehen geblieben waren, mit der allgemeinen Diskussion über die sozialen Verhältnisse im Allgemeinen, wozu die sozial-demokratische Presse den Stoss liefert — mit der Diskussion über die ausgestellten oder noch erscheinenden Sozialsysteme, — mit der Debatte über die Vorschläge und Ansichten der Presse. Alle Führer haben hauptsächlich dahin zu wirke», daß daS Gefühl und Bewußtsein der Selbstständigkeit in den Einzelnen geweckt und herangebildet wird, alleâ Terrorisiren, alles Besehle» und Oktroyiren von Ideen oder Plänen, daS ganze altpolizeiliche Leilhammelsystem muß total aufhörcu Diese beiden Punkte, sowie die Unterstützung der Presse und die Vertheidigung der Preßfreiheit muß die Hauptthätigkeit der Vereine auSmachen. Alle Agitationen für irgend einen öffentlichen Akt, für Wahlen u. dgl. sind nur Mittel zum Zweck, sind nur als Propaganda, sind nur als Vorbereitungen der politischen Revolution von Bedeutung.— Durch die umfassende Organisation der Presse treten alle diese Vereine oder Assoziationen zum innigsten Gesammtverband zusammen. Ihre nächste Aufgabe ist die Erlangung deâ allgemeinen Wahlrechts, wo eS nicht existirt, — seine Vertheidigung , wo man eS angreift.
Deutschland.
** Kassel, 6. Juni. — Notiren wir, daß die Unionspartei jetzt ihre Hoffnungen für den Erfurter Bundesstaat auf — — Nikolaus von Petersburg setzt. Daß die Eigentlichen dahin kommen mußten, haben wir bereits vor einem Jahre prophezeit. Kein Wort mehr über diese Patrioten!
* * Kassel, 5. Juni. — Unser Kurfürst hat heute seine Truppen dem Großherzog von Darmstadt zu Ehren zu einer Parade komman- dirt. Wir wissen gar nicht, woher bei allgemeiner Wehrpflicht, nach Aufhebung des SöldliniSdienfieS, in einem sogenannten konstitulio- nellen Staate, ein Fürst eigentlich das Recht nimmt, die Söhne des Landes zum Plaisir für irgend einen Vetter zu benutzen. Oder ist die Leibeigenschaft noch nicht oukgehobcn? Muß daS Volk tanzen, wenn eS seinem Herrn Vergnügen macht? Kann Seine königliche Hoheit auch die Bürgergarde in Seinen Nutzen verwenden? Ist daS Volk nur zu Allerhöchstderen und Ihrer Schwäger Amüsement auf der Welt? Es scheint so! Wenigstens hat die Bürgernarde keinen Anstand genommen, das Privatplaisir Sr. königl. Hoheit durch Wachtdienk rc. zu unterstützen. Herrlicher Bürgergarden - Kommandeur, trefflicher Seidler! O, wir leben in einem freien Staate, wir haben ein sehr starkes Gefühl unserer Menschenwürde! — Die Parade ist übrigens hübe genug abgelaufen. Abgesehen von den besohl.neu HurrahS der Soldaten soll nur ein Bürger durch Hulabnehmen den offiziellen Jubel unterstützt haben. Aber warum bleibt ihr von solchem Spektakel nicht überhaupt fort? Warum vergnügt ihr euch an einer solchen Verwendung eurer Mitbürger? Warum? Ihr seid allzumal Knechte, und verdient geknechtet zu werden.
* * Kassel, 6. Juni. — Bei dem gestrigen militärischen Amüsement haben sich Seine königliche Hoheit auch daS Vergnügen bereitet, die Standarte der im Frühjahr 1848 aufgelösten und weggejagten Garde-tu-CvrpS durch Allerhöchstderv Husaren dem Volke wieder pro» buchen zu lassen. Rückwärts, bis in die kleinste Bagatelle! Nächstens kommt die Garde-du Corpö selbst, aber ohne daS schwarz- roth, goldene Band, daS man der Beruhigung wegen an die Standarte gebunden hatte.
Berlin , 2. Juni. — Zur Aufklärung über die preußischen Rüstungen und das Zcrwürfniß der beiden deutschen Großmächte, Dinge, deren Absicht und Bedeutung hoffentlich Niemand außer unfern Eigentlichen verkannt hat, theilen wir folgende Nachrichten des „C. B." mit:
„Der Kaiser von Rußland hat sich aufs Entschiedenste gegen einen Krieg zwischen Preußen und Oesterreich erklärt, und für den Fall der Heraufbeschwörung eines solchen burtb Oesterreich, Andeutungen gemacht, die den Fürsten Schwarzenberg im höchsten Maße verstimmt zur Abreise vermocht haben. Drese aud der unmittelbarsten Ouelle nach Berlin gelaugte Meldung wird noch von Detallo begleitet, welche auf die innigsten Beziehungen zwischen dem Prinzen von Preußen und icinkm kaiserlichen Verwandten schließen lassen. So ist auf speziellen âßun|$ der Kaiserin der Prinz am 1. d. M. von Warschau nach Petersburg abgegangen, wo er 6 bis 8 Tage verweilen wird. Der lungere Prinz, Friedrich Karl. wat bereits am 3l. Mai nach PeleiS- burg zu der Kaiserin, seiner Tante gereist."
„Die Rüstungen Preußens haben begreiflicher Weise daS allgemeinste Interesse erregt, um so mehr, als man noch nicht weiß, welchem Feinde sie gelten. Die unteim 22. Mai an das Kriegemiviste- rium erlassene Kabinets - Ordre, welche die theilwerse Mobilmachung bei Truppen und die Aimirong der Festungen bi stellt, fängt mit beu
authentischen Worten an: „Zur Abwehr eines Angriffes von Süden oder Westen" — und nimmt dann Bezug auf die gegenwärtige politische Lage Deutschlands, um die Rüstungen zu motiviren. Es verlautet, daß der Finanzministcr in der Sitzung des Staatsmi- steriumâ, in welcher diese Angelegenheit berathen wurde, sich gegen die Rüstungen eiklärt und hervorgchoben habe, sie würden auf den Sours der neuen Anleihe einen niederdrückenden Einfluß ausüben. Dessen ungeachtet wurden die Rüstungen beschlossen und sind bereits, wie wir mebrfach gemeldet, in vollem Umfange im Gange." (S. die Berichte aus Wien.)
O Berlin, 3. Juni. — Es gibt Augenblicke im politischen Leben, wo man es den Gothaern schier verzeihen muß, wenn ihnen ein Mühlrad im Kopse herumgeht. Wissen wir doch selbst im Augenblick kaum, wie die Sachen stehen und müssen immer unseren radikalen Instinkt zu Hülfe nehmen, wenn ein ganzes Heer von Zeitungen und Lühographieu uns durchaus bereden will, daß die Sachen mit Oesterreich nächstens zum Bruche kommen wurden, und wenn unleugbare und dennoch fast unglaubliche Fakte, wie die Armirungen der schlesischen Festungen und berichtet werden Wenn es heißt, die preußischen Ar- meecorpâ werden mobil gemacht, so glauben wir das sehr gern und sind auch gar nicht im Zweifel, daß sich schon irgend ein Feind stn- den werde, aber, holl'S der Geier! für die Union, dies blasse Phantom. schlägt sich Preußen nicht und sollten zehntausend liebenswürdig« Aegidis uns die Hölle heiß machen. Sie werden ihre Soldaten tooh schlagen, während die Demokratie täglich stärker und stärker wird — das mag glauben wer will, wir glauben'â nicht. Der Union halber Krieg mit Oesterreich, eS ist nicht möglich, und wenn auch die schlesischen Festungen mit Kanonen gespickt würden. Man rüstet sich eben für alle Fälle, ein Krieg mit Frankreich könnte leicht biâ nach Schlesien hinübergespielt werden, die Analoge sind da, und am Ende sind Festungen auch für Demokraten gut — das ist für'S Erste unsere Ansicht. — Mit der neuen Preß-Ordnung — so wird das Ding von der „ Kreuzzeitung" titulirt — wird man wohl nächster Tage zum Vorschein kommen. Gestern erwartete man sie schon, heut morgen war sie bei Decker noch nicht gedruckt, und daâ ist^mch richtig, denn heute Mittag ist erst der letzte Beschluß gefaßt worden. AlS gewiß stellt man Kautionen von 8U00 Thkcn. für Tagesblätter in Aussicht und behauptet, Drucker, Verleger und Herausgeber müßten politisch noch nicht bestrafte Personen sein. Ob den „mißbe- liebigen" Blättern auch das Postdebit entzogen werden könne, da-über ist man noch zweifelhaft. Warum nicht, das ist ja die Hauptsache! Im Uebrigcn wird eS bei den Bestimmungen der „Neuen Preußischen" verbleiben. — Berends ist noch nicht verhaftet worden, dagegen hat man — in Folge der Auffindung von sieben Pechkränzen aus der Novemberzril — den Masch inenbauerverein aufgelöst und elf der Führer verhaftet, auch das Lokal geschlossen. Sieben Pechkränze und eine durchsuchte Mistpfütze, das sind freilich Enthüllungen. Ob die Verhaftung Rosentreter's mit diesem glücklichen Funde im Zusammenhänge steht, weiß man noch nicht. — Die Krankheit des Königs wird gefährlicher, zu der Wunde gesellt sich nun auch heftiger Gichtschmerz am Fuß. Man hatte daS vorausgesehen, denn die Konstitution des Königs ist so schwach, wie die preußische. — Mathis ist nach Frankfurt abgereist. — Spandau soll in Kriegszustand erklärt werden. Vielleicht weil Kinkel dort im Zuchthaus sitzt? oder weil des Bürgermeisters Burger sich von „meinen braven Soldaten" durchaus nicht wollen massakriren lassen? Frage dir Götter!
Erfurt, 1. Juni. (R. Erf. Z.) — Die Gebrüder Gageru haben gegen den hiesigen General v Boß eine Injurienklage eingeleitet. Der General soll nämlich gegen den Wirth der beiden Herren die Acußeruvg gethan haben, ob es wahr sei, daß er „ die Baga- bonden" v. Gagern bei sich beherberge.
W Leipzig, 3. Juni. — Krieg zwischen Oesterreich und Preußen, das ist die neue sonderbare sire Idee, die sich die Elgevt- Uchen in ihren schwachen Kopf gesetzt haben. Weil Preußen seine Armee auf Kriegsfuß setzt und die Festungen armirt, so sann es keinen andern Zweck haben, wie die guten Seelen meinen, als die Union mit bewaffneter Hand durchzufülren. Diese Idee kitzelt die Eitelkeit der armen Narren außerordertlich, da sie jedoch anstandsmäßig eine solche Spaltung bedauern müssen, so machen sie halb lächelnde, halb betrübte Gesichter, und trösten sich mit b>r Hoffnung, eine bewaffnete Demonstration werde genügen, die Haitnäckigkeil Oesterreichs zu brechen. Dabei tischen sie allerhand schreckliche Dinge auf, erzählen von einem Toaste, ten ein österreichischer General (.den Namen nennen sie nicht) in Frankfurt auf die Wiedereroberung Schlesiens auszebracht baden soll, und anderes derailigkS dummes Zeug, waâ den ernsthaftesten Menschen zum Lachen bringen muß. Wahrlich, wenn Seseloge wahu- fiunig ist, so sind es die Gothaer noch mehr, drvu ihre Jdeeo U«^