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Demokraten haben sie das Fürchterliche nie glaube» wolle», wenn et aber ein Minister sagt, dann muß eS doch wahr sein. Nun sie haben Zeit sich mit diesem Gedanken vertraut zu machen, und eS ist kein Zw. isel, daß sie sich, wenn eS nöthig ist, von der Nothwen- tigkeit dieser rettenden That überzeugen werden. — Zu den gestern glmcldeten TodeSurtheilcn habe ich zwei neue hinzuzufügen, die gegen den Stubenmaler Anders und den HandlungSdiener Krahn gefällt sind. Der ehemalige Abgeordnete und Landtagsarchivar Dr. Herz ist vorgestern zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurtheilt worden. Die Monarchie webt rüstig an ihrem Todtenhcmde. Nur zu: bald wird daS Sterbeglöcklein läuten und der Völker Fluch wird als Requiem am Grabe dieser Leiche schallen.
C Hamburg, 31. Mai. — Nach allen heute eingetroffencn Nachrichten werden'die Kriegörüstungen in Dänemark mit der äußersten Energie betrieben, an der Südgrenze Jütlandö sowie auf Fühnen und Alsen wimmelt cs von Truppen; ebenso ist die ganze dänische Kriegsflotte armirt. Die Garde ist bereits von Kopenhagen abgegangen und tie Bewachung der Hauptstadt, wie zur Zeit deö Kriegs, der Bür- Herwchr anvertraut. Der Krieg steht also vor der Thür. Selbst von einer zu erlassenden Proklamation deö Königs an das „Jnsurgenten- Heer", sowie an die Bewohner der Herzogthümer überhaupt wird gesprochen und soll in derselben für den Fall einer unbedingten Unterwerfung eine fast vollständige Amnestie ausgesprochen werden. Ver- schiedentliche Gerüchte werden verbreitet, als ob daü dänische Heer hier oder dort zuerst angreifen oder nicht angreifen werde; mir scheint aber, daß ein solcher Angriff von allen Seiten zugleich beginnen wird, um womöglich durch eine kolossale Uebermacht daö Land zu erdrücken. Darauf deutet auch die Stellung der dänischen Truppen hin. Der Norden und selbst der Süden Schleswigs wird von den Dänen wohl ohne Widerstand besetzt werden, da der Waffenstillstand die schleöwig- holsteinischen Truppen von da entfernt hat und selbst strategische Rück- sichten eine wcitauSgehende Dislociruug derselben für unthunlich er- scheinen lassen; aber im Kieler Meerbusen und bei Rendsburg dürfte der Kampf wohl eine ganz andere Gestalt annehmen. Rendsburg ist übrigens bereits in Belagerungszustand erklärt worden. Von den Bewegungen der beiderseitigen Truppen erfährt man durch öffentliche Blätter so viel wie gar nichts, und ist zu wünschen, daß sämmtliche deutsche Blätter in dieser Hinsicht mit gleicher Vorsicht verfahren.
* Schleswig-Holstein, 1. Juni. — Während von beiden Seiten die KriegSrustungen aufS Eifrigste betrieben werden, gehen die Fricdenöunterhandlungen ihren ruhigen , sicheren Gang zur Vernichtung alles dessen, wofür sich die Herzogthümer erhoben hatten, vorwärts. Der wieder in Kopenhagen eingetroffene Syndikus Prehm übcrbiingt neue Friedensvorschläge, welche — wie die „ Deutsche Res." - zu der Hoffnung berechtigen, daß eine Ausgleichung der Differenzen zwischen Dänemark und den Herzogthümern baldigst Stall finden durfie. Diese Vorschläge wären übrigens nichts anderes, als eine Anerkennung der von Dänemark diklirten FriedenSartik.-l. „Alü Hauptpunkt dieser An- träge werden genannt, daß man mit der dänlscherseitâ geforderten Trennung der Herzogthümer in administrativer und legislativer Beziehung zufrieden sei." AlS besondere Gnade bittet sich die Statthalterschaft nur noch auS, daß Seine Majestät einen besondern Statthalter für beide Herzogthümer in der Person deS Erbprinzen Ferdinand ernennen möge. Die Menschheit kann am Ende daS Lied: „Schleöwig-Holstein stammverwandt" ebensowohl entbehren, wie daS Arndl'sche „Deutsche Vaterland". Nur ist eü immerhin kläglich, daß die Statthalterschaft selbst, welche jenes philiströse Lied alü hauptsächliches, ja einziges Agitationömittel zu benutzen pflegte, und daö stammverwandte Element in den Vordergrund der ganzen Frage zu drängen suchte, ihre eigene Phrase — um nicht zu sagen Idee — so unbekümmert aufzugeben vermag. In Kopenhagen wird man gewiß er- kenntlich dafür sein. Die „H. Nachr." bringen bereits die Nachricht, daß der König-Herzog im Begriff stehe, eine Proklamation an die „Insurgenten" zu erlassen, in welcher er eine allgemeine Amnestie verspricht, und nur wenige Häupter der Revolution davon auönimmt. Die Statthalterschaft wird jedoch nicht zu diesen „Häuptern" gerechnet. — Die Londoner Konferenzen haben ihre resultatlose Endschaft erreicht. Von Warschau erst wird die definitive und vollständige Beilegung der obschwcbenden Differenzen erwartet.
Oesterreich.
* * Wien, 30. Mai. — Während Se. Heiligkeit in Rom durch Katzenmusiken daran erinnert wird, daß die Zeit der Statthalterschaft Petri vorüber ist, und er nur durch franz. Bayonctte von einer neuen Flucht abgehalten werden kann, soll daS Papstthum im österr. Kaiser» ßaate seine Auferstehung feiern. Hier wird demnächst ein neueS poli- rifchcS Journal mit katholischen Tendenzen erscheinen und zwar mit
Unterstützung von Seiten der Regierung. In Venedig wurde der Orden der Gesellschaft Jesu durch den k. k. Vizedelegaten, Freiherrn von Feni, bereits feierlich installirt. — Der Pester Korresp. deS „Lloyd" sieht wieder einmal „mit Sehnsucht den möglichsten Maaß- nahmen der Regierung entgegen und hofft, daß jedenfalls die Rückkehr des Freiherrn v. Geringer gegen viele unserer Leiden Trost bringen werde." Noch immer! — Aus Krakau schreibt man vom 27. d. M.: „Hier ist die Judenverfolgung in Permanenz erklärt. Namentlich sind eö kath. Geistliche, welche das Feuer schüren." DaS ist die von den der kath. Kirche gemachten Konzessionen erwartete Freiheit der übrigen Rcligionögesellschaften. — Am 20. d. M. endete der letzte Verlängerungstermin für die Subskription zu dem freiwilligen Anlehen für die Lombardei. Der Erfolg — fügt der „Lloyd" hinzu — ist dem Vernehmen nach nicht günstiger, als früher. —
Aus Zürich, 29. Mai schreibt man der „ Köln. Ztg." folgende Nachricht, welche, wenn sie sich bestätigen sollte, den Beweis liefert, daß die Camarilla bereits die Chefs der Säbelherrschaft für zu demokratisch hält. Diese Nachricht lautet: „Radetzky hat seine Entlassung genommen! Zufolge einer am 25. d. M. hier ein* getroffenen Privat-Correspondenz auS Mailand hat sich daS seit Kurzem umlaufende Gerücht von einem gespannten Verhältniß, in welchem der Feldmarschall zu dem Wiener Cabinet stehe, bestätigt. Radetzky hat seine Demission verlangt und bereits erhalten, was jedoch, auS Besorgniß vor der Auftegung, welche dieses Ereigniß — und eS ist für Oesterreich ein Ereigniß von der größten Bedeutung — in Italien und besonders in der Armee Hervorrufen wird, von Seiten des CabinetS bis jetzt noch verheimlicht wird. Ein französischer Gutsbesitzer, Inhaber eines der schönsten Landhäuser am südlichen Ufer deS Züricher See'ö, steht mit Radetzky wegen deS Verkaufs seiner Besitzung in Unterhandlung. Der greife Feldherr gedenkt auf diesem wahrhaft paradiesischen Landsitze inmitten der Schweiz, deren Bewohnern sein Name die größte Hochachtung einflößt, seine Tage zu beschließen. — Ich beeile mich, Ihnen diese Nachricht, deren Bekannlwerden jedenfalls von der größten Wichtigkeit ist, so schnell alt möglich mitzutheilen."
Frankreich.
* Paris, 31. Mai. — Heute wurde daö Wahlgesetz definitiv angenommen und zwar mit 433 gegen 241 Stimme». — Hiermit ist also der Weg gebahnt, auf welchem die Reaktion unauf- haltsam ihrem Untergange entgegen eilen wird. Denn man wird sich sehr irren, wenn man glaubt, die von ihrem Siege erhitzte Burggrafenbande werde sich mit Vernichtung deS allgemeinen Wahlrechts einstweilen zufrieden geben. Die ultrakonservative „Jndependance", die beredte Vertheidigerin der Carlier'scheu Polizeischandthaten, gibt hierüber folgende Enthüllungen: „Für die hervorragendsten Mitglieder der Majorität ist das Wahlgesetz nur die erste Station auf dem Wege, den die Regierung unwiderruflich gehen muß; diesem einen müsse» andere, noch energischere Gesetze folgen. Wir wollen nicht alles daö wiederholen, waö von dem Charakter dieser neuen Gesetze verlautet, aber wie sie auch fein mögen, jene Fraction verlangt, daß sie eingebracht und im Sturme votirt werden." Dieses war vorauö» zusehen und die Taktik der Linken, eine abwartende Stellung einzu- nehmen, und die Reaktion durch sich selbst zu Grunde gehn zu lassen, erweist sich immer mehr als gerechtfertigt. Die heutige Sitzung der Nationalversammlung war im klebrigen ohne Interesse. Die demo- fratijtye Partei hatte den parlamentarischen Widerstand bereits aufgegeben. Von ihrer Stimmung gibt ein von CH. Lagrange eingcbrach- teS Amendement Kunde: $lHe Bürger, welche durch daS vorliegende Gesetz für unwürdig erkannt worden sind, an der Ausübung ihrer Souveränetät, am allgemeinen Wahlrechte, Theil zu nehmen, sind gleichfalls deö Rechtes und der Ehre, die Waffen im Land- und See- Heere der Republik zu tragen, für verlustig erklärt." Die Majorität begreift zwar sonst eigentlich nichts, aber in dieser einfachen Konsequenz erkannte sie doch einen Hohn, gegen den sie keine andere Waffen hatte, als ein wüstes Geschrei nebst obligaten Schimpfworten. — £üe in den letzten Tagen sehr zahlreich vorgenommenen Arrestationen in Paris und den Departements sollen mit einem geheimen Klub zusammenhängen, welcher den Betrieb mehrerer geheimen Pulverfabriken leitete. Man sieht, Hr. Carlier leistet etwaü in Enthüllungen. — Sie Gerüchte über eine bevorstehende Veränderung im Ministerium fiiib zu der äußerst gleichgültigen Angabe zusammengeschrumpft, daß Drouyn de Lhuyo wieder als Minister deö Auswärtigen eintreten werde. — Die französisch • englische Differenz soll auSgegleichen sein. Da eigentlich eine solche nie bestanden hat, so wird man nicht viel Muhe mit der AuSgleichung gehabt haben.