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Q Berlin, 30. Mai. Der Wolf läßt eher von seinen Haaren, als von seinen Mucken daS ist eine alte Geschichte; mit unserer Regierung ist eS ebenso. Sie läßt nicht von Ncufchatel und sollte sie sich zehnmal den Kopf zerstoßen. Die Neuenburger haben einige Domänen und einiges Kirchengut verkauft, gleich richtet man preußischer SeitS eine ernstliche Warnung an die Schweizer Bundes- Behörde, dergleichen unrechtmäßiges Treiben nicht zu gestatten, da künftig der Verkauf doch ungültig erklärt werden würde. Waâ sagen die Gothaer zu dieser Mittheilung deSStaat Sa »zeig erS ", sie, die früher gegen eine solcheinâ Lächerliche getriebene Aufrecht­erhaltung des AuloritätspriuzipeS" mit Hand und Fuß eiferten? O, man wird daö Autoritätsprinzip schon noch ganz anders wiedrrherzu- stellen wissen! Die Preßfrage befindet sich immer noch in der Schwebe. Es verlautet, daß namentlich der Minister Heydt, erbit­tert über die Angriffe der radikalen FreihandelSparlei gegen seine schutzzöllnerische Politik, sofortigen Maßregeln daS Wort geredet habe. Manteuffel'âliberale" Opposition scheint sich, den jüngsten Nachrich­ten zufolge, nicht zu bestätigen. Die Tante will freilich wissen, daß er auf Einberufung der Kammern dringe und von diesen daS neueGesetz" vktroyircn lassen wolle; doch zweifle ich, daß die Partei Gerlach wenn die Nachricht nicht überhaupt eine Ente der Tante sich bis dahin gedulden wird. DerTreubund mit Golt für König und Vaterland" hat einen Aufruf an daS preußische Volk erlassen, der wirklich an Klassizität seines Gleichen sucht. DaS preu- gische Volk soll in Folge des schauderhaften Attentats aus seinem Schlafe erwachen und seinen ganzen Grimm gegen die wühlerische Presse kehren. Jeder Leser eines demokratischen Blattes soll denucirt und wie ein Aussätziger behandelt werden!! Dabei dauern die bruta­len Angriffe deS Militärs auf daS Civil, von denen der Spankauer Berg gar wundersame Historien erzählen kann, noch immer fort. Von halbtvdtgeschlagenerDemvkratenbrut" hört man alle Tage. In Folge der fortdauernden Ausweisungen von Handwerkern sind die Arbeitskräfte hur so rar geworden, daß die Meister sich auswärtige Gesellen verschreiben müssen. Natürlich werden auch dreie auf der Stelle ausgewiesen werden. Handel und Gewerbe blühen!!

Berlin, 30. Mai. Alle preußischen Festungen werden ar- mirt und in Vertheidigungszustand gesetzt so Glatz und Neisse um Erfurt herum werben sogar die Gärten demolirt. Gotha! Gotha! Waâ hast Du angestiftet!

C »Hamburg, 30. Mai. Als in der jüngsten Bürgerscha t die Neuner - Verfassung angenommen wurde, da verlangten zwei der Anwesenden, daß die Bürgerschaft denMuth" haben solle, die Auflösung der konstituirenden Versammlung vom Rathe zu verlangen. Jetzt ist der Rath diesem Wunsche entgegengekommen; er hat nämlich an die SechSziger einen deSfallsigen Antrag gebracht, um ihn dann der Bürgerschaft zur Genehmigung vorzulegen. Na ürlich kann durch diese Rettung der Form in der Sache selbst Nichts gewonnen werden, so wenig, wie die Behörden ein Recht hatten, die Verfassung der konstituitenden Versammlung nicht anzunehmen, ebensowenig haben sie ein Recht, die Versammlung selbst aufzulösen. Allein dierettenden Thaten" regieren ja nun einmal die Welt. Ich meldete Ihnen be­reits vor längerer Zeit den Abgang eines Dampfschiffes ven hier nach New-Jork. Leider hat dasselbe Unglück jeglicher Art aus seiner Reise gehabt, und ist erst am 38. Tage nach seiner Abreise von hier an Ort und Stelle abgegangen. Bereits gestern ist jedoch ein neues pracht­volles, auf Kosten eines hiesigen RheberS erbautes, Schraubendampf» ichlff von hier nach demselben Bestimmungsort abgefahren.

Kiel , 29. Mai. Alles ist eitel, spricht der weise Salomo. Aber am eitelsten find Fürsten, Diplomaten und ihre Kongresse und und Verhandlungen. Noch eiteler aber die Hoffnungen der Irrsinnigen, die davon etwas für die Völker erwarten. Freilich! Freilich! Neue Zuchtruthen, neue Gefängnisse und neue Oualen sind etwas sehr Sub- fiantrellcS, neuer Volkoverrath etwas sehr Handgreifliches, dieâ *!t der nrugeackerte Boden für dieEitelkeit" unserer Tyrannen. In derEitelkeit" und in ihrem wirklichen Schutz sind sie stets einig. Alle Unterhandlungen, alle Ansprüche vom Jnselkönig einerseits und vomngeschossenen" andererseits sind, Eitelkeiten; aber Schleswig» Holstein ist zum Henker trotz seiner 30,000 Mann Soldaten, trotz Willlsen und trotz der Entlassung des Hrn. Diplomaten von Harbou. Daâ ist die Wirklichkeit. In Kopenhagen läßt man marschiren, selbst die Garde ist marschfertig. In Berlin wird gerüstet die Garde. Wie, wenn diese beiden Garden sich in Schleswig ein freundschaftliches Rendezvous geben, wir 1849, und die beiden Könige im Schalten ihrer Bajonette zum Frühstück Champagner trinken. Wird Willisen etwa nicht nuttrruken?

OVV Dresden, 30. Mai. Vom hiesigen Appellationâgericht sind wieder drei Maiverbrecher zum Tode verurtheilt worden: der Handarbeiter Biedermann (mc^t zu verwechseln mit dem Maul-

aiLeiter Abg. Biedermann'), Student Wolf und HandlungSdiener Lange. Gestern sind die letzten im Neustädter Rathhause verwahr­ten Maiangeklagten: B c n se l e r auS Freiberg, Gautsch auS Roß­wein und Dr. Mückewi tz von hier in die Gefängnisse des hiesigen JuftizamtS geschafft worden. Dort wurden sie wenigstens human be­handelt, hier werden, wie daâ Appellationsgericht auf eine Beschwerde Mehrerer derselben entschieden hat, dir politischen Verbrecher durchaus den gemeinen Verbrechern gleichgestellt, in enge Zellen eingepfercht, deren Fenster nicht nur mit Gittern verwahrt, sondern zum großen Theil mit Brctrrn vernagelt sind, Licht, Schreibmaterial und Zeitun­gen sind ihnen nicht gestattet und nur einen Tag um den andern bür« f n sie sich zeilenweise auf dem Hofe eine halbstündige Bewegung machen; dafür werden sie jede Nacht durch dreimalige Revision aus d.m Schlafe gestört. Die zweite Kammer hält wieder einmal ge­heime Sitzungen: Der Herr Finanzmimster will schon wieder eine kleine Anleihe bewilligt haben, wovon daS Land natürlich nichts erfahren darf. Aber waâ bleibt heutzutage geheim? Un|ue Finanzo» krallt soll im Augenblick Versuche mit Chloroform anstelle, um den Unterthanen heimlich die letzten Kreuzer auü der Tasche zu praktiziren.

W Leipzig, 31. Mai. An den letzten Exzessen sollen sich nicht weniger als 300 - 400 Schützen beteiligt haben. Der vou ihnen mißhandelte Turner ist gestorben. Sie hatten den Armen auâ der Hausthür gerissen auf die Straße und selbst seinen flehentlich für ihn bittenden alten Vater noch mißhandelt. Ebenso einen 75jâhri» gen Greiö und eine alte Frau. Sie drangen in die Häuser ein, wo Turner wohnten, und rissen sie auS ihren Wohnungen. Die sogenann­ten Straßenhäuser, wo großtentheils Arbeiter wohnen, Hallen die Herr» l.chen nicht übel Lust anzuzünden. Selbst kleine Knaben von G Jahren, die Tmnerklcidui'g nugcn, wurden nicht verschont. Und was thaten die Behörden? Erst spät, als alles vorüber war, erschienen ein Paar Patrouillen und verhafteten einige Nachzügler. Vvrüberfahrende Oft siziere, die von den geängstigten Bewohnern angegangen wurden, ihre Autorität geltend zu machen, zuckten die Achseln und fuhren ruhig weiter. Ja man erzählt sich, daß die Soldaten von mehreren Offi­zieren dazu aufgestachelt worden feien : Rache zu nehmen an den »et- fluchten Demokraten. Ausweisungen sind trotz der Jntcipellationcu in Den Kammern wieder an der Tagesordnung, und Inländer genie­ßen das Recht der Freizügigkeit ebenso wie Ausländer. Ein Post- schreibet Hörnig auS Dahlen, der an den Maiereignisscn bethciligt, aber begnadigt worden war, erhielt vor Kurzem die Weisung, Leipzig, obgleich er Erwerb hier nachweisen konnte, zu verlassen, und als er dagegen protestirte, warb er ohne Weiteres verhaftet und fo-tgebracht. Ein gleiches Schicksal hatte ein hier studirender Oesterreicher, A l o r S Oderrauch, welcher in Wien wegen der Oktoberereignisse in Unter­suchung gewesen, aber freigesprochen worden war. Alâ derselbe nach vergeblichen RemoustraUoneu sich dem Befehle der Polizei fügte und seinen Paß verlangte, ward ihm statt dessen aus Requisition Der öster­reichischen Behörden ein Haftbefehl präseutirt. Wir sind schon so gut wie b|ieim4)i|q>, und Jollen es in kürzester Zeit auch dem Namen nach werde». Man spricht wenigstens allgemein davon, daß in vier­zehn Tagen ein österreichisches Armeekorps in unser glückliches Länd» chen ktnruckeu werde, Die Gothaer meinen als feindliche Demonstra­tion gegen Preußen. Es ist zum Kranklachen! Pure Sympathie und nur Sympathie mit dem Titel: Militärkonvention zw ischen Oesterreich unD Sachsen. Oesterreich wird dem Jutenange- schossenen" König von Preußen nur zeigen, daß eS von ihm etwaâ gelernt habe. Wir haben nun die Hoffnung, daß sich unsere Herr- l.cheu vielleicht mit den Kroaten ein wenig prügeln, statt mit den Burgern. Freilich könnte es auch sein, daß beide Kroalentheile ein Kvmpagniegrjchäft in Prügeleien eröffneten. Nous vc rons.

O ^wtcfau, 29. Mai. Auch hier Kampf und Mord zwi­schen Zivil und Den Herrlichen". Hören Sie den Bericht über diesenherrlichen" Vorfall, den die Heulerbläiter natürlich vertu- scheu. Schon seit einer Woche hörte man daß Soldatenkravall im Eiasthof deâ ganz loyalen Christoph Falk zu Bokwa geben solle. Am 2t>. erschienen im Garlenkvnzert daselbst 30 Soldaten, die biâ gegen Abend nur wutheude Gebärden zeigten, dann aber Die Drohung auâ» stießen, den ic. Falk in Kvchstücke zerhauen zu wollen, welchem Auf» lo^ungsprozeß derselbe durch Verstecken zu entgehen suchte. Darauf ließen Die Herrlichen an Der Wohnung deü vergebens Gesuchten ihren Zorn auS, brachen Fenster unD Thüren aus rc., ohne daß mehrere parke Patrouillen und einige Offiziere in «Stand gewesen wären, der ZerstörunhSraserei Einhalt zu thun. Auf der Straße und im Dorfe wurden noch mehrere Baue»n auf das brutalste Mißhandelt, und ein Fabritarbeiter aus der Rachbarichaft der vorubergeht, wird von zwei «Soldaten augefallen und erhält einen lydllichen Stich in den Unterleib, er jchleptc sich noch einige Schritte weiter, bricht aber dann am Thore des Rcinhvld'scheu Guts zusammen, Die Soldaten eilten ihm nach,