Trick eint täglich, Montags aurgenow- mtn Biertcljäbrlicher Mbonnementiprets 94 Sgr. Einzelne Nummern in der Lr-
Dritter Jahrgang.
Petition (obere Entengaffe Rr. 139) zu 6 Hir Durch alle Postämter zu beziehe». Inserate die dreispaltige Petitzeile 8 Hlr.
1850.
Kassel, Sonntag den 2. Ium
Die Demokratie als Volksvertretung
6.
Die dermalige Volksvertretung ist ein kolossaler Betrug; in einer Monarchie, bei b, schränkten: Wahlrecht ist ste das nichtsnutzigste Institut, was der Absolutismus erfinden konnte. Wie kommst du in die Kamnicr, Demokrat? Warum organisirst du nicht lieber die Klubs, die Assobiationen, warum unterstützest dü nicht lieber die Presse? Warum schlägst du der Demokratie nicht vor, statt den ausgefahrenen Weg deS vergangenen StaateS den Weg der zukünftigen Gesellschaft zu betreten?
Dem alten Staate mit seinem standrechtlichen Räderwerke gegenüber, mit seiner unabhängigen Justiz und geregelten Polizei, seiner Volksvertretung und seinen verantwortlichen Ministern, mit all' der Schminke, die sich daS häßliche Weib auf die runzligen Wangen ge- legt hat, diesem Staate gegenüber hat die Demokratie nur die Revolution und--— bis zur Revolution den Protest. Warum erklärst du deinen Wählern nicht, daß die Wahl eines Demokraten keine andere Bedeutung haben könne, als eine handgreifliche Sottise für die Regierung zu sein? Warum verdeckst du diese Sottise, Demokrat? Warum verweigerst du in der Kammer nicht jenen absolutisti- schen Eid, mit dem man die Volksvertreter dem Volke zu stehlen weiß? Bist dü deiner Wähler nicht gewiß? Bessere sie, belehre sie!
Die Demokratie muß sich nothwendig in der Volksvertretung fom* promittircn. Die konstitutntionclle Partei hat immer nur gelogen, daß sie etwas für das Volk thun wolle, sie hat sich also auch kein Gewissen daraus gemacht, dem Volke wirklich nur Steine anstatt Brodes zu bieten, die konstitutionelle Partei war stets zufrieden, wenn sie dem Arbeiter die Steuern aufgewälzt, sich selbst gegen finanzielle Regierungskünste gesichert hatte, — — kann die demokratische Partei ebenfalls lüge», heucheln, daâ Volk mit hohlen Russen abspeisen? Was willst tu also in der Kammer, Demokrat? Eine Ständekammer kann nichts und will nichts zum Wohle des Volkes thun, sie ist ja eben die Verherrlichung der Klassenunterschiede, eine feierliche Besiegelung der gesellschaftlichen Räuberei.
Der Demokrat der Kammer wird Monate lang tagen müssen, um sich am Ende zu gestehen, daß Alles gegangen ist, wie'S Gott und die Spießbürger oder der Absolutismus für gut gefunden haben. Nachdem ihn der Ekel der Debatten, der Wider gegen die jesuitischen Gesetze ubergekommen ist, wird er schließlich „ja" und abermals „ja" ^gbu, um nur--„ dein Volke etwas zu geben".- „Man niuy och zeigen, daß man seine Diäten nicht ganz umsonst gezogen hat.' Sonderbare Verirrung! Jedes eurer Gesetze ist ja ein testi- »«««m pwpert^ ein neuer Lappen auf das alte Kleid, ein neues Aufputzen der Volksschmderer und Heuchelei. ArmeS Volk!
~bc* denkt ihr wirklich durch die Kammer hindurch ins Ministerium zu kommen? Wollt ihr einen Konvent bilden, eine Revolution von eben« machen? Hört ! Ich will gar nicht davon reden
Vo.k Konvente und Revolutionen von „oben" haben will ob tiefe antiken Mittel der „Bewegung" auch demokratisch sind, — ich warne euch nur einfach davor, euch nicht lächerlich zu machen
Alle Regierungen sind unmöglich, alle Ministerien sind bur- lesk, alle Fürsten sind komisch. DaS Volk erwartet nichts mehr von oben, cö will von feinen Regierungen nichts mehr. Hassenpflug vdcr Eberhard,---das Land wird absolut keinen Unterschied finden, eS sei denn, daß eS von der konstitutionellen Einbildung ae- Plagt ist. Hr. Eberhard hat dieselbe kosackische Methode wie J^r. Hassenpflug, Hr. Hassenpflug ist nur gerechter. Hr. Eberhard hat blos die Proletarier geplündert, verstoßen, verrathen, Hr. Hassenpflug wird seine Künste auf breiterer Grundlage treiben, er wird auch die
Spießbürger heranziehen. ES gibt kein größerer Unverstand, alö eine demokratische Agitation gegen Hassenpflug. Hr. Eberhard hat die Regierung durch Unfähigkeit blamirt. Hr. Hassenpflug blamirt sie durch den Beweis, daß selbst ein Hassenpflug nicht mehr regieren kann. Und du wolltest Minister werden, Demokrat? Unter schallendem Hohngelächter würdest du übermorgen dein Portefeuille wieder niederlegen, dasVolk würde dich zu den HassenpflugS und Eberhards werfen.
Staat, Regierung, Volksvertretung, —--alles daS ist nur noch eine Posse. Das Höchste, wozu eS eine Regierung noch bringen kann, ist das Standrecht und die Begnadigung zu Pulver und Blei. Auch die standrechtliche Regierungsweise wird in der Kürze komisch werden. Und dann?
Wehe der Demokratie, wenn sie keine andere VolkSbeglückungS Methode gefunden hat, als die alte, mit der wir feit 6000 Jahren unter die Thiere erniedrigt worden find.
Deutschland.
* Kassel, 1. Juni. — Hier ist ein Wunder, glaubet nur. — £)ie Redaktion der „ Reuh. Ztg." ist in Anklagestand versetzt wegen deS in der Montagönummer enthaltenen Artikels unserer Lage, und speziell wegen der Worte: „Ihr (der Regierung) Charakter ist also mit einem Worte ausgesprochen: eS ist daS Defizit, Defizit wie an Geld, so an Zuverlässigkeit, Redlichkeit und Ehrgefühl Also end- ^4; — Ee wird He. Piuhaâ von dem Kompagnongeschäft mit einer Delinquenten zurückschrecken, — und die StaatSbediensteten Abonnenten, wie werden sie in Entsetzen verfallen — Arme Kollegin! — Dein Ruhm kaun Dein schneller Tod werden! Oder suchst Du ihn, um dem langsamen Sterben durch Auszehrung zu entrinnen?
>" Herssetd, 26. Mai. — So eben, in der Stille des Sonntagmorgens, während eâ regnet und kein Mensch sich auf den Straßen sehen läßt, trägt man einen Todten nach dem Friedhof. Der Leiche folgten blos zwei Wagen. Ein Gedränge, ein Auflauf ist also nicht zu besorgen; und dennoch — was soll das bedeuten? — Ein Polizei-Ober-Sergeant schreitet der Leiche bedächtigen Schrittes voran indem er sich zuweilen nach ihr umsieht, zwei Polizeisergeanten mar- schiren ihr dicht zur Seite, alledrei bewaffnet mit Pickelhaube, Säbel und spanischem Rohr? (Trägt denn die städtische Polizei in HerSfeld noch absolutistische Pickelhauben — die alte Uniform der Staatspolizei? Was soll das heißen? Die Red.) War der Verstorbene vielleicht im Leben ein so gefährlicher Mensch, daß man ihm selbst im Tode noch strafbare Absichten zutraut'? War es vieleicht ein Demokrat, dessen destruktive Tendenzen man so lange fürchtet, als man seinen Körper noch über der Erde weiß? Ober war eS ein Verbrecher, über den das Gericht die polizeiliche Aufsicht selbst noch bis zum Grabe verfügt hatte? O nein, von alle dem nichts! Nur die alte, liebe, süßen Gewohnheit an den alten Polizcistaat. Diese Menschen können weder ohne Polizei auf die Welt kommen, noch unter die Erde. Ja sie glauben sich um so mehr geehrt, je mehr Polizcibüttel ihnen bad Geleit geben. Der Polizeiskandal soll bis ins Grab dauern! — Sklaven, selbst noch im Tode, ihr verdient keine Freiheit! Hr. Bürgermeister Bätza, Sie haben sicher nichts davon gewußt; aber nehmen Sie doch von diesem Falle Akt uuv weisen Sie die Polizeidiener an, wenigstens die Todten in Ruhe zu lassen! (Und ihre angehörige alte StaatS- zwangs - fürst - polizeiliche Uniform entfernt vom Leibe zu halten. In Kassel soll der Pobzeidireklor einem gewissen Polizeikomm. G.. der in dieser alten Uniform Hrn. Hassenpflug seine Aufwartung machen wollte, auf offener Straße gedroht haben, sie ihm vom Leibe zu reißen, wenn er stentest sofort auöziche. Bätza geb' hin und thue Desgleichen! Die Red.)