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schreibt: „Die Presse entflammt die Gemüther; die Freiheit geht in Preußen bis zur Zügellosigkeit, und vergebens macht Europa dem Berliner Cabivete Vorstellungen. Man muß hoffen, daß das gräßliche Attentat, dessen Opfer er beinahe geworden wäre, dem Könige Friedrich Wilhelm, der zu großmüthig, zu liberal für fein Zeitalter ist, zur Lehre dienen wird. Preußen muß zum Regressiv - System unbedingt zurückkehren, indem eS alle die Repräsentativ - Utopien, alle die PhantaSmagorieen der Tribüne und der Presse, welche die historische Größe eines Volkes tödten, bei Seite wirft. Die Frage ist in Deutschland jetzt einfach zwischen der monarchischen Macht und dem republi- kanischen Systeme gestellt: der KonstitutionaliSmuS hat seine Zeit ge- habt." — Viele Militärs deS aufgelösten und einer Reorganisation unterworfenen Pariser Pompierö - Bataillons sollen auf Befehl deö Kriegsministers nach Algierien geschickt werden. Dieser Truppenkör- per, größtentheilS auS Parisern bestehend, war seiner demokratischen Gesinnung wegen bekannt. Dem „National" zufolge werden auS mehreren Truppenkörpern, die auS Afrika nach Frankreich zurückkehren, die demokratisch gesinnten Militärs dort zurückbehalten. — Der Maire von SeuS ist nebst den beiden Beigeordneten abgesetzt worden; sie batten, auf den Sieg der Sozialisten hoffend', die Kanonen der dortigen Nationalgarde für die rothe Partei in Beschlag gelegt.
Türkei.
Die vttomavische Regierung ist noch nicht so weit in der Kultur fortgeschritten, wie ihre Kolleginnen in Europa, die sich auS einigen Millionen Anleihe, Kassenscheinen und dergl. ein wahres Vergnügen machen. Die barbarische Pforte sucht ihre trostlose Lage durch neue Steuern und zwar durch eine Luruöstcuer zu decken. Sozialismus in Konstantinopel! Aber sie wird eine eben so starke Opposition finden, wie derartige gutmüthige Projekte überhaupt bei der Familie Geldsack in allen Wcltgegenden. — Die Flüchtlinge vermehren sich täglich in Konstantinopel; man findet hier eine Menge Deutsche, Ungarn, Polen und Italiener, die größtentheilS ein gutes Unterkommen finden. Uebergetretene ungarische und polnische Offiziere werden bereits in
der Armee angestellt, trotz aller Warnungen Rußlands. — Der Aufstand in Bosnien scheint sich zu Ende zu neigen. Die Pascha'S von Zworvik und Touzla haben von der serbischen Regierung die Erlaubniß verlangt, sich nach Serbien zu flüchten, um sich von da nach Konstantinopel zu begeben, und der Regierung die Motive darzulegen, welche sie veranlaßt, den Befehlen Tahir Pascha'S den Gehorsam zu verweigern. Die von der Kraina werden sich etwaS länger halten; allein Omer Pascha hat eine mehr alö hinreichende Armee, um die Ordnung wieder herzustellen und durch die Besetzung deS Landes die bereits begonnene Einführung deü TanzimatS zu sichern. (Wanderer.)
it Kassel, 28. Mai. — Gestern waren wir Zeuge davon, wie unsere Söhne, unsere Brüder zuweilen zu freien Vertheidigern deS Vaterlandes ausgebildet werden. Ein Soldat der 8. Komp, deü Re- gimeutS Leibgarde wurde von einem Unteroffizier beim Ererziren auf allerlei Weise gedrangsalt, indem ihm derselbe daS Exerzitium durch Püffe an daS Knie, durch Tritte an daS Schienbein mit den Fußspitzen und durch Maulschellen begreiflich zu machen suchte. — Wir hätten mit dem Kolben dreinschlagen mögen, so sehr empörte unS diese rohe Behandlung. Einige Soldaten, die als Zuschauer dastanden, meinten, dieser Unfug reiße jetzt wieder mehr und mehr ein und man müsse oft daö Gesicht wegwenden, um nicht durch den Anblick solcher Brutalitäten sich zu Exzessen Hinreißen zu lassen. Den Namen den Unteroffiziers konnten wir leider nicht erfahren; aber eS wird den Vorgesetzten ein Leichtes sein, ihn ausfindig zu machen, wenn eS ihnen ernstlich darum zu thun ist, und wenn sie die öffentliche Meinung nicht mit Geringschätzung betrachten. — Einen wohlthuenden Kontrast bildete dagegen daS Benehmen eines anderen Unteroffiziers, dessen Namen wir leider ebenfalls nicht angeben können. Dieser behandelte einen ohnmächtig werdenden Soldaten mit einer wahrhaft brüderlichen Theilnahme und Sorgfalt. Ehre diesem Manne, Verachtung jenem rohen Burschen, den ohne Zweifel der Hochmuthsteufel hat ganz vergessen lassen, daß auch er einmal der Nachsicht bedurfte, und daß er mit dem Mißhandelten aus einerlei Teig geknetet ist. Wenn eS verlangt wird, so sind wir bereit, Zeugen für unsere Angaben zu stellen.
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Sonntag, 2. Juni: Liebe kann Alles. Lustspiel in k Akten. Hierauf, auf Verlangen: Köck und Guße. Vaudeville in 1 Akt.
Montag, «j.Juni: DoKtorWespe. Lustsp in5Akten. Dienstag,. 4. Juni: Die Frau aus dem Volke. Drama in 5 Akten
Mittwoch, 5. Juni: Der Pfarrherr. Schauspiel in 5 Akten.
Donnerstag, 6. Juni: Auf Verlangen: Stadt und Land. Lustspiel mit Gesang in 4 Akten.
Freitag, 7. Juni: Die Karlsschüler. Schauspiel in 5 Akten.
Sonnabend, 8. Juni: Dcr Pariser Taugenichts. Lustspiel in 4 Akten.
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Kassel. — Verantwortliche Herausgeber: H. Heise u. Dr. Kellner. - Druck der Esti en ne' schen Bnchdriickerei.