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dem jetzigen Könige gefolgt wäre, von dem man kräftigere Maßregeln zu erwarten hat, 2) daß die Schmach, die seit dem Waldeck'schen Prozesse auf den Rittern der „Neuen Preußischen" lastet, durchaus abgewaschen werden mußte, 3) daß man durch das Gelingen deö Attentats einen dreifachen Zweck, die Beseitigung eines schwachen Königs, den Abtall Vieler von der demokratischen Partei, und vor Allem die Belastung dieser Partei mit dem KönigSmorde erreicht hätte; 4) daß zu einem außerordentlichen Mittel gegriffen werde» müßte, Angesichts der französischen Revolution und der steigenden Aufregung im eigenen Vanbe, Angesichts ferner der Zaghaftigkeit Manteuffels und der temporären Zaghaftigkeit des KönigS; 5) daß selbst die reaktionären Blätter zugeben, keine Gelegenheit hätte ihnen günstiger kommen können, als diese, ein Fingerzeig, daß man vielleicht dem nicht böse sein wurde, der diese Gelegenheit verschafft hat, und 6) nämlich, daß ein gutes halbes Jahr seit dem Waldeck'schen Prozeß verflossen, daß man sich während der Zeit im Falschen geübt, daß die Geschworenen, die Richter und die Staatsanwälte, vor Allem aber die Zeiten anders geworden, und daß, selbst im Falle des Mißlingens, Sefeloge ein halbwahnsinniger Mensch ist, dessen Aussagen man immer noch von sich abwälzen kann. — Soviel für heute. Uebrigenö hat sich hcrauögestellt, daß Sefeloge nicht irrsinnig (??), und daß die Wunde des Königs gefährlicher ist, als man glaubte. — Die heutige Abendnummer 1120) der „Abendpost" ist schon wieder konsiözirt worden. Sie enthält einen sehr gut geschriebenen Leitartikel und einen neuen Angriff auf die reaktionären Blätter wegen deâ Sefcloge'schen Attentates , namentlich gegen den „Zuschauer" und dessen Enthüllungen, bei dessen Schluffe sie auöruft: „Der alte Gödsche lebt noch!" — Ja wohl!
* Berlin, 28. Mai. — Die Reaktion wirft sich mit ihrer ganzen Schwere auf die Arbeitervereine, die Hochschulen der rothen Republik für die Arbeiter, wie sie sagt. Die „Konst. Korrespondenz" hat daS Amt übernommen, die Sittlichkeit der Heuler über diesen Abgrund der Unsittlichkeit rc. aufzuklären. Sie schreibt, daß sie hinter die Organisation der Schwcizcrarbeitervereine gekommen, die sämmtlich nach der rothen Republik gestrebt, und mit dem Centralausschuß der Demokraten und mit den deutschen Arbeitervereinen in Verbindung gestanden hätten. Sie sagt: „Gerade die Handarbeiter sind eö, welche von den Führern und Verführern mit chimärischen Hoffnungen fanali- fut, jeglichen sittlichen inneren Haltes systematisch beraubt, dem Staate entfremdet , der Gesellschaft feindselig gegenüber gestellt werden. Und die Hochschulen dieser Emsittlichung , in welchen geschickt alles geistige Leben unterdrückt und den Arbeitern neben der Einimpfung jenes fratzcn- hasten, über alle Gesetze erhabenen SouveränetätsbünkclS die wilde Befriedigung rein materieller Lüste als höchstes und letztes Ziel, der Umsturz der gesellschaftlichen Verhältnisse als einzig S Mittel zu diesem Ziel bärgest röt wird, diese Hochschulen sind die Arbitervereine." Sie verlangt geradezu: „es durfte an der Zeit sein, endlich gegen die Organisationen der im permanenten, offenen und heimlichen Kriege wider Staat und Gesellschaft befindlichen demokratischen Partei vernichtend einzu chrcicen." — Sie schreibt alsdann bei Anlaß der Gewerberalhöwahlen Folgendes: „Die einmal durch und durch cnisitllichten, fanatisirten Massen, welche jetzt daS Heer der rothen Demokratie bilden, zu heilen, ist unmöglich. Selbst die redlichsten Anstrengungen, durch eine organisirende Thätigkeit für die Ge- werksvcrhältniffe eine allmälige Verbesserung der unleugbar vorhandenen sozialen Mißstände herbeizufuhren, haben keine Wirkung gehabt. Die Wahlen zu den Gcwerberäihcu geben den Beweis, daß die unglücklichen Massen die ihnen vom Staat gebotene rettende Hand nicht ergreifen dürfen, nicht wollen, so lange sie von ihren Führern und von den einmal in ihnen erregten Hoffnungen sozialistisch-kommunistischer Glückseligkeit beherrscht werden. Wenn dennoch der Staat in treuer Pflichterfüllung sich nicht abschrecken lassen bars , an dem einzig möglichen We^e zu einer sozialen Verbesserung, au der ordnenden Organisation der Gewcrbcverhältnissc festzuhallen, so hat er aber auf der andern Seite auch daS Recht und die Pflicht, Staat und Gesellschaft gegen jene finsteren, blut- und beutegierigen Umtriebe der Demoklatie zu schützen, rhr die vergiftete Waffe zu entreißen, mit welcher sie in jeder neu in die Werkstätten tretenden Generation alle sittlichen Giunbsätze uuo Gefühle zerstört. Diese Waffe aber besteht in den unter verschiedenen Vorwänden verborgenen demokratischen Arbeitervereinen. In diesen wird unleugbar und direkt der offene Aufstand berathen, wird wenigstens indirekt der Meuchelmord gebrütet. Und deshalb muffen diese »l flanzschulen des Wahnsinns und Verbrechens ohne Schonung zerstört werden, um wenigstens die künftigen Generationen zu retten."
Mit diesen Denunziationen auf Befehl gehen die zahlreichen Haussuchungen hauch bei des erschossenen Tortu Vater in Potsdam und der dem Äomnc des Gutenbergvereinö in Berlin), Arrestativnen (s' die des Redakteurs des Gutenberg, der übrigens nach 24 Stun
den wieder entlassen wurde), und Ausweisungen Hand in Hand. Denn obgleich in einem Ministerrathe, dem der König selbst präsidirte, keine Stimme dafür sich erhob, daß dem Attentat politische Motive unterlägen, hat man es doch der ganzen Zeitrichtung untergeschoben und namentlich auf Arbeitervereine und Presse seinen „allerhöchsten" Zorn gerichtet. Man spricht bereits von Snöpendirung der „Abendpost" und „Urwählerzcitung". Die Monarchie wackelt mit ihrem alten irrsinnigen Haupte immer heftiger. Sie kann die Zeit nicht erwarten, wo es ihn ganz verliert.
Am 27. sind Eugen Sue 's Romane, namentlich „die Gehei innisse deS Volks" in allen Buchhandlungen mit Beschlag belegt. Die Monarchie wackelt!
— 28. Mai. — Die Haussuchungen dauern fort, ihre Zahl beträgt bereits über 50. Bei Levi, dem Geschäftsführer der Arbeiterver- brüverung dauerte die Spürhunderci 6 gute Stunden. Resultat: Null.
ZÄcsel, 26. Mai. — Unsern Maiangeklagten geht eö sonderbar. Die Landwehrbehörde hat einen ihrer gewandtesten Vertheidiger, Assessor Heinzmann, der Abwechselung halber einmal zur Uebung ein« berufen, und trotzdem, daß er hier unentbehrlich ist, ihm den Urlaub verweigert. Gestern Abend ist plötzlich ein anderer Vertheidiger, Herr Justizrath Dortu aus Potsdam, nach Hause abgereist. Man sagt, die Polizei habe sich in Folge deö Attentats gegen den König maßlose Brutalitäten gegen seine Gattin erlaubt und ihn als Urheber deS Mordversuchs verdächtigt. (Siehe Berlin.) Die Demokratenverfolgun- gen gleichen den Judenverfolgungen auf ein Haar. Alles im Namen Gottcö. ' (West. Ztg.)
D e st e r r e i ch.
* 28 r' - n , 25. Mai. — Die Standrechtspreffe beschwert sich bitter über die Fluth magyarischer Parteischriften, welche den ungarischen Krieg behandelt, weil dadurch ein jedes objektive Urtheil vernichtet werde. Als ob eö den Herren von der kaiserlichen Armee nicht ebenfalls frei« stände, durch eine cUro Fluch ihrerseits Alles zu verdrehen. Aber nein, dazu sind sie zu ehrlich, zu rechtschaffen, zu wahrheilliebend. Nur die Rebellen lügen! Sie haben auf Kommando als folgsame Soldaten gekämpft sine ira et Studio, so daß sie ohne die Russen mehr fertig wurden. Nur Rebellen, die für Heerd und Familie kämpfen, können solch' einen einseitigen Parteihaß entwickeln. Wer übrigens Welden'iche und derartige Stylübungen kennt, der weiß ohne langes Nachdenken, warum kaiserliche Offiziere nicht gern zur Feder greifen „Es geht ihnen hoalterü sehr schwer ab!" — Die lebendige weiße Frau der Habsburger, die Erzherzogin Sophie, interessirt sich im Augenblick lebhaft für die Magyaren, nachdem sie an den Kroaten sich überdrüssig intcr- ejftrt hat. Diese weiblich - bedeutungsvolle Theilnahme hat. aber die Minister nicht abhalten können, im schauerlichen Angedenken an die leeren Kassen, unter dem 19. Mai das Gesetz über Einführung der Einkommensteuer in Ungarn, Serbien und dem lemeschen Banat zu erlassen. Alle Bewohner bte|er Länder Haven ihr Einkommen an Zinsen von Darlehen, Schuldforderungen, Leibrenter, woher sie'S immer beziehen, „ e in zu b e ke n n en ". — In Pesth hat die edle Bastarbhyäne am 21. Mai einen feierlichen Gottesdienst zum Gedächtniß der Vertheidigung von Ofen und HentziS auf dem Friedhof gehalten. — In Gallizien wartet man vergebens auf Verkündigung der Verfassung, weiche an die Stelle des Belagerungszustands treten soll, wodurch in Krakau die sozialen Zustände selbst nach dem „Lloyd" unerträglich sind. Ohne Paß kann Niemand aus dem Thor, jeder Paß gilt nur für 8 Tage, wo er abermals für 30 Xr. gestempelt werden muß. Gute Steuer- methode. Aller Verkehr stockt. Nach Polen ist kaum ein Paß zu bekommen ; die Krakauer Handwerker, die in der Sommerzeit nach Polen zur Arbeit zu wandern pflegten, verhungern ohne weitere Bemühung zu Hause. So weit kann man's vi-lbus unitis bringen. Man wirb eS noch weiter bringen. Hören wir ein Sluckyen Geheul des spießbürgerlichen „Lloyd" über die Finanzlage des Kaiserstaatkouglomeratü: „Es wäre eben je leicht, einen Frachlwagen, der einen Berg hinab- rollt, durch ein Spatzierstöckchen aufzuhallen, daS man vor feine Räder iviift, als den fallenden Kours unseres Papiergeldes mit den quackjalberischen Mitteln zu hemmen, welche längst an unserer Börie zum Gespötte geworden, und deren Nutzlosigkeit mir nichlS als mit ihrer Kostspieligkeit einen Vergleich zulassen. So viel steht fest, daß unsere Kourse nicht fest stehen werden, wenn man nicht große und ausreichende Mittel anwendel, um der weiteren Entwerthung unserer Valuta vorzubeugen. Der Schrill von 20 zu 30 ist schneller gemacht, als jener von 10 zu 20. Es ist unangenehm, solche Wahrheiten zu sagen, aber eS ist nothwendig, sie auszutprechen. Wenn wir es rechl verstehen, was einige infpirirre Organe uns zurufen, so ist es Zen, welche die Finanz - Verwaltung verlangt, um große Maßregeln zur AuSsuhiung zu bringen. IbiD gerade diese ist es, welche iyr am wenigsten bewilligt werden darf. Sie hat so lang, so über«