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Berlin, 22. Mai. — Ueber daS gegen den König gerich­tete Attentat berichtet die „Neue Preußische Zeitung" Fol­gendes: Als heute Mittags 12 Uhr Se. Majestät der König von Berlin nach Potsdam abfahren wollten, um sich nach Sanssouci zu begeben, und eben aus ihrem Zimmer auf dem Berlin - Potsdamer Eiseubahnhofe herauStraten, um in den Waggon einzusteigen, trat auf dem Perron ein Mensch in Uniform auf Se. Majestät zu und schoß eine Pistole auf Allerhöchstdieselben ab. Die Hand des allmächtigen Gottes bewahrte unS daS theuere Leben. Der Schuß streifte nur oben den rechten Arm Sr. Majestät unterhalb des Ellenbogens, so daß nach Aussage deö herbeigerufenen Arztes weder eine Muskel noch ein Nerv verletzt ist. — Se. Majestät fielen in die Arme eines der nachfolgenden Adjutanten und wurden in das Zimmer zurückgebracht, dort wurden nachher Se. Majestät verbunden. Der General-Stabs- Arzt Dr. Grimm hat die Wunde gleichfalls für durchaus ungefähr­lich erklärt. Der verhaftete Meuchelmörder heißt, wie wir hören, Maximilian Joseph Cefeloge und ist seit dem Oktober v. I. auS dem Militärdienst entlassen. Nur mit Mühe konnte das Militär rhn der Wuth dec Umstehenden entreißen.

— Kiel , 22. Mai. — Briefe aus Kopenhagen bestätigen die von preußischen Blättern gebrachte Nachricht, daß der Friede so gut wie abgeschlossen sei. Die Basis ist daS bekannte preu­ßische Ultimatum mit mehreren zuGunstenDänemarkS gemachten Modifikationen. Die einzige noch zu beseitigende Schwierigkeit wäre demnach die durch einen solchen Frieden aufs Aeußerste gesteigerte re­volutionäre Erbitterung in den Herzogthümern selbst. Jedoch auch auf diesen Fall scheint die Diplomatie bereits ihr vorzügliches Auge gerichtet zu haben. In einer Korrespondenz der wohlunterrichteten »Jndep. Belge" aus London heißt eS, daß England auf eine Kon­ferenz der 5 Großmächte angetragen habe, um die Verhältnisse Schles­wig-Holsteins definitiv zu regeln. — Um aber bis zu dieser defini- tivcu Regelung im Stande zu sein, den Status quo aufrecht zu er­halten, vielleicht auch noch etwas zu verbessern, rüstet Dänemark jetzt ernstlich und sucht durch Einberufung feiner Permittirten und neue Rekrutirungen sein „Tappercs" schlagfertig zu machen. Daher ist auch von der Statthalterschaft den Beurlaubten und der Reservemannschaft die Weisung ertheilt, „sich zum unaushältlichen Einkommen zum Dienst im Falle einer Einberufung bereit zu halten." — In Schleswig nimmt während dem der kleine Krieg zwischen der Landeöverwaltung und Bevölkerung seinen ungestörten Fortgang und legt den Grund zu den untertänigen Sympathien, welche wir auf allerhöchsten preu- sisch - russischen Befehl unserem legitimen Landesvater in der Kürze entgegenbringen müssen. Vor einiger Zeit meldete ich Ihnen die eil irloc-Absetzung der H ad er s leben er Lehrer. Die oktroyrrren neuen Lehrer haben nun ihren Unterricht begonnen, aber biö jetzt noch vor leeren Bänken gepredigt, denn die wenigen Kinder, welche von den für die Jugendbildung sehr interessirten Polizeibutteln auf der Straße gepreßt und in die Schulen geschleppt worden, machten einen so böâ- willigen Skandal, daß die resp. Lehrer nicht zum Worte kommen, und fanden immer bald wieder Gelegenheit auszureißen.

* Vom Rhein — Die Frankfurter „Konferenz" scheint im Kreise ihrer Lieben, d. h. hinter einem anständigen Wall von Ba- jonetten vor sich gehen zu sollen. Wenigstens hört man hier, daß nächstens au den Ufern deö Rheins etliche Heerlager gebildet werden sollen. In der Pfalz sind bereits die Quartiere bestellt. Die Her- reu scheinen wirklich mit dem Jnlande wie mit dem AuSlande Ernst machen zu wollen. Die Standrechtsblätter unterstützen die menschen­freundlichen Absichten unserer gottbegnadeten Landeöväter durch fort­währende Anspielungen auf — — demokratische Bewegungen, die sich aller Orten kund gäben. Allons, Messieurs!

* %ranf flirt, 2t. Mai. — Der Vertreter Preußens bei der hiesigen Konferenz, i. e. beim Bundestag, Herr Gchemicrath Mathis, ist niemand anders, alö derselbe MathrS, der einst in der Central- uutersuchungSkommission zu Mainz saß und sich hier wahrhaft ausge­zeichnet hat in dieser Richtung der Contrcrevolution. Zum Lohn wurde er von Oesterreich beortet. Es ist item derselbe Malhiö, der später Chef der geheimen Polizei in Preußen war. Ein solcher Ver­treter charakterisier den prcußo.chen guten UnionswiUcn vollkommen. Die „Ergenllichen" schlagen sich natürlich diese neue Sottise mit der Annahme aus dem Sinn, der Mitarbeiter an der „Neuen Preußischen Zeitung" — auch dieser Arbeit hat sich Hr. Mathis unterzogen — werde sich vermuthlich bekehrt haben. Ja wohl, zur „N. Preußischen" I

Stuttgart, 18. Mai. — In der heutigen Sitzung der Lan­desversammlung fragte der Abgeordnete Schott : Ob die Staatsregie­rung den deutschen Mächten auch nach Erlöschen des alten Bundes noch eine Einwirkung aus unsere Vrrfassungöangelegknhcit einräumen wolle, zumal solchen, die nur zum Schein konstitutionell, dem Wesen yach aber absolutistisch seien. Staatsrath v. Wächter: Der deutsche

Bund, ein unauflösbarer Verein, bestehe fort und alle Verpflichtungen Würtembergâ gegen diesen Bund! Im Uebrigen müsse er sich auf den bekannten Diplomatenbrauch beziehen, daß über noch schwebende Un­terhandlungen nichts veröffentlicht werden könne. S. Schott: Dieser Diplomatenbrauch könne nicht gelten bei Unterhandlungen, welche die ganze Existenz deö Staates aufS Spiel setzen. Eö handle sich hier um die Möglichkeit, daß bad Staatsoberhaupt sich eines Theils der SouveränetätSrechte entkleide, welche ihm durch den Verfassungsvertrag von 1819 zugeschieden seien; daß es sich ihrer entkleide ohne Zustim­mung deö mitkontrahirenden Faktorâ und zu Gunsten zweier Groß­mächte, in welchen unter dem wohlklingenderen Namen Oktroyirungâ- system noch immer der nackte Absolutismus herrsche. Wenn die würlem- bergische Regierung daS Beispiel Preußens, welches laut seiner De- pesche nach Wien vom 3. d. M. die Zustimmung sämmtlicher Staaten zu dem etwaigen Wiederaufbau deS deutschen Bundes für nöthig er- kläre, nicht nachahme, sich von diesem Eiöklumpen bei der jetzigen guten Gelegenheit nicht loöreiße, so werde demnächst bei der Post- frage die Landesversammlung sich darnach zu benehmen wissen. Die Landesvertretung sei verpflichtet und berechtigt, Aufklärung über die Grundlagen solcher Verhandlungen zu verlangen. Was den Bund betreffe, so erkenne ihn die preußische Regierung in der Erklärung vom 3. Mai selbst nicht mehr an. Wenn eine Großmacht mit diesem Beispiel vorangeht, warum kann Würtemberg nicht demselben folgen und von diesem Eiöklumpen sich frei machen? v. Wächter: Die preu­ßische Regierung habe nur erklärt, daß die Organe des Bundes, nicht aber, daß der Bund selbst aufgelöst sei. Im Uebrigen bleibt er bei dem Gesagten. — Mehrere Mitglieder der Linken brachten darauf den Antrag ein, daß die Erklärungen deö Ministers, die daö ganze ver­fassungsmäßige Recht deS Landes in Frage stellen, sofort der Verfas- sungskommission zur schleunigen Berathung und Berichterstattung über­wiesen werden sollen, welcher Antrag mit 55 gegen 1 Stimme ange­nommen wurde.

Oesterreich.

' Wien, 19. Mai. — Ein hübsches Defizit das, welches aus dem sehnlichst erwarteten „allerunterthänigsten Bortrag deS Fi­nanzministers Freiherrn v. Krauß an Se. Majestät den Kaiser über die Ergebnisse der finanziellen Gebahrung im Berwal- tungsjahre 1849 (vom 31. Okt. 1848 bis zum 1. Nov. 1849)" hervorgeht, — lumpige 141 Mill fl. C. M. Nun muß man doch voraus­setzen, daß Hr. Krauß, welcher ein sehr gebildeter und patriotischer Mann sein soll, ein Budget zu machen versteht. Denn wozu wäre er denn sonst Finanzminister und hätte siegreich bei jedem Ministerwechsel das finanzielle Schlachtfeld behauptet? Und trotz seiner unzweifelhaften Budgetgeschicklichkeit ein kleines, durch keine Zahlencombination zu eskamoiirendes Deficit von 141 Millionen!— Die sich ungewöhnlich häufenden Geisteszerrültungen nehmen mitunter einen Charakter an, der den liefen inneren Zusammenhang mit unseren politischen und so­zialen Zuständen auf eine erschreckende Weise offenbart. Borgestern Nachts wurde beim Pötzleinsdorfer-Parke ein Mann aufgegriffen und als irrsinnig erkannt; der Unglückliche ist in dem Wahne, er müsse die Welt durchwandern und für die im Kriege Gefallenen buffen, da­mit die Welt von ihren größten Uebeln erlöst und vom Untergänge befreit werde. Der arme Mann! Die Sache ist allerdings von vorn herein, um toll zu werden, aber der Gedanke, für all' das vergossene Blut Buße thun, all' die Gräuel verantworten zu müssen, geht über die menschlichen Kräfte. — Aus Oedenburg wird der „Gr. 3tg" mitgetheilt, daß sich kürzlich daselbst in der Nähe der Stadt der grause Zufall ereignete, daß man beim Fällen eines alten und sehr großen morschen Baumes auf zwei Füße stieß, und endlich in der Höhlung desselben die Leiche eines croalischen Soldaten im vollen Anzuge und einen Geldbetrag von 400 fl. Zwanziger (der muß nicht schlecht zu­gegriffen haben, dieser Retter des österreichischen Kaiserthums!) vor- fand. Es ließ sich nicht anders erklären, wie der Unglückliche in den hohlen Baum kam, als daß er denselben während der Revolutions- Epoche, vielleicht auf der Flucht, erstieg, und in die morsche Höhle hinabstürzte, von wo er sich nicht mehr emporhelfen konnte.

In Mailand ist nun die Censur offiziell wieder rin­ge führt. Nach einer eben publicirten Verordnung müssen alle Druck­schriften , mit Ausnahme der ohnedies dahin siechenden Journale, dort die Pr även t i v - Censur paffiren.

Schweiz.

A Dern, 17. Mai. — Unser großer Rath ist versammelt. Die Regierung ist ermächtigt worden, alle zweckdienlichen polizeilichen und militärischen Maßregeln zu ergreifen, um Ruhe und Ordnung zu er­hallen. Seit den Maiwahlen ist die Aufregung in der Thal unge­heuer, und eö ist gar nicht unmöglich, daß am 1. Juni, wo uii|ere Patrizier in einem ganz andern Verhältniß als bisher auf den Schau-