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Dritter Jahrgang.

Erich eint täglich, Montags ausgenom­men. Vierteljährlicher Abonnementèprei« 24 Sgr. Einzelne Nummern in der Ex­

pedition (obere Entengasse Nr. 132) yt 6 HIr. Durch alle Postämter zu beziehe». Inserate die dreispaltige Petitzeile 8 Hlr,

Mr* 117 Kassel, Mittwoch den 22. Mai 18SO.

Die Entscheidung

naht, der europäische Krieg schüttelt abermals die ehernen Würfel und rüstet sich im Osten und Westen. An den Grenzen klirren dort die Ketten und hier die Schwerter, und aus dem alten deutschen Schlacht­gefilde in der Mitte, aus dem Herzen Europas, quellen blutige Tro­pfen und die Schatten der Erschlagenen gehen um aus den Mordstätten. In Warschau lagert daS alte Europa, lagert der Kongreß altadeliger Feudalfamilien unter dem Szepter und der Knute des asiatischen De­spotismus, um, gestützt auf seine unerschütterte Macht, daS junge Europa abermals in die Banden der asiatischcn Barbarei zurückzu­schleudern. Abermals kommen sie zusammen, um ihre Völker zu ver­fluchen, um zu beschwören den mörderischen, den solidarischen Bund deS erlauchten Blutes gegen die rebellischen Nationen. Abermals sitzen sie mitsammen zu Rathe, welche höllische Künste noch brauchbar sind, um die zerrissene Kette von Neuem zusammenzuschweißen, wie mit List und Gewalt die rothe Flamme, die aus dem Boden emporschlug, zu löschen und daS Feuer der Empörung zurückzudrängen sei an den alten Heerd, von dem elektrisch den ganzen Welttheil durchzuckte, und dann, wie das lodernde Feuer an dem Brennpunkt der Revolution, in Frankreich, in Paris selbst zu ersticken sei auf ewige Zeiten. Dort aber, von diesem Heerd, von diesem Altar der Freiheit steigt von Neuem der Opferbrand empor, und einzelne aufsprühende Funken verkünden den Brand, den Ausbruch deS rothen Schreckens. Hier liegt die Gesellschaft selbst in zwei feindlichen Heerlagern getrennt, zwei dunkle Wetterwolken, aus denen die Blitze ineinander überschlagen. Nicht blos Paris, ganz Frankreich steht bereit zum blutigen Bürgerkriege. Die Ideen deS Sozia­lismus sind so furchtbar geworden, haben den Boden so aufgewühlt, daß die alte Gesellschaft nicht länger ruhen darf, daß sic AlleS opfern muß, um nicht Alles zu verlieren. Sie steht unter Waffen, begierig, den unsterblichen, den unnahbaren Gegner, die Idee, in Blut zu ersäufen; trotzig, ungebärdig fordert sie heraus, lockt sie zum Kampf, zur Enicute; selbst ohne Idee, denkt sie die Idee deS Gegners zu ver­nichten, indem sie diesen selbst ermordet.Eine Emente, eine Schlacht! ein Königreich um eine Schlacht!" ruft Napoleon und sein Henker Changarnier, der bereit ist, zuerst das Volk im Namen des Präsiden­ten und dann den Präsidenten im Namen des Königthums und deS Volks abzuschlachten. Aber der Sozialismus steht ruhig mit lächeln­dem, siegestrunkenem Blick, er treibt seine Wurzeln weiter und weiter in den Körper der Gesellschaft, die kleine Bourgeoisie tritt auS den Reihen seiner Gegner zu ihm über, und selbst die große durchzuckt die Nothwendigkeit dieses Schrittes, wenn sie an ihr Eigenthum und an dessen Sicherheit denkt.

Der Sozialismus hat seine einseitige Stellung aufgegeben; er rst nicht mehr jener wilde Kommunismus Babeuf'-, - er ist auS der Kindheit in die Jahre der Besonnenheit getreten. Er ist nicht mehr der Verneiner und Vernichter der Familie und des Eigenthum-, er ist her Versöhner zwischen den Besitzlosen und den Besitzenden. Er ha ein alteS System als verfehlt aufgegeben, um sich zum Gemein- gut Aller zu machen, und durch Alle und für Alle ein neues zu su­chen. Er ist nicht mehr Schule, er ist daS Leben. Das bedeutet die Wahl Eugen Sue'S, daâ bedeutet die Vereinigung der Nationalpartei mit den Rothen, daS bedeutet daö Wort Cavaignac'S zu Odiion Bar- rot:Steigen Sie auf die Tribüne, ich werde auf die Barrikade steigen!" Der Sozialismus hat für die weißen Republikaner seine Schrecken verloren, sie haben feine unbesiegbare Berechtigung anerkannt, nachdem er seinen phantastischen Jugendträumen, seinen wilden Gcln^ fielt entsagt hat. Darum eben ist er so gefährlich geworden, daß der Präsident Napoleon vor ihm in Nichts versinkt mit seinen Staats­streichen, wenn er ihn nicht schleunigst zerschmettert; daß die Plane der Legitimisten auf ewig verloren sind, wenn sie nicht baldigst anS­

geführt werden. Die Zeit ist nicht mehr fern, wo nur der Gedanke daran ein Wahnsinn ist. Darum die verzweiflungsvolle Herausfor­derung durch die Wahlgesetzreform und deren wahrscheinliche Annahme. Paris, hoffen sie, soll die Schlacht anheben, aber ganz Frank­reich wird sie diesmal beginnen, und alle iher Heere werden nicht hinreichen, die Steuerverweigerer und ihren aktiven Widerstand zu Paaren zu treiben. Solche Massen hat der Sozialismus in seinen Diensten! Und wird daâ Wahlgesetz nicht angenommen? So ist Napoleon der Diener deS Sozialismus, oder er muß auf eine neue Herausforderung sinnen und der Kampf beginnt von Neuem. So wie so aber ist der Krieg gegen den Osten die Folge, der Krieg gegen den unversöhnlichen Feind, an dessen Busen die Verrâther Frankreichs und der Freiheit ruhen. Das sind die beiden Heerlager! Und zwischen ihnen liegt ein unermeßliches Schlachtfeld, zwischen ihnen liegt nicht allein Deutschland, daS zerrissene und verschacherte, zwischen ihnen liegt bad zerfleischte Polen, bad zertretene Ungarn und das nieder­geworfene Italien. Laßt sie herannahen mit ihren Kosackenschwär­men, hinter ihnen, vor ihnen ist der Feind, überall, wohin sie sich wenden, ist der Feind. Ihnen entgegen zieht nicht blos Frankreich, ihnen entgegen zieht daS junge Europa. Da ist kein Land mehr, daâ nicht mit der Regierung seiner Revolution in den französischen Hee­ren heranzieht. Im Jahre 1792 war es nur Mainz, das seine Republik und seine Klubisten von Frankreich erhielt, im Jahre 1850 und 1851 wird es ganz Deutschland sein, daS seine Regentschaft, die es sich selbst gewählt, gegen die Fürsten durch Frankreich zurückführt, und keinen neugebackenen Herrscher wird daS französische Heer in Italien, Ungarn und Polen einführen, sondern die Mazzini's, Kossuth'S und Bem's. Dieser Napoleon glaubt der Nachfolger deS Diktators, seines Onkels, zu sein, und er ist nur der Nachfolger Ludwig XVI., der Erbe der Guillotine, der Ludwig der Republik. Jener konspirirte mit dem Auölande gegen die konstitutionelle Monar­chie, und die Republik köpfte ihn. Dieser konspirirt ebenso gegen die Republik, und der Sozialismus wird ihn hinrichten. Wohlan, ihr Thoren in Warschau, ihr letzten Peiniger der Völker, rückt heran; ein neues, ein furchtbares 1792 wartet auf euch!

Deutschland.

Köln, 16. Mai. Wir hatten eS vorhergesehen, die Gele» genheit war zu günstig, wie hätte Hr. John sie ungenützt vorüber gehen lassen sollen? DieWestdeutsche Zeitung" ist ge­stern mit Beschlag belegt worden. DieWestdeutsche Ztg." hatte es unternommen, über den Sinn und die Bedeutung der k. Worte, welche Se. Majestät an die Bezwinger von Dresden richtete: Ihr habt Euch so benommen, daß Ihr die Achtung und Liebe jedes Redlichen und jedes Tapfern, und den Haß jedes Schurken Euch erworben habt." einige Betrach­tungen anzustkllen. (Wstd. Z.)

Münster, 10. Mai. Gestern Abend ging ein Mann mit seinem Söhnchen an der Hand ruhig seines Wegeâ durch die Pferdegaffe, als plötzlich auS einem Wirthohause mehrere betrunkene Soldaten, mit dem blanken Säbel in der Faust, stürzten und einer von ihnen besagtem Mann ohne alle Veranlassung zwei Säbelhiebe durchs Gesicht versetzte, so daß derselbe jetzt an seinen Wunden darniederliegt.

OW Dresden, 18. Mai. Heute wird unserHerrliches" ans Kosten bed Königs zur Feier seines allerhöchsten Geburtstags groß­artig regalirt. Acht Bataillone haben sich in den Wirthschaften deS großen Gartens im Freien gelagert und werden durch Bier und Schnaps zu Hurrahö und Vivatâ auf das königliche HauS und lwiere ganz­königliche Wirthschaft begeistert. Leider ist bad Wetter der erpebenben Feier nicht günstig, beim cd hat seit mehreren ^gen lmt Regne»