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schkinlich wieder ein Betrug, um die Gothaer zu fange»; wir bleiben Lei der Ansicht, daß am 15. Juli auch diese letzten losen Beschlüsse fallen. Mit Bezug aus die Mediatisirung hat der Prinz von Preußen gesagt:Wenn wir auch weniger dick werden sollten, so werden wir dadurch doch einen gesunderen Kern erhalten!!" O sancta!

Aus Westphalen, 10. Mai, wird der Elberfelder Zeitung geschrieben: In der vorigen Nacht, um 12 Uhr, machte der unglück­liche Gottfried Kinkel, welcher wieder in seine frühere Hast zuruckge- bracht wurde, auf der der Kreisstadt Brilon naheliegenden Poststation Bredelar einen Fluchtversuch. Er befand sich mit einem Hauptmann und einem Lieutenant, die mit seiner TranSportirung beauftragt waren, in der dortigen Passagierstube. In dem Augenblicke, als die Herren abgespeist hatten, sich noch ein wenig im ziemlich geräumigen Zimmer ergingen, und die Kourierpvsi schon zum Abfahren bereit stand, ent­sprang der Gefangene urplötzlich auö der Thür des im zweiten Stocke befindlichen ZimmerS und schloß gleichzeitig seine Begleiter in dem­selben ein, indem er den auswärts steckenden Schlüssel deS Schlosses umdrehte und in die Tasche steckte. Den erschrockenen, nun einge- sperrten Offizieren blieb nichts übrig, alö die Fenster zu öffnen und in ihrer Noth auö voller Kehle den zufällig gerade von einer benach­barten Tänzerei zurückkehrenden Knechten deS PosthalterS ein Mal über das andere zuzurufen:100 Thlr. wer den Kerl zurück­bringt!!" Der schon auf dem Bocke sitzende Postillon hatte den Unglücklichen beim Schein der Wagenlaternen hinter einen nicht sehr fern liegenden Haufen Holz schlüpfen sehen, wo er daher von den vachsetzeuden Knechten sehr bald wieder eingefangen wurde und seiner nun beruhigten Militärbegleitung selbst die Thür wieder aufschloß. Auf vieles Flehen wurde er zwar mit den bereits herbeigeholten Stricken verschont, mußte aber in der Milte der beiden Offiziere, welche geladene Pistolen in der Hand hielten, den Wagen besteigen und gab beim Niedersetzen in denselben das Getön eines ihn durch­schüttelnden Schauders von sich. Als Häscherlvhn erhielten die Knechte zusammen 24 Thlr.

Frankreich.

* Paris, 14. Mai. Heute Abend sind die Pressen des Hrn. Boulë, des Druckers derVoix du peuple", derRepublique" und der Estafette", versiegelt worden. Der Grund dazu, namentlich bei der Voir du peuple, beruht darauf, daß gestern eine ungeheure Menge Lu die Büresus strömte, um die dort aufliegende Petition zu unter­zeichnen. Die Stimmung wird von Minute zu Minute ernstlicher und drohender. Die beiden Parteien beobachten sich wie die Tiger, die zum Angriff bereit liegen. Die Regierung läßt daS Stadthaus mit Munition anfüllen.

* Paris, 15. Mai. Wahrscheinlich wird den 17. Mai die Berichterstattung Leon FaucherS stattfinden und erst am Montag den 20sten soll die Debatte stattsiuden. DaS kann rothe Pfingsten geben! In den Vorstädten schüttelt und dröhnt eS wie von unterirdischem Donner. Dieser furchtbare Zustand kann ohne eine Explosion nicht vorüber gehen. Die Maßregeln gegen die drei demokratischen Blätter machen einen tiefen Eindruck; Gerüchte auf Gerüchte vermehren den Schrecken; im Augenblick heißt eS, Emil Girard in sei verhaftet. Der Grund soll sein, weil er mit eigner Namensunterschrift eine Protestation an die Nationalversammlung unterzeichnet habe. Der ganze erste Bogen derPresse" nach beiden Seiten ist leer, auf welchem diese Petition steht. E. Girardin ladet seine Leser ein, den leeren Raum mit ihren Namen zu füllen und sie ihm zuzusenden. Sie lautet: Volksrepräsentanten! Der Mandatar, der das Recht seines Mandanten ver­nichtet, zerstört sein Mandat. Hier das Prinzip; zieht daraus die Konsequenz. Wissel: Die Annahme des Wahlgesetzentwurfs, den man euch vorlebte, ist die An- navmc des Gesetzes, auf welches sich euer Auflösungbdekret stützen wird, ist die Er­klärung , daß ihr aufgehört habt, treue Vertreter der Wahlmehrheil zu sein. Das Gesetz Baroche ist unter anderer Form die Proposilivn Rateau.

Der Hauplredakleuc derPresse" Lmit Virardin.

Diealarmirte" Ruhe, die heute Abend herrscht, ist mehr als furchtbar. Die Redakteure der suopendirten Journale haben fol­gendes Rundschreiben an die andern demokratischen Blätter erlassen:

Verehrter Herr Kollege! Eine unerhörte 2hat ist so eben heute Abend in un­serer Druckerei vollbracht! Durch Befehl des Herrn Baroche, unter Datum von heule, ist und bleibt das Patent Hrn. Boulo, des Druckers derRepublique", der Boir du peuple" und derEstaffette" zurückgezogen. Um 7'/, Uhr Abends, als eben die drei Journale im Satz vollendet waren, erschien ein Polizeikommissair in unserer Druckern und ließ an unsere Pressen die Siegel legen. DieRepu- dUque", dieBoir du peuple" und dieEstaffette" können also morgen nicht erscheinen. Auf diese Weise denkt die Regierung, die am 13. Juni 1649 in unserer Druckerei angerichtete Verwüstung zu vergüten. Wir überlassen es der öffentlichen Meinung, die Moßiegel zu würdigen, die eben auf unsere Kosten ausgeführt wurde. Empfangen Sie rc. Eugene Kareste, Hauptredakicur derR.publique". Leugran, Gerant derVoix du peuple". A. Dumont, Gerant derEstaffette".

In der Nationalversammlung vom täten wurde Baroche inter- pellirt, um Zahlenangabe der fetzigen Stimmberechtigten und der durch die Wahlresorm Ausgeschlossenen. Der Minister überläßt eS der

Kommission, ob sie die ihr mitgetheilten Aktenstücke veröffentlichen wolle. Baroche wird darnach lebhaft angegriffen, wegen Verletzung der Presse. Baroche behauptet im Recht zu sein; dem Gesey nach könne sofort nach einer Verletzung desselben dem Drucker daâ Patent zurückgezogen werden, Boulë aber sei schon zum vierten Mal gestraft. Dupont (de Bussac), Maugin, Parfait greifen ihn heftig an. Geschrei von beiden Seiten. Von der Rechten:Wir vertheidigen daS Recht und die Gesellschaft." Von der Linken:Setzt die Republik hinzu! Aber sie schwören dem König, schwören wir der Republik." (Bravo!) Auf daS Geschrei nach Tagesordnung von der Rechten folgt der Schluß.

Die Unruhen in Creusot sollen unterdrückt sein.

Paris, 15. Mai, Abends 8 Uhr. (Tel. Corr.-Bur.) Man fürchtet Zerwürfnisse mit England wegen Griechenland. Nach zirkuli- renden Gerüchten soll Paris in Belagerungszustand erklärt werden. Die MaireS, die die Petition gegen daS Wahlgesetz unterzeichnet haben, sind abgesetzt. Die ministerielle Vorlage in Betreff der Abänderung der Wahllisten hat eine Niederlage erlitten.

England.

tz! London, 13. Mai. Noch ein Mal tönt es auS der Wahlurne von Paris zu unS herüber: Le roi est mort! und Mil- honen Stimme» jenseits deS Kanals wiederholen jubelnd: Le roi est mort! Aber trotzig antworten hier der Kanonendonner und daS Glockengeläute der Westminsterabtei: Vive le roi! denn sie verkün­den die glückliche Geburt eines jungen Prinzen. Vive le roi! Wahrlich die Zustände in England sind eine treffliche Parodie auf die des Kontinents. Während in Frankreich, Italien, Deutschland und Ungarn das mächtige Feuer der Revolution unter der Asche deS Stand- rechts und derOrdnung" fortglüht, arbeitet hier die konstitutionelle Maschine ruhig und ungestört. Im Kabinet der Viktoria, in den SalonS der Minister, in den Parteiversammlunge» überall der alte, langweilige Schlendrian. DaS Parlament, welches an Leere und Phrasendrescherei der Erfurter Narrenversammlung nicht nachsteht (und daö will doch gewiß viel sagen), gibt nur hie und da ein Lebens- Zeichen von sich, nämlich, wenn eS eine neue Steuer debattirt. Und das Volk, dieser riesige Simsou, der mit einem Stoße daS ganze Räderwerk dieses kolossalen Lügenbaueâ zu zertrümmern im Stande wäre, verharrt in seiner Lethargie und verzweifelt an seinem Willen und seiner mächtigen Thatkraft. Hierher, ihr Gagern, Matthy, Bassermann, Welcker, und wie ihrbeste Männer" alle heißen möget! Hier könnt ihr die Früchte deS konstitutionellen Staates beschauen, hier könnt ihr euch überzeugen, wie weit ein Volk unter einer Regie­rung, wie die von euch gepriesene, sinken kaun. Doch, wozu euch hierher laden? Ihr seid fa Schriftsteller und Professoren, ihr habt ja die Zustände Englands mit deutscher Gründlichkeit studirt, ihr habt in Parlamenten darüber gesprochen, in Konversationülexika'S und Ge­schichtsbüchern Langes und Breiteâ darüber geschrieben, ja ihr habt vielleicht mit eigenen Augen jene Gestalten gesehen, welche die Stra­ßen Londons bedecken, jeneGestalten", welche einem gewöhnlichen Menschenkinde noch größeren Schrecken einflößen können, als die, welche Herr Bassermann in Berlin getroffen. Es »st euch vielleicht auch, wenn Ihr am späten Abend daâ Theater oder eine angenehme Gesellschaft verließet, vorgekvmmev, daß euch Hunderte von jungen Dirnen (ich meine jene Kinder von faum 15 Jahren) freunvlich ein» luden, mit ihnen zu gehen, daß euch eine Mutter ihr eigenes Kind, eine ältere Schwester die jüngere antrug, und ihr durch Straßenvier­tel kamt, wo ihr über ganze Haufen jener Obdachlose», stolpertet, welche allnächtlich zu Tausenden unter freiem Himmel schlafen müssen. Das Alles mag euch schon begegnet sein und gerade deshalb schwärmt ihr für den konstitutionellen Staat, den»

Eure Ministersessel ruhen

Nur auf des Volkes Lelchentruhen."

Trotz all' diesen jämmerlichen Auspizien entwickeln die Chartistcnführer eine ane»kennungvwe»the Thätigkeit. In ihren Meetings, deren sie in jeder Woche mehrere abhalten, wird die soziale Frage mit großem Eifer diolutirt. Auch d»e Zustande deö übrigen Europa'S bilden nicht selten den Gegenstand ihrer Debatte. So wurde z. B. in der letzten Woche eine Adresse an die Wähler von Paris mit vielem Beifall ver­lesen und angenommen. Aber nicht allein durch die Klubs, auch durch die Presse tonten die Charlisteu rastlos. E r n Blatt besonders, wel­ches unter Redaktion des PaUaminlsmttgliebü Reinhold erschein!, geißelt die Mängel ter gegenwärtigen Regierung ohne Rücksicht und mit Schärfe, und hat bereus eine sehr große Verbreitung gefunden. Unter den Flüchtlingen steigt die Roth mit jedem Tage mehr und mehr. Zwar ist es dem unter Voisitz Struve 's bestehenden Konnte gelungen, von hiesigen Engländern und Drillichen so viel Geld zu« ;ammenzubringev, daß es die Flüchtlinge bisher erhalten konnte, aber dies reicht keinccwegs hin, auch fernerhin nur dievthwend gfun De«