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Hassenpflug wieder einen sehr pfiffigen Streich gemacht hat, indem er Hru. v. Goddäus zum Landtagskommissar gestempelt. Er wenigstens glaubt's. Dieser dicke Hr. v. GoddäuS ist ein guter Freund des Hrn. v. Sybel. Die Konstitutionellen sollen nun Wunder meinen, wie konstitutionell Hr. Hassevpflug sei, daß er einen solchen Freund zum Ritter der Krone schlägt. Leider aber weiß Jedermann, daß der dicke Herr ein noch viel besserer Freund von sich selbst ist, und daß ihm die Selbstachtung die höchste politische Tugend ist. Wenn Hr. Vilmar diesen Herrn auS Marburg poussirt hat, so hat er der Kirche keine sehr große Stütze verschafft, — denn an Glaubenseifer möchte er gegen den armen übergangenen Schimmelpfevg in HerSfeld nur eine untergeordnete Stellung einnehmen. Over will sich Hr. Vilmar auf einen Mann stützen, der im Jahr 1848 für die Wahl Hildebrands nach Frankfurt unter den Bauern in Marburg gewühlt hat?
Q Berlin, 14. Mai. — Bei der Parade trug Se. Majestät das Band deâ kurhessischen goldnen Löwenordens, und nicht in der dritten Reihe, wie ich Kurzsichtiger zu bemerken glaubte, sondern neben Friedrich Wilhelm IV. ritt Ihr Kursürst, auf ter andern Seite der Großherzog von Baden. Sie sehen also, wie man in Berlin das wahre Verdienst zu lohnen weiß. Auch ist Ihr Kurfürst mit einem von Manteuffel abgefaßten und von Brandenburg kontrasignirten Kabinetsschreiben beglückt worden, und zwar in Folge der famosen Hassenpflug'schen Herzenöergießungen. WaS eigentlich in dem Schreiben gestanden, haben die Gothaer noch nicht ausfindig machen können. Hoffentlich Um'vnöfrcundlicheö! Fama erzählt auch, Ihr Kursürst sei hierher gekommen, um sich einen — Finanzminister zu holen. Wir wissen zwar nicht, ob eS mit unsern Finanzen so glänzend steht, aber Wippermännchen muß eS doch noch ärger gemacht haben, wenn sein Kurfürst sich nun gar auf Reisen nach einem Finanzminister begibt. Die „Neue Preußische" offerirt den Hessen ihren Liebling Hansemann, wie sie ironisch meint, freilich mit großem Bedauern ob deö schweren Verlustes, aber doch auch gern, weil es zur „Förderung der deutschen Union" geschähe. Glückliches Hessen, wenn Hansemann die Wunden heilt, welche die Wippermän- nerchen dem armen Lande geschlagen! — In Fürstenkongreß wird herzlich wenig gemacht. Die Fürsten fahren spazieren und die Bevollmächtigten haben auch keine große Lust, sich mit UnionSprovisorien zu quälen. So hat man eS denn noch nicht sehr weit gebracht. Ein Fürsteukollegium ist allerdings eingesetzt worden, aber waâ für eins! Sachsen und Hannover haben je eine, Württemberg eine halbe Stimme! Wie heißt? Wo sind Sachsen und Hannover? wo Württemberg? Eö ist nur zu verwundern, daß die Bevollmächtigten sich nicht schämen, solchen baaren Unsinn zur Welt zu bringen; aber eö sind ja eben Lappalien, die doch nicht auSgeführt werden, eben so wenig wie die Uni c n S regieru n g, die unser König nach Majoritätsbeschluß beliebig wählen kann! Gewisse Leute munkelten von — Gagern und Simson; man hat ihnen ruhig geantwortet, Preußens Jnlercsse sei vorwiegend, man werde daher Schleinitz und Manteuffel wählen. Dicseâ Unionsministerium wird übrigens sehr unschuldiger Na- tur sein und höchst wahrscheinlich nur mit einigen Kleinigkeiten zu thun haben. Die Gothaer rechnen unter diese Kleinigkeiten Vorlagen für daS nächste Parlament, Schritte gegen Frankfurt u. s. w. Sagen Sie mir um Himmelswille», ist eS möglich, daß man diese Leute frei um- herlaufen lassen kann?? — In den Kreisen der hiesigen Diplomatie, die wegen ihrer weniger politischen Stellung offener mit der Sprache hervortreten, spricht man bereits über die Apanage, die den künftigen Mediatisirten zu Theil werden soll, und ist entrüstet über die hohen Forderungen der Duodezfürsten. Als ob einige Tonnen Goldes zu viel wären für den Verlust der süßen Gewohnheit deö Regierens! Einer schon vor längerer Zeit gegebenen und nachher erneuerten Nachricht zufolge hat Rußland sich gegen den Gesammt- eintritt Oesterreichs in den deutschen Bund erklärt und — wie die Gothaer sich ausdrücken — daS Unionswcrk als eine Förderung der nothwendigen deutschen Einheit anerkannt. Letzteres ist entschieden eine Lüge; Rußland denkt nicht daran, die Union im Sinne der Go- thaer, dieser revolutionären Frucht deS Konstitutionalismus, anzuerkennen. Aber daß es sich für daS Erstere ausgesprochen hat, ist wohl möglich, beweist aber einfach, daß man den vollständigen Status quo vor dem März zurückführen will. — Das Liebäugeln des Hofes mit dem herrlichen Kriegsherr a la Versailles dauert fort. Gestern ward appart für die „wahren Repräsentanten" eine Festoper gegeben, die bis 11 Uhr dauerte, da in den Zwischenakten Eis und Thee servirt wurde. DaS Kommißbrod nachher wird um so schlechter schmecken. — Freiherr von Lepel ist zwar angefommen, für das Bleiben Darmstadts bei der „Union" ist jedoch wenig Aussicht. — Die neue Anleihe wird zu 6 Millionen bei der Bank £96?- "), zu 6 Millionen bei der See- Handlung (97 43 und zu 6 Millionen bei Privatleuten efektuirt werden. Der EmissionSkurS, glaubt man, wird 97} sein.
* Berlin, 14. Mai. — Wer ganz genau wissen will, wie die Aktien der Union stehen, und welche Wege die Diplomatie zur Erreichung ihrer Zwecke braucht, der überlege Folgendes. Für Kur- Hessen ist ein ehemaliger preußischer Staatsdiener von Berlin auâ zum Minister vktroyirt, Hr. H assenpfl ug. — Für Mc ck l en bu rg ist ein dito Mensch Namenâ Lützow, und sür Bucke bürg ein dito Namens Lauer von Berlin hingeschickt worden. Und diese 3 Staaten resp. Reiche sind es gerade, welche gegen die Union in Berlin austreten; ja selbst Baden, der gehorsame Bediente, macht Schwierigkeiten. Was bedeutet daö? Einmal kennen diese Herren sämmtlich daö Schicksal sehr gut, daö den Unionsmitgliedern bevorsteht, denn sie sind eingeweiht, und anderntheils wissen sie wohl, mit wessen Erlaubniß sie handeln, wenn sie den Kopf aus der Schlinge ziehen, — denn sie sind eingeweiht.
MLC München, 12. Mai. — Endlich nach achtwöchentlicher fürchterlicher Ungewißheit ist bezüglich deS gegen Stopfer und Dertinger gefällten TodeSurtheilS die königliche Entschließung erfolgt. Wie wir vorhergesagt haben, ist das Urtheil gegen den Ersteren bestätigt, gegen den Zweiten eine Begnadigung zu lebenslänglicher Kettenstrafe ausgesprochen worden. Nach altem Brauche werden die Hinrichtungen dahier an Samstage» vvrgeuommeo, an welchen Tagen die wöchentliche Schranne einen großen Theil der ländlichen Bevölkerung auS der Umgegend in die Stadt führt. Wahrscheinlich demnach wird heut über 8 Tage daâ blutige Trauerspiel stattfinden. — Sine heute Vormittags 11 Uhr auf dem Marimiliansplatze durch den König abgehaltene Inspektion hat, obgleich schon in den gestrigen Abendblättern angekündigt, nur eine sehr geringe Anzahl von Zuschauern herbeigclockt. Das Publikum ist zu prosaisch für den kostbaren Glanz solcher erhabenen Schauspiele geworden. — Nach viertägiger Unterbrechung hat gestern die Kammer der Abgeordneten wieder eine öffentliche Hitzung gehalten und die Berathung deö Kreditverlangens von 9,800,000 fL für daö Heer begonnen. Die allgemeine Debatte ergab schon eine willfährige Majorität. Die Anträge deS Ausschusses auf Bewilligung von 6,950,000 fl. — mit welcher Reduktion daâ Ministerium sich einverstanden erklärt hatte — sind angenommen worden.
Oesterreich.
Wien, 12. Mai.— Die zur Erstattung von Vorschlägen über organische Einrichtungen für das Bankinstitut niedergesetzte Kommission hat ihre Arbeiten vollendet, und veröffentlicht einen umfan .reichen Bericht, der sich auf folgende Hauptvorschläge reduziren läßt; Die Kommission gelangte zum einstimmigen Beschluß, zu beantragen, daß „eine einzige Gattung Papier mit vollkommen befriedigender Sicherheit begründet, den Umlauf im mittleren oder größeren Verkehre erleichtern und befördern solle;" und ferner einigte sich die Kommission dahin, vorzuschlagen, „daß, vorausgesetzt, der Nationalbank könne eine solche Einrichtung ertheilt werden, daß ihre Noten in der Zukunft vollkommen befriedigende Sicherheit dafür darbieten, jederzeit dem Vorzeiger durch die Bank und ihre Filialen mit gesetzlich ausgeprägter Münze eivgelöst werden können, wie dies stets ihre Verpflichtung bleiben werde, daß daö einzige im Geldverkehre zirkuliren sollende Papier, in Noten der Nationalbank bestehen, und daß diese nicht in geringeren Werthbestlmmungen als 10 Fl. auSgefertigt und auSgegeben werden sollen. Die Gesammtsumme der Noten im Umlaufe soll niemals mehr betragen, als das Dreifache dcö Gesammtvermögenö der Bank" u. s.w. Wenn und wenn! Wenn wir Geld haben, sind wir gerettet; haben wir keinS, so machen wir Bankerott. Man muß gestehen, daß die k. k. Regierung diese Wahrheit wohl auch ohne die Weisheit einer solchen Kommission zu erkennen vermochte.
In Pesth hat das Stadtkommando verfügt, daß kein Dreh- orglcr, keine Harfenistin und keine Zigeunerbande hinfüh'v andere Piecen an öffentlichen Orten spielen dürfen, alö die auf einem polizeilich zensirten Programm verzeichneten. Man hat nämlich nach vielen vergeblichen Versuchen endlich die wichtige Entdeckung gemacht, daß der revolutionäre Geist, der trotz Hapnau und der gnädigen Majestät unbegreiflicher Weise immer noch existirt, lediglich das Produkt der nationalen Polkas ist. Daher jene Verfügung, von der man in Wahrheit behaupten kann, daß durch sie erst daS Vaterland vollständig gerettet ist. — Ebendaher berichtet man unter dem Sten einen Fall, welcher beweist, waâ unter der k. k. Militär- und Beamtenanarchie alles möglich ist: Vor drei Tagen — heißt es in dieser Korrespondenz — wurde in Oroßhaza ein gewisser Chorin arretirt, welcher seit langer Zeit folgende ungewöhnliche, höchst gewagte Uiolle spielte. Er stellte für sich zwei falsche Seinfifaie mit dut rachgemalten Handzugen deS Oberkvmmandantcn und des B. Geringer aus, worin er als höheren Orts bestellter Untersuchungsrichter figurirte. Dann zog er eine kaiserliche Uniform an und reifte nach Liplau , wo er sich von den Ko- mitatâ- und Stadt Honorationen allenthalben im Amtswege feierlich