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Erich eint tätlich, Monkagè ausgenom­men Vierteliäbrlicher Abonnemenlèpreiè

24 Sgr. Einzelne Nummern in der Ex-

Dritter Jahrgang.

pedition (obere Entengasse Rr. 132) zu 6 Hlr. Durch alle Postämter zu bezieben. Inserate die dreispaltige Petitzeile 8 Hlr.

ic H orniss e.

W 112. Kassel, Mittwoch den 15. Mai 1850.

Die Krisis in Frankreich

Man spricht in der diplomatischen Welt bereits nicht mehr von der Möglichkeit einer Intervention in Frankreich von Seiten Ruß­lands und seiner willenlosen Alliirten, Preußen und Oesterreich, son­dern von der Nothwendigkeit einer solchen, selbst für den Fall, daß die demokratisch-sozialistische Partei in Paris wider Erwarten der Reaktion freien Spielraum lassen und mit ihren Kräften zurückhalten sollte. Das Verbrechen, welches man der sozialen Demokratie nie verzeihen kann, ist ihre Existenz. Diese ist es, welche sich als nagender Wurm in das Gewissen deS Absolutismus eingefressen hat, und ihn um seine Ruhe bringt, welche im Interesse der müden, schlum­merbedürftigen Gnadenhäupter vernichtet werden muß. Unter diesen Umständen sind mehr als bloße Zeitungansichten, welche derLloyd" in folgenden Worten auöspricht:Man hat sich an den Gedanken ge­wöhnt, daß es in Frankreich bald wieder brennen werde, und daß wir vielleicht berufen sein dürften, bei der Löschung des Brandes unâ zu betheiligen; und so wünscht man denn den Brand je eher um so lieber herbei. Die Unbehaglichkeit, welche die fortwährend von Paris ausgehenden Erschütterungen hevorrufen, ist eine allgemeine geworden, der Zustand längerer Ungewißheit wird immer unerträglicher, und eS ist erklärlich, wenn eine gewaltsame Krisis von Herzen herbcigewünscht wird. Gewöhnliche Mittel reichen für Frankreich nicht aus. Die Pariser rothe Demokratie hat allein über 100,000 schlagfertige Kämpen zur Verfügung, welche endlich entweder doch angreifen, oder angegriffen werden müssen. Der Friede der Gesellschaft kann nicht mehr auf gütlichem Wege wiedcrhcrge- stellt werden, also wird er nach den Gesetzen der Natur durch alle Vortheile, welche dieser gewaltsame Kampf bietet, errungen werden müssen." Bravo! Daö heißt offen und ehrlich sprechen, viel ehr­licher, alâ eS die preußischen Regierungsblätter zu thun wagen.

Unbehaglichkeit I" ja das ist das dämonische Wort, welches den rcstaurirtkn Fürsten den Schlaf raubt, selbst inmitten der im Re- bellenblnte gestählten Bajonette, welches ihnen jede patriarchalische Regicrungöftcude verbittert, und sie zu jener gespenstigen Jagd nach Ruhe aufstachelt von Kongreß zu Kongreß, von Note zu Note, von Standrecht zu Standrecht, zu jener gespenstigen Jagd, bei der man unwillkürlich an die Bürgerschen Worte denken muß:die Todten reiten schnell". Grausame Ironie des Schicksals! Soviel Blut ver- gossen und soviel Treulosigkeiten begangen, soviel Kerker und Gräber gefüllt und soviel Jammer in den Reihen deâ Todfeindes gesäet, Alles der lieben Ruhe halber; und dennoch Unbehaglichkeit", dennoch daâ Bewußtsein der Schuld und eines drohenden, rächenden Ver­hängnisses. Und diese Unbehaglichkeit ist eine allgemeine geworden, d. h. sie hat sich auch der Bourgeoisie mitgetheilt; gleiche Schuld und gleiches Leid verbünden gar schnell. Nur auf diese Weise ist die Al­lianz der Bourgeoisie mit dem AbsulutiSmuö zu erklären, denn man glaube nur nicht, daß der Bürger die Fürsten liebe; dieser Bieder- mann liebt Niemanden als sich selbst; daö Einzige, waS ihn mit je- uen verbindet, ist daö gleiche Objekt des Hasses und der Furcht, die soziale Demokratie, die gleiche Quelle gemeinsamer Schmerzen, daS böse Gewissen, und jene fanatische Sehnsucht nach Ruhe, welche nach dem Blute deS Feindes dürstet und eine augenblickliche wüste Betäubung mit dem auf immer verlorenen Frieden verwechselt. Bei der so natürlichen und bezeichnenden Begriffsverwirrung verwech­selt man die Träger der Idee mit dieser selbst und glaubt denFrie­den der Gesellschaft" dadurch wieder Herstellen zu können, daß man einige Tausend Pariser Demokraten hinschlachtet. Arme Tröpfe, ihr werdet vielleicht auch dieses Blut noch vergießen, aber die geträumte Ruhe, den ersehntenFrieden der Gesellschaft" werdet ihr nicht wieder

Herstellen, eS sei denn, daß ihr verständet, den Tag mit der Finster­niß, das Recht mit dem Unrecht, den Krieg mit dem Frieden, den Hunger mit der Gemüthlichkeit und euch selbst mit eurem Gewissen zu versöhnen. Diese Kunst versteht ihr aber nicht.

Gleichwohl verkennen wir keineswegs die dringende Nothwendig­keit, die euch von eurem Standpunkte aus gegen Paris treibt. Ein Sieg der sozialen Demokratie in Paris, und die Heere der französi­schen Republik werden euch in euren eigenen Grenzen aufsuchen und alle die mit so vieler Mühe eben wieder geknechteten Völker gegen euch unter die Waffen rufen. Selbst wenn die Partei, die euch soviel Ensetzen einflößt, die euch jene grausenhafte, welthistorischeUnbe­haglichkeit" bereitet, nicht zum Siege gelangt, sondern nur in der bisherigen Weise existirt, müßt ihr eureHerrlichen" über den Rhein führen, weil wir wiederholen es die Existenz ihr Verbrechen ist, und weil ihr den Zustand der innern Gewiffenöqual nicht länger ertragen könnt, weil ihr Ruhe haben müßt!

Daher ist keineswegs Zufall, daß Preußen gerade jetzt die von seiner konstitutionellen Kammer zu Kriegsrüstungen verwilligten Millionen durch eine Anleihe flüssig macht, daß sich die Heerschaaren deS Absolutismus in Polen, Böhmen und Baden sammeln. Die Go­thaer freilich werden in ihrer göttlichen Eitelkeit behaupten: Preußen rüstet für Erfurt. Für ein Nichts, für euer harmloses Erfurt wird selbst Preußen keine Millionen wegwerfen und seinHerrliches" auf­bieten. Es hat beides dringend anderwärts nöthig, denn Preußen rüstet für sich selbst, gegen Frankreich, gegen die Demokratie; eS will denFrieden der Gesellschaft" wiederherstellen; denn dieUnbe­haglichkeit ist wie derLloyd" richtig bemerkt unerträglich". Man will daS Proletariat vernichten und bedenkt nicht, daß sich daS Proletariat nur dann vernichten läßt, wenn man die ganze Proleâ auSzurotten vermag; oder wenn man als Mensch zu dem Menschen herabsteigt, eine Zumuthung, die Niemand im Ernst an die rus­sischen, preußischen und österreichischen Staatsmänner stellen wird. Qui vivra, verrat B.

Deutschland.

* Kassel, 14. Mai Während die Fürsten in Berlin mit allerhöchsten Ohren von dem oratorischen Talent deS Königs sich über­zeugen, während man dort vor Paraden, Konferenzen, großen Tafeln und Opern kaum zu sich selbst kommt, vollzieht sich still und geräuschlos in Frankfurt am Main, in der Stadt der Wiedergeburt deS JahreS 1848, die Regeneration deS alten Bundestages. WaS sagen die Go­thaer , was sagt die Neuhessische nun zu dem Gespenst Blitterödorf, was schon lange weissagend in der O.P. A. Z. diesen Akt vorauSver- kündet? Und dennoch ist die Lage der Union günstig! Allerdings, denn ein neuer Schritt zur Enthüllung der ganzen Posse ist Preußens endliche Offenherzigkeit, mit der eS in seinen neuesten Erklärungen nicht mehr vom deutschen, sondern vom preußischen Interesse spricht. Allerdings, die Lage dieser preußischen Union ist sehr günstig, so günstig, daß binnen Kurzem die Herren von Anhalt-Köthen und Dessau, von Schwarzburg-Rudolstadt und Sondershausen und die Herren von Lippe, Waldeck, Reuß-Greiz und Schleiz sich als preußische PairS ihre dauernde Residenz in Berlin aufschlagen werden, dessen Vergnü­gungen man ihnen so schmackhaft alâ möglich zu machen sucht. Der Kurfürst von Hessen wird diesmal dieser großen Ehre zu entgehen wissen. Hassenpflug erklärt mit gewohntem JesuitismuS, er wolle zuwarten! Da er mit seinem Gesandten in Frankfurt schon mit einem Bein im Bundestag steht, so ist nichts leichter. Die rathlosen Kleinen, die noch zögern, offiziell ihre Mediatisirung wünschenSwerth zu finden, versucht man durch die Möglichkeit eines Kriegs zwischen Oesterreich und Preußen total besinnungslos zu machen, bis sie von