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Dritter Jahrgang.

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Petition (obere Entcnqassc Nr. 132) zu « Hlr. Durch alle Postämter zu beziehen. Inserate die dreispaltige PetUzeile 8 Hlr.

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Kassel, Mittwoch den 8. Mai

1830.

Die deutsche Verfassungsfrage und die Einbe­rufung der Ständekammer auf den 15. Mai.

2.

Aber die Unionösürstcn und auch Se. kön. Hoheit der Kurfürst sind nach Berlin zum Fürstenkongreß I Eben deswegen, Herr Henkel! Die Herren werden dort von Dero großmüthigerErlaubniß", die Sie und Ihre Wurstkollegen Ihnen abermals gegeben,zu thun was sie wollen", den passendsten Gebrauch machen. Auch diese Fürsten haben dasselbe Recht wie Sie, Hr. Henkel, sich nach den Umständen zu richten und nach der berühmten Losung:Nur immer praktisch!" Diese Praxis der Umstände besteht im Augenblick darin, daß man eine Spezialprobe für daS Frankfurter Drama hält, und die Unionöange- legenheit in eine solche Ordnung bringt, daß sie dem eigentlichen alten Bunde und dieser ihr nicht den geringsten Eintrag thut, in eine Ord­nung , die demnächst durch ein atomistischeS Auöeinanderfallen ihren Gipfelpunkt übergipfeln wird. Auch daS ist nur die konsequente und logische Entwickelung der Dinge. Nicht bloö, waS die Demokratie Ruhe und Ordnung" nennt, auch waS die Wurstmacher mit diesem Namen zu belegen belieben, ist bei den Fürsten daS absolute Gegen­theil. Der direkte Gegensatz in Beschluß und Thaten ist jedesmal die Konsequenz von den Beschlüssen der andern Seite. Selbst die Beschlüsse der Gothaer dienen nur dazu, den Fürsten den Weg anzugeben, waS sie nicht thun sollen. Zn Berlin handelt eS sich darum, den kleinen Tyrannen die vorbereitenden Winke zu geben, was man Oesterreich gegenüber beansprucht, waS man fallen läßt, damit die Herren wohl­vorbereitet in Frankfurt eintreffen, um dort ohne Zeitverlust die noth­wendigen Opfer auf dem Altar deö deutschen FürstenvaterlandeS nie­derlegen zu können. Wir wollen zwar nicht dafür einstehen, daß sich nicht einige dieser gekrönten Râubgrafen Halsstarrig zeigen, und daß die Verhandlungen dadurch etwas a la 1815 in die Länge gezogen werden; aber vielleicht thut der Kosakenvater Nikolaus seinem Schwager den Gefallen, drohend im Osten mit 200,000 Lanzen zu klirren. Bei diesen Konstellationen, bei einer einzigen Demonstration deS Baschkiren- Napoleon wird der babylonische Kongreß der erblichen VaterlaudSver- wirrer schnell ein höchst erfreuliches Ende nehmen, d. h. für Alle, denen dieses Loos von den Obersöhnen GotteS, von der neuen Heiligen dreieinigen Allianz in Wien, Berlin und Petersburg bestimmt ist. DaS Zirkularschreiben der österreichischen Regierung enthält klar und offen mit dürren Worten daS Todesurtheil der Erfurter Union. Die Versammlung in Frankfurt soll auS dem Art. I V der Wiener Schluß- akte die Bcfugniß ableiten zu einer neuen Entwickelung und Ausbil­dung deS Bundes. Sie soll aber nicht von dem Satze dieses Artikels weichen, welcher lautet:Die deshalb zu fassenden Beschlüsse dürfen mit dem Geist der Bundesakte nicht im Widerspruch stehen, noch von dem Grundcharakter des Bundes abwcichen", denn dieser Bund ist (hört, hört, ihr Henkels!) durch die völkerrechtlichen Verträge von 1815 als unauflöslicher Verein erklärt. Vor allen Dingen soll eine neue provisorische Centralgewalt eingesetzt werden. Damit allein ist die Erfurter Union schon daö fünfte Rad am Wagen der deutschen Reaklion. Oesterreich gibt nun zwar zu verstehen, daß man mit Preußen noch nicht ganz im Reinen sei, aber die Berufung deS Kon­gresses zeigt deutlich genug, daß man wenigstens sehr nahe daran ist, und daß Oesterreich die Zustimmung der Könige und Hauptfürsten bereits in der Tasche hat, mit welcher die preußischen Ansprüche ohne Weiteres auf daS Maß der gegebenen Zustände reduzirt werden können. Daß aber die gegebenen Zustände auch den Begriff der Me- diatisirung in sich schließen, geht auS tcn Verhandlungen zwischen Berlin und Wien hervor. Diese haben nach allen Nachrichten dahin geführt, daß die beiden Höfe bereits über die Zahl von 11 Stimme»

einverstanden waren für den engeren BundeSauSschuß, wovon Oester­reich 3 und Preußen 3 Stimmen haben sollten. ES blieben also noch 5 Stimmen für Baiern, Sachsen, Hannover, Würtemberg und für daS Königreich Hessen! Preußen war sogar damit einver­standen, einen allgemeinen Kongreß zu derselben Zeit, als eS seinen Radowitz in Erfurt vor den Gothaer Narren figuriren ließ, zur Prüfung dieser Vorschläge zu berufen, aber eS wollte die Einladung mit Oesterreich gemeinschaftlich ergehen lassen*), eS wollte eine Anerkennung seiner bis­herigen Schritte und die Vertretung der Unionöfürsten durch seine Stimme. Preußen weiß sehr gut, daß eS diese Forderungen niemals durchsetzen wird. ES handelt sich nur darum, Viel zu verlangen, um EtwaS zu erlangen. Diejenigen Fürsten, welche jetzt im Berliner Kongreß an Preußen freiwillig ihre Stimme übertragen, wird ihm auch Oesterreich lassen; sie sind mediatisirt. Diese Pläne und Verände­rungen der deutschen Karte sind in dem Zirkularschreiben Oesterreichs angedeutet durch die Worte:Treu übrigens den wiederholt und be- ' stimmt gegebenen Zusagen, daß sie (die österr. Regierung) nicht zu dem Bestandenen, den Bedürfnissen der Gegenwart nicht mehr Ent­sprechenden, zurückzukehren bezwecke, sondern nur nach den gegebenen, auf Vertrag und Recht begründeten Verhältnissen, jene entwickelt zu sehn wünsche, wird die kaiserliche Regierung endlich dazu mitwirken, daß ein Werk zu Stande komme, welches den gerechten und billi­gen Ansprüchen allseitig zu entsprechen vermöge!" Also nach den Bedürfnissen der Gegenwart, welche da ist die fürstliche, wird allseitige Befriedigung versprochen, d. b. sowohl für Preußen, wie für Oesterreich und für diejenigen, welche diesmal noch befriedigt werden sollen. Zu denjenigen, deren Zufriedenheit ganz gleichgültig ist, gehört natürlich das Volk und die kleine lebensunfähige Despotie der Reij-Greize und Lichtensteiner. Die kurhessische Ständeversamm­lung wird, wie alle ihre deutschen Kolleginnen, diesen Dingen gegen­über Nichts zu thun haben als zuzusehen und die fait accomplis sich berichten zu lassen. Welche Voten sie auch darüber abgibt, eS wird in der Entwickelung der Dinge ohne alles Gewicht sein.

*) Dagegen beruft sich Oesterreich auf den Art. V. der Bundesakte:.Oester­reich hat bei der Bundesversammlung den Vorsitz", und Baiern hat ein Rundschrei­ben an alte deutschen Regierungen ergehen lassen, worin es gegen jede Fortsetzung des Dualismus in der Bnndcszentralgewalt Protest einlegt, und die Erhaltung der Bestimmungen der alten Bundesakte verlangt, welche die Henkels von Gotha mit ihrenWurscht".Redensarten bereits umgeblasen zu haben vermeinten.

Deutschland.

* * Kassel, am 7. Mai. Der Kurfürst ist mit Sack und Pack abgereist. Hassenpflug und ein Paar Scribcntcn sind seine Be­gleiter.Aus der Berliner Herberge wird sich'S zeigen, waS die Fürsten können." Soviel ist sicher, daß gar nicht zu verwundern ist, wenn daS neue Bundeswerk diesmal daS glückliche Schicksal des alten findet, nämlich, übereilt werden zu müssen. Der Ver- fassungSsturz in Paris und der Frankfurter Kongreß treffen eben so günstig zusammen, wie der alte Kongreß urtb daS Impromptu Napo­leons , von Elba aus. UnsereEigentlichen" werden in ihrer Her­zensangst vor der rothen Republik vermuthlich gegen die Uebereilung nichts einwenden. Wenn nur die Pariser Demokratie vertilgt wird!!' Wenn aber das Spiel mißglückt? Wenn sich die hohen Herrschaften verrechnet hätten? Wenn die Franzosen ???

Frankenberg, 5 Mai. In dem Stunden von hier ge­legenen Dorfe Schraufe brach gestern Morgen gegen 8 Uhr Feuer aus, welches sich durch Brandstiftung so vergrößerte, daß gegen Kbenb circa 20 Wohnhäuser in Asche lagen. Zwei Brandstifter, Gebrüder Wollmar, wurden sofort arretirt und in das hiesige Amtsgekangniß abgeführt. Jedoch nicht gegen diese allein, auch gegen mehrere andere