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gen haben wollen, den liefern wir denselben jederzeit gehorsamst auâ, darauf verlassen Sie sich. Man ist aber, bei aller Boruirtheit, monarchischer SeilS noch immer klug oder pfiffig genug, um einzusehen, daß die Revolutionärs besser in Amerika aufgehoben erscheinen, alâ mit Pulver und Blei traktirt oder eingekerkert, wo sie beständig daâ Mitgefühl deS gutmüthigen Michels rege erhalten und im legern Falle obendrein zur Vermehrung der Finanzklemme beitragen.
Eâ gibt hier Leutchen genug, welche gar gern ansehnlich zu den Kosten einer preußischen Besatzung beitrügen, um die hiesige Volkö- partei durch eine solche gänzlich niederzudrücken; allein Hannover wird Bremen erforderlichen Falls lieber selbst in die Tasche stecken, als in hohcnzollerusche Klauen gerathen zu lassen, und so lange der liberale Slüve am Ruder bleibt, werden wir sicher in einer parlamentarischen Schwede erhalten, d. h. wir bleiben weder Fisch noch Vogel.
Unsre gute Stadt hatte diesmal die Wahl zur Besetzung einer Rathsstelle des Oberappellationögerichtâ zu Lübeck. Die Senalsparlei wollte den bekannten Gothaer Dr. Liebe haben, während die liberale und demokratische Bürgerschaft Kirchmann, Temme, Waldeck und den ObergerichtSrath Wibcl in Oldenburg auf der Kanditalen- liste stehen hatte. Der Senat stellt fünf Wahlmänner und eine gleiche die Bürgerschaft, das Loos entscheidet dann noch über einen elften Wahlmann , wobei die meisten Chancen für die Senatöpartei sind, so daß der ganze Trödel als pure konstitutionelle Spiegelfechterei er- scheint. König Zufall aber schlug sich diesmal ins Mittel und so traf die Wahl zum Elften einen Demokraten, resp. Liberalen. Daß keiner von den mißliebigen Preußen gewählt wurde, ist darum charakteristisch, weil man hauptsächlich von der Ansicht auâging : „ES sei unklug, gegen Preußen zu demonstriren durch eine solche Wahl." Zwar stellt man das jetzt in Abrede, und will allerlei andere vorwiegende Gründe gehabt haben, aber ich kaun mit Bestimmtheit versichern, daß — die Furcht vorwog und noch dazu ganz zum Ueber- fluß, denn die preußische Regierung würde froh gewesen sein, wenigstens Einen von diesen Männern auf gute Manier los zu werden, und zeigt sich dem schwarzen Raubvogel Zeit und Stunde dazu günstig, um Bremen zu erfassen, so hilft sicher kein Rücksichtnehmen dagegen. Wibel ist übrigens mindestens eben so liberal als Kirchmann, Temme und Waldeck, denn weiter gehen diese Herren in der Politik doch nicht. Recht zu beklagen ist die gestern erfolgte Abfahrt deS Rechtsanwalts Böhme auö Merseburg nach Amerika. Er war wegen sogenannten HochverratHS zu zweijährigem Festungsarrest verurtheilt, waS ihn jedoch weniger zur Auswanderung veranlaßte, als die Zer- störung seiner juristischen Laufbahn, denn eine neue läßt sich drüben leichter beginnen, als hier, wenn der neue Umschwung lange auöbleibt. Böhme ist ein geistreicher, talentvoller und entschiedener Charakter, an dem die republikanische Partei wirklich viel verliert, wenn er nicht wiederkehrt; er hat mich sehr lebhaft an Merk erinnert, dem Göthe so viel verdankte. Außerdem hat sich auch Ed. Pelz (Treumund Welp), der aus seinem Geburtstande und vom elterlichen Heerde in Sachsen ohne alle Veranlassung Verwiesene, hier niedergelassen, angeblich um seine Familie zu erwarten und dann auch nach Amerika auS- zuwandern. Vielleicht bleibt er aber doch bei uns, da seinem hiesigen Aufenthalt nichts im Wege stehen kann, wenn anders seine geheimen Requisitionen anlangen. — Unsere Zeit gemahnt mich stark an die Periode vor dem Auebruch des BauernIriegeS, nur daß man heutzutage mehr Personen verfolgt und zu verfolgen hat wie damals, wo nur Hutten bis in die Berge der Schweiz gehetzt wurde.
Oesterreich.
** Wien, 2. Mai. — Der „Lloyd" bringt einen Leiter über Kurhessen und seine Rote, über welche natürlich ein ganz anderes Urtheil gefällt wird, als die „Reuhessiiche" aus bekannten Gründen zu fällen vermag. Rach der Ansicht des „Lloyd" hat Kurheffen ein entscheidendes Gewicht in eine der nach Gothaer Manier balancirenden Wagschalen geworfen. „ES ist ein runves, feingeschliffeneS Gewicht, das aber trotz seiner eleganten Form und seines gefälligen Aussehens, nicht ein Quentchen von feiner Schwere ein gebüßt hat." Das Verlangen Kurhessens, daß der weitere Bund zuerst begründet werden soll, „ist das Schwert, welches die Gothaer Partei durchsticht. Eö trifft ihr Herz." Die Heimschickung des Parlaments kann doch nur den Sinn haben, daß Preußen ungestört unterhandlen, das heißt den weiteren Bund konstituiren will. Daher sind diese aus der kurhessischen Note gezogenen Konsequenzen durchaus richtig; übrigens gehörte nicht viel Scharfblick dazu, um sie sofort zu erkennen. — Die Gefügigkeit der Gothaer — heißt es in demselben Artikel — hat in Berlin gerade den entgegengesetzten Eindruck hervorgebracht. Die preuß. Regierung schwankte offenbar hin und her. Aber „sie ist unwillig geworben über die zudringlichen Dienstleistungen ihrer allzubereiten Bundesgenossen, der Gothaer, und wurde somit von ihren Schwankungen befreit." Tao ist bitter, aber so psychologisch richtig, daß sich alle
diejenigen, welche auS der Kriecherei ein patriotisches Handwerk zu mache« pflegen, ein lehrreiches Exempel daran nehmen könnten. „Das Verfahren von Kurhessen hat die gänzliche Machtlosigkeit der Gothaer gezeigt. Man hatte es früher geglaubt, daß die GagernS, Bassermanns u. f. w. die öffentliche Meinung in ihren Ländern leiten konnten. Diese Illusion ist verschwunden. Sie vermochten nichts, als in Erfurt zu spreche n." Wir freilich haben niemals etwas anderes geglaubt, aber für manche allerdings mag es deS letzten Beweises in Erfurt noch bedurft haben.
Die Theilnahme an der Einzeichnung zur Gemeinderathâwahl hat daS „betrübende" Resultat geliefert, daß auS je drei Häusern nur ein Wähler erschienen ist. Das Volk ist empört über die Masse deâ neuen Bcamtenpacks und die damit wiederhergestellte Alleâ-Regiererei, die in Sachen der Religion — beläufig gesagt! — den Mantel der Religionsfreiheit umhängt. Man muß, gegen die nöthige Garantie, die Kirche freigeben, um Zeit für die weltlichen Angelegenheiten zu behalten. — Rach einer zum GenSdarmeriegesetze nachträglich erlassenen Verordnung ist jeder Genödarm als immer im Dienste stehend zu betrachten, und daher Jedermann ohne Unterschied deS Standes verpflichtet, den durch ihn zum Vollzug gebrachten höheren Befehlen unbedingt Folge zu leisten. Eines Verhaftobefehls und dergleichen HabeaSkorpuâ-Ueberflüs- sigkeiten bedarf eS also nicht. — Der St. Andreasorden für den Ministerpräsidenten Schwarzenberg ist mit einem höchsteigenhändigenSchreiben des Selbstherrschers angekommen. Alâ Grund dieser Auszeichnung wird „die beständige Sorgfalt, mit welcher Sie über die Aufrechterhaltung der bundesfreundlichen Beziehungen Unseres Reiches zur österr. Regierung gewacht" — angegeben. Das ist deutlich und außerdem sehr natürlich; ein guter Unterthan muß belohnt werden. — Die Exkommunikation Dr. Smetana'S, welche als eine der ersten Errungenschaften der freieren Kirchenstellung, von allen Kanzeln PragS feierlich herabgedonnert worden ist, wurde von den Ketzerrichtern durch „sein hartnäckiges Widerstreben, seine theologischen Kenntnisse zu vervollständigen" motivirt. —
(Zur Geschichte der österr. Auflösung in den „ Kronländern".) Die HH. PP. Franziskaner haben die Bewilligung zur Errichtung von Volksschulen in Pest erhalten. — Daselbst wurde der Professor der Mathematik, Lallas, seines Amtes entsetzt, „weil er während der Revolutionöperiode über die Kriegöwissenschaft betreffende Fächer gelesen hatte". — In den Wiener Zeitungen erklären sich täglich altmagyarische Aristokraten, deren Namen bei der Unterschrift der bekannten Eingabe fehlte, noch nachträglich mit dem Inhalte derselben einver- standen, weil man das Fehlen ihrer Unterschriften von Seiten der Regierung zu einer Waffe gegen die „exorbitanten" Forderungen benutzt hatte. — Glaubwürdigen Berichten zufolge wurde der Bad-Inspektor von Mehadia angegeben, eine Kiste mit Papieren zu verwahren, die ihm von den Ungarn anvertraut worden. Er wurde sogleich unter militärische Aufsicht gestellt, ging aber während der Verhaftung ins Nebenzimmer uud erschoß sich. Das Mißtrauen gegen die Woiwo- dina hat einen solchen Grad erreicht, daß jeder Bauer, der blos auf sein nahes Feld hinaus will, zuvor obrigkeitliche Erlaubniß einholen muß. — Derselbe Korrespondent, welcher neulich über den guten Fortgang deS freiwilligen AnlebenS aus Venedig berichtete „muß dennoch jetzt melden, daß eS zu einer Zw a n g S a n l eih e kommen werde, weil die freiwillige schwerlich zu Stande gebracht werden dürfte".
Der „Wanderer" berittet auS Konstantinopel, daß die Pforte dem österr. Gesandten ihren definitiven Entschluß in der Flüchtlingsangelegenheit mitgetheilt habe. Sie stellt den Ter- min der Jnternirung auf 9 Monate, vom verflossenen 1. Januar an gerechnet, fest. Derselbe erstreckt sich also somit nur noch auf 5 Monate. Dann will sie den Flüchtlingen volle Freiheit gestatten in dem ganzen otto- manischen Gebiet, ja selbst längs der österreichischen Grenze umherzugehen
Der boS ni sche Aufstand ruht für den Augenblick, da die Steuererhebung sistirt und somit der Anlaß zum bewaffneten Widerstande weggefallen ist.
Frankreich.
*-s* Paris, den 2. April. — Die Schandkommission zur Vorbereitung eines Gesetzentwurfs, welcher die Aufhebung beü allgemeinen Wahlrechts zum Zwecke hat, ist also niedergesetzt. Der einfältige Narr will wirklich auf die Gassen stürzen und die Republik im Bürgerblute ersäufen. Um sich zu diesem lächerlichen Streiche, der mit dem letzten Athemzuge des Präsidenten endigen wird, der nöthigen Heerführer zu versichern, ist der Kaiserling so naiv gewesen, fast pure Legtlimiften in die Kommission zu ernennen. Man sieht, waS daö bedeutet. ES handelt sich gar nicht mehr um die persönlichen Interessen des Abenteurers, sondern um seine Kontraklserfüllungen gegenüber der dynastischen Kontrerevolution. Der Konstitutionell verlangt offen eine Verlängerung der napoleonischen Regentschaft auf zehn Jahre. Zehn Jahre? Alo ob in zehn Jahren nickt die ganze Honette Sipp- straft IN die Luft gesprengt wäre. Zehn Jahre? Revision der Ver-