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cher, sondern ein bürgerliches Geschäft, ein Geschäft in gutem Glauben. Bon setzt an, von dem Augenblick an, wo wir euch die Listen deS durch euren Besitz in's Elend getriebenen „Gesindels" aufgewiesen, wo wir euch vorgerechnet haben, wieviel Jammer und Thränen eure bürgerliche Wirthschaft kostet, wo wir an euere Wohnungen gedonnert haben, um euch zu sagen, daß der Hunger kein Obdach, die Verzweiflung keinen Arzt habe, daß die Unschuld geknebelt und hinge» mordet werde, daß der Jammer der Armen zum Himmel schreie, daß der Knäuel der Verstoßenen sich zur Lawine aufhäufe, von dem Augenblick an seid ihr in „bösen Glauben" versetzt, von der Stunde an habt ihr Verzugszinsen für eure Versäumniß zu zahlen, von der Sekunde an seid ihr wirkliche Verbrecher, gemeine Verbrecher, seid ihr wahrhaftige Wucherer und Schacherer.
Das „Gesindel" hat die Klage anhängig gemacht. Die Tage deâ guten Glaubens sind vorüber. „Wo ist der Gerichtshof, wo?" Armselige Menschen! Der Gerichtshof ist euer eigenes Gewissen, der Erecutor ist die Revolution! Wo war der Gerichtshof, als ihr an die Thüre eurer Fürsten schlüget und sie interpellirtet um Freiheit und Gerechtigkeit? Eure Fürsten mußten wissen, daß sie in bösem Glauben waren, wohlan! ihr müßt auch wissen, daß ihr nicht mehr in gutem Glauben handelt. Aber ihr wollt eS nicht wissen, ihr schafft euch die Gläubiger vom Halse, indem ihr eure Ohren verstopft, indem ihr euch in die geheimsten Gemächer eurer Schlösser verkriecht, indem ihr Gesetze dckretirt, welche der Armuth daS Wort verbieten, indem ihr das Elend mit Kartätschen überdonnert, indem ihr die Presse, das Versammlungörecht knebelt, indem ihr das „Gesindel" in die Gefängnisse werft, indem ihr eS deportirt, ersäuft, standrechtet. Das ist gewöhnliche Tyrannenmauier! Hilft nichts, hilft nichts! Um Mitternacht steigen die Geister der Gemordeten und Geschlossenen an euer Bett und interpelliren weiter. Euer Verbrechen wird dadurch nur um so größer.
„ Vorwärts!" ruft die Demokratie. Nicht blos daS Unglück der Könige ist cs, es ist auch euer Unglück, daß ihr nicht hören wollt. Durch die jahrelange fiiedliche Mahnung ist das Maaß dcö „moralischen Eindrucks" gefüllt. Der bösgläubige Besitzer ist der Revolution verfallen.
Deutschland.
△ Kassel, 29. April. — Die „ Baumbach'sche" Note macht der Neuhessischen einige frohe Augenblicke; — namentlich beliebt sie, über deren „halsbrechenden großdeutschen monströsen Styl", über die „Langstengeligkeit" dieses Aktenstücks in ein lieblich kindisches Gelächter auszubrechen, während sie auf ihrem eigenen Knüppeldamm von Schreibart doch an derartige Dinge gewöhnt sein sollte. Auch könnte man denken, daß der famose Proklamations-Periodenbau des lendenlahmen Eberhard sie mit solchen Erzeugnissen vertraut gemacht hätte. Aber daS arme Weib muß lachen, — ein verbrauchtes Mittelchen, in großer Gesellschaft seine gründliche Verlegenheit zu verbergen. Weder Herr Hassenpflug, noch Hr. Manteuffel noch der „kleine Alexander" (Hr. v. Baumbach) wird sich von diesem Lückenbüßergelächter imponiren lassen oder anstecken. Sie werden Hand in Hand den großen Politiker« der Neuhessischen noch sehr ost Stoff zum gedankenlosen blödsinnigen Gelächter geben, bis eâ diesen s ch a a f sinnigen Herren plötzlich durch einige unsanfte Bewegungen wie vom Himmel kommen wird, daß Spässe bitterer, bitterer Ernst waren.
Homberg, 28. April. — Kürzlich wurde dahier der Bürger Noll, der in Civilehe lebt, vor den hochgeistlichen Rath, vor den hohen Sanhedrin von Homberg gefordert. Alldaselbft wurde ihm von dem Hohenpriester desselben ins Gewissen gegriffen, wie er in einem solch' heidnischen Zustande fortleben könne, ob er sich nicht vor dem Feuer der Hölle fürchte — und mit Thränen um Besserung und Buße angefleht. Sodann wurde ihm versprochen, ihn umsonst zu trauen und Alle, die eS wollten! Umsonst! Satan hielt ihn in seinen Krollen fast und ließ nicht von ihm. Wehe! Wehe! Wehe!
A Kirchhain, 27. April. — Se. kön. Hoheit, Unser rc. trafen am 24sten dahier mit Dero Erlaucht Gemahlin, die von Frankfurt ankam, zusammen. Ein Maurerpolirer, der eS auf den Meister abgesehen, brachte ein einstimmiges Hoch auS, worauf ihm ungezogene Demokraten mit einem vielstimmigen auf Hecker antworteten. Einige Dorfmusikanten spielten jenes Lied, daS ins Lateinische übersetzt gummi elasticum genannt wird, vergebens, d. h. umsonst! Die Civilliste wirst nichts ab für Dorfmusikanten. Tröstet euch, Söhne des Orpheus, ihr werdet bald berufen sein, Choräle zu spielen. Vilmar will, daß von allen Dorfkirchthürmen von Morgens 5 bis Abends 8 Choräle gespielt werden sollen. Lobe den Herrn — Vilmar, meine Seele! — Wir können hierbei nicht unterlassen, darauf aufmerksam zu machen, daß in Groß-China, im Musterstaat, der Kaiser sich niemals zeigt. Gützlaff bkabsichtigt, diese löbliche Sitte auch in Kur- Hessen einzuführen.
> Hanau, 29. April. — Der Prozeß AuerSwalv-Lichnowsky ist beendet. Heute um 11| Uhr ist das Urtheil gesprochen. Der StaatSprokurator hatte folgende Strafanträge gestellt, gegen Georg 12 Jahre Eisen zweiter Klasse; gegen Ludwig 22 Jahre dito; gegen Pflug 6 Jahre Zuchthaus ; gegen Dietrich 3 Monate ZwangS- arbeitshauS und gegen Körber 2 Monate Gefängniß. Schon bei dieser Audienz hatte daS Publikum seinen Ausbruch deS Entsetzens nicht unterdrücken können, aber wie sollte man erstaunen, als der löbliche Gerichtshof mit drakonischer Strenge diesen Antrag noch ve»stärkte uno folgendes Unheil publizirte:
„ES rc. wird neben Freisprechung der Mitangeklagten Gambe! und Schmidt sowie sämmtlicher übriger Angeklagten, ruckst htlich derjenigen Anklagepunkte, deren sie nach dem Wahrspruch der Geschworenen nichtschuldig sind
der Angeklagte Georg und der Angeklagte Ludwig der Miturheberschaft zur Tödtung des Generals Auerswald und deS Fürsten Lichnowöky (nach Maßgabe der Entscheibnngsgrünbe), der Angeklagte Pflug der Beihülfe zur Töbtung des Generals Auerswald,
der Angeklagte Körber der versuchten Gewalthätigkeit, der Angeklagte Dietrich des LandfriedenSbrucheS schuldig erkannt, und deßhalb
Georg zu zwanzigjähriger Eisenstrafe zweiter Klasse, Ludwig zu lebenslänglicher Eisenstrase erster Klasse, Pflug annoch (?) zu 5s jähriger Eisenstrase zweiter Klasse, Körber zu sechsmonatlicher Zuchthausstrafe, Dietrich zu einjähriger Zuchthausstrafe, unter Aberkennung des Rechts, die kurhessische Nationalkokarde zu tragen, hinsichtlich deö Georg, Ludwig, Pflug, und Dietrich rc. B. N. W. erkannt Hanau, 27ten April 1850. Zuschlag, von Bischoffshausen, Bähr, von Milchling, Schmivt. vt. Berner."
^ian sah deutlich, daß die HH. Geschworenen ein solch hartes Urtheil nicht erwartet hatten, — sie geriethen in nicht geringe Aufregung — und als ihnen angekündigt wurde, wie sie daS Recht hätten, für die Angeklagten um Gnade zu bitten, erklärten sie nach kurzer Berathung daß sie dies hiermit einstimmig thäten. — ES steht zu erwarten, daß Die Vertheidiger gegen daS Urtheil die Nichtigkeitsbe- schwe.be erheben; Die Voruntersuchung, die Verhandlung selbst, die Fragestellung und die Beantwortung derselben gibt genug Punkte zu ihrer Begründung. Wir hoffen zugleich, daß Herr Pflüger, der durch seine famose Vertheidigung seinem Klienten Ludwig furchtbar gc- schabet, zum ersten und letzten Male plaidirt hat, und daß er sich in Zukunft keine Aufgabe stellt, der er durchaus nicht gewachsen zu sein scheint. — Nächstens über den Prozeß und das Urtheil eine ausführliche Betrachtung! —
O Berlin , 27. April. — Wenn doch alle Voraussagungen der Demokratie so sicher einträfen, wie diejenigen, die sie rücksichtlich der Reaktion ausgesprochen! ES ist nicht lange her, daß ich Ihnen getrieben, der ganze Schwindel zu Erfurt würde sich aus eine Me- dlalistrung der Reiz - Schleiz - Lobensteiner reduzlren. Das glaubten damals noch kaum alle Demokraten, am wenigsten die Gothaer — und heute steht es gedruckt überall zu lesen, daß Preußen bei dem künftigen Bundestag als Vertreter der UnionSmitgliebex siguriren werbe! Die Sache verhält sich folgendermaßen. Oesterreich hat bekanntlich einen Kongreß von deutschen Regierungsbevollmächtigten vorgeschlagen. Preußen war auf der Stelle 'bereit, auf dieses neue Projekt einzugehen, nur wußte eö nicht recht, wie eS seine Vertretung bei einer Der Union feindlichen Behörde mit seinen sogenannten Bestiedungen für eben diese Union vereinbaren sollte. Es erklärte deshalb, Preußen werde keinen Bevollmächtigten schicken, und sämmtliche Gothaer Blättlein erhoben einen Bewunderungsjubel über diesen Liberalismus der preußischen Regierung, noch dazu, als diese den Zusatz machte, eine solche Vertretung könne erst stattfinden, wenn die Union von Oesteirelch u. s. w. anerkannt sei. Der Jubel war wieder einmal etwas voreilig. Vor allen Dingen wird die Union gar nicht anerkannt werden, denn sie kommt niemals zu Stande, und dann wird Preußen allerdings einen Vertreter schicken, aber nicht bloß für Preußen, sondern auch für die Raubstaatlein, die übrig bleiben- So ist der Schein gerettet und daS erreicht, was man wollte: die Me- diatisirung einiger kleinen Staaten, Denen später eine noch umfangreichere nachfolgen wirb. Denn wenn die beiden Hessen und Nassau glauben, sie seien gerettet, weil sie diesmal noch den Kopf auö der preußischen Schlinge gezogen, so irren sie gewaltig. Die Reihe kommt auch an sie; nur ist eS jetzt noch nicht Zeil, und die Reaktion hütet sich vor „Uebersturzungen", die ihr den Hals kosten sonnten. So viel für heule über Diese „neue Phase in der Erfurter Entwickelung !" — Während die Erfurter schwatzen und Die Gothaer auf