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D ritter Jahrgang.

Erich eint täglich, Mentagt autgenom- men Vierteljährlicher LbonnementSprei« 8-1 Sgr. Einzelne Nummern in der Lr-

pedition (obere Entengaffe Nr. 135) zu 6 Hlr. Durch alte Postämter zu beziehen. Inserate die dreispaltig« Pelikzeilt 8 Hlr.

In Sachen der Demokratie.

3.

Die Grundlage des traditionellen Besitzes ist der historische Gott. Die Grundlage der historischen Herrschaft ist der traditionelle Besitz. Damit ist der ganze Kreis unserer christlich germanischen StaatSan« schauungen rc. vollendet. Damit sind die Stahls und Gerlachs vollkom­men gerechtfertigt, wenn sie in den Angriffen auf den Lehensverband, wenn sie in der geringsten Beeinträchtigung der alten Herrschaft ein Attentat auf den dreieinigen Gott finden, wenn sie nicht blos die Demokraten, sondern auch die konstitutionelle Partei als Räuber und Mörder, als Anarchisteu und Gottesleugner bezeichnen.

Die freie Concurrenz, welche im vorigen Jahrhundert in daS gesellschaftliche Leben geworfen wurde, war der Anfang eines allgemei­nen Massakres.Nach uns die Sündsiuth!" schrie die aufgerüt'. telte, vom Sturme gepeitschte Gesellschaft, und somit vernichtete sie den ganzen Besitzstand deS traditionellen StaateS, stellte sie alle histo­rischen Ueberkommenheiten auf den Kopf, vernichtete sie daS alte und schuf ein neues Eigenthum, verjagte sie die alten Herrscher und deren Apostel und setzte neue Herrscher und neue Apostel ein, dckretirte sie die Absetzung deS alten GottcS und empfahl dem Volke einen andern, den sogenannten konstitutionellen Gott. DaS Resultat war also ein Personenwechsel. Ist daS nicht Raub und Diebstahl, Mord und Todt­schlag? Wie nun, wenn eine gewisse Menschenklasse, die mau euch nicht nennen darf, ohne daß sich eure Haare sträuben und eure Wan­gen entfärben, wie nun, wenn diese Menschenklasse daran ein Exempel nähme, wenn auch sie ihrerseits einmal einen Personenwechsel begehrte? Diktatur deS Proletariats!!! Wenn eS wahr ist, daß zur Herrschaft der Besitz gehört, wohlan, so stellen wir eine Lehre auf, die eben so schön und religiös klingt, wie die Lehre der freien Kon­kurrenz, und nehmen euch den Besitz. Diktatur des besistzen- deu Proletariats!!! Ihr habt den Adel auS seiner Herrschaft, auS seinem Wohlleben gerissen, ihr habt dem Adel zugerufen, daß er arbeiten solle wie ihr, nun gut, der Proletarier wirst euch auS dem Besitze und donnert euch in die Ohren:Arbeitet wie wir!" WaS ist Besonderes daran? DaS ist historischer Fortschritt, daS ist die hi­storische Entwickelung. Wollt ihr diesen Fortschritt?

Die landesübliche Demokratie ist bis zu diesem Punkte deS Fort­schritts gediehen. Diese Demokratie ist unsere historische Schule. Möglich, sehr möglich, daß sie eine Zeit lang daS StaatSruder in die Hand nimmt. Dann wird sie zu erfüllen haben, waS wir ihr an einem andern Orte prophezeit haben, sie wird auf dem Scheiterhaufen, auf dem sie den historischen Staat verbrannt, schließlich sich selbst verbrennen.

Auf die historische Schule folgt eine andere, die Schule der Athei­sten, der Anarchisten, der Apolisten. Bcrlaßr euch darauf. Ob ihr Reich in einem Jahrzehend oder in einem Jahrhundert beginnt, wer weiß daö; aber eS beginnt, und ihr seid die Rabcnvä er dieses Reiches. In diesem Reiche sind alle Traditionen vernichtet, die Men­schen sich selbst zurückgegeben, in diesem Reiche findet daS Individuum seine Ursache und seinen Zweck in sich selbst.

Seid nicht ängstlich. Der Atheismus, die Anarchie und der Apo- liömuS sind nicht etwa der Inhalt der demnächstigen Gesellschaft, auch nicht die Grundlage ihrer Organisation, sie sind nichts als eine Er­klärung, auf welcher Grundlage man sich nicht entwickeln wolle. Sie bedeuten nur, daß daS Individuum sich frei und ohne Vorurtheil ent­falten soll, daß fernerhin die sogenanntenDiener deS Herrn", die Priester deS Eigenthums und der Herrschaft", nicht mehr die Seele und den Kopf deS lallenden KindeS mit Beschlag belegen und sie in traditioneller Weise verarbeiten sollen.Laßt eure Hand vom Kinde!"

-r- rufen wir euch zu,oktroyirt ihm nicht seine Zukunft, uni- formirt nicht die ganze Menschheit!" Mit diesem Protest gegen die bisherige Erziehung, »her besser gesagt, Dressur, ist die ganze Breite der demnächstigen Entwickelung angedeutet.Jeder ist seines Schick­sals Schmied." Wohlan, so sorgt dafür, daß das Schicksal der Men­schen nicht geschmiedet wird von den Händen des Vorurtheils, der Tradition, des Dogma.Haltet das Eigenthum vom Kinde!" dqS ist die Quintessenz der demokratischen Erziehungsmethode. Ihr wißt, welche» Umfang daS Wort Eigenthum hat.

Angesichts dieser Zeilen werden Biele von euch sich zu de« Stahls und GerlachS bekehren, werdet ihr lieber wieder zumdreieinige» Gott", zum historischen Eigenthum, zur traditionellen Herrschaft zu­rückkehre». Thut daS. Aber merkt euch einS: Die Restauration deS alten StaateS ist eine Unmöglichkeit. Mögt ihr jetzt den konstitutio­nellen Staat, daS moderne Eigenthum, den modernen Gott ein Ver­brechen vennen, daS Verbrechen ist begangen und historische Verbrechen lassen sich sicht wieder gut machen. Die Geschichte nimmt auch die Verbreche» als vollendete Thatsachen hin, ihre einzige Aufgabe ist die, sie zu verarbeite». Die Geschichte hat nicht, wie ihr, Furcht vor den Konsequenzen.

Wer Kourage hat, trete zu u n S. Die letzten hundert Jahre haben eine furchtbare Aufgabe auf unsere Schultern gewälzt, die Auf­gabe muß gelöst werden. Je schneller das alte Gebäude über den Haufen stürzt, desto nothwendiger ist eS, sich an die freie Luft zu ret­ten, sich feiner Lage bewußt zu werden.

Deutschland.

Kassel, 20. April. DieDeutsche Zeitung", die Trä­gerin der konstitutionellen Praxis in Deutschland, fährt fort, sich auS Kurhessen von einem muckerische» Waschweib mit Waschwasser bedie­nen zu lassen. ES hat bis jetzt auS Kassel unter der Ehiffer A zur größten Freude aller Mucker mit konstitutionellem Anstand für Gott, Kurfürst und Muck, Muck, Muck auf eine so wahrhaft doktrinär-fade Manier gefaselt, daß die Professoren derDeutschen", trotz aller auf- steigenden Bedenken und trotz deS Jammers derNeuhessischen" und derWeserzeitung", unmöglich seine klassischen Elaborate zurückweisen konnten. Man nimmt hier in Kassel an, daß die verehrte genealo­gische Kaffeeschwester mit dem ganzen Namen K lauhold heiße, Se­kretär im Finanzministerium und Freund deS Hrn. Vilmar rc., und durch Hrn. Wippermann derDentschen" aufoktroyirt sei. Ich kann mich nicht für diese Ansicht erklären, weil ich einem Intimus von Vil­mar etwas mehr Geist zutraue, wenn ich auch von einem kurh. Finanz­sekretär sonst keine Heldenthaten in dieser Beziehung erwarte. Ver­hält sich aber die Sache wirklich so, so wäre eS ein neuer Beleg, wie sich die Gothaer s. g. Menschen selbst die Pfähle i»'S Fleisch stoßen, woran sie nachher bequem gespießt werden. Jetzt scheint daS bekannte - unbekannte A auch von Marburg auS in Gestalt eines kleinen « die bekannte GesinnuvgStüchtigkeit derDeutschen" mit sei­nem Gespühl auS den Kaffeegesellschaften weiter unterwühlen zu wol­len. ES berichtet von dort über die Personalien der Universität allerliebste Gleichgültigkeiten, eS erzählt von den Studcntenkemwerscn, und wie der Mucker Vilmar in eigener Person bei einem Kommers einer Muckerverbinduug mitgezecht hat und gewitzelt. Wir bitten uns vom * und von derDeutschen Zeitung" baldigst ein GeschlechtSregi- ster über diese Mucker auS, und etwas Genaueres über Vilmar'S Ur­großmutter. ES ist unmöglich, Menschen die gebührende Anerkennung zu zollen, wenn man nicht daS Glück hat, die genaueste Bekanntschaft ihrer Mütter und Großmütter zu machen. Also heran mit der schmutzi­gen Wäsche I