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Dritter Jahrgang.
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M" 92.
Kassel, Sonnabend den 20. April
1830.
In Sachen -er Demokratie.
„Eigenthum ist Diebstahl!" — Wenn euch diese Proudhon'sche Behauptung zu schwer auf die Nerven fallen sollte, so wollen wir lieber sagen: „Das Monopol ist Diebstahl!" Seid ihr damit einverstanden?
Seit einem Jahrhundert besteht die Thätigkeit unserer liberalen Herren Sarin , alle Monopole und Privilegien mit Scheidewasser zu übergießen, die ganze wirthschaftliche Tradition zu zersetzen, über den Haufen zu werfen. Die Herren sahen nicht ein, daß der Kampf gegen daS historische Monopol der Fehdehandschuh gegen daS Eigenthum überhaupt, nicht blos gegen daS Eigenthum, sondern gegen die Monarchie , gegen den Monotheismus und damit gegen die Herrschaft, gegen Gott überhaupt war. Ist euch die Einsicht nachgekommen? In der That, die Absolutisten haben mehr Logik, alö ihr.
DaS historische Monopol, d. h. daS historische Eigenthum, ist nichts anderes als die historische Sklaverei, daö historische Vorrecht, die geschichtliche Ausbeutung der Menschen. Indem ihr diesem Eigenthum die Lehre der freien Konkurrenz vpponirtet, indem ihr dieses Eigenthum in den Strudel der allgemeinen Plünderung warft, protestirtet ihr gegen diese Sklaverei, gegen daS Vorrecht, gegen die Ausbeutung. Seid ihr eurem Proteste treu geblieben? Nachdem ihr den Adel geplündert hattet, erschracket ihr wieder über eure eigene Kourage, ihr stutztet vor der Konsequenz eurer Kriegserklärung. „Daâ Monopol ist todt!" — ruft ihr — „es lebe daS Monopol!" Oder ist die Allmacht deS Kapitals kein Monopol? Ist daö Proletariat keine Leibeigenschaft, ist die Lohnarbeit keine Plünderung der Menschen? Nachdem ihr daâ historische Monopol abgeschwemmt hattet, schwemmtet ihr daS moderne Monopol auf der anderen Seite wieder an.
DaS ist die konstitutionelle Ehrlichkeit und Uneigennützigkeit. Aber ihr ginget noch weiter. Wir wiederholen cS noch einmal: Jede herrschende Partei innerhalb deS historischen StaateS muß naturnothwendig wieder zn den alten Traditionen, den alten Dogmen zurückkehren. Sobald ihr den Diebstahl am historischen Monopol vollzogen, daS moderne Monopol geschaffen hattet, umgabt ihr dieses Monopol mit allen Attributen deS alten, ihr sprächet eS heilig und unverletzlich, ihr organisirtet zu seinem Schutze mobile Kolonnen, die ihr Polizei, Volkswehr und so weiter nanntet, ihr, — — — und daö war die vollendete Contrcrevolution! — ihr sprächet dem monopvlisirten Eigenthum die p o l i t i s ch e H e r r s ch a f t zu. Begreift ihr nun den historischen Forschritt?
Die freie Konkurrenz hat in Sack und Asche Buße gethan und der Tradition wieder Platz gemacht. Aber den Gedanken, den ihr durch den Aufstand gegen daS alte Monopol in die Welt geworfen habt, wälzt ihr nicht wieder zurück. „Der Gedanke gehört uns!" ruft der Proletarier. Und damit erhebt er sich nicht blos gegen daS Monopol, sondern gegen daö Eigenthum überhaupt, damit protestirt er gegen eure Doktrin vom Kleinbürgerthum, gegen eure Lehre von einem derben Mittelstände. Waü wollt ihr dagegen? Der Pfeil, den ihr abgeschoffen, ist auf eure eigene Brust zurückgekehrt, ihr glaubtet euch reich und ebenbürtig zu machen und ihr seid arm, bettelarm ge- worden. Daö ist die Vergeltung der Geschichte.
Und wir sollten statt deö Monopols den PanpoliSmuS fordern? DaS hieße geradezu erklären, daß daö Eigenthum die Herrschaft, daß die Herrschaft von Gott sei, daß eö wirklich einen Beruf der Mensch- heit gäbe? Begreift ihr daS? Im historischen Staate ist die Herrschaft da deponirt, wo der Besitz ist, der Beruf deS Menschenge- schlechtS ist denen offenbart, die da daö Monopol haben. Wenn der Monarch gleich Gott ist, so sind die Besitzenden gleich den Aposteln. Ob ihr diese Apostel Adel oder Höchstbesteuerte nennt, ist egal. Ihr
Beruf ist daâ Zeugniß für die Lehre. Wahrlich, eâ gibt keine größere Verblendung, alö einen „gotteöleugnerischen Kapitalisten". Nur die Existenz deö „dreieinigen lebendigen Gotteö", nur die Lehre der Offenbarung, nur die Gottesgnadenschaft der Fürsten kann die Leibwache deö Eigenthums bilden, kann dem Eigenthum seine Berechtigung verleihen.
Der PanpoliSmuS wäre nichts anderes, als eine pantheistische Konfiskation des Eigenthums für den panarchistischen Souverän. Im Wahne, daß der Beruf deö Volkes sich durch die Stimme deö gc» sammten Volkes offenbaren, in dem Glauben, daß der Staat eine allgemeine Bildungsanstalt sein müsse, würde der PanpoliSmuS, ganz in der Weise deS alten Staats, dem neuen Regenten auch den Besitz zusprechen und ihm überlassen, um der Bildung deS „Volks" willen die ökonomischen Geschäfte zu machen. Damit wären alle Individuen, damit wäre das ganze Menschengeschlecht absorbirt. Die geträumte allgemeine Freiheit würde nothwendig eine allgemeine Sklaverei sein, daS ganze Volk würde dem idealen ganzen Volke gegenüberstehen, wie ehedem die Leibeigenen dem Adel, wie heutzutage der Proletarier dem Kapitalisten. Damit würde sich der PanpoliSmuS wieder in den Mo- nopoli'SmuS auflösen, die Revolution würde wieder zur entschiedensten Contrcrevolution werden.
ES hilft nichts, die Sache ist nicht zu leugnen: „Eigenthum ist Diebstahl", mag eö dastehen als panpolistischcS oder als monopolistisches. Wie wir über den Monotheismus und Pantheismus, die Monarchie und die Panarchie hinauskommen müssen, so müssen wir auch über den PanpoliSmuS hinweg. Findet ihr darin daS Erscheinen deS jüngsten Tages, daS Ende aller Dinge? Möglich, möglich! Aber wir unsrerseits waschen unsere Hände in Unschuld, wir wälzen die Schuld auf euch! Warum habt ihr den Feldzug gegen den Besitz eröffnet? Nicht wir, sondern ihr habt die rothe Fahne entfaltet, euer Eigenthum ist wirklich und wahrhaftig Diebstahl!
Deutschland.
△ Kassel, 19. April. — „Die Männer mit dem Mühlrad im Kopfe", wie die Neue Preußische die Gothaer benamset, nachdem Vinke sich zu diesem Zustand bekannt hat, lassen sich nicht irren, aufzubauen, wo kein Grund ist, zu beschließen, waS niemals geschehen wird, und unverbrüchlich daran fcstzuhaltcn, waS sie beim ersten Pistolenschuß in den Dreck fallen lassen. Ihr Mühlrad in Köln, die „Köln. Ztg.", bestärkt sie nach Kräften in ihren tantalischen Bemühungen und hält ihnen neuerdings eine Vorlesung, wie daS unparteiische Urtheil der Franzosen, Engländer, Russen und Baschkiren über die Mühlräderei in Deutschland eitel hämische, perfide oder egoistische Lügen sind und wie die österreichische Note gegen die Militärkonventionen Nichts, gar Nichts bedeute. Gott segne euer dickes Fell und eure Studia, eure Hochgelahrtheit. Einem so schwerfälligen Herrn steht eS wohl an, wenn er zur Ergötzung der Gemüther lustig und sorglos zu sein vorgibt und leichte HanSwurstsprünge macht. In der bösen Note ist nicht sowohl dagen protestirt, daß Militäikonventivnen geschlossen werden, alS da- gegen, daß solche Staaten nicht selbständig bleiben können, — denn sie haben die deutsche Bundeöakte gebrochen und selbst ihre Stimme gestrichen; sie haben ein SouveränctälSrecht veräußert an ein anderes Bundcöglicd, wenn daö gültig sein soll, müssen sie dieselben alle veräußern, nach dem Art. VI der Wiener Schlußakte. Also müssen sie niediatisirt werden, wenn die Mililärkonvcntionen bestehen sollen. Das ist der Inhalt der verspotteten Note. Preußen wird ihn besser zu würdigen wissen alö die Mühlräder, wenn eö seine neueste Verheißung in Erfüllung bringt, die nach der „Deutschen Reform" lautet: „Die Regierung werde ihr Verhalten lediglich nach dem freien Ermessest der wirklichen Sachlage Und nach dem Bewußtsein ihrer Pflichten tthÜ