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Oesterreich.

Wie«, 13. April. Die offtcüffe ReichSzeitung" bringt heute folgende Notiz:Wie wir heute gewiß vernehmen, werden die Bevollmächtigten aller deutschen Staaten an die Stelle des Interims treten, um so das Organ deS Bundes nach Außen ZU bilden, bis man sich über die Fragen der Verfassung, welche jetzt die Spaltung hervorgerufen, geeinigt hat. Das österreichische Cabivtl hat cs übervcmmen, einen Aufruf an die Bundesgenossen zu erlassen und sie unter dem Vorsitze Oesterreichs für die ersten Tage des Mai nach Frankfurt zu berufen. Preußen selbst soll die­sem Plane seine Zustimmung nicht versagen."

**Wien, 14. April. Der Lloyd " läßt sich in einer te. legr. Depesche auS Berlin melden, daß die Regierung entschlossen sei, das Frankfurter Interim biS zur Anerkennung der Union (d. h. bis in alle Ewigkeit) zu verlängeren. Interim oder BundeStagSple- num? Wer tat Recht? Vielleicht ist ein interimistisches Bun­destag »Plenum im Stande, beide Großmächte und beide Phrasen zu versöhnen, denn der Begriff steht ja doch fest. Auf daâ Knuten läuft eS nun einmal hinaus; ob in dieser oder jener Form, über der­artige formelle Lappalien werden sich ja zwei Großmächte im Gefühle ihres europäischen Berufes zu einigen vermögen. Die in Wien Na­mens ihrer Kcllegen längere Zeit weilenden Bischöfe sind unverrichte- ter Sache heimgckehrt, da der Antrag auf Anerkennung der Freiheit der katholischen Kirche im Ministerrathe überstimmt wurde. Ein hiesiges sehr wohlunterrichtetes und von einem k. k. Offizier redigirteS Blatt verfehlt nicht, einen Fall zur Kenntniß des Publikums zu brin- gen, der wohl geeignet ist, die bürgerliche Kanaille in die Schranke» deS gründlichsten Respekts vor den uniformirten Herren zu weisen. I» dem Gasthause zu Oberdöbling fiel am 10. d. M. ein Streit zwischen eiulm Offiziere und einem Holzhändler vor. Wie gemein, ein Holz- Händler! Der Offizier gab sich die größte Mühe, letzteren dem Säbel niederzuhauen. Gegen den Holzhändler ist bereits die etraf- «ntersuchurg eingeleitet worden." Zum warnenden Exempel für alle diejenigen, welche sich beikommen lassen sollten, sich künftighin von t. k. O fizieren niederhauen zu lassen! Folgende telegr. Depesche ist den Wiener Blättern anS Triest, 13. April, zugrkvmmeu: Der DampferSchild" ,st heute früh mit einer indischen Post angekommen. Die Jncidkntal Expedition unter Sir Collin Campell gegen dre Ge­birgsbewohner ist nicht nach Wunsch ausgefallen und nach Pichauer zurr ckgc kehrt. Ein englisches Streifkorps von 3000 Mann erlitt am Kvhatt. Posse in Pschauer von de» aufständischen Bergbewohnern eine Schlappe, wobei zwei europäische Offiziere und 150 Soldaten blie­be». In Mulcaprur fern eS zwischen den Hindus und Mohamedanern zu offenem Kampfe, wobei die Stadt in Flammen aufging.

Frankreich.

* Paris, 14. April. Der Präsident liebt und schriftstellert, d. h. lieben soll er höchstselbfipersönlich , weshalb ihm auch die berühmte Lola Montez neulich einen zweistündigen Besuch gemacht hat, schriftstellern aber durch seine Bedienten. Diese seine Hand- langer tummeln ihre plumpe Rosinante auf eine so tölpelhafte Weise im Journal Napoleon, daß dadurch allein alle Achtung vor diesem Manne vernichtet werden mußte, wenn sie jemals vorhanden gewesen wäre. In der Nummer vom 14. findet man folgendes Urtheil über die gegenwärtige Verfassung:Niemand erwartete bei den Gesetzge­bern von 1848 daS Genie und den Enthusiasmus der ersten Koofti- tuirenden; allein nan konnte so ziemlich hoffen, daß diejenigen, die sich anmaßtrn, die neue Republik zu organisiren, sich wenigstens durch die Erfahrung der 60 Jahre, die uns von jener großen Versammlung trennen, belehrt zeigen würden. Gerade im Gegentheil: die Verfas­sung von 1848, verglichen mit allen ihren Vorgängerinnen, daS AuS- nahmewerk von 1793 abgerechnet , überrascht auf den ersten Anblick durch ihre ausgezeichnete Fehlerhaftigkeit. Wèr könnte an die lange Dauer dieser neuen Verfassung glauben? Ihre Urheber selbst haben, indem sie für ihre Revision einen nahen Zeitpunkt festsetzten, ihr grrin^eS Vertrauen auf die Tauer ihres Werkes ausgedrückt. Es wäre gefährlich und Frankreichs unwürdig, sich zu lange von so viel in die Augen springenden Schwierigkeiten im Schach halten zu lassen, da jeder Tag der öffentlichen Meinung die leichteste Gelegenheit gibt, die Revision von selbst auzufangen." Die Ungeduld nach der vorrnthaltrmn Krone, die Wuth über die neuen Siege der Demokra­tie und deS Sozialismus habnr dieserhonetten" Regierungsbande las litzle Restchku von diplomatischer Klugheit genommen. Fort mit der Verfassung! Revision! ist daS einzige Geichrei, dessen sie noch säh^g sind. O Volk von Frankieich, wann wirst tu deinen Richter-

über tie Häupter dieser Verräthcr ergehen lassen? Reue Gerüchte über einen Miniftnwcchsel kursiren. DaS gegenwärtige ist

dem Helden Napoleon nicht energisch genug, namentlich nicht der Na­tionalversammlung. Nächstens wird eine Schrift Ledru Rollin'â über den Verfall Englands" erscheinen, worin daS Elend der englischen Nation seit 2 Jahrhunderten dargestellt wird. Man muß diese Schrift als Gegenschrift betrachten gegen Guizot'â Abhand­lung:Warum hat inEngland dieRevvlutiongesiegt?" ES heißt, daß alle Wahlversammlungen geschlossen werden sollen. Starke Patrouillen durchzogen die ganze vorige Nacht die ruhige Stadt. Auâ Straßburg erfährt man, daß die Trabanten Napoleons große Lust zeigen, über den ganzen Elsaß den Belagerungszustand zu ver­hängen. Belagerungszustand? Auch das ist verbraucht. Steckt ganze Provinzen in'S Gefängniß, deportirt daS ganze Land ein­fältige Tamerlane und dann hängt euch selbst auf. Früher rechnet auf keine erwünschten Erfolge!

* Paris, 15. April. Heute waren die Geschäfte an der Börse gleich Null; die Börsenwölfe hingen die Köpfe. Gestern ließ man sofort, nachdem daö Wahlconclave (im Salon der Madame Ledru Rollin) die Wahl Eugen Sue'S bestimmt hatte, 180 Brieftau­ben zu diesem Zweck stiegen, die auS allen Hauptorten zu diesem Zweck nach Paris gebracht waren. In der Nationalversammlung wurde über daS Budget verhandelt; den 18. soll die Berathung über daS DeportationSgesetz beginnen. Die Kandidatur Eugen Sue'S macht auf die Gemäßigten einen noch schlimmeren Eindruck, als die deS alten Dupont , sie wird von allen demokratischen Männern ange- nommen und unterstützt.

England.

8 London, 15. April. Ich erwähnte in meinem letzten- Schreiben der Arbeitseinstellung von Ackerbauarbeitern in NottingS- hamsh-re. Heute kann ich Ihnen folgende Details über diesen strikè sieben. Beinahe sämmtliche Tagelöhner im Kirchspiel Cotgrave feiern jetzt schon 8 Wochen und weigern sich noch immer, für den Herunter- gesetzten Lohn zu arbeiten. Die Pächter beschlossen Anfangs Februar, den Arbeitslohn von 10 auf wöchentlich 9 Schilling herunterzusetzen, einige Wochen später hielten sie nochmals eine Versammlung, in der sie ubereinkamen, nur noch 8 Schilling zu zahlen. Die brodlosen Ar­beiter ziehen haufenweise in den benachbarten Grafschaften herum, um Lebensmittel für sich und ihre Familien zu erbetteln. Da durch die freie Korneinfuhr und die ungewöhnlich niedrigen Getreidepreise bei­nahe sämmiliche Pächter entweder bankerott oder dem Bankerott nahe sind, so kann es nicht fehlen, daß ähnliche Versuche zur Herabdrückung des Lohnes des Landprolelariats allenthalben wiederholt werden. Es kann nicht auSbleiben, daß die Bewegung unter den Agrikultur-Ar» beitern nach und nach eine politische Richtung annimmt; eine neue Revolution in Frankreich wird in England viel günstigere Verhältnisse vorfinden, wie die von 1848 und ein zweiter 10. April wird schwer­lich das Schicksal des Meetings in Kennington Common haben. Seit dem neulichen Anträge Lord Dumanö im Unterhause auf Ab­schaffung der Fenstersteuer, der mit 80 gegen 77 Stimmen abgelehnt wurde, sind beinahe sämmtliche Blätter voll von Besprechungen über diese verhaßteste aller Abgaben. Man glaubt, daß dieselbe daS nächste Jahr nicht überleben wird. Die liberalen Mitglieder, welche bei der Abstimmung über den Duman'schen Antrag gefehlt haben, werden ihrer Nachlässigkeit halber von den Organe» ihrer eigenen Partei energisch angegriffen und ihren Wählern denunziirt. Der Bruttobetrag der Fenstersteuer ist 1,893,988 Pfd. St. Im Durchschnitt beträgt auf jedes zur Zahlung derselben verpflichtete Hauâ die Steuer 3 Pfv. St. (21 Thlr.) Am Freitag Abend fand in der Town Hall in Bir­mingham ein zahlreich besuchtes Meeting statt, um eine Petition an das Parlament über Trennung deö Staatö von der Kirche zu bera­then. Ich erwähne dieser Versammlung, weil diese Agitation anfängt, ziemlich ausgedehnt zu werden. BiS jetzt sind eS meist nur Geistliche, die gegen die Verbindung der Hochkirche mit der Regierung auftreten, eS ist indeß kein Zweifel, daß sich die Freihändler dieser Bewegung zu bemächtigen suchen werden. Den Manchester Bourgeois sind die Millionen, welche jährlich von den Pfaffen der Slaatokirche verschlun­gen werden, ohnedies ein Greuel. Aus den Manufakturdistrikten sind die Nachrichten für daS Geschäft ziemlich ungünstig. Baumwollen- waaren und Gain sind ganz vernachlässigt. Die Spinner klagen na- mentlich über Mangel an Aufträgen aus Deutschland, Italien und der Levante. Consolö etwas niedrig r. Letzter Cours 95J».

Spanien.

Madrid , 7. Apr. Es wird sich demnächst eine Depula' tion nach Palästina begeben , um WM r aus dem Jordan für die Taufe des Kindes der Königin Isabella zu holen. Viele Personen höher» Ranges bewerben sich darum, mit dieser Sendung beauftragt zu werden.