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Eri Leint täglich, Montags ausgenom­men. Vierteljährlicher LbonnemenlLpreis 24 Egr. Einzelne Nummern in der Er-

Dritter Jahrgang.

veditiö« (obere Ent eng affe Nr. IM) zu 6 Hlr. Durch alle Postämter zu beziehen. Inserate die dreispaltige Petitzeile 8 Hit.

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Kassel, Sonnabend den 13. April

1830.

Die Lage Schleswig - Holsteins.

1.

Die blutigste Stelle in der Geschichte der deutschen Reaktion nimmt unstreitig SchleSwig-Holstein ein. Wir haben mehr und Größe­res verloren, als Nordalbingie» mit seinen Kieler Professoren, seinem feisten Rindvieh und seinen beschränkten, gutmüthigen Menschen, die für ihr Bischen Nationalität so muthr'g ihr Blut »erstritten und sich von der gekrönten Reaktion zur Schlachtbank führen ließen, ohne za wanken, aber freilich auch ohne zu denken, — wir haben mehr und Größeres verloren, aber nichts auf eine so wahrhaft teuflische Wesse. Vom 26. März 1848 an, wo zuerst preußische Truppen nach Schles­wig-Holstein aufbrachen, um „das Recht der Legitimität zu schützen und die Bewegung vor republikanischer Ueberstürzung zu behüten", bis zur Schlacht bei Friedericia, wo sich nach Abschluß des Waffenstillstan­des das GotteSguadeothum noch einmal das Vergnügen machte, im Blute der von Gott verworfenen Rebellen zu schwelgen, bis zum Stande der diplomatischen Verhandlungen am gütigen Tage, — welch eine uvuvterbrccheue Kette von rassioirtem Verrath und verräterischem Raffinement, von blutiger Treulosigkeit und treuloser Blutgier, von egoistischer Feigheit und feigem Egoismus! — Die schleswig-holsteini­sche Frage war allerdings von vorn herein eine durchaus sxicßbürgcr- Irches^i» Produkt der Kieler Doktrinärs, welche sich mit ihrer Kennt­niß der Pergamente vom Jahre 1460 brüsten , durch eine wohlfeile nationale Agitation einen wohlfeilen Patriotismus zur Schau tragen und eventualifer eine wohlfeile Herrschaft erlangen wollte». Daz« kam noch die im Interesse ihrer, durch eine Inkorporation gefährdeten Privilegien hervorgerufene Opposition der Ritterschaft, das SuccossionS- gelüste der legitimen Augustenburger, und ähnliche Albernheiten, welche die Beweguug von vorn herein verflachten, in jene Zwitterstellung zwischen Revolution und Legitimität drängten, alle Elemente der Neu­zeit ängstlich von ihr zu entfernen suchten, und durch Lüge und Halb­heit dem lauernden reaktionären Verrathe eine weite Gaffe offen hiel­ten. Die provisorische Regierung v:m 24. März war eine Ueber« rumpelung von Seiten der Augustenburger, welche Th. Olshausen und andere Häupter der demokratische» Partei als Deputation nach Kopen­hagen geschickt hatten, um ihren gefürchteten Einfluß von der Konsti- tuirung fern zu halten. So wurde der Erhebung schon danials der Charakter oktrvvirt, an dem sie später zu Grunde gehen sollte, sie war eine Revolution ohne revolutionäre Kraft, eine legitime Schild- erhebung ohne legitime Devotion ; — sie war eine Revolution, welche reaktionäre Keime in ihrem Schooße barg, die Interessen des Volkes mußten vor dem lauten Jubel des künstlich angefochten nationalen Fa- —»atismuS verstummen. Immerhin aber ist SchleSwig-Holstein ein Kind der Revolution, urd als solches ausdrücklich auch vou der Demokratie anerkanut. Alâ letztes Denkmal aus den Zeiten unserer Erhebung hat eS doppelte Ansprüche auf unsere Theilnahme und Pietät, die Revo- lution , d. h. die Demokratie ist für SchleSwig-Holstein solidarisch verpflichtet. Wenn wir auch diese Verpflichtung für den Augenblick nicht zu lösen vermögen, so dürfen wir doch nie vergessen, daß SchleS- wig-Holstcin unS gehört, und heilige Ansprüche an unsre Zukunft hat.

Daher müssen wir immer wieder und wieder auf jene Frage zu- rückkommen. — DieSache ist gegenwärtig bei der entscheidenden Kri, siS angelangt, die wir längst vorhergeschen und vorhergesagt haben Che Preußen den letzten Schlag gegen die schleSwig - holsteinische Eiche fuhren konnte, hatte eS noch eine russische Drohung nöthig. Die er« lernte Note erschien, denn Hr. v. Mependorff läßt nie auf sich warten, wenn eâ sich um daS Interesse treuer Verbündeten handelt. Die russische Depesche macht dem preußischen Kabiuet über daS zu passive Verhalten gegen die „Empörung" in SchleSwig-Holstein Vor­

würfe ; darauf wird General Rauch nach Schleswig geschickt — und erhält den Alerander-Newsky-Orden auS Petersburg. Der Zusammenhang zwischen diesen Thatsachen wird auch dem Blin­desten klar sein. Aus das dänische Memorandum vom 22. M. wird preußischer Seits erwivert, „daß ein auf die Interpretationen, welche die dänischen Bevollmächtigten den Friedenspräliminarien gegeben Hz. ben, basirler Friede nur mit Waffengewalt würde aufrecht erhalte« werden fönneu. In der That sei es schon fragst'^, ob die Konzessio­nen, welche Preußen macht, nicht die Erneuerung der Feindseligkeiten in den Herzogthümeru herbeiführeu würden". Dem dänische» Ge­sandten Herrn v. Bülow wird aber gleichzeitig privatim mitgetheilt, daß Preußen mit der dänischen Friedensbasis vollkommen einverstanden sei, und sich Dänemark gar nicht beunruhigen solle, wenn aus Grün- deu der Klugheit von Berliu auâ eine scheinbare Opposition ge­macht werde. Diese Thatsachen bedürfen ebevkallâ keiner Interpreta­tion. Die Friedensbasis aber ist folgende: „Holstein erhält eine nach einem oltiopi ten Wahlgesetz zusammengesetzte Legislatire (den übri­gen großpreußlschen Wahlgesetzen gleichlautend), um mit dieser eine Revision der Verfassung, jedoch nur für Holstein, rorzuuehmen und diese schließlich mit dem Könige von Dänemark zu vereinbaren. Schles­wig erhält gleichfalls eine Legislative nach einem oklroyirteo Wahl­gesetz, welche zwar auch eine Verfassung, jedoch nur provinzieller Natur, etwa wie eine Gemeindkvtrkassvk'L zu berathen und zu vereinbare» hat. Es wählt gleichzeitig zum dänischen Reichstage und beräth mit diesem die Militärangklegenheiten, Flotte, Finanzen und alle an diese, sowie au die höheren gesammtstaatlichen Verhältnisse stoßenden Gesetze, hat be vorgenannten Dinge auch mit Dänemark gemeinschaftlich und wird das Arrangement diescrhalb einer Vereinbarung der schleswigschen Le­gislative mit dem dänischen Gabinet Vorbehalten." Mit anderen Wor­ten heißt daS: 1) vollständige Trennung beider Herzogthümer , 2) Inkorporation Schleswigs, als einer dänischen Provinz, 3) Durchfüh­rung der Reaktion, d. h. der Erfurter Errungenschaften in Holstein und vorbereitende Bearbeitung desselben für die dcmnächfiige Einver­leibung in den preußischen Gesammtstaat.

Wenn es noch eines Belegs dafür bedürfte, daß die Absicht, alleâ Taö zu vernichten, wofür man scheinbar auftrat, gleich An­fangs fest st and und nur die Entdeckung der geeigneten Mittel einige diplomatische Schwierigkeiten verursachte, so sonnten die obigen That­sachen als solcher dienen DaS Berliner Kabiuet täuscht sich nicht dar­über, daß ein solcher Friede nur mit Waffengewalt würde aufrecht erhalten werden können. Aber Preußens Größe beruht ja m seinem firiegebeere. Das Berliner Kabiuet täuscht sich nicht darüber, daß seine FricdenSvorschläge die Erneuerung der Feindseligkeite» in den Herzogthümeru herbeifuhreu werden. Aber eS läßt in der „Köln. Zlg." — einer bekannte» Kloake für den RegierungSunrath, welche» man der liberalen Bourgeoisie vorzuwerfen beliebt — offenbar auS offizieller Feder erklären: „Wir würden bei der Lage der Dinge einen Einmarsch der holsteinischen Oic!!) Trupren in Schleswig sehr beklagen, benn damit wäre in der That die ganze Angelegenheit zu Gunsten Däne­marks (Dänen unb Preuße» sind nämlich hier il er ti'che Begriffe) zu Sude geführt" Preuße» wäscht seine Hände in Unschuld, es rst ein sehr liebevoller Zuchtmeister, eS warnt zuvor. Preußen ist aber noch viel mehr, eS ist auch durch und durch liberal. Daher hat es die abgestorbene schleSwig holsteinische Ritterschaft wieder auS ihrem Grabe Heivorbeschworen, und derselben den Befehl ertheilt, auf die oben mit« getheilte preußisch - dänische Zriedenâbasiâ hin direkte Unterhandlungen mit Dänemark anzukuupsen. Die Ritterschaft hat bereits Versamm­lungen gehalten und wird dem Befehle unzweifelhaft Folge leisten. Wer würde also da wohl behaupten können, Preußen habe die große Majorität der Bevölkerung nicht hinter sich, wenn ^eS jenen Friede» vktrvhirt und jede Rebellion dagegen mit Feuer und Schwert vertilgt?