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Oesterreich.

* * Wien , 6. April. Die Hauptschwierigkeit, mit der die Reaktion in allen Ländern zu kämpfen hat, sind die Finanzen. Hierin kollidirt daS Regierungsinteresse wesentlich mit dem Egoismus der bürgerlichen Partei, und die Finanzen sind daher der Hauptgrund deS Bruches zwischen Absolutismus und KonstitutionaliSmuS, während sich dieser in jeder andern über oder unter dem Geldbeutel stehenden Beziehung herzlich gern mit jenem einverstanden erklären würde. Wir haben gestern bereits ein Beispiel der RegierungSanimosität gegen die zähen Geldmenschen, welche nur geschützt sein aber nicht zahlen wol­len, mitgetheilt. Die vergeblichen Anstrengungen deS Ministeriums, den österreichischen Staatshaushalt, der faktisch schon längst banke­rott ist, vor dem unrettbaren Zusammensturze noch einige Zeit zu bewahren, grenzen wirklich so sehr an das Lächerliche, und sind von einem so bemitleidenSwerthen Bewußtsein der Erfolglosigkeit dictirt, daß man in den bezüglichen Regierungskreisen entweder offenbaren Un­sinn zu Tage fördert, oder geradezu kindisch zu werden scheint. Hören wir z. B. unsern guten Freund, denLloyd", der sich einer gleichen Beziehung zum Ministerium rühmt. Nachdem derselbe eine traurige Schilderung der Finanzlage entworfen, erklärt er eine Vermehrung deâ Papiergeldes für unmöglich ; denn vermittelst jeder Ueberfüllung mit Papiergeld schreitet man einen sehr breiten, bequemen und comfor- tablen Weg zum Abgrund hinab." ...ES gibt keine Genesung für unsere krankhaften Geldzustände, welche schmerzlos eintreten kann." Damit scheint auf die in Aussicht gestelltenneuen enorm einträg­lichen Anleihen" hingedeutet zu werden. Daß die folgenden Sätze aber nun wieder das gerade Gegentheil von dem enthalten, darf unS nicht auffallen.Man braucht in Oesterreich nicht den Rath zu ge- ben, schnelle Sprünge zu vermeiden, es versteht sich dieses von selbst, denn das langsame Fortschreiten liegt in dem Charakter unserer Re- gierung." Nach alledem nun gelangte derLloyd" zu dem geistrei­chen Schlüsse:Die Mittel zur Abhülfe sind leicht anzugeben. Sie bestehen in einer Verminderung der SlaatsauSgaben, in einer Ver­mehrung der Staatseinnahmen, in Verminderung der schwebenden Staatsschuld." Ist das nicht geradezu kindisch? Ist daS nicht das­selbe, als wenn ich einem bankerotten Menschen den Rath gebe, seine Schulden zu bezahlen und einem Ertrinkenden zurufe: Komm an daS Ufer, dann bist Du gerettet!? Die Rathlosigkeit der Reaktion, ihre Unfähigkeit zu herrschen, ist eine sehr komische, aber auch eine sehr erfreuliche Erscheinung.

Da man mit den Finanzen nicht zurecht kommen kann, so be­schäftigt man sich einstweilen mit solchen RegierungSmaßregeln, die weniger Kopfzerbrechen verursachen. 184 russischen Offizieren sindfür deren im vorjährigen Feldzuge in Ungarn bewiesenen Muth und be­sondere Hingebung für den Dienst, Orden mit Nachsicht der Ta­xen" verliehen. Einem soeben erlassenen Gouvernementsbefehl zu­folge dürfen während der Dauer deS Belagerungszustandes alle Werke und Flugschriften, welche karikirte Lilographien oder Lithographien ent­halten, nicht in Verkehr gebracht werden, und sind demnach, wo sie sich vorfinden mit Beschlag zu belegen. In Folge dieses Befehls ist die von Böhringer, ehemaligem Redakteur derGeißel", in Heften herausgegebene Flugschrift unter dem Titel:JllustrirteS Märzalbum von Hans Ohnefurcht" mit Verbot belegt, und dessen weitere Her­ausgabe untersagt worden. Gleichzeitig ist Schuselka'S Beleuchtung von Fiquelmont'S Schrift mit Beschlag belegt worden. Derlei gou- verncmcntale Experimente sind leicht und sehr wohlfeil. Jm Wider- spruche zu den Berliner und Frankfurter Nachrichten schreibt die Oe­sterreich. Correspondenz, daß eine angemessene Verlängerung deS Interims sehr wahrscheinlich und dahin zielende Verhandlungen bereits angeknüpft seien.

Auâ Ungarn nichts Neues, denn 14 neue Verurtheilungen, 6 zu Pulver und Blei, und die übrigen zu fünfzehn - zwölf- zehn­und fünfjährigem FestungSarrest nebst den üblichen Haynau'schen Be- gnadigungen, sind ja bekanntlich etwas sehr Altes. UebrigenS wol- len wir bemerken, daß wir niemals das ganze Register der Erhäng­ten, Erschossenen, in's Zuchthaus Geschleppten durch die RegierungS- Organe mitgetheilt erhalten. Einige Dutzend der Unglücklichen werden gewöhnlich vergessen und nur zuweilen als übersehen" in runden Summen oderen bloc" nachgetragen.

Schweiz.

* Bern , 6. April. Die Bundesversammlung ist eröffnet. Sie kennen diese Bundesversammlung. Sie wissen, wie lächerlich daS Geschwätz derNationalen" gegen daS Zusammenleben der Croaten und Diklhmarsen, der Bavaren und Polen in einer einigen, ungetheil- ten Volksvertretung ist. Als ob wir in der Schweiz nicht den Be­weis lieferten, daß Sprachen und Dialekte gar keinen Unterschied mehr

unter gebildeten Leuten machen. Hier bei und welscht und gaht " alles durcheinander, Italiener, Franzosen und Deutsche, wenn'S nöthig ist auch Russen und Preußen. Keine Seele außer denen der engher­zigen Germanen, falls diese überhaupt auf so materielle Gegenstände wie Seelen Anspruch machen, findet darin irgend eine Abnormität, im Gegentheil: jedermann freut sich im Interesse der Gründlichkeit und der Sprachkenntnisse, die deutschen Reden des Präsidenten rc. rc. durch den Dolmetscher noch einmal in französischer Sprache zu gerne- ßen, und zwar als Resumè, daS man bequem mit nach Hause nehmen kann. Aber genug! Die Bundesversammlung ist eröffnet. Die Kantönli- wappen schauen lauschend auf die Nationalräthe herab und Glauben Sie etwa, daß hier europäische Verhandlungen gepflogen würden? über so Lappalien, wie russische Noten und österreichische Truppenbewegungen, über badische Brutalitäten und preußische Garde­lieutenants? Darüber sind wir hinaus. Die Contrerevolutivn ist ein Jahr älter oder ein halbes und darum hat die Schweiz , er­lauben Sie mir daS Wort, ihrMaul zu halten". Und sie hält daS Maul. Nur Hr. Escher konnte zum Schrecken der Berner Bou- tikierS und Arkadenleute seine patriotische Hitze nicht im Zaum halten. Derexaltirte" Präsident, wie ihn die ordnungswüthigen Kreuz­ritter nennen, wagte eS, hören Sie! von europäischer De­mokratie und von Verbrüderung zu sprechen und zu versichern, daß die neue Verfassung auf alle Fälle besser sei als die alte und dem Sonderbund sein Recht widerfahren sei. Die BoutikierS können ruhig sein. Hr. Escher wird zufrieden sein, dieEhre der freien Eidgenossenschaft" oratorisch gewahrt und den europäischen Mächten gezeigt zu haben, daß man sehr wohl wisse, was zu thun sei, haß man nur nicht wisse, ob man etwaS thun solle.

Diegediegene" Rede Escher'S bildet daS Tagesgespräch. Die Kreuzritterpartei nennt sie eine Stämpfli-Apologie und eine Snellerei.

Hr. Druey hat natürlich auch seinen Senf zu der Präsiventenrede gegeben. Nachdem der geehrte Herr durch alle möglichen Kunstgriffe, selbst durch Geldspenden auS eigner Tasche, die Flüchtlinge über die Grenze und in die deutschen Gefängnisse gejagt hat, kommt er wieder zu feiner liberalen Gemülhsruhe und seinem staatsmännischen Aplomb und versichert aller Welt, daß die Berner Maiwahlen zwei wüthige Parteien finden würden (Münsinger Versammlung!), von denen die konservative sogar auf den Sturz der dermaligen Regierungspartei, auf einen Personenwechsel hinarbeite. DaS ist natürlich Hrn. Druey sehr bedauerlich. Er tröstet sich aber damit, daß sein Regimenr es wenigstens dahin gebracht habe, daß beide Parteien in ihren Pro­grammen fast überelnstimmten. Der Trost deS Hrn. Druey ist ein sehr eitler. Auf den Personenwechsel könnte doch wohl ein sehr sy- stematischer Wechsel folgen. Vielleicht macht aber Hr. Druey noch eine weitere Schwenkung, und dann ist freilich das System gerettet.

Noch habe ich Ihnen mitzuthellen, daß Hr. Ochsenbein eine Er- klärung veröffentlicht hat, er sei noch immer ein sehr liberaler Mann (trotz der eingeworfenen Fenster!); mit Hrn. Stâmpfli und Konsorten könne er aber nicht übereinstimmen. Er (Ochsenbein) wolle mit den Großmächten in Frieden leben, die Fremden zum Teufel jagen, den BundeSrath ein Bischen vernünftiger haben, und vor allen Dingen keinen Sozialismus. Er wolle Freiheit, Fortschritt und nichts als Freiheit und Fortschritt, aber keinen Sozialismus und kein Zerwürfniß mit der europäischen Conererevolution. Der Regierungspräsident Stämpfli hat darauf es für seine Schulvig. keit gehalten, dem Hrn. Ochienbein eine Erwiderung zukommen zu lassen. Er, Stämpfli, wolle das LooS der armen Klassen verbessern, aber, nur auf verfassungsmäßigem Wege, durch Steuern und Armenanstaltcn und dergleichen, versteht sich! Wie dürfte man auch den Berner Patriziern sagen, daß man extremere Maßregeln puncto socialer Neuerungen im Auge habe, als die verfassungsmäßig zulässigen.

DaS ist Alles!

Italien.

* Turin, 31. März. Der Lärm in der Kirche bei Livorno hat bereits seine Früchte getragen. Damit man für die Folge die gott- und gesinnungslosen Injurianten Seiner majestätischen Heilig­keit und deren Kuttenknappen besser in'ö Auge fassen könne, hat das dortige Militär-Kommando verordnet, daß Niemand mehr verhüllten Antlitzes zu Prozessionen zugelaffen wurde, auch die Kirchen während der Dunkelheit geschlossen bleiben müßten. Das Dekret ist ein aber­maliger Stoß in die katholischen Sitten und Gebräuche und damit in den Katholizismus selbst. ES ist so schön in der Kirche, in der Dunkelheit!

Pro nono kehrt zurück!Wahrlich, so ist'S, eS ist wirklich so, man hat mir's geschrieben, rief der Pontifex auS, als er die Kunde vernahm." Am 13. werde Seine Heiligkeit in Rom eintreffen, wenn nicht wenn nicht Cardinal Antoncü» die Bemerkung macht, daß