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tion bis zum Aeußersten vorschreiten muß oder verloren ist. Es gibt keine Versöhnung mehr. Krieg auf Leben und Tod. Und wenn Ihr siegt? Dann, — glaubt ihr, daß Ihr dann weniger verloren seid?

MLCSJilntbrit, 5. April. — Die Ernennung deS für die Prügel­strafe fanatisirten Hrn.Hohe zum Regierungspräsidenten in der Rheinpfalz, die, wie gestern berichtet, nun offiziell bestätigt ist, hat die allenfallsigcOppo- sition gegen das v. d.Pfordten'sche Ministerium in der ReichSrathökammer auf indirektem Wege um ein Mitglied geschwächt, indem Hr. v. und Zu- Rhein nun zur Nückehr auf seinen Präsidentenposten in Würzburg, wo Hohe ihn bisher supplirt hatte, genöthigt ist. Der edle Freiherr, der, abgesehen von seinen Fortschritten in der Reaktion, niemals etwas schnell gethan hat, ist zwar noch nicht abgcreist, wie einige Zeitungen melden; wird aber im Laufe der nächsten Tage München verlassen und laut seiner eigenen Aeußerung wohl erst im Oktober zurückkehren. Bis da­hin hofft er, unter dem Beistand deS Kriegszustandes, die revolutio­näre oder vielmehr „anarchische" Rheinpfalz zur Raison geklopft zu haben.

In Folge der nun vom päpstlichen Stuhle genehmigten Beförde­rung des bisherigen Domkapitulars ThinneS von Eichstädt zum Dom» probst in Würzburg, wird, da der Genannte Abgeordneter ist, aber­mals eine sogenannte Neuwahl wegen Beförderung stattfinden. Seit Eröffnung deS Landtags hat die königliche Gnade sich nun auf 5 Ab­geordnete ergossen: der Minister v. d. Pfordten ist Ministerpräsident, der unter lichteren Auspizien vom Lehramte entfernte Matador des UltramontaniSmuS, Dr. Döllinger, wieder zum Lehrstuhle berufen, As­sessor Fruih zum Landrichter, Aktuar Römmich zum Landkommissär und nun Domherr Thinnes zum Domprobst befördert worden. Daß die Beglückten immer sämmtlich mit dem Ministerium gestimmt hatten, braucht nicht besonders gesagt zu werden.

Die Kammer der Abgeordneten hat heute den Anfang zur Wie­deraufnahme ihrer Arbeiten gemacht, indem die Ausschußberathungen über das deutsche Wechselrecht begonnen haben. Die öffentlichen Siz- znngen werden wahrscheinlich nächsten Montag ihren Anfang nehmen.

Laut Briesen von ruhiger Hand, die aus Bern unS zugekommen sind, ist die Schilderung deö Münsinger Tages, wie sie die Allge­meine Zeitung brachte, von der Wahrheit himmelweit verschieden. Nicht nur sollen die gegcnübersteheuden Parteien in fast gleich großer Anzahl vertreten, sondern, waS die Hauptsache ist, daS Ergebniß der gepfloge- ven Verhandlungen soll verstärkte Hoffnung der radikalen und sichtba­res Verzagen der s. g. konservativen Partei gewesen sein. An eine Niederlage der Ersteren und Sieg der Letzteren bei den bevorstehenden Maiwahl n sei demnach kaum zu denken. Dieser Widerspruch mit den Mittheilungen in der „Allgemeinen Ztg.", so auffallend er auch ist, ist doch nicht unerklärlich; namentlich für jene Leser nicht, welche sich noch der Schweizer Berichte erinnern, welche daö genannte Blatt kurz vor und selbst noch nach AuSbruch deS Sonderbundskrieges gebracht hat, und deren gänzliche Unwahrheit später an den Tag kam. Man erzählte sich damals, daß die „Allgemeine Ztg." in Folge dieser Er­scheinung , einen radikalen Wechsel in den Personen ihrer Schweizer Korrespondenten vorgenommen habe, inzwischen aber haben sich die Dinge wieder geändert und leicht möglich, vielmehr bei der bekann­ten Achselträgerei der „Allgemeinen Ztg." wahrscheinlich ist eS, daß den damals erlassenen Federn der Zutritt in die Spalten wieder ge­öffnet worden ist. „Gleiche Ursachen und gleiche Wirkungen!": Darum setzt wieder die alten Lügeub^richte.

O e st e r r e i ch.

** Wien, 4. April. — Der „Lloyd" äußert sich über die Radowichserei in Erfurt eben so wahr, als ergötzlich: „Herr v. Ravowitz seinerseits zieht allein mit seinem eignen Korps auf die Wahlstatt ohne einen Feind vor sich zu haben, stellt sich in oratori- schein PaukwichS auf, schlägt einige Lusthiebe, die nicht einmal pfeifen und bei welchen er noch dazu jede Deckung außer Augen setzt und dann? — ja, und dann? — ja, und dann . . . zieht er ab. Er­reicht ist aber nichts, als daß, wie die Go Harr Blätter jubeln, für die Versammlung nunmehr „eine Stimmung" gewonnen ist, d. h. um im Bude zu bleiben, die zu Erfurt Convent haltenden Korpoburschen, Reuoncen und Füchse haben einigen Muth bekommen, nachdem sie ge­sehen haben, wie ihr Senior „eö kann". — Wie weil muß eS doch mit unsern armen Konstitutionellen gekommen sein, da sie sogar der kais. österr. Standrcchtöpreffe zum Gespötte dienen und einem Blatte den Stoff zu einem guten Witz hergeben, dessen klägliche Geistesar­muth gewöhnlich nur einen Kampf zu kämpfen wagt, nämlich den mit der deutschen Grammatik!

— Die geschichtliche Mission der Reaktion, die Zersetzung der konstitutionellen Lüge und des bürgerlich-anarchischen AuöbeutungS- sypems hat selbst in unserm Ministerium ein wenn auch noch so kläg­liches Werkzeug gefunden. Die gestrige Nummer des „Oesterreichische» Korrespondenten", deö bevorzugten Privatorganö deö Ministerpräsi­

denten Schwarzenberg, enthält einen heftigen Angriff auf die Bör senmänner und Geldmenschen, die mit Hohn und Verachtung jede Opposition gegen daS konstitutionelle Negierungssystem begrüßten, und dasselbe, so lange eS sie gewähren ließ, als das beste, welches möglich ist, betrachtet sehen wollten. Wer vermag daâ in­nerste Wesen der „konstitutionellen" Bourgeoisie schärfer und schlagen­der zu bezeichnen, als eS hier der österreichische Ministerpräsident in seiner gotteSgnädigen Dummheit gethan hat? — Uebrigens kündigt daS Regierungsblatt nebenbei an, daß die Finanzverwaltung sich ge­nöthigt sehe, demnächst auf den Abschluß imposant ergiebiger Anleihen bedacht zu sein (s. unten unter Mailand).

Die Nachrichten auS Ungarn, welche uns die österreichischen Blätter bringen, fassen wir kurz zusammen. Eine Korrespondenz auS Preßburg vom 31. v. M. sagt: „Der kaiserl. Bevollmächtigte, Frei­herr v. Geringer, entwickelt eine bedeutende Thätigkeit". Worauf dieselbe sich bezieht, geht auS dem folgenden Passus hervor: „seit­dem der Argwohn gegen die Juden, als wären sie vorzugsweise an d.r Revolution beteiligt gewesen, etwas nachgelassen, wendet er sich gegen die Protestanten. Schon der Name klingt illoyal." Die­jenige Arbeit also, welche Hayaau noch zu thun übrig gelassen hat, wird der Herr Civilkommiffar zu Ende bringen. — Aus Preßburg wird der „Religio" geschrieben, daß daâ Regierungsdekret, laut wel­chem an der Preßburger Akademie von nun an deutsch vorgetragen werden soll, dem dortigen Lehrkörper mit der Weisung vorgelesen wurde, daß die sich Sträubenden höher» OrtS namentlich be­kannt gemacht würden, d. h. der Haynau'schen Justiz verfielen.— Die Honveds gehen haufenweise über die bosnische Grenze, um sich dem dortigen Aufstande anzuschließen. Daher hat sich daS Mili­tärkommando bewogen gefühlt, auf die Jnhaftbringuug jedes deser- tirten HonvedS 50 fl. Fanggeld zu setzen. Ueber den Stand der bosnischen Bewegung, die für Kroatien und Ungarn leicht von der größten Bedeutung werden könnte, erhält man noch immer nur sehr lückenhafte Notizen. Den neuesten aus Bosnien eingetroffenen Nach­richten zufolge befindet sich der Pascha von Bihac derzeit nebst den wenigen Truppen, welche ihn auf dem Rückzüge begleiteten, bei dem Vezir in Travnik. Zu Bihac stehen beiläufig 2500 insurgicte bosni­sche Muselmänner, an ihrer Spitze der bekannte Kedich. Dieser ver­breitet in allen Bezirken der Kraiua Aufrufe und Waffen, um die Bevölkerung für den Fall, daß der Vezir auf der Zahlung der neuen Steuern bestände, für den Aufstand zu entflammen.

Wir sind sonst eben nicht blöde, aber zur Bezeichnung der Roh­heit, die sich in folgender Korrespondenz deö „Lloyv" aus Pesth 31. März brüstet, fehlt eö unS dennoch an dem entsprechenden Aus­drucke: „Wer gestern Abend in unsere Familienkreise getreten, harte mehrfache Gelegenheit, politische Studien zu machen. Hier stand die patriotische Mutter, umwickelte sorgfältig das Ei mit roth - grün- wei­ßem Bande, und sich' da! nur wenig Minuten, und die nationale Trikolore haftete unverwischbar — an der Schaale! Dort saß der Familienvater, um ihn herum die Kleinen, lauschend den Erzählungen vom Auferstehungslage deS MagyarenthumS, vom blutigen Osterei deâ vergangenen Jahieö. Dazwischen trat die Nacht mit ihren süßen Trän- nien: gar Mancher sah nun die unüberwindliche Armee in Flucht be­griffe», jauchzte laut auf, das „ Éljen a Magyar!" erschütterte die Lüfte; darauf der Morgen und die Nüchternheit, die tapfern Honved- Schaaren halten Wache an der kaiserlichen Burg zu Wien." — UnS kommt daS gar nicht lächerlich vor, und wir kennen eine Zeit, wo auch dem k. k. „Lloyd" der Eljenruf keineswegs so spaßhaft erschien.

Das Militärkommando in M a i l a n d hat eine âprvzeotige Zwangs- anleihe von 40 Millionen ausgeschrieben. Geld muß f—iod!

Italien.

Turin, 1. April. (N. 3 ) — Der Erzbischof von Turin hat durch sein Benehmen den allgemeinen Unwillen der Bevölkerung unse­rer Stadt erregt. Er kann sich nicht mehr öffentlich zeigen, ohne mit Pfeifen begrüßt zu werten. Am 30. April wollte sich der Erzbischof, nachdem er in der Kathedrale den Gottesdienst versehen hatte, nach seinem Wagen begeben, das Pfeifen, womit ihn beim Herauskommen auS der Kirche die Menge empfing, war jedoch so stark und drohend, daß die CaxabinierS, die den Dienst in der Kirche versehen hatten, genöthigt waren, ihn nach HauS zu geleiten. — Die Diskussion über das Gesetz Siccardi wird nächsten Mittwoch im Senat beginnen.

Türkei.

AuS dem Innern von Bosnien verlautet, daß Omer Pascha (be- kanntlich ein Renegat auö der k. k. Grenze gebürtig) bereits mit ei­nem Heere von 40,000 Mann , in Bosnien bei Nowi Bazar ringe- rückt sei. Seine Avantgarde soll bei Sceniza auf der Straße nach Sarajewo stehen. (^ 3 )