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Dritter Jahrgang.

pedition (obere Entengasse Nr. 132) zu 6 Hlr. Durch alle Postämter zu beziehen. Inserate die dreispaltige Petitzeile 8 Hlr.

Stift eint ttigtift, Montags ausgenom: men. iBierteliäbrlifter Abonnemenrspreis 24 Sgr. Einzelne Nummern in der Er-

orniss c.

M"- 83.

Kassel, Mittwoch den 10. April

1830.

Der Bundestag, unser letztes Heil

Die Fürsten von Groß- und Klein-Scheerau, von Flachsenfingen, von Reiz Greiz und von Dingsda haben alle Hände voll zu thun ; Kounre fliegen, die Telegraphen arbeiten, Ertrazüge mit Kronwagen führen Prinzen und Prinzessinnen zu Konferenzen hierhin und dorthin; die Truppen werden gerüstet und außerordentliche Kredite verlangt und bewilligt, um das 11 Mann starke Heer auf zwei ganze Mann zu bringen und einen glänzenden und zahlreichen Generalstab zu be­solden. Die Diplomaten rennen umher mit verschmitzten und gewich­tigen Mienen, mit dicken Pergamentrollen in den Taschen, worin das einzig ausführbare Projekt gegen die deutsche Einheit enthalten sein soll, und zugleich daS unfehlbare arcanum gegen die Freiheit. Das ist eine Geheimthuerei, ein Orakeln, ein Jntriguiren und Ma- növriren, daß Niemand daraus klug werden kann, und von Rechts­wegen! Denn es ist das dümmste Zeug von der Welt. Nur eine Menschenrasse bemüht sich, den Unsinn zu ergrübeln und zu verdauen; mit gelehrtem Kopfschütteln giebt sie zu verstehen, daß sie Alles be­griffen, daß sie hinter all' diese Schliche gekommen und daß sie die­selben verhindern werde, denn sie sei der Netter, der einzige pro­duktive Stand deS Vaterlandes. Diese hochwohlweise Menschenklasse sind die deutschen Professoren und ihre Schüler von Gotha. Darob lachen und lächeln die großen und kleinen Diplomaten, die Kamarillen von Petersburg, Wien, Berlin, München und Kleiuscheerau, indem sie mit ihren goldenen Ringen spielen und sich auS ihren silbernen Dosen mit einigen Priesen Contenance bedienen; und um sich einen Spaß zu machen, lassen sie in der Ferne ihre Kosacken ein KriegS- gebrüll erheben, oder in der Nähe einen Böller lösen zu irgend einem der 11,000 heiligen Geburtstage unserer allergnädigsten allerdurch­lauchtigsten Zivillistenvertilger und Hofhundehalter: und Todten- bläffe bedeckt sofort das Antlitz der Allongenperücken von Gotha, und ihr Mund wird schweigsam und ihr hochgepriesener Muth verwandelt sich in ein höchstbescheideneü Retiriren. DaS Volk aber begreift von all' Dem Nichts, als daß von dem einigen allgemeinen deutschen Reiche Nichts vorhanden ist, als der allgemeine Reichswirrwarr, der mit dem Reiche, welches die Gothaer aus den alten Folianten hcrauS- gestäubt, von Neuem zu einem lustigen Sein erwacht ist und das Reich selbst überlebt hat. Das Volk begreift, daß weder die schweins­ledern - beunterhosten Professoren MannS genug sind, mit ihren tinte- beklexten dürren Gliedmaßen einen lebensfähigen Organismus zu er» zeugen, noch die mit Goldtrödel behangenen Diplomatenaffen, diese Hohlschädkl, von denen Demokrit von Adder« sagen würde, daß sie schon kein Gehirn gehabt hätten, als sie noch in ihrem Urgroßvater eingeschachtelt waren, diese nichtig - wichtigen Knirpse, welche von der Vergangenheit längst entmannt sind, diese Abderiten, die um den Schatten deö Esels prozessiren, während der Esel noch geboren wer­den soll. Dieser Esel ist die deutsche F ürste n einhe it. Gott sei Dank! Diese Kastratengesellschaft wird niemals Nachkommenschaft ha­ben, waS den Geist betrifft, und das Volk wird stetâ von Neuem in die Nothwendigkeit versetzt, die Hacke, die eS jetzt führt, um sie mit Gold und Orden zu bedecken, zu schwingen, um ihnen den hochadeligen, hirnlosen Schädel einzuschlagen und die Welt von der regierenden Dummheit der Geburt zu befreien. Der gewaltige Geist der natür­lichen VolkSursprünglichkeit wird stetâ von Neuem lauter und lauter gemahnt werden, den Schändern seiner Größe den Garaus zu machen. Denn waâ wird daS Resultat der Kongresse und Konferenzen, der Entwürfe und Gegenentwürfe, der Bündnisse und Sonderbunde, waâ wird das Ende vom Wirrwarr sein? Daö ganz Alte der alte Bun- destnH. Gestützt auf die Verträge von 1815, auf die Vundeöakte »nd die Wiener Schlußakte wird ein halbverwester Leichnam auf Au­

genblicke lebendig gelogen werden, um ihm ein gültig Testament unter­zuschieben, in welchem unsere Henker zu seinem Erben erklärt werden; also verkündet unâ Sancho-Pansa- Bl ittersdorf. Oester­reich wird daâ Plenum des alten Bundestags berufen, d. h. alle Fürsten und FürftleinS, und Preußen wird Nichts dagegen einwendeu, und von diesem Plenum wird der Einkönigs - und Dreikönigâbund, werden Erfurt und München zitirt und gerichtet werden, um alö neuer Bundestag wieder aufzustehen. In Frankreich restauriren sie an der Monarchie, in Italien am Pabstthum, in Deutschland am Bundestag, dem Knutenmeister und Büttel der Partikularfteiheiten, dem Ver­nichter der Einheit. Also der alte Tanz fängt von vorn an. DaS ist einfach, und das ist gut! Wir wissen, waS wir zu thun haben!

Deutschland.

** Kassel, 9. April. Ein Kasseler Korrespondent berichtet der Nationalzeitung und dem Frankfurter Journal, das gegen den Mus­ketier Mantel wegen seiner Betheiligung an der badenerVerfaffungs- campagne" gefällte Todesurtheil sei vom Generalauditorate bestätigt worden. Wir können versichern, daß dem nicht so ist. Obwohl schon circa 5 Wochen vorüber sind, ist noch kein Spruch erfolgt, rc. Mantel, der fortwährend den Wunsch hegt, erschossen zu werden, ist noch in völliger Ungewißheit über sein Schicksal.

Derselbe Korrespondent versichert dem Frankfurter Journal, daß Seine königliche Hoheit, der Kurfürst, pur und allein in Familien­sachen abwesend sei. Er sei an'S Wochenbett seiner Tochter geeilt. Dem ist ebenfalls nicht so. Seine königl. Hoheit reisen in Politik. Der Vorstand deS Ministeriums des Auswärtigen, der schwarz-gelbe Hr. v. Baumbach, ist ihm zur Auâhülfe nachgereist.

X Kassel, 8. April. Wir halten es für unsere Pflicht, eine Versäumniß gut zu machen. Die vergessene Nachricht betrifft eine Handlung deS Abgeordneten Cöster aus Hanau. Derselbe hat nämlich am 2. April für den in Hanau inhascirteu Freischaarenhauptmann Dietz, der vorher daö traurige Vergnügen der Kasemattenhaft in vollen Zü­gen genossen, eine Kaution von 1000 Tblrn. gestellt, und ihm dadurch vorläufig die Freiheit wiedergegeben. Die reichen Verwandten unseres Freundes Dietz hielten es für ein Verbrechen, für einen Hochverräther ihr Sündengeld anzulegen.

So viel wir wissen, ist nunmehr bloö noch Franz auö Kassel in Haft. Hoffentlich werden doch endlich die Geschwornen überSchuldig" oderNichtschuldig" urtheilen! dünkt und, Zeit zu sein!

4, Kölbe bei Marburg, 31. März. Ob die Arbeiter eigent­lich zu den Menschen gehören, ist und bleibt natürlich immer eine Frage, d. h. sie bleibt so lange, biü die Arbeiter einmal daö Blätt­chen umkehren und ihren Drängern und Drückern, den Faullenzern und Tagedieben beweisen, daß der Arbeiter eigentlich der Herr und des­halb befugt ist, die sogenannten Herren unter seine Aufsicht zu stellen. Ein kleiner Systemwechsel, aber ein sehr nothwendiger, der in der Kürze eintreten dürfte!

Dermalen gehören aber die Arbeiter noch zu den unvernünftigen Thieren, die man nach Belieben verhungern läßt, wenn man sie nicht zum Schlachten aufspart. Zum Beweise theile ich Ihnen Folgende- mit: Am Hauptgesims unserer hiesigen beiden Brücken der Main-Weser- Bahn erhielten die Steinhauer bisher für den laufenden Fuß 18 Sgr. Der geringe Lohn hatte seinen Grund, wie gewöhnlich, darin, daß die Arbeit in Akkord gegeben war, und der Unternehmer natürlich von dem lölichen Gesichtspunkt ausging, auf Kosten der Arbeiter so viel alâ möglich zureißen". Ueber diesebürgerliche" Plünderung be­schwerten sich die hiesigen Steinhauer beim Ingenieur, der ausnahms­weise für die Zukunft einen Lohn von 20 Sgr. versprach. Dagegen erhob sich der Maurerpolir. Zunächst kündigte er sans facon sämmtlichen Sie tu*