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verschc Negierung zwar an den Verträgen von 1815 festhalten, aber eine umfassende Revision derselben mitbeantragen. Sie werde zur allseitigen Verständigung nach Kräften Mitwirken und namentlich dafür, daß ohne Zustimmung aller Bundesgenossen weder ein engerer Bundesstaat errichtet werde, der eine Mehrzahl deutscher Regierungen an den überwiegenden Willen eines Einzelnen bindet, noch daß, ohne gleiche Zustimmung, Deutschland eine Gestaltung erlange, welche die dringendsten Bedürfnisse deS gemeinsamen Vaterlandes unvertreten und unbefriedigt lassen müßte.
Man muß es Hrn. Stüve und dem hannoverschen Staatsmini- sterium lassen, daß es die einzige deutsche Regierung ist, die mit wirklich staatsmännischer Einsicht und mit schlauer Politik eine ganz unabhängige Stellung einnimmt, die eS damit zum Vermittler der widersprechenden Entwürfe und Vorlagen stempeln, und dem sämmtliche Regierungen zum größten Danke verpflichtet sind, oder zum Gegentheil. — Man vergesse dabei nicht, daß Hannovers Lage diese Politik wesentlich begünstigt.
* Mannheim, 1. April. — Die Freundin des Hrn. A. in der „ Deutschen Zeitung " und des Hrn. Vilmar und Hassenpflug die Karlsruher Standrechlsdirne, berietet von hier, daß doch endlich einmal die Dsterfeiertage einen kirchenfeierlichen Charakter gehabt hatten — sie jubelt, daß die Läden rc. wieder bei Strafe geschlossen sein müßten und gibt zu verstehen, daß die Republikaner in Baden keine wahren gewesen sein konnten, weil es unter ihrem Regiment nicht ebenso gewesen. Ich bin auch der Ansicht, daß man die Leute im Nothfall mit Kartätschen in die Kirche treiben muß. Dahin wirds ja auch noch kommen. — Ueberhaupt treiben die Pietisten und Jesuiten hier zu Lande ihr vorsündsiuthliches freches Spiel. Die Pietisten halten Wunderversammlungen; „innere Mission" nennen sie ihre dummen Schurkereien, mit welchen sie für Preußen werben, dessen Truppen daher stets zu ihrem Schutze bereitstehen. Die Jesuiten treten offen noch alb spätres societatis Jesu und verkaufen — AblaH - zettel und werben für Oesterreich. Pietisten und Jesuiten erhallen frei Quartier auf Kommando. Das Volk schweigt, weil — es ui iif; Aber . . . Aber . . . . !
O e st e r r e i ch.
* Wien, 30. März. — Kürzlich ereignete sich hier ein Vorfall, der allgemeines Aufsehen macht. In der Hofkirche wurde der Prediger Veith bei der Aeußerung: „Die Religion sei nicht gegen dre Freiheit", von zwei Studenten, Rasselöberger und Roth, mit dem Ruf unterbrochen: „aber Du bist dagegen, aber Deine Religion ist dagegen!" Der Blut-Junge Kaiser verließ sogleich die Kirche. Solche gekrönte Straußenköpfe dürfen von solchen Sachen nichts wissen, — wenn sic's nur nicht hören, dann ist's Nicht da! — Die beiden Studenten sind dem Kriegsgericht ausgeliefert, was ihnen hoffentlich nicht wehe thun wird; denn Pfaffenfreunde sind die Soldaten nie gewesen.
Wien, 1. April. — (N. D.) — Kürzlich wurde in Klausenburg ein gewesener Houvedlieutenant, welcher Privatunterricht ertheilte, im Stillen arrctirt. Nach dem Austrage des summarischen Verhörs ergab es sich, daß er die Tochter eines galizischen Beschälldepartementö- beamtcn Pauline Pf. ist. Dieses Frauenzimmer war schon in den Jahren 1847 und 1848 als Mann verkleidet bei einer Schauspieler- gesellschaft, ließ sich dann bei einem Honvedbataillon anwerben, ging zur akademischen Legion über und machte das Gefecht bei Dees und Gatfalva, die Schlachten bei Hcrmanstadt, Stolzenburg, Salzburg, Mühlbach und Broos mit. Bei letzterem Orte wurde sie wegen Bravour von Bem zum Lieutenant ernannt und kam endlich, durch zwei Schüsse im Fuße verwundet, in Gefangenschaft nach Karlsburg.
Frankreich.
t Paris, 2. April. — Die Broschüre â bas le suffrage unixiersel erregt einiges Aufsehen, sie ist von einem geistreichen Demokraten und ehemaligen Sekretär Ledru-Rollin'S. — Mit Erstaunen sieht man die verrückten Seiltänzer in den Lüften gaukeln, die den Präsidenten zu einem coup d'état treiben wollen; sie brechen sich die Hälse und verursachen gewiß, daß er noch so manchem andern Manne ihrer Partei gleichfalls gebrochen werden wird; IN der letzten Nummer seines (in miserabelm Französisch) von ihm selbst geschriebenen SonntagöblattS „Napoleon", weswegen die demokratische Presse ihn oft höhnisch den SonntagSkaiser nennt, erklärt der (dem Säuferwahnsinn übrigens nahe) Präsident Louis Napoleon Bonaparte, er könne nicht mehr Frankreich in den Krallen der s. g. Preßfreiheit sehen. Wie gefallt Ihnen dieser SatzV — Weiter: „Daö b g- allgemeine Stimmrecht paßt nicht für Frankreichs Republik, eö taugt höchstens für Nordamerika". Wie gefällt Ihnen diese Erklärung des obersten Wahlbcamten der Republik? — Weiter: „Der Polizeipräfekt Carlier wird vom Präsidenten zum Polizeiminister er
hoben weben, denn nur ein Minister kann das Land in der Faust halten, und die Julirevolution, sagten Viele, wäre unmöglich gewesen, wenn ein Polizeiminister oben gestauten hätte. DaS Vaterland wird mancherlei Proben binnen zwei Jahren zu bestehen haben." Nämlich der Präsident wird es auf die Probe stellen; wobei wir wohl zugleich die Konsistenz deS präsidentiellen Hirnschädels erproben dürften. DaS Heiterste kommt zuletzt: „Die Regierung (b. h. Er, der Unvergleichliche, der Größte der Großen) erklärt hiermit, sie werde nur so lange mit der Kammer harmoniren, als diese Ernst bezeigt und wirklich die Ordnungsgesetze votirt, und zwar binnen vier Wochen." Wo nicht, so wird Zwist auSbrechen, auf Deutsch; und der Präsident wird wieder die Kaisermarotte hervorholen. Die Polizei fährt fort, die Straßenmauern mit Plakaten überziehen zu lassen, worin die Republik verhöhnt und zu einer Emeute herausgefordert wird. Es ist sehr wahrscheinlich, daß dies Provokationöspstem noch nicht seinen Gipfelpunkt erreicht hat; wenn es aber nicht bald eilt, dorthin zu gelangen, wird eS gestürzt. Die kleinere Bourgeoisie, die endlich auf einen revolutionären Pfad gekommen ist, wird hoffentlich darauf bleiben; nur ist es zweifelhaft, ob das Heer sich zu unS hält. Zwar sind viele, sehr viele Insurgenten auS dem Milirär nach Algier geführt worden, man zählt mehrere Tausende schon dort von allen Truppengattungen, die man in die Strafkompagnien am Saume der Sandwüste steckt, wo sie meistens sterben oder sich die unnatürlichsten Laster angewöhnen. Allein es ist noch keinesfalls sicher, ob dieses demokratisch bearbeitete Linienheer auch in Reihe und Glied sich demokratisch unö gegenüber gebehrden würde; an der Wahlurne, am Spieltisch, Hinterm Gläschen sauerm Rolhwein hat der Soldat am Ende wohl auch etwas Demokratismus im Kopf, aber wenn getrommelt wird, geht das Alles wieder in Rauch auf, und er schießt wie nach der Scheibe auf die Leiber seiner demokratischen Bruder ohne Uniformen. Mit Trauer bemerkt man die schauverhafte Verwahrlostheit des jugendlichen Gemüths in politisch-sozialer Hinsicht, wenigstens fällt in Panö fast alle Woche ein Skandal vor, der klar beweist, wie schrecklich die pesiilenzialischen, geheimen Einflüsse der aristokratischen Gesinnungen der Eltern auf die Kinder in der Schule sind und auch so lange sein werden, bis das Ruder in die Hände deS obersten SlaalSrathö kommt, des ächten, sozialen Staatsraths. Proud- Hon schwätzt auS Neid gegen Louis Blanc den gräulichsten Unsinn in dieser Beziehung. Die Professoren uno Sludienaufseher in den diver- jen GymnaNen (f. g. Colleges) von Paris sind seit 2 — 3 Monaten stvckjesuttisch - royalistisch geworden, theUS durch Androhung, sie abzusetzen (wodurch mancher, der Familie hat, in's Proletariat herabsänke oder hungerte), theils in Folge der Ersetzung durch anti-republikanische; die Zöglinge sind beispiellos erbittert gegen alles, was an die Diepubht erinnert, und wenn unter ihnen einer dem Troß widerspricht, kriegt er Prügel, oder wird bei den Oberen angegeben. Dahin hat eö die Milde, d. h. die philanthropische Feigheit, der Republikaner von 1848 gebracht! — Unsere deutschen Freunde , die demokratischen Flüchtlinge Friedrich Krüger (aus Königsberg), Redakteur des demokratischen Danziger Blattes, und Dr. Juris Ernst Dronke (auS Koblenz), Redakteur der „Neuen Rhein. Zeitung", reifen ab, von der Polizei verwiesen. Dronke hatte noch vorher ein Piftolenduell mit einem Wiener Flüchtlinge. — Die Theater sind voll wie immer, zwei neue Stucke, und obendrein Revolutionsschilderungen von 1792 und 93 enthaltend, erlegen den Zorn der Reaktion; Camille DeömoulinS spielt auf der Bühne porte St. Martin und Eyarloite Corday auf dem Palais-National *J. UebrigenS ist beides ziemlich parteilos gehalten, und das war nöthig in Paris, wo so viel blutige Erinnerungen an jene Zeit existiren, und noch blutigere Lorhcrahnduugen einer baldigen Zukunft. — Eigentlich geistvolle Schriftsteller zählt die Reaktion nicht mehr; der unter Louis Philipp so beliebte JuleS Jani» ist total verfault — dieser Ausdruck rst nicht zu hart — und wenn er nach langen Pausen einmal ein Feuillelvii im „Journal deS Debatâ", voll lappischen Hohns gegen die Republik, loskreiseln läßt, so erregt er unter seinem eigenen Gelichter sogar keine Bewunderung mehr. Die Possen des He»rn Caffagnac sind etwas derber, sie waren schon als tue,er Schinke (der an 98,000 Franken durch falsche Eide und falsche Wechsel gewonnen, und 200,000 baar durch die Heirath einer Pflanzer Stochtrr, wofür der Schurke einen Kontrakt unterschrieb, in seinem „Globe" und sonst noch stets die Negersklaverei vertheidigen zu wollen) unter Louis Philipp „wirkte und schaffte", oft gar zu derb: er ist kein Talent, womit bie Reaktion glänzen könnte. Ebenso der trockne Schleicher Capo de Feuillide (der Hofskribent deâ verjagten Königs), der indeß viel Febergewanoheit besitzt. Kein einziger aller der vielen und vielbesoldeten, wohlgenährten, gut logieren Schriftsteller im Schanddienst der Reaktion, hat bisher sich als Mann von
* ) Wir erinnern bei dieser Gelegenheit an einen 1647 von Dr August Hermann Ew-rveck erschienenen Aufsatz über Jean Paul Maral (den sich ^emoiselle Cyarlotte Corday zum Schlachlopser erkoren- in b.m Püttmann schen Lurgerbuche,