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können, wenn etwa die deS Mords von Lichnowökp und AuerSwald angeklagten Männer wegen mangelnden Beweises in Hanau freigespro- chen werden dürften. — Hrn. Richelieu -Hassenpflug aber haben wir jetzt allein hier, waS ihm wohl bekommen möge, wünschen wir!
* Kassel, 4. April. — Der Finanzreferent Dr. Harnier ist aus dem Ministerium getreten und hat eine Advokatur übernommen; wir können einem solchen Schritt unsere Anerkennung nicht versagen, obwohl wir recht gut wissen, wie alle Konstitutionellen mit uns überzeugt sind, daß ein Hassenpflug nichts vergißt und daß man noch nach Jahren über die Höhe fliegen kann, wenn man auSgepreßt ist. Der Schritt Harnier'S ist also mindestens klug.
* * Kas Hong - Kong - sel, 5. April. — In Sachen China's. Alle alten Chinesen mit kurhessischen Zöpfen werden vom Vorstand deS kurhessisch-chinesischen MisstonSverelnö für Bekehrung der Chinesen in China auf Mittwoch den 24. d. nach Trey-Nan- King - sa entboten, um dorten daS Zopf- und JahreSfest ihres Chine- senthumö zu feiern, wo sie der Oberchinese Metropolitan von Roques erwartet, um ihnen den ehrwürdigen Dr. Gützlaff auS chinesisch Hongkong vorzustellen. — Sela! —
8 Marburg, 3. April. — Gestern kam Se. königliche Hoheit durch und wurde vor der Stadt wie gewöhnlich von Magistrat und dergl. Volk bewillkommnet; — einige Straßenjungen riefen Hurrah.
^Homberg, 4. April. — Diese Mucker sind enragllt für die Emanzipation deS Fleisches; sie haben das immer bewiesen durch ihre lebhafte Zuneigung und Würdigung von Wein, Weib und Geldsack; jetzt werden sie den Weibern auch alle Bürgerrechte rc. verschaffen, um Nichts an ihrer Aehnlichkeit mit den tollsten Kommunisten fehlen zu lassen; — bereits lassen sie dieselben ihre Stimmen für Hassenpflug abgeben hier und dort. So sollen auch in Homberg Frauen durch ihre Unterschrift dem Kurfürsten ihren Dank für die Berufung des ObergcneralS auSgedrückt haben, und ihre Hoffnung, nun endlich vom Teufel erlöst zu werden, der ihnen bis jetzt so viel zu schaffen machte, wenn er ihnen erschien von Antlitz und Gestalt und Kleidung gleich einem ehrbaren Geistlichen. Denn ach, wie er vor Zeiten die Kulte deS Mönchs nicht verschmähte, um fromme Nönnlein helmzusuchen, so liebt er jetzt das Aussehen protestantischer Pfäfflein über die Maßen.
* Hanau, 3. April. — Also am 8. wercen die Verhandlungen über die deS Mords von LichnowSky und AuerSwald Angeklagten beginnen, wozu 150 Zeugen auS Frankfurt, Bockenheim rc. vorgeladen sind, und die leicht 3—4 Wochen andauern können. Hauptangeklagte sind folgende fünf Männer: 1) Peter Ludwig, Schneidergeselle auS Bockenheim, ledig (dreimal wegen Diebstahl bestraft), 27 Jahre alt, wird beschuldigt, beim Zuge der Bockenheimer gewesen zu sein, daö Schmidtsche Haus durchsucht zu haben, und alö die Depulirten aufgefunben, AuerSwald durch einen Schuß verwundet und Lich- nowSky die tödtliche Schußwunde im Rücken beigebracht zu haben. Gegen ihn liegen gravirende Aussagen vor. 2) Ackermann Iohannes Pflug von Ginheim, 42 Jahre alt, Eigenthümer eines großen aber verschuldeten Bauernguts, verheirathet, Vater zweier Kinder, mit guten Leumundszeugnissen, soll ebenfalls bei besagtem Zug gewesen sein, wie bei der Haussuchung und der HerauSschleppung der beiden Deputaten. Gegen ihn sind fast gar keine gravirenden Aussagen vorhanden. 3) Daniel Georg, Schuhmachermeister aus Ginheim, verehelicht, Vater von zwei Kindern, von gutem Leumund. Er soll den Zug der Ginheimer zu Stand gebracht und angeführt haben, Gewaltthätigkeiten gegen daS Parlament beabsichtigt haben, bei der Haussuchung und HerauSschleppung ihätig gewesen sein, auf Auerswald geschossen und daö Zeichen zum Erschießen Lichnowly's gegeben haben. Gegen ihn liegen mehrere gravirende Zeugenaussagen vor, auch soll er sich seiner That gerühmt haben, womit widerspricht, daß er auS Frankreich, wohin er entflohen, nach Hauö zuruckkehrte, um sich den Gerichten zu überliefern. 4) Schneider Matthias Korber auS Ginheim, 55 Jahre alt, von gutem Ruf, soll mit einer Lanze bewaff- net im Ginheimer Zug und bei der Haussuchung beteiligt gewesen sein, dann Wache gestanden haben, um daö Entweichen LichnvwSkp'ö zu verhindern. 5) Steinhauer Ludwig Dietrich auS Bockenheim soll als Fahnenträger im Zug gewesen fein, das Schmidtsche Hauâ mit durchsucht und mit der Fahne nach AuerSwald geschlagen und sie beim Herauoichleppen Lichnowskp'S vor diesem geschwungen haben. __ Mitangeklagte sind Heinrich Gambel und August Schmidt von Bockenheim, welche vor dem dortigen Rathhause von dem Bürgermeister die Waffen verlangten. - Nach allen Nachrichten auS Hanau sollen die Angeklagten nichts weniger als muthloS sein, da sie selbst der ihnen zur Last gelegten schwersten Vergehen durchaus nicht geständig und die Anschuldigungen der Hauptzeugen nicht sehr ins Gewicht fallen Ganz Hanau hofft auf Frei,prechung.
O Berlin, 3. April. - „Der neue hessische Minister (Hassen- Pflug) ist der vertraute Freund deS Hrn. V. Radvwitz, mit welchem er
sogar auf Du und Du steht." Diese Worte deS Erfurter Korrespondenten für die AuSgburger Großtante geben einige Aufklärung über den kurzweiligen Aufenthalt deS Hrn. Hassenpflug zu Erfurt. Der hef- sische Premier ist der erklärte Freund deö Hrn. v. Radvwitz, er ist aber auch zugleich der erklärte Feind deö engeren Bundesstaates. — Die Gothaer mögen sich diese beiden unumstößlichen Wahrheiten zusam- menstcllen und daraus auf die Aufrichtigkeit deS Hrn. v. Radvwitz und feiner Bemühungen für den Sonderbund schließen. Sie werden die Flügel dann noch mehr hängen lassen, als sie jetzt schon thun. Hr. v. Hassenpflug tritt übrigens in die Fußtapfen seines erklärten Freundes. Er hütet sich wohl, seine wahren Ansichten vor aller Welt auSzupo- saunen. Mit Vorsicht kommt man besser zum Ziel. Deshalb hat ir die „ReunionSkammeru" nicht gleich, wie er wohl möchte, von vorn herein für eine Tollheit erklärt, sondern für'S Erste seine unmaßgebliche Meinung dahin ausgesprochen, daß man vor allen Dingen frisch an die Revision gehen, und auf die Blokisten weiter keine Rücksicht nehmen solle. Er ist zwar noch auf einigen Widerstand gestoßen, denn Rabowitz hütet sich wvhl, ihm beizustimmen, weil er dadurch seine Gothaer Reputation verlieren würde; aber er hat versprochen, wiederzukommen und weitere Propaganda für seine Idee zu machen. Eine prächtige Propaganda, die man mit russischem Gold und preußischösterreichischen Bajonetten unterstützt! Wir zweifeln nicht, daß sie gute Fortschritte machen und einen großen Theil der Professoren überzeugen wird. Nun Hr. v. Radvwitz und Hr. v. Hassenpflug Hand in Hand gehen, sind unsere Besorgnisse für die deutsche Einheit vollkommen beteiligt. — Daö Gerücht von einem Abtrcten Manteuffels hat sich, wie vorauSzusehen, in Nichts bestätigt. Damit ist indessen noch nicht gesagt, daß er seinen Austritt nicht in Aussicht gestellt hätte, wofern man einige „liberale" Propositionen nicht annehme.. Ich glaube, eS wird sich später eine Gelegenheit finden, auf jenes Gerücht zuruckzukommen. Uebrigenü sind sämmtliche Akteurs bei der Erfurter Komödie wieder nach dem Orte der Vorstellung abgereist. Dagegen ist ein anderes Ministerium glücklich begraben worden, das Schweriner nämlich. Hrn. V. Florencourtö Posaune (sie soll ja wohl bald bei Ihnen ertönen‘0 hat richtig die Schöpfer der Verfassung vom 10. DT^ loder fortgeblasen. Mecklenburg tritt nun in die Reihe der wahrhaft konstitutivnellen Staaten ein. — Einige Korrespondenten wollen wissen, die letzte russische Note sei sehr versöhnlicher Natur gewesen. Wir haben baü nie in Abrede gestellt; für Ernst haben wir die russischen Drohungen nie gehalten und an der zukünftigen Versöhnung haben wir nie gezweifelt. Die Katze geht auch sehr versöhnlich um mit der MauS und spielt mit ihr, so lange sie Lust hat; nachher frißt sie sie doch auf. — In Bezug auf die Würtembergische Thronrede lenkt man bereits ein; nicht unser König, sondern die Gothaer, die ihn umstricken, will man unter jenen „Verblendeten" u. s. w. verstanden haben. Der Zweck ist jedenfalls erreicht; die „Eigentlich.»" glaubten Wunder, was für ein stattliches Hauö sie gevaul hätten, weil ein König mit Steinen danach warf. Jetzt zeigt sich's nun, daß er nicht das Haus, sondern die Handlanger gemeint hat. Dadurch ist hoffentlich Se Majestät und auch Tante Voß zufriedengestellt. Nicht so zufrieden sind, wie ich eben erfahre, die Konstitutionellen über die neueste Forderung deS Hrn. v. Radvwitz: daß daS Recht der Union, Krieg und Frieden zu beschließen, noch mehr als durch die Additionalakte, beschrankt werden möge. Sie sehen darin eine Herabwürdigung dcâ Bundes u. s. w., und glauben Sie — schon malt man sich in Erfurt die Möglichkeit einer baldigen „ Trennung" auS. Sie haben eingesehen, daß Radvwitz sie verrathen hat, und ich begreife jetzt daS Gerücht von einer MinisterkrisiS. Gewiß hat Manteuffel den noch zu erwartenden Vorschlägen deS Generals v. Radvwitz opponirt, und ist vom Könige, der sich ganz in den Händen dieses politischen Avantü- riers befindet, zurückgewiesen worden. Natürlich bloß „gesinnungSvolle Opposition", wie sie unser kleiner Büreaukrat prächtig zu machen versteht. Vorläufig hat man sich zu Erfurt vertagt — ein unberechenbarer Gewinn für die Gerlachianer, die mit Hrn. v. Radvwitz voll- ständig einverstanden sind. — Der Kaiser von Rußland will zwei große Telegrap henlinien von Petersburg bis nach Berlin und Wien anlegen, von wegen deS großen politischen Einflusses den seine Meinung auf die dortigen Angelegenheiten übt. Alle neue Erfindungen werden so zu neuen Mitteln für die Reaktion. — Hr. v. Persigny ist abgereist. Der Kohl wird ihm wohl hier zu bunt geworden sein.
* Erfurt, 3. April. — Immer winziger schwindet daâ Pünkt- lein zusammen, daS die Herren von Gotha die deutsche Einheit zu nennen belieben, die Carlowitze und Rabowitze winden sich wie die Schlangen, die sich häuten, und jeden Augenblick fällt ein Stück Haut weiter herab. Was wir von Anfang an behauptet als Resultat der ganzen Wirthschaft, behauptet seit 1 Jahr bereits, — gibt jetzt Hr. Carlowitz im Ausschuß des Staatenhauses mit dürren Worten zu bf'