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Münster, im März. — Uebereinstimmende Nachrichten aus Berlin bestätigen die beabsichtigte Befestigung der Residenz nach Art und Weise der Forts von Paris, wenngleich in kleinerem Maaßstabe durch befestigte Kasernen, wie man diese Fortifikalionswerke nennt, mehr zur Zügelung eines etwaigen innern Feindes, als zum Schutz und Vertheidigung einer die Stadt von außen bedrohenden Gewalt. Diese neuen Werke sollen aus Geschützthürmen und Verbindungsmauern und bombenfesten Gebäuden bestehen. Gleichzeitig spricht man von ähnlichen Festungsbauten von kleinerem Umfange in den Provinzial» Hauptstädten und größeren Städten in den Provinzen, indem man die Landwehrzeughäuser, deren gegenwärtig jedes Bataillon ein besonderes, meist in der betreffenden Kreisstadt besitzt, für jedes Landwehr- Regiment zusammenzulegen und zu diesem Zwecke ein großes Landwehrzeughaus zu bauen Willens sei. Zum Schutze der darin aufbewahrten Waffen sollen diese Zeughäuser gleichfalls befestigt, auch mit Kasematten und sonstigen Räumen zur Aufnahme von Militär versehen, und gleichzeitig gegen die rebellische Einwohnerschaft vorkommen« den Falls verwandt werden. AIs Bernard von Galen, der der Stadt Münster ihre Rechte nahm und usurpatorisch sich in Besitz derselben setzte, die Stadt belagert und beschoffen hatte, da ließ er an der Stelle, wo jetzt das Schloß steht, eine Citadelle bauen, die nannte er mit Hohn „die Brille, die er der Stadt auf die Nase setze". Und als er es so weit gebracht, da ließ er triumphirend eine silberne Denkmünze prägen mit seinem Wappen auf der einen und mit der Ansicht Münsters auf der andern Seite und einer lateinischen Umschrift, die verdeutscht lautet: „Die Stadt Münster wieder zum Gehorsam gebracht." Exemplare solcher Schandmünzen dieses treulosen deutschen Reichsfürsten und geldgierigen Seelenverkäufers, der seine Soldaten andern Mächten aus Eigennutz verschacherte, sind noch vorhanden. Zum Entgelt hat ihn die Münstersche Volksmuse in den bekannten Reimen gezeichnet und gezüchtigt:
Bähnken von Golen kann puchen und prohlen,
Kann stinken und leigen und Lüde bedreigen, — welche seine Schandmedaillen von Silber überdauern werden.
(W. V.-H.)
6 Hamburg, 30. März. — Weder die Friedens - noch die Kri'egsgerüchte, die einander überbietend im Laufe der letzten Woche an unserer Börse koursirten, haben sich bestätigt, vielmehr ist die schleSwig . holsteinische Angelegenheit mehr als je dem geheimnißvollen Dunkel der Diplomatie anheimgefallen. WaS in dieser Hexenküche gebraut worden, das wird wohl bald zum Entsetzen der zivilisirten Welt an ö Tageslicht kommen; Preußen läßt sich offenbar einigen freundnachbarlichen Zwang recht gern gefallen, um unter plau- sibeln Vorwänden sich aus der Affaire zu ziehen. Wunderbar genug haben die Kopenhagener Blätter mit wenigen Ausnahmen die Uebernahme SüdschleSwigS abseiten der Statthalterschaft mit großer Ge- lassenheit ausgenommen: wenn aber deutsche politisirende Kannengießer dcn Schluß daraus gezogen haben, daß es sich mit Einwilligung Dä- nemarkü um eine endliche Theilung Schleswigs handeln könne, so dürfte das sehr voreilig sein. DaS Motiv der Statthalterschaft bei diesem Schritte war einzig eine Provokation Dänemarks, um so auf dieses sowohl die Schuld des Krieges als deö erneuerten Angriffs schieben zu können; aber man ist in Kopenhagen offenbar zu gut unterrich et, und der Plan war für jeden Kundigen auch so leicht durchschaubar, daß die Sache mißlang. Auch Dänemark trachtet ganz entschieden dahin, nicht muthwillig durch eine neue Kriegserklärung sich wie im vorigen Jahre den Unwillen der europäischen Diplomatie zuzuziehen; eS bedarf aber auch gar keines Krieges, da der ganze Absolutismus deâ östlichen Europa und der Wunsch des westlichen Europa, den Frie- den zu erhalten, für dasselbe streiten. An eine Theilung Schleswigs denkt eö aber um so weniger, da eö mit Glück dahin operirt hat, Rendsburg, die alte deutsche Stadt, in den Augen deâ Auslands zu einer dänischen Festung zu stempeln, um so den militärischen Schlüssel zum nördlichen Deutschland in seinen Händen zu haben. Wer Rendsburg besitzt, beherrscht beide Herzogthümer.
Hier in Hamburg bildet seit einiger Zeit eine ganz kleine Bro- schüre eineS Franzosen daS Tagesgespräch und hat bei unserer Aristokratie eine schwer zu beschreibende Wirkung hervorgebracht. Unlängst kam nämlich der bekannte Philanthrop Aggert (?), Jutimuâ am vormaligen französischen Hofe und ein Mann von der religiösen Färbung des preußischen HofeS und dort daher auch sehr wohl angeschrieben, nach Hamburg, um sich, wie er allenthalben gethan, nach den Zuständen der Gefängnisse und HoSpitäler zu erkundigen. So gut empfohlen wie er war, wurden ihm alle Thüren geöffnet, und da schrieb Hr. A. ein Büchlein mit haarsträubenden Erzählungen von diesem Zweige der Verwaltung. DaS Ding kam in die Hände der Demokraten und diese singen nun an, mit Auszügen auö der Broschüre gegen die Behörden ein»» Feldzug zu eröffnen. Hr. Aggert wurde nun von der andern
Seite mit Vorwürfen überhäuft, man schalt ihn einen Sozialisten, einen Kommunisten, und ist setzt so weit gekommen, ihn einen Jesuiten, einen Scheinheiligen u. s. w. zu betiteln. Eine jede konservative Feder sucht sich durch Heruntermachen deS Hrn. A. einen Ehrenplatz im Tempel der Reaktion zu verdienen. Hr. A. ist durch daS Geschrei bewogen worden, nach Hamburg zurückzukommen, wo man ihm durch entietzlich böse Mienen den vollen Zorn eineS angegriffenen Hamburger Aristokraten hat empsinden lassen. Aber gerade dies ganze Benehmen zeigt, wie sehr Hr. A. den wunden Fleck getroffen. Selbst in Berlin |oß man über den Unwillen der Hamburger Herren gelächelt haben. Wie eS um die Sache steht, zeigt eine jetzt erschienene ossizielle Widerlegung, in welcher als Entschuldigung für die nicht geleugnete schlechte Behandlung der Irren im Krankenhause, welche Hr. A. besonders ange- sührt hat, erzählt wird, daß man bereits seit — 1824 mit Erbauung eines eigenen Irrenhauses sich beschäftigt habe. Doch genug davon. Die Aristokratie wird sich hüten, ein zweites Mal einen Uneingeweihten EtwaS von ihren Geheimnissen schauen zu lassen.
Oesterreich.
* Wien, 30. März. — Folgendes Geschichtchen über den jugendlichen Kaiserknaben in Wien theilen die „Grenzboten" mit:
„Eine Minister - Conferenz war in der Burg anbcraumt, welcher Se. Majestät selbst präsidiren sollten. Die Minister warteten lange. Der Kaiser erschien nicht. Endlich kam Graf Grünne. Der Kaiser ließ absagen, er habe den Grafen ermächtigt, an seiner Statt zu präsidiren! Graf Grünne ist nicht blos Flügel-Adjutant des Kaisers, sondern Rathgeber in allen Regierungs - Angelegenheiten. Er führt das große Wort in jenem Kabinette, daS neben oder über dem Ministerium sich befindet, und wodurch daS Kriegsministerium zu einem bloßen VerwaltungSbüreau wurde. Graf Gynlay wollte längst deshalb daS Portefeuille abgeben, aber eâ findet sich kein General, der eine so zweideutige Rolle übernehmen möchte; jener ist abgcreis't, und Degenseld soll einstweilen die laufenden Geschäfte besorgen. Die Zwitterstellung führte bereits zu manchen Konflicten. Graf Grünne blieb aber fest im Vertrauen des Monarchen, und dieser wollte ihn sogar an seiner Stelle im Ministerrathe präsidiren lassen. Fürst Schwarzenberg war energisch genug, sogleich die Sitzung aufzuheben."
Schweiz.
B Genf, 28. März. — ES ist eine verrückte Einrichtung, so ein Föderativstaat mit souveränen Provinzen oder Kantonen und einer B un deS - Cen tra l - G e w a l t! Man weiß ja da garnicht, WaS man zu thun, wem man zu gehorchen hat. Da ist ewiger totrett darum, wo die Kantonalsouveränetät aufhört und die Zentralmacht an« fängt. Das hat auch unser braver Komödiant Fazy schmerzlich empfunden. Da schreibt er in die „Revue" mit kantonalsouverainer Frechheit: Das Gesetz zur Abtragung der Festungswerke ist aus Grund unserer Konstitution gültig beschlossen und der »Conseil fëdéral n’a rien â ordonner! « Tags darauf geht derselbe Mann ins Hotel des bergues und empfängt ganz ergebenst den Experten der Zentralgewalt zur Begutachtung über die Zulässigkeit der begonnenen Demo- lirungSarbeiten. — Es ist schändlich, der Präsident eineS „souveränen" KantonS zu sein, und außer dem Volkswillen, auch noch einer oberen Behörde gehorchen zu müssen; einer Behörde, die maliziös genug ist, die undclikatesten Forderungen an die souveränen Kantone zu stellen, tont - mème, ob der Präsident durch die Exekution der Forderungen die theuer errungene Volksgunst verliert oder sich durch fruchtloses Opponiren und Protestiren bei der eigenen und der Gegenpartei lächerlich macht. — Wer könnte es unter diesen Umständen dem Hrn. Fazy verdenken, wenn er in der Interventions-Angelegenheit grimmig auârief: „dieser Bundeârath ist eben so feig gegen daâ Ausland, als tyrannisch gegen seine eigenen Bundeâglieder". — Ja wohl, Herr Fazy, eö ist Tyrannei, von einem so guten Demokraten, wie Sie anerkannt einer sind, die Ausweisung StruveS, Heinzens u. s. w. zu verlangen; daâ geht ja gegen die eigene Ueberzeugung und den demokratischen Volk-willen; was ist aber zu thun? Wenn bad Protestiren nichts hilft, so muß etwaS Anderes herauSgesucht werden, waâ die unvermeidliche Ausweisung vom demokratischen Standpunkte motivirt. Halt! Es ist gefunden! Spion, russischer Spion, zum Verrathen der Demokraten hierhergeschickt. Der muß über die Gränze. Und Fazy hat sich gerettet! DaS war damals eine gelungene Nothlüge! Aber bei Hochstätter hat sich Hr. Fazy sehr stark blamirt. Zur Mo- tivirung dieser Maßregel weiß der große Diplomat nur anzuführen, H. sei einer der Angeklagten von Murten. Gut, sei eS! Hat nicht Herr Fazy in seiner „Revue" gesagt, daß die gefundenen Papiere nicht erwiesen, was die bundeSräthliche Maßregel rechtfertige und doch