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zu sehen. Wer daâ noch leugnet, ist wahnsinnig. Die konstitutionelle, sehr konstitutionelleWeserzeitung" sagt deshalb auS Liebe zu ihrem Verstände:Wir müssen unS bequemen, mit der Freiheit eben so klein anzufangen, als mit der Einheit." Bei einer solchen Offen­heit kann man dem Blatte der protestantischen Schacherjuden die Jl- lusion verzeihen, als sei Erfurt derAnfang" der Freiheit und Einheit. Die Sache verhält sich umgekehrt. Erfurt ist das Ende.

' Radowitz-Malortie hat seinem Amte Ehre gemacht. Der Kaiser von Rußland klatscht ihm Beifall. Nach den konstitutionellen Zeitun­gen soll wenigstens der Petersburger Czaar in seinen letzten Noten seine allerhöchste Zufriedenheit über die ErfurterEntwickelung der Dinge" zu erkennen gegeben haben. Nikolai Pawlowitsch weiß, warum!

Die Osterferien sind zu Ende. Wir wünschen unsern Deputirten abermals glückliche Reise. Möge ihnen nicht mehr Schande aufgela- den werden, als sie tragen können.

Deutschland.

/X Kassel, 3. April. Hr. v. Radowitz hat der demokrati­schen Partei einige Komplimente in seiner BotschaftSrede zu Erfurt gemacht; der konstitutionellen dagegen kein einziges. Die konstitutio­nelle Partei könnte sagen, das beweis't nur, daß er die demokratische Partei für solche Waare zugänglich hält, unS aber nicht, und am Ende zögen noch die konstitutionellen Haascnfüße daraus den Riesen- schluß, sie gerade seien die unbestechlichen feuerfesten Ritter ohne Furcht und Tadel! Aber ein Kompliment des Hrn. Radowitz der Demo­kratie gemacht, ist so eigenthümlicher Natur, daß die Herren Konsti­tutionellen doch sehr bedenklich darüber werden sollten, und sich sehr schämen, daß sie ein Weniges dazu gelacht haben. Dies Kompliment lautet:man berufe zum Richter diejenige Partei, von der bisher Niemand bestritten, daß sie die Zeichen der Zeit und ihr Interesse dabei sehr gut zu würdigen wisse." Herr Radowitz hat hiermit entweder abermals Nichts gesagt, oder er ver­räth damit die innerliche Hochachtung gegen eine Partei, die ihm mit offenem Visir, als grimmiger Feind gegenübersteht, denn zum Schiedsrichter über sich selbst und seine zänkischen Freunde wird man Niemanden berufen, den man verachtet. Daß eine solche Achtung des Radikalismus bei Hrn. v. Radowitz vorhanden ist, beleg ich mit einer Stelle auâ seinem Buche: Gespräche aus der Gegenwart (S. 210), wo ein Ultramontaner erklärt, daß er radikale Gemüther, nicht blos aus innigem Interesse, sondern sogar mit einem Bewußt­sein gewisser Verwandschaft betrachte". Ueber welche Aeußerung ein fader Konstitutioneller außer sich geräth vor Verwunderung. Er er­klärt dann diese Verw an dt schaft daraus, daß beide ertreme Par­teien das Gemeinsame haben, daß es auf die Verwirklichung einer Idee ankomme; wenn man auch die Idee selbst für falsch halten muß, so muß man doch der Jdeenkrafl selbsteinen sittlichen Werth" bei- meffen. Dem Konstitutionellen dagegen weist er nach, daß der Ra­dikalismus nur die Konsequenz seiner Vordersätze ist. Die Konstitu­tionellen mögen danach Hrn. Radowitz's Freundschaft gegen sie würdi­gen lernen. Ein noch schlimmeres Wort aber ist, daß die Demo­kratie die Zeichen der Zeit zu würdigen wisse. Arme Gothaer! Arme Erfurter! Hat nicht damit Radowitz über euch den Stab gebrochen, ja über sich selbst und seine Gaukeleien? Radowitz selbst, euer Oberhaupt, ruft das Zeugniß der Demokratie an, daß es mit Erfurt Nichts ist, denn wenn die Demokratie überhaupt die Zeit richtig beurtheilt hat, wird sie auch darin Recht haben, daß der preu­ßische Sonderbund ein Messer ohne Klinge ist, an dem der Stiel fehlt.

* Kassel, 3. April. Unauslöschliches Gelächter! DieNeu­hessische" schimpft, daß Haffenpflug eine Einladung zum Essen zu Ehren deâ Jubilar - Juristen Kulenkamp angenommen. Elendes Pack, warum ladet ihr ihn denn ein? Aber diese Augendiener und halben Oppositionsmenschen glaubten, ihr Großvezier würdesoviel Takt" haben und sie nicht verhöhnen, aber er verhöhnte sie, indem er ihre pro snrinL- Einladung annahm, womit ihnen ihr Recht geschah. Aber das muß schwänzeln, katzenbuckeln, höfliche Manieren schneiden; o Wichte, wer in Glacehandschuh und Frackröcken und unter Bücklingen Opposition macht, der verdient, daß ihn der massive Hassenpslua in'S Gesicht lacht. Gesegnete Mahlzeit!

G' Berlin, 1. April. Vor einigen Tagen fand ein Minister­rath '-^tatt. Radowitz und Manteuffel waren von Erfurt dazu her­übergekommen , und btr König wohnte der ganzen Dauer desselben bei. Er beschäftigte sich mit der Erfurter Politik und soll zu heftigen Debatten Anlaß gegeben haben. Wer den Liberalismus vertreten, weiß man noch nicht; daS aber ist bestimmt, daß Manteuffel gleich darauf nach der Lausitz, zu seinem Bruder, dem Landrath von Man­teuffel, abreiste. Heut nun kursirt in der ganzen Stadt daS Gerücht, Manteuffel sei abgetreten. So unwahrscheinlich und so unbe­

gründet dieses Gerücht ist, so veranlaßt mich doch die weite Verbrei­tung desselben, und der Glaube, den gesunden, Ihnen mitzu- theilen. Unmöglich ist allerdings nicht, daß Manteuffel sich wieder einmal liberal gestellt hat. Allgemein wenigstens versichert man, daß er sich entschieden für ein energisches Auftreten gegen Rußland ausge­sprochen habe. Wir kennen daö; es ist ein oft gebrauchtes Manöver. Man wird wieder irgend einige reaktionäre Vorlagen in petto haben, und Manteuffel wird sie vorbringen sollen, indem er eine Kabinetâ- frage daraus macht, wie bei den Allerhöchsten Ianuarpropositionen. Um dann ihren Abgott nicht fallen zu sehen, werden die Konstitutio­nellen alles Mögliche bewilligen, und Manteuffel wi.d wieder einmal daS liberale Muster des Vaterlandes sein, das sich, um daâ Land nicht in die Hände derNeupreußischen" zu liefern, zu den Vorlagen verstanden hat. DaS ist wenigstens die einzige Art und Weise, wie man sich dieses sonderbare Gerücht zu erklären weiß. Sicher ist eS, daß die Bestürzung unter denEigentlichen" wieder allgemein ist. Wir sind wieder einmal vollständig dupirt worden. Von der Blok-An- nahme sind ein für alle Mal die Grundrechte ausgeschlossen worden, und auch die übrigen Arbeiten der Verfassungskommission erfüllen sie mit Entsetzen. Denn daö Vereinörecht wird, den Ansichten jener Kom­mission zufolge, wahrscheinlich ganz fallen, und die Fideikommisse wer­den fortbestehen. Auch die Civil ehe soll gestrichen werden. Sie sehen, prächtige Aussichten! Selbst einkonstitutionelles" Gemüth kann durch dieselben erschüttert werden. Der einzige Trost dieser ab­gethanen Partei ist nur noch, daß ihr Organ hier, diekonstitutionelle Zeitung", fortbestehen wird. Es hat heftige Kämpfe mit den Aktio­nären gekostet, deren Interesse für die Sache, da die Zeitung auf kei­nen grünen Zweig kommt, nun mit einem Male erloschen ist. Die Gothaer haben auS der Noth geholfen, sie haben 20,000 Thlr. vor­geschossen und und auf 1300 Exemplare abonnirt. So wird daö Blatt denn fortbestehen zum Ergötzen der Demokratie und der Reaktion, biö endlich mit den Ueberresten der Partei zugleich gänzlich von der Erde verschwindet. Das IntermezzoHaffenpflug in Erfurt" hat hier gestern Spaß gemacht. Seine plötzliche Abreise hat eben so gro­ßen Jubel erregt, als seine unerwartete Ankunft in Erfurt. Man weiß nun noch nicht recht, wie man dies Erscheinen und Verschwinden deu­ten soll. Die Mehrzahl glaubt, er habe gräuliches Fiasko gemacht. Die nächste Zeit wird und darüber aufklären. Allgemeine Entrüstung hat hier das Verfahren der preußischen Regierung gegen einen f-uhe- ren Abgeordneten zur deutschen Nationalversammlung, den Dr. Rim­mer, hervorgerufen, Er war unter den wenigen Abgeordneten Oester- reichâ, die nach Stuttgart mitgingen, und hielt sich seit jener Zeit hier in Berlin ganz ruhig, und nicht im Geringsten mit Politik be­schäftigt, auf. Am Sonnabend früh wurde er auf Antrag oer öster­reichischen Regierung verhaftet, und wahrscheinlich ist er heute früh dahin ausgeliesert worden. Sie können sich daö Schicksal denken, daö ihm bevorsteht. Sie mögen aber zu gleicher Zeit aus diesem Verfah­ren ersehen, wie unermeßlich groß die Freundschaft zwischen dem dortigen und dem hiesigen Kabinct ist! (Merk's, Gotha!) Es ist dies der erste Fall der Art, der vorgekommen; die Polizei macht entschiedene Fortschritte in ihren Studien. Daß der Student Feen bürg damals an Rußland ausgeliesert wurde, wo er erschossen worden sein soll, nimmt uns nicht Wunder, denn Rußland ist Herr und Gebieter in Europa. Sich aber auf eine so gräuliche Art bloßzustellen, einen Mann auszuliefern, der sich hier rein wissenschaftlich belästigt, und auf indirektem Wege von hochgestellten Personen die Versicherung empfangen hatte, daß er hier vollkommen sicher sei, und bloß auf die Forderung des Prager Kriegsgerichts hin, ohne daß eine steckbriefliche Verfolgung, oder eine gerichtliche Untersuchung österreichischer Seils vorangegangen wäre das ist unerhört und gibt den klarsten Beweis dafür, daß allelibe­ralen" Berufungen unnütz sind gegenüber der Muckerpartei, die den Ocsterreichern tue Hand zum herzlichsten Einverständnisse reicht, wo es nur immer gilt, die Demokratenbrut zu vernichten. Wir nehmen Akt von diesem Verfahren.

Berlin In der Nationalzeitung wurde kürzlich berichtet, daß man in Münchener Salons hinter geheime Schliche gekommen durch die Andeutungen eines Diplomaten; die MilitäruntersuchungS- kommission in Pesth habe geheime Fäden entdeckt, die von Pesth nach Berlin reichten, und ein österreichischer General mit dem Hrn. v. Ra­dowitz einen unterbrochenen Briefwechsel wieder habe anknüpfen wollen, um eine Verständigung zwischen Preußen und Oesterreich anzubahnen, habe demselben geschrieben, man wisse die freundlichen Ansichten in Berlin schönstens zu würdigen und er schicke ihm hier ein Pak>t Briefe, die den Militärbehörden in die Hand gefallen feien, und die er wahr­scheinlich gern zuruckerhalte. In dem Paket waren Briefe von Ra­dowitz an Kossuth. Sie waren sicher unverfänglicher Natur, sonst würde man sie wohl zurückbehalten haben in Original. Der edle FuchS weiß sich den Nucken zu decken.