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heit. Wir glauben eS sicher, daß noch Manchem der Betheiligten die Schaamröthe in's Gesicht steigen wird, wenn er erinnert wird an daS Löste Heulerfest seines Vereins. Aber die Reue wird zu spät kommen.
II Eisenach, 25. März. — Nicht Ihre Ritterschaft, sondern der Vorstand derselben, Vice-Marschall v. Keudel zu Schwebda, Obervor- steher von Eschwege zu Reichensachsen und Obervorsteher von Milchling empfinden Hassenpflug'sche Sympathien. Die fragliche Adresse zirkulirt in mehreren Exemplaren bei den verschiedenen Stromseintheilungen der Ritterschaft, und ist Herr von Eschwege zu Reichensachsen der Veranstalter, — Hr. Obervorsteher v. Trott zu Solz der Verfasser derselben.
"Kiel, 24. März. — Damit ja Niemand glaube, Preußen sympathisire mit den Herzogthümer«, bringt der „Staats-Anzeiger" folgende Erklärung: „Cö ist durch die öffentlichen Blätter bekannt ge- worden, daß die Statthalterschaft in Kiel an die Behörden im Her- zogthum Schleswig die Aufforderung erlassen hat, die Steuern fortan wieder nach Rendsburg zu zahlen. An diese Thatsache hat sich daâ Gerücht geknüpft, als sei dieser Schritt unter Zustimmung der königl. Regierung geschehen. Wir sind ermächtigt, diesem Gerüchte auf das Bestimmteste zu widersprechen und zu versichern, daß gerade im Gegentheil die königl. Regierung die Statthalterschaft wiederholt von jeder Störung des faktischen Zustandes abgemahnt und derselben erklärt hat, daß die Vornahme von Regierungshandlungen, und namentlich auch die Einforderung von Steuern, als dem Waffenstillstand ausdrücklich zuwiderlaufend angesehen werden müsse." — Kein Zweifel! Die preußische Regierung wartet mit Sehnsucht auf den Augenblick, wo sie er* klären kann, daß die Herzogthümer nunmehr der „landläufigen Revolution" sich angeschlossen und also den „Schutz und Beistand" Seiner Erfurter Reichsvorstandschaft verwirkt, d. h. daö badische Standrecht verdient hätten.
Die Schindereien der Landesverwaltung nehmen ihren ungestörten Fortgang. Die Pastöre waren schon längst für vogelfrei erklärt, neuerdings hat aber die hohe Verwaltung für gut befunden, auch die Justiz â la Religion zu behandeln. Wer nicht das „gehörige" Recht spricht, wird abgcsctzt. Der Gerichtshalter Henningsen in Gravenstein ist das erste Opfer dieser neuen „Entwickelung der Dinge" geworden. Andere werden Nachfolgen. Graf Eulenburg sieht sich die Sache ganz gemüthlich mit an. Gegen die Dänen ist er niemals instruirt, um so mehr aber gegen die Herzogthümer. Die Deutschen haben keine Ehre mehr, sonst mußten sie über die preußisch-russische Politik rasend werden.
* «Oldenburg, 25. März. — „Ewig kann man nicht beisammen bleiben!" Un;er Staatömiuisterium hat heute dem Landtage die Versicherung gegeben, es werde sich gegen alle nachtheiligen Conse- quenzcu des Erfurter Bündnisses zu schirmen wissen, d. h. auf einen anständigen Rückzug Bedacht nehmen.
Gloqnn, 20. März. (N. Anz.) — Mehrere hiesige Gesellen hatten beschlossen, den 18. März durch ein gemeinschaftliches Abendbrod in der Bierhalle feierlich zu begehen. Zu diesem Zwecke sollte daS Festlokal mit deutschen Fahnen geschmückt werden. Dem widersetzte sich jedoch der Wirth (ob auS eigenem Impulse oder in Folge höherer Einflüsse, wissen wir nicht) mit den Worten, daß er die Fahne, wenn man sie aufsteckte, Herunterreißen würde.
Hierauf begab sich eine Deputation von Gesellen auf das hiesige Polizeiamt, um dort Schutz gegen ein solches Verfahren zu suchen. Dort wurde ihnen aber vom Polizeirath Teuchert der Bescheid, daß er von seinen Vorgesetzten angewiesen sei, das Aufstecken von deutschen Fahnen zu verbieten. In Folge dieses Verbots, dessen Zurücknahme durchaus nicht zu erwirken war, unterblieb das Fest.
* Frankfurt, 21. März. — „ Man spricht von der dcm- nächstigen Bildung eines größeren, aus Truppcnlheilen verschiedener deutscher Staaten zusammengesetzten Armeekorps im südwestlichen Deutschland. Die Aufstellung dieses Armeekorps, zu welchem auch ein Theil des im Vorarlbergischen konzentrieren österreichischen Heeres stoßen soll, würde dem Vernehmen nach in der Nähe dcö GroßherzogthumS Baden statlsinden. Man dringt dies in Zusammenhang mit der fortdauernden ausschließlichen Okkupation Badens durch preußische Truppen und mit der intentirten Verlegung des badischen BundeökontingentS nach preu- ßischen Garnisonöplätzen. In Bezug auf die eine, wie auf die andere dieser beiden Fragen sollen neuerdings gewichtige Gegenvorstellungen erhoben worden sein."
Sprechen wir deutsch: Oesterreich glaubt auf den Besitz deutscher Unterthanen eben soviel Recht zu haben als Preußen. „Halb Part!" Preußen wird daö einsehen: „Mir ein Viertel, dir ein Viertel." 100 Unterthanen — 100 Ochsen. Preußen ist obendrein gar nicht im Stande, auS eigenen Kräften die ganze Rheinlinie zu decken. Man muß sich deswegen auf gute Manier aus der Affaire ziehen.
MLC München, 25. März. — Kaum hat die jüngste Rum- mer des Gesetzblattes daö von der Krone sanktionirte „Gesetz zum Schutze gegen Mißbrauch der Presse" verkündet und schon beeilt sich
die Polizeiwillkühr, durch Ausdehnung einiger Gesetzesbestimmungen in einem dem Gesetze gänzlich fremden ja ihm widersprechenden Geiste den freien Verkehr mit Preßerzeugnissen aufs möglichste zu beschränken. Artikel 38 deS gedachten Gesetzes bedroht nämlich mit Arrest und Geldstrafe Jeden, „der ohne obrigkeitliche Erlaubniß mit Schriften hausirt, solche auf Straßen oder öffentlichen Plätzen auSstreut, anbietet und anheftet." Wohl schwerlich wird behauptet werden können, daß hierdurch den Herausgebern von Zeitungen daS Recht, selbe kol- portiren zu lassen, hat mitentzogen werden wollen! Die einzig zu- laßbare Auslegung dieser Bestimmung geht vielmehr dahin, daß die Personen, welche sich mit Kolportiren abgeben wollen, eine persönliche Lizenz dazu erwerben müssen, wie überhaupt bei dem Regimente deâ Gewerbszwangs, welches in Baiern so beglückender Weise herrscht, zu jedem Erwerbe polizeiliche Genehmigung nothwendig ist. Die hiesige Polizeidirektion aber hat die angezogene Bestimmung dazu ange- wendet, um daS Kolportiren überhaupt aufzuheben, indem, sie an die den Redaktionen der hiesigen Blätter ergangene Weisung, „daß mit dem Erscheinen des Preßgesetzeâ jede Berechtigung zum Hausirwesen oder Straßenverkaufe von Zeitungen, Flugblättern aufgehört habe", den weitern AuSspruch anknüpft, daß sie Niemanden eine Lizenz ertheilen werde. Wohl haben einzelne Redaktionen hiergegen Berufung ergriffen, bis aber der Entscheid hierauf erfolgt ist, und (da von der gegenwärtigen Negierung eine Reformation dieses preßfeindlichen Beschlusses kaum zu hoffen ist), wahrscheinlich auch nach gefälltem Bescheide, sind einer großen Anzahl Personen die Mittel zu ihrem Lebensunterhalt theils genommen, theils geschmälert.
Einen Tag nach dem Eintreffen der Antwort des Wiener Kabi- netS auf die Kollektivnote der drei königlichen Regierungen soll auch die Rückäußerung des Berliner Kabinetâ hier angelangt sein. Daß Hr. v. d. Pfordten bisher nicht auch von ihr den Kammern Mittheilung machte, wird aus der lakonischen Natur derselben erklärt, da sie nichts mehr als eine Empfangsbestätigung und die Anzeige enthalten soll, daß die gedachte Kollektivnote dem VerwaltungSrathe zugestellt worden sei.
O e st e r r e i ch.
* Wien, 23. März. — Der gestern schon berührte „wahrhaft kaiserliche" Gnadenakt, die Zurückstellung bereits assentirter Honvedâ betreffend, erhält eine außerordentlich natürliche Erklärung in einem langweilig geschriebenen Leitartikel des offiziell inspirirten „Lloyd". Der Grund der k. k. Milde ist ein sehr menschlicher, die Furcht. Die Wahlen deS französischen Militärs haben dem Gouvernement die nahe liegende Besorgniß eingeflößt, daß jene ungarischen Offiziere, die man als Gemeine in alle Regimenter gesteckt, ein Ferment bilden möchten, durch welches das ganze Heer in Gähruiig und Auflösung gebracht werden würde. Das wird ohnedem auch geschehen. Der „Lloyd" läßt sich in der Angst seines offiziellen Gewissens also vernehmen : „Wir haben von Fällen gehört, wo von den Assentirten ganz andere Gefühle als Zerknirschung und Reue über die Handlungen der Vergangenheit zur Schau getragen wurden, von Fällen, wo ihre Freigebigkeit einen Eindruck auf die Mannschaft, und ihr früherer Stand einen Eindruck auf die Unteroffiziere gemacht haben, wodurch die militärische Disziplin nicht gewinnen konnte; endlich von Fällen, wo ein solcher Assentirter als Schildwache die Huldigung gewisser Personen empfing, die mit tiefen Bücklingen dem Schilderhause vorbeizogen, wahrscheinlich, um ihre Sympathieen für die ungarische Rebellion an den Tag zu legen. Vergleichen wir nun den Nutzen, welche» solche Männer im günstigsten Falle dem Staate bringen können, mit dem Schaden, den sie möglicherweise anzurichten im Stande sind, so wird jeder Unbefangene eingestehen müssen, daß jener sehr klein ist und dieser sehr groß werden kann." —
In Prag wurde unter dem 20. d. der Belagerungszustand verschärft und eine neue kategorische Frist zur Ablieferung der Was- fen gestellt. —
— Der Bauernaufstand in Zagorien scheint dennoch nicht beigelegt, wie wir gestern nach offiziellen Lugenblättern berichtet; denn die „Südsl. Ztg." schließt ihren desfallsigen Bericht mit dem unzweideutigen Pasiuö: „DaS Militär (zwei Kompagnien Otonaner Grenzer) machte nur von der Stichwaffe Gebrauch CO, — und erwartet nun Verstärkung.
Ueber den bosnischen Aufstand erfährt man aus Oesterrel- chischen Blättern noch immer nichts Bestimmtes. Die „Nar. Noo." melden von der bosnischen Grenze, 10. d.: „Die Insurgenten rüsten kräftig und scheinen durchaus nicht geneigt zu sein, dem Herau- rückenden Vezir leichten Einzug nach türk. Kroatien zu gestatlcii. Sie beabsichtigen nächster Tage in Vakup mit bewaffneter Hand einzusprechen , um die dortigen mvhamedaiusirten Kroaten zun^ Anschlusse zu vermögen. Der Handel dreht sich noch immer um Steuer- und Rekrutenverweigerung." —