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Bulletins mit gleichem Interesse gelesen werden, wie die Wiener Bank- berichte u. sonstige k. österreichische gesetzliche welthistorische Ereignisse.

Wir müssen uns erst durch englische Blatter an unsere Schmach und an die Gnadenakte unserer väterlichen Regierung erinnern lassen. So erinnert dieDaily News" an die Ermordung des Grafen Elz (von bayrischer Abstammung), der auf einem Landgute bei Esscgg ohne Theilnahme an politischen Dingen lebte, plötzlich aber in seinem Schlosse von Grenzern überfallen, in den Garten geschleppt und hier in Ge­genwart der Offiziere einem Kreuzfeuer aus den Gewehren der hester- reicher ausgesetzt wurde. Noch habe er geathmet, als einer seiner Mörder ihm eine Handvoll Schnupftabak in die Kehle geschürret und ihn so erstickt habe! Die Vollbringer dieser Schandthat foen nicht zur Rechenschaft gezogen worden.

Daß übrigens gleichwohl die Beruhigung der ungarischen Lande noch nicht vollständig genug ist, geht daraus hervor, daß sich Oe­sterreich bereits wieder nach russiichcr Hülfe umsicht, oder sich dieselbe muß oktroyiren lassen. Schon seit mehreren Wochen ging das Ge­rücht vom bevorstehenden Einmarsch der Russen in Galizien. DerNeuen Ztg." wird nun aus Przemysl die Nachricht mit glaubwürdigen Details wiederholt und verbürgt, daß im Frühjahre 100,000 Russen in Galizien einrücken würden. Der heutigeLloyd,, klagt auS Dcbreczin:daß es leider hier Gewissenlose gebe, die den müde gehetzten armen Leuten noch immer keine Erholung gönnen wollten! Pfui! wie unartig von den gewissenlosen Revolutio­närs, es schläft und erholt sich doch so gut in den schützenden Armen des kaiserlich österreichischen Standrechte! Die Croalen sind von den loyalen Sympathien für die ritterliche Romantik des Banus gründ­lich geheilt, ihr Benehmen wird immerilloyaler" undgesetzwidri­ger." Man schreibt aus Agram:Zwischen dem Milirär, welches wegen der Widersetzlichkeit der Bauern in Zagorien dahin beordert wurde, und den letzteren ist es zu einem Conflikt gekommen. Die Bauern hatten sich mehrere Hundert stark in einem Walde zusammen - gerottet und schossen auf das anrückende Militär, welches die Bau­ern mit gefälltem Bayonette angriff und vertrieb. Als sich die Bau­ern dann ins Dorf flüchteten, schossen sie aus den Fenstern auf die Soldaten, welche die Schüsse erwiderten. Mit der Gefangennahme von 50 Bauern war die Böswilligkeit derselben gebrochen." Gleich- zeiüg feierte Se. Excellenz der Freiherr von JeUachrch einen neuen ro­mantischen Triumph im k. Nationalthcarer zu Innsbruck. Daselbst wurde nämlichRodrigo und Elvira, oder der Kampf um die Königskrone" dramatisches Gedicht in 3 Aufzügrn von I. G. $. Frh. v. Jcllachich, k. t FZM. und Banus von Ervatien rc. aufgcführt und mit dem sich von selbst verstehenden Beifall belohnt. Als Analogon dazu berichtet der Lloyd, daß auch in Wien die Tollwuth unter den k. f Beamten immer weiter um sich greife; ge­stern wurde wieder ein solcher wegen Tobsucht in das Irrenhaus ge­bracht.

DieWiener Ztg." veröffentlicht folgende telegr. Depesche: der k. k Geschäftsträger meldet aus Athen, den 12. b. 6 Uhr Abends. Am 9. sind die ersten Nachrichten aus St. Petersburg hier cingetrof- fen; der Eindruck ist der günstigste. Die gekaperten Kriegs- und Handelsschiffe sind noch von der englichen Escadre in Salamis als Pfand zuruckbehalten und der Blokus bisher nur zeitweise aufgehoben.

Der Aufstand in Bosnien soll unaufhaltsam wachsen.

S ch w e i z.

B ($enf, 21. März. Vor einigen Tagen berichtete ich Ihnen über das Verhalten des hiesigen Gouvernements und der gouverne- mentalen Presse in der Struve'schen AuSweisungö - Angelegenheit und der durch die Broschüre der Frau Struve wieder von Neuem ange­regten Polemik über die desfallsigen Maßregeln des StaatSralhs- Präfiventcn I. Fazy. Heute kann ich Ihnen schon ein würdiges Seitenstück zu jener Geschichte liefern. Hr. Fazy scheint einen Theil der Schmach, die sich der Bundesrath durch die gänzlich unmv- tivirte Verhaftung der Murtcncr - Kongreß - Abgeordneten zugezogen hat, auf seine demokratischen Schultern nehmen zu wollen. Der Se­kretär des hiesigen Arbeitervereins, ein Flüchtling aus Berlin, Namens Hugo von Hochstädter, bei dem die Polizei auf Requisition des Bun- deörathS Haussuchung gehalten, fühlte sich auS Gründen persönlichen Interesses veranlaßt, der Bundes-Polizeibehörde in Bern in einem Briefe seine Unschuld darzuthun, um einer unan.enehmen Haft rc. vor­zubeugen. Das ist eine verächtliche Schwachheit, aber hin Verbre­chen. Hr. Fazy, der von dem Schreiben H.'s Kennlniß erhielt, nahm daraus Veranlassung, in einem öffentlichen Lokale über H. lvs- zuz ehen, und zwar gerade nicht in den mäßigsten Ausdrucken. H., dem .dieses zugetragen wurde, verfügte sich zu dem Präsidenten der Republik Genf, um ihn wegen der gegen ihn auSgestoßenen Bclcidi- tzungen zur Rede zu stellen. Statt einer Rechenschaft über die frü­

heren Verbal- Injurien fügte Hr. Fazy denselben nur noch einige Real-Injurien zu und jagte H. buchstäblich mit dem Stock in der Hand zur Thüre hinaus. H. verlangte für diese doppelte Beleidigung persönliche Genugthuung, die auch dahin geleistet wurde, daß er mit Eskorte über die KantonSgrenze geschafft wurde.

Frankreich.

st Paris, 23. März. Die Spanier haben eine demokratische Adresse an die Franzosen gesendet, um ihnen für die glänzenden neue* stcn Wahlresultate zu danken, und sprechen dabei vom tüchtigen Fort­schritte, den die Sozialistik in Spanien macht. Warum haben die Deutschen noch nicht eine Adresse abgeschickt? dadurch wird wahrhaftig nicht die deutsche Ehre beleidigt. Montag den 1. April hält Louis Bonaparte eine Revue ringö um Paris ab von 68,000 Soldaten. Die alte Sage von Ausrufung deö Kaisers wird dazu wieder erneuert, er wird die auâ Rom gezogenen Regimenter mit Ordensbändchen be­schenken, und ist in der That möglich, daß ein Wagniß geübt wird; aber eS würde ein Blutbad innerhalb Paris werden wie bei Waterloo, und wir Demokraten würden vielleicht lieber der Stadt das Schicksal Moskau'S 1812 bereiten, als unS verkaiserlichen lassen. Wir wissen ganz gut, daß sich in Paris vor der Hand noch ein Mal Europas Looö entichciden muß. Die Kammermajorität wird plötzlich stutzig, sie wollte vorgestern uns kanoniren und kartätschen, gestern machten viele Männer derselben unerwartete Einwürfe gegen die Preßbeschränkungsgesetzvor­schläge deö Ministeriums. Die Rechte spaltet sich und ein Theil ist gegen, der andere für die strengsten Maßnahmen. Neues sonst nichts.

Italien.

* Nom, 12. März Wenn nichts Besonderes passirt, oder wie Die Karoinäle der Negicrungükommission sich auSzudrücken be­liebtenwenn sich nichts Neues gegen die öffentliche Ruhe und Sicherheit ereignet", wird der heilige Vater acht Tage nach Ostern seinen feierlichen Einzug in Rom halten. Die kommandirte Feierlich- keit wird freilich etwas umfangreicher ausfallen, als der freiwillige diesjährige Karneval, indessen werden die Soldaten auch hierbei die Hauptrolle spielen. DaS Volk wird mit verbissenem Ingrimm der letzten Scene der päpstlichen Restauration beiwohnen. Den kläglichsten Anblick werden die Truppen der französischen Republik bieten, wenn sie, mit Ocsterreichern und Papstsoldaten vereint, daS Leichentuch über die Slaot breiten, die vor Kurzem den französischen Brüdern zu- jauchzte, um dann auf Befehl ihrer Chefs von ihnen zusammenkartätscht zu werden. Die Soldaten sind unschuldig. Sie selbst verwünschen die schmachvolle Mission, die ihnen im Dienste der Contrerevolulion geworben, sie brücken im Stillen den Römischen Insurgenten die Hände, und werben sicher keine besondere Vorliebe für Den Papst mit in Die Heimath nehmen.

Der eitle Napoleon hat in Italien alle Sympathien verloren. Man will keine Rettung mehr von ihm. Man will den vollen Absolutismus, die Tyrannei in ihrem ganzen Umfange. Was ver­möchte der Thor auch? Sein einziges Streben ist jetzt die Erfüllung seines Wunsches, den heiligen Vater auf seinen Schiffen nach Rom zn bringen. Darin findet er die vollständigste Anerkennung seines blödsinnigen Manifestes, eine genügende Konzession an die französische Republik.Der Papst ist von uns nach Rom importirt worden." Damit ist die Ehre der brudermörderischen Republik gerettet, damit sind die nebenbuhlerischen Oesterreicher in ihre Schranken gewiesen, damit ist der prahlerische Wille deö Gecken erfüllt, der den Römern eine Verfassung, einevernünftige Freiheit" und Gott weiß was ga- rantine. kläglicher hat sich noch nie eine intervenirende Weltmacht abspeisen lassen; mit weniger Zugeständnissen Hal sich der Dünkel eines Monarchen noch nicht zufrieden gegeben. Armeâ Frankreich. Nachdem man der großen Armee diese Ehre Hal gnädig zu Theil werden lassen, wird man sie höflich entlassen und sich in die Arme der Oesterreicher werfen, Die sich bei Spolelo immer fester einnisten.

Gerüchten zufolge soll Kardinal Antonelli nach der Rückkunft deö Papstes abtreten und einemliberaleren Manne", vielleicht Lam- biuochml ober Bernetti Platz machen. Gerüchte! Der Papst wird freilicy das Triumvirat der Kardinäle auflö^en, ihr System wird er aber acceptiren. Dafür bürgt das Warnungsschreiben, das Seine Heiligkeit nach Turin gesandt hat, gegen Die Aufhebung Der kirch- lupcn Privilegien, D. h. gegen das System des liberal thuenden Vik­tor Emanuel. Der Papst ist von seinem liberalen Anflug gründlich geheilt.

Die Unruhen wegen Wiedereinführung der Mahlsteuer im Kir­chenstaat haben sich noch nicht gelegt. Wenn die Rothschildsche Anleihe nicht ausreicht und Der Papst zu weitern Steuern vvrjchreitet, durfte sein Regiment mehr Truppen erfordern, als Oesterreich in Der Kurze wird entbehren können. Die Armuth ist grenzenlos.