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als bis eS sich durch die Thai gezeigt hat; ja selbst die politische Lage deö Kurfürsten und KurhessenS dürften schon bedeutende Gründe sein, daS Volk nicht positiv zu irritiren. Waö aber daS Schicksal Herrn HaffènpflugS in seinem prinzipiellen Gegensatze gegen die ungeheure konstitutionelle und demokratische Majorität deâ kurhessischen Volks sein wird, daS ist eine Frage, welche wohl der Ministerpräsident so wenig mit Bestimmtheit beantworten kann, alö wir. Denn dieses Schicksal ist ein Resultat der Stellung dieses Mannes zu seinem eignen Gewissen, zu dem Volk, dem Kurfürsten und den deutschen Großmächten, die Zukunft aber ist dunkel in ihrem speziellen Gange, und die Schicksale Deutschlands sind wieder abhängig von dem Schicksale Europas. Daß daS Prinzip deS Mannes dereinst vollständig unterliegt und mit ihm seine Träger, daS ist Jedem klar, der die Strömung der Geschichte nur einigermaßen begriffen hat. Die Aristokratie der Geburt und deS BodenS ist seit Jahrhunderten in ihrem Auflösungsprozesse begriffen; schon ist die Geldmacht, die Geldaristokratie an ihre Stelle getreten, und niemals kann sich jene wieder erholen. Jenes Prinzip erliegt der Bourgeoisie und Demokratie gemeinschaftlich, und weil diese Beiden, von dem gemeinsamen Feinde befreit, sich ohne Weiteres in den Kamps deS Kapitals und der Arbeit umwandeln, so ist die Vernichtung der aristokratischen Partei daS sofortige Entbrennen deS modernen sozialen Kampfes, daS Ringen der beiden Klassen der Gesellschaft um den Besitz deS StaateS. Dann werden wir auch in Kurhessen nur zwei Parteien haben, wie in Frankreich. Bayrhoffer.
D e u t s ch l a n d.
Marburg, 25. März. — Wenn man meint, das Wühlerhandwerk habe in den jetzigen Zeitkäufen allen Boden verloren, so ist man in einem gewaltigen Irrthum. Seit ohngefähr drei Wochen wird auch hier, wie an anderen Orten KurhessenS, für Unterschriften zu einer Vertrauens- und Dankadresse an das neue Ministerium recht wacker gewühlt. AlS deren Verfasser, oder doch wenigstens deren intellektueller Urheber gilt Ehren-Vilmar mit dem Pferdefuße, waS ich jedoch nicht verbürgen kann. Dagegen kann ich Ihnen mit Bestimmtheit einen andern „homo“ nennen, der sich durch Verbreitung derselben als „Laufbursche" und „Unterschriftenkeiler" nicht wenig bemerklich macht. Es ist daS der Licentiat Hassenkamp, genannt der „heilige Geist", seines Zeichens und Landes Mucker-Chinese, der, ein gläubiges und gefügiges Werkzeug seines Großmeisters, wegen seiner angeborenen Harmlosigkeit sonst aber nicht furchtbar ist. Derselbe läßt sich'ö Tag' und Nächte nicht verdrießen, Straß' auf, Straß' ab von Haus zu HauS zu gehen, ja er macht sogar in edlem Hetzeifer Promenaden aus'S Land, um hie und da eine erkleckliche Zahl von Unterschriften zusammenzubetteln. Wir verfehlen nicht, an dieser Stelle deS Herrn Hassen- pflug's Aufmerksamkeit auf diesen vielsprechenden jungen Mann zu lenken, dessen Wünschen zuvorzukommen, und ihn in Anbetracht seiner großen Verdienste — um waS denn??? — baldigst als außerordentlichen Professor der GotteSgelahrtheit zu placiren. (Jedermann weiß, daß die Berufung Zeller'S an die hiesige Universität wie ein Blitz unsere theologischen Nachtwächter traf, und dieselbe rückgängig zu machen alle Mittel und Hebel in Bewegung gesetzt wurden. Auch damals hat rc Hassenkamp der guten Sache alö „Colporteur" von Adressen zu dienen gesucht. „Dem Verdienste seine Krone ".. .) Laufen noch einige Adressen ähnlichen Kaliberö ein, dann wird das „Organ der Gläubigen" in'S Land hinein schreien: „Hallelujah! WaS wir längst prophezeit haben (Herr Vilmar ist »Prophet«!) ist eingetroffen; die »irregeleitete, vom Wind der TageSmeinung bewegte« öffentliche Meinung ist zerstiebt und die wahre, d. h »selbstbewußte, auf bestimmte Facten zurückführbare« zum Durchbruch und zur Geltung gekommen. Wir sind Hahn im Korbe. Hallelujah!"
Marbrrr«;, 25. März — Wie verlautet, wird der „hessische Volksfrennd" eben so wie sein Herausgeber in aller Kürze nach Kassel übersiedeln. Man hat neue Kräfte (z. B. den Herrn von Florencourt) für das Blättchen gewonnen und hofft von der Metropole auS den Kampf mit besserem Nachdruck, alö bisher, führen zu können gegen den herrschenden Unglauben und die Gottlosigkeit — überhaupt gegen ülleS, waö nicht zu dem Geschlecht der christlichen Urgermanen gehört.
AuS dem Bezirk Hofgeismar, 25. April. — Die Zustim- mungSadreffen für die Ernennung des Ministeriums Haffenpflug mch. ren sich täglich, uns zwar unter dem Einfluß einzelner Pfaffen und Bürgermeister, welche auch bei der Wahl nach Erfurt thätig waren. (Die HH. Erfurter hatten schöne HülfStruppen auf die Beine gebracht!) Man behauptet auch, daß der von Hanau entfernte Landrath Wachs, ein Bruder deS neuen Ministerialreferenten, sich für derartige Adressen interessire und zu solchen auffordcre.
Unter der Geistlichkeit zeichnen sich die HH. Hofmann zu Sielen und Cornelius zu Dcissel auS. Ihre Bürgermeister helfen ihnen getreulich und lassen durch die Dorfdiener bei Strafe zur Unterzeichnung der Adressen vorladen. (Die Herren Erfurter haben ein schönes Beispiel gegeben.) — Die beiden Bürgermeister wurden von den Konstitutionellen biöjetzt zu ihren eifrigsten Anhängern gezählt. Man vergleiche ihre Thätigkeit gegen Knvbelö und für Eulcrö Wahl.
W Leipzig, 24. März. — Die zweite Kammer hat der Regierung die Forlerhebung der Steuern bis Ende August bewilligt, da- gegen die außerordentliche Erhöhung der Gewerbe-, Grund- und Perso» nalstcuer mit 35 gegen 32 Stimmen verweigert. Also doch kein ganzes Vertrauensvotum für daö Ministerium I
MLC. München, 20. März. — Eine Deputation aus den Schwesterstädlen 9?ürnberg und Fürth, die Dürgcumisier an der Spitze, ist seit ihrer zweitägigen Anwesenheit dahier aufs eifrigste bemüht, die Minister und sonstige einflußreiche Anionen von den Vortheilen zu überzeugen, welche die Führung der Eisenbahn von Nürnberg, statt von Bamberg, nach Würzburg mit sich bringen würde. Laut den Erklärungen, womit der Finanzminister seine jüngste Forderung von 10 Millionen behufs des Baues der Bamberg-Würzburg-Zrankfurtcr Eisenbahn begleitete, ist an ein Abgehen von der bezeichneten Linie nicht wohl zu denken.
Der Aufenthalt der Kaiserin-Mutter im Palais ihrer Schwester, der Herzogin v. Leuchtenberg dahier, hat sich bisher durch nichts bemerkbar gemacht, als durch Schaaren von Pfaffen, die um den Anblick der treuen Liguvriânerfreundln wetteifern.
Der Berathung des Gesetzentwurfes: „Die Einquartirungs- und Vorspannslasten in Friedenszeiten" betreffend, welcher auf der heutigen Tagesordnung der Kammer der Abgeordneten stand', ging von Seiten des Ministerpräsidenten die Mittheilung voraus, daß das k. k. österreichische Kabinet auf die KoUeklivnote vom 13. März, mit welcher die Regierungen von Bayern, Sachsen und Würtemberg die hier vollzogene Uebereinkunft mitgetheilt hatten, in zustimmender Weise geantwortet habe. Eine Verlesung der Antwort hielt man nicht für nöthig. Aus der neuen Münchener Zeitung aber, in welcher sie heute bereits wörtlich abgedruckt ist, entnehmen wir die überraschende Ueberzeugung des österreichischen Kabinets, daß „ein nach den beantragten Grundzügcir auszuführendes Verfassungswerk nicht nur den Anforderungen entspreche, welche die Regierungen, wie die Völker an dasselbe zu stellen berechtigt sind, sondern auch Oesterreich die Möglichkeit biete, sich daran zu b e t h e i l i g e.n. " (Wohl nicht möglich!) Durch letzteren Umstand „in die Lage gesetzt, die ihr durch überwiegende Rücksichten auferlegte Erhaltung der staatlichen Einheit des Reiches mit den Verbindlichkeiten als Genosse des deutschen Bundes in Einklang zu bringen", erkennt die k. k. Regierung nicht nur „die Zweckmäsigkeit, sondern auch die „Ausführbarkeit" der Vorschläge an und tritt denselben unter vier Voraussetzungen bei. Die eine besteht darin, daß unter den im 9ten Punkte des Artikels 1 der Münchener Uebereinkunft erwähnten Rechten, „nicht die sogenannten Grundrechte verstanden seien, deren Einführung in den meisten Staaten als unvereinbar mit dem öffentlichen Wohle erkannt worden ist'. — Genug!
O e st e r r e i ch.
* Wien, 22. März. — In Bezug auf den kaiserl. Gnadenakt läßt sich der „Lloyd" aus Pesth schreiben: „Der wahrhaft kai se r li ch e Gnadenakt, von dem die heutigen Blätter Ihnen Kunde bringen, bildet das allgemeine Conversations - Thema. Er bringt Tausenden von Familien die Erfüllung ihres heißesten Wunsches, gibt Tausenden den einzigen Ernährer wieder. In die Paläste der Reichen wie in die Hutten der Armen wird das kaiserliche Wort dringen, und allüberall den Geist der Versöhnung offenbaren, der von heute an über dem Meere der Vergangenheit schwebt." (sic!.) — Die Definition des Begriffes „wahrhaft kaiseilich", welcher unsern Lesern vielleicht unklar sein dürfte, steht gleich daneben, indem eS weiter heißt: „Gleichzeitig mit dieser erfreulichen Botschaft cnaMt man, daß über Liyari, Jrinyi und Murgu bereits das Urtheil Pü vieljähriges Gefängniß gefällt sei." Man weiß nicht, ob man von derlei k. k. Phrasen und Gnadenacten mehr mit Ekel oder mU Haß abwcuden soll. — Ein ähnlicher „wahrhaft kaiserl Gnadenakl fand am 15. d. M. in Kasch au statt, wo der Stuhlrichter Eßt am durch Pulver und Blei hmgerichtel wurde, weil er überwiesen war, im Ungarischen Kriege k. k. Soldaten erschossen zu haben. Die gewöhnlichen Verurtheilungen des Kriegsgerichtes in Pesth nehmen natürlich ihren regelmäßigen Gang; aber wir haben uns bereits io lehr an das Schreckliche gewöhnt, daß der zahllosen Opfer der Haynau - schen Standrechtspflege Niemand mehr gedeicht, und die desfalsigen