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Dritter Jahrgang.
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ic Hornisse.
W" 73.
Kassel, Mittwoch den 27. März
1830.
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Das Ministerium Haffenpflug, die konstitutionelle und die demokratische Partei in Kurhessen.
2.
Seit der Märzerhebung bestanden bis zu dem Ministerium Haffenpflug in Kurhessen offiziell nur zwei Parteien, die konstitutionelle und die demokratische. Mit jenem Ministerium ist die aristokratische hinzugetreten, und sie wird bald alle ihre Trümmer und Elemente zu der Regierung des Staats sammeln. ES ist allerdings wahr, waS Vilmar'S „Volköfreund" sagt, das Ministerium Eberhard habe seinen Halt verloren, und es sei ein entschiedenes charaktervolles Ministerium der einen oder der entgegengesetzten Partei nothwendig geworden. Denn die Lage KurheffenS in der allgemeinen Krisis Deutsch- lands verlangte eine selbstständige, sich zusammenfassende Regierung; und durch den Anschluß KurhessenS an den preußischen Bundesstaat, durch die Art dieses Anschlusses, durch die Ablehnung desselben Seitens des kurhessischen Volkes hatte daS Ministerium Eberhard und mit ihm die konstitutionelle Partei so zu sagen sich selbst vernichtet. Auch hatte außerdem die ganze Regierung deS Märzministe- riumS keinen rechten Halt mehr. Aber die Demokratie konnte eben so wenig und noch weniger an die Spitze treten, auch wenn sie es gewollt hätte. So blieb nur die aristokratische Partei, getragen von außen. Der Ministerpräsident Haffenpflug wußte recht gut, daß er gegen den Volköwillen kam. Ader was half cö. Da jetzt Alles in Kurhessen unmöglich geworden war, so mußte daS Unmögliche geschehen, wie Göthe sagt. Der Wille deS Kurfürsten entschied sich für die Unmöglichkeit Haffenpflug, und eö ist nicht zu leugnen, daß jener Wille nach einer Seite hin, in Beziehung auf die deutsche Frage, mit dem Wohl des Vaterlandes vielleicht mehr zusammentrifft, als die Richtung des bisherigen Ministeriums. Doch hat man in dieser Hinsicht die Thaten des neuen Ministeriums erst abzuwarten. Sodann ist auch nicht zu leugnen, daß der neue Ministerpräsident ein Mann ist, welcher zu regieren versteht. Nichts desto weniger mußte derselbe nothwendig mit den beiden Parteien, welche sich seit dem März 1848 in Kurhessen stritten, sofort in entschiedenen Kampf gerathen, weil sein bekanntes vormärz- licheS Prinzip der politischen und religiösen Aristokratie von ihm untrennbar war und ist. Ja, der Gegensatz gegen ein solches Ministerium war so allgemein, daß dasselbe, wenn Kurhessen für sich isoliit in der Welt stände, keine 24 Stunden unmöglich gewesen wäre. DaS Alles wußte Herr Hassenpflug, daS Alles hinderte ihn nicht, seine jetzige Stellung einzunehmen und wiederholten entschiedenen
Erklärungen der ganzen Volkskammer gegenüber zu behaupten. Natürlich! Herr Haffenpflug erkennt daS konstitutionelle System, die erste widerspruchsvolle Verwirklichung der Vo l kS souveränetä t, er erkennt die Märzproklamation des Kurfürsten, als auS der Noth deffel- ben hervorgegangen, nicht als etwas Dauerndes und Bleibendes an. Er tritt von vorn herein oktroyirend auf; und wenn seine Aufgabe die ist, die Fürstensouveränetät wieder herzustellen, so mußte er ja von vorn herein die parlamentarische Regierung verneinen, und daS hat er mit der ganzen Kaltblütigkeit eines seiner selbst gewissen Mannes gethan!
Diese ganze Erscheinung deâ neuen Ministeriums mußte natürlich von der konstitutionellen und demokratischen Partei sehr verschieden ausgenommen werden. Während die Aristokratie heimlich frohlockte, ge rieth die konstitutionelle Partei in eine Art von Wuth, weil sie sich plötzlich auS ihren Stellen und Träumen herauSgeworfen sah. Die Demokratie hingegen erkannte in diesem Umschwünge daS gerechte Schicksal dieser Partei, die Strafe der Halbheit ihres Wesens. Sie hatte das Ministerium Eberhard als ein Märzministerium, sie hatte die wohlwollende Gesinnung desselben geachtet, aber eben so bestimmt seine Schwäche, seine innere Erlahmung und Selbstvernichtung wie seine längere Unmöglichkeit gegenüber der allgemeinen europäischen Reaktion erkannt. Sie mußte sich daher freuen, daß ihre Einsicht gerechtfertigt und ihrem Prinzip der prinzipielle Gegensatz gegenüber gestellt wurde. Auch mußte sie gerade in der Konstitullung eines Ministeriums Haffenpflug sich noch in zweifacher Weise befriedigt finden, eineStheilS, weil sie einen Meister unbedeutenderen Nachahmern vorziehen mußte, anderntheilS, weil die Berufung dieses Mannes aus dem Ausland die gerechte Strafe für die übermäßige Anstrengung der konstitutionellen Partei war, gerade dieses bestimmte Ministerium Eberhard dem Kurfürsten fortwährend aufzuvctroyiren, und alle andern Männer im Znlande von der Nachfolge Eberhard'S abzu schrecken.
Die hauptsächliche üvlge deö Eintritts eines Ministeriums Hassen- pflug ist nun die, daß sich die konstitutionelle Partei zersetzen, in einem Theile sich der aristokratischen anuähern, in dem anderen, größeren, der Demokratie zugetrieben werden wird. Mit dem Ministerium Hassen- Pflug bat der vormärzliche Standpunkt sich wieder festgesiellt, welchem gegenüber der b edeuteud vorgeschrittene Volksgeist sich zu entscheidenderen Thaten sammeln wird. DaS ist nothwendige Folge des prinzi- p i e l l e n Gegensatzes, dessen Träger Hr. Hassenpflug ist, und von welchem derselbe nicht lassen kann, auch wenn übrigens seine Handlungen menschlich sein und Wohlwollen gegen daö Volk athmen sollten. Und wir haben keine Veranlassung bei diesem klugen Manne etwas Anderes eher anzunehmen,