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Dritter Jahrgang.
M- 72.
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Kassel, Dienstag den 26. Marz 1830.
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Das Ministerium Haffenpflug, die konstitutionelle und die demokratische Partei in Knrhesten.
1.
Frankreich hat nur noch zwei Parteien, Deutschland drei. Dort ist die Aristokratie, das Königthum, der Adel bereits aufgelöst zum Bürgerthum. Es gibt nur Eins, das souveräne Volk; der Gott, welcher früher in einzelnen Spitzen thronte, hat sich durch das Ganze verbreitet. Aber das Ganze ,st in sich zerspalten, um den Staat, um die Herrschaft kämpft die Bourgeoisie und daS Proletariat, der Glückliche und der Unglückliche, der Herr und der Sklave deö Kapitals. Auf der ersteren Seite sammeln sich zugleich alle Reste früherer Aristokratie, alle Königs-, Adels- und Pfassen-Elemente. Sie begeben sich unter die schützenden Fittige des wohlhabenden Bürger- thumö, um dereinst, wenn die Sturmglocke der Revolution läutet, in der allgemeinen Verwirrung sich der Herrschaft zu bemächtigen. So sehen wir jetzt einen Montalembert, Thiers, Changarnier, Berryer, Carlier, Barroche, Lou iS Napoleon u. s. w. zusammengehen, um der sozialistischen Partei daS Haupt zu zerschmettern. Paris, das Militär, die Departements theilen sich durch und durch, die herannahende Krisis wird furchtbar und welterschütternd werden. Doch der Sieg ist nicht zweifelhaft; und nur der Wahnsinn derer, welche jetzt die Macht in den Händen haben, treibt sie immer tiefer in das Verderben. Der Sieg ist nicht zweifelhaft, weil zwar eine vorzeitige Erhebung, aber nicht die soziale Revolution über- wunden werden kann. Denn nach der Nothwendigkeit eines Natur- g e setze S schreitet die Idee der sozialen Erlösung, daS neue Christenthum der Menschheit, immer weiter fort. Ihr gehört bereits die arbeitende Klasse im engern Sinne, ihr die kleinere gedrückte Bourgeoisie, ihr eine große Masse deS Militärs, ihr daS Edle und Ju- gendfrische wohlhabender Kreise an. Binnen kürzerer oder längerer Zeit ist eine große revolutionäre Erhebung in Frankreich unvermeidlich, der Sieg um so gewisser, je später sie in diesem Zeitraume auSbricht. Im Augenblick würde derselbe sehr zweifelhaft sein; denn die letzten Wahlen am 10. März beweisen nur, daß Frankreich züm- lich gleich get hei l t ist *), und vor der siegreichen Revolution muß ein Staatsstreich, eine allgemein gefühlte Gewalt stehen, zu welcher Louis Napoleon wegen feiner Verwickelung mit einer Reihe
*j Man vergesse nicht die furchtbaren Wahlumtriebe und die Wahlintriguen der herrschenden Partei. So nur kam es, daß an der Wahlurne die Parteien fast gleich müenm; auf den Barrikaden wird sich die große Mehrheit ohnfehlbar auf Seiten der Sozialisten befinden. D. Red.
intelligenter Männer nicht sogleich schreiten wird, aber jedenfalls in den nächsten zwei Jahren. Nicht zweifelhaft aber scheint eS, daß wenn die reine soziale Revolution gelingt, auch die soziale Reform sich entwickeln wird, aber freilich unter europäischen Umwäl- zungen und innern Wehen.
In Deutschland ist der Kampf noch ein anderer. Hier kämpfen seit dem März 1848 drei Parteien: die aristokratische, die konstitutionelle und die demokratische, welche letztere sich erst in und mit der Märzerhebung entwickelt hat. Die erstere hat ihre Anhaltspunkte in den Fürsten, dem Adel und der religiösen Reaktion. An sich schwach an Zahl ist sie stark an Mitteln, namentlich da der Beamten- und Mllitärorganiömus mit den Fürsten näher zusammenhängt. Die zweite hat ihr Centrum in der wohlhabenden Bürgerklasse, welche die Herrschaft nicht durch Revolution, sondern durch Vermittelung mit dem Fürstenthum erstrebt, und über den Kern dcâ StaatS, die Geldmittel gebietet. Ihr Ideal ist die parlamentarische Regierung eines Fürsten, natürlich insoweit die Parlamente durch Wahlgesetz u. s. w. ihr die Majorität geben. Die dritte Klasse besteht aus den Arbeitern und dem gedruckten Mittelstand, hat jedoch bereits, insofern nicht das Ge- spenst des Kommunismus schreckt, bedeutenden Anhang auch in den wohlhabenderen Kreisen. Sie hat an Zahl ohne Zweifel die Majorität in den meisten Theilen Deutschlands, in vielen nur deshalb noch nicht, weil Intelligenz und Selbstbewußtsein noch mangeln und mithin diese Klassen nur zu leicht eine Beute der andern werden.
Der Kampf in Deutschland besteht daher als eigentlicher Kampf um die Freiheit (wovon die Einheit nur ein Reflex ist) zwischen jenen drei Parteien, von welchen zwei alâ Extreme, die dritte als eine vermittelnde erscheint. Aber in so unbestimmter Weise läßt sich das nothwendige Schicksal Deutschlands nicht begreifen, wir müssen vielmehr die «Stellung scharf auffassen. Dann erscheint unS die an- stokratische Partei als der letzte Rest deö Mittelalters gegen welchen he ganze Masse deö Volks unaufhörlich anwogt und zur Selbstregierung hinstrebt, sei in es dem Zwitterwesen der konstitutionellen Monarchie, sei in cS der Form der Republik. Sowie daher die aristokratische Partei ihre Herrschaft die beiden anderen fühle» läßt, bringt sie die Gesammtbewegung deö Volks hervor, und diesem allgemeinen Andrange muß die erstere erliegen. Um sich daher zu halten, muß sie den andern Parteien Konzessionen machen, muß sich zu der Form der konstitutionellen Monarchie jedenfalls verstehen, und wird
*) Die Fürsten find nur die letzten Reste und übrig gebliebenen Spitzen bet alten Feudaladciè und des Lehenestaates. Sie fallen mit demselben Recht, wie sie mit dem Bürgerthum gemeinschaftlich den Landes- und den Reichsadet vernichtet haben. D. Red.