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Dritter Jahrgang.
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Kassel, Sonntag den 24. März
1850.
©^" Neues Abounement. "^^
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Seine königliche Hoheit
Seine königliche Hoheit wollten frei sein. Seine königliche Hoheit wollten weder nach Erfurt, noch wollten Allerhöchstdieselben eine Puppe in den Händen der konstitutionellen Minister, der Spießbürger sein. Seine königliche Hoheit haben deßhalb eine kleine Veränderung deS Personals vorgenommen. Wenn aber Allerhöchstdieselben glauben, nunmehr wirklich frei, d. h. ein souveräner Herr und ein Selbstherrscher nach eigener fapon zu sein, so sind Dieselben im Irrthum.
Seine königliche Hoheit sind zunächst ein für allemal mediatisirt. Ob Allerhöchstdieselben in Erfurt oder in Frankfurt verschluckt werden, dürfte keinen besonderen Unterschied machen. Sterben ist sterbe». Seine königliche Hoheit haben unter alle» Umständen in Sachen Deutschlands keine Stimme mehr. Sie haben eigentlich nie eine solche gehabt, factisch wenigstens, in der Kürze werden Allerhöchstdieselben auch rechtlich Sitz und Stimme verlieren. Oesterreich hat nicht weniger Appetit als Preußen. Ein Direktorium hat ziemliche Ähnlichkeit mit der Erfurter Rcichövvrstandschaft. Seine königliche Hoheit müssen Sich nach dieser Seite hin in Geduld in Ihr Schicksal zu finden wissen. Der Ministerwechsel gewährt lediglich den Vortheil einer sogenannten Galgenfrist, er bereitet Allerhöchstdieselben auf daS endliche Schicksal etwas vor. Die Veränderung giebt Seiner königlichen Hoheit nur die Ueberzeugung, daß Allerhöchstdieselben nicht gestorben worden sind, sondern Sich eigenhändig gestorben haben.
Seine königliche Hoheit haben aber auch zweitens nicht die Genugthuung, durch die neue Einrichtung freiere Hand in der Regierung bekommen zu haben. Herr Hassenpflug wird Seiner königlichen Ho- heit noch von früher her bekannt sein. Hr. Hassenpflug ist aber eine wahre Kleinigkeit gegen Hrn. Vilmar. Das Regiment deö Hrn. Vilmar wird Allerhöchstdenselben unter der Hand noch lästiger werden, als das unserer Spießbürger, deö Hrn. Eberhard. Die Symbole werden Seiner königlichen Hoheit nicht weniger zudringlich erscheinen, als Hr. Eberhard mit seiner Verfassung. Allerhöchstdieselben werden der christlichen Dogmen bald eben so überdrüssig werden, alö Sie der konstitutionellen Doctrinen überdrüssig geworden sind. Hr. Vilmar wird Seiner königlichen Hoheit noch eine ganz andere Regierungödiät verschreiben, alö Lie Spießbürger eS gethan haben. Allerhöchstdiesel- bcn werden sehr viel Zeit zu Jagd- und sonstigen Vergnügungen erübrigen können, — denn zum Regieren werden Dieselben keine Gelegenheit finden. Seine königliche Hoheit werden in der Kürze ein» sehen, daß die Lehre der HH. Vilmar, Gerlach und Genossen: „Königliche Hoheiten hätten so gut ihren eigenen Willen wie andere
Menschen", nicht so buchstäblich, sondern cum grano salis zu nehmen ist. Die schönen Tage deö Regierens sind überhaupt vorüber. Die Maschinerie des StaateS ist zu complicirt, als daß man sie „auf gut Glück" und zum Plaisir in Bewegung setzen könnte.
Königliche Hoheit werden nach der kleinen Veränderung, die Allerhöchstdieselben beliebt haben, weder nach Innen noch nach Außen souverän sein. Sie werden gehorchen müssen. In unserer Zeit geht Alles nach Systemen. Selbst der Absolutismus ist kein Vergnu- gen mehr.
Königliche Hoheit haben auch im Regiment Vilmar-Hassenpflug keine besondere Garantie gegen die Zufälligkeiten einer Revolution bekommen. Allerhöchstdieselben mußten Sich freilich überzeugt haben, daß die konstitutionelle Monarchie bei dem fetzigen Stande der Dinge in der Kürze zur Republik führen werde, Seine königliche Hoheit können aber versichert sein, daß von Hrn. Vilmar zur Republik nicht viel weiter ist, als von Hrn. Eberhard dahin. Wir unsererseits glauben, daß die Rücksicht auf Selbst.'rhaltung Seine königliche Hoheit überhaupt nicht leiten darf. Die einzige Rücksicht der Menschen ist die aus den Spruch des alten Weisen: „Genießt den Augenblick".
Wir wollen es dahingestellt sein lassen, ob Allerhöchstdieselben sich unter Hrn. Vilmar wohler fühlen werden, als unter Hrn. Eberhard. Nach unserm Geschmack lebt sich'S freilich überall besser, als in Gesellschaft der schmutzigen, trockenen Spießbürgerschaft. Seine königliche Hoheit werden daS erwogen haben. Allerhöchstdieselben haben dann allerdings Einiges erreicht.
Seine königliche Hoheit mögen sogar viel erreicht haben, aber Höchstderen eigentlichen Zweck scheinen Sie doch verfehlt zu haben.
Deutschland.
* fistlet, 20. März. — DaS alte Mütterchen, die scharfsinnige (Druckfehler! s. unten Klatsch) „Neuhessische" und ihr alter Vetter C aus Erfurt werden mitsammen kindisch vor Wonne über die herrliche Komödie. Sie berichten über die Lebhaftigkeit und Theilnahme bei Eröffnung des Parlaments: „um das Regierungsgebäude bildeten sich einige Gruppen" (1XB. ohne arrctirt zu werden). — D diese Volksbewegung und diese Liberalität der Polizei muß zu Thränen rühren! — Sie berichten ferner über die „nußbraun gehaltenen Mobilien" und den rothbraunen Wollendamast des Staatenhauses und über das lebhafte Feuer in den Kaminen deö etwas frostigen Regie- rungshauseS. O wie weiß Preußen die Besten von Gotha zu ehren. Sie berichten, daß an allen Sitzen der StaatShäuülcr schwarz-roth- 2 old ne Schleichen zu sehen gewesen. D, wie hat Papa Radowitz