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schied, dem derselbe Hassenpflug präsidi'rte, der im guten Glauben über etwas mehr, als einige alte Fliesen, nach Gutdünken tifponut hatte. Eine Scene zwischen Hrn. H. und der Gattin Reich's, in umgekehrter Art wie zwischen Joseph und Potiphars Frau, glaubt der Leuchtthurm obgleich als Gerücht nicht übergehen zu dürfen. Der Kastellan appellirte an den König und erhielt Anstellungsberechtigung, aber Hassenpflug stellte ihn nicht wieder an, obgleich er mit der neuen Justizorganisation unbeschränkte Vollmacht hatte, die er durch Abletzen, Versetzen und Befördern nach seinem Gutdünken ausübte. Nun end­lich devunziirte ihn Reich bei einem Oberstaatsanwalt Friedberg, daß er 350 Thlr. unterschlagen habe, welche die Professionisten weni­ger bekommen, als der Anschlag betrüge. Der Staatsanwalt, ein Intimus Hassenpflugs, weigerte sich die Anklage zu erheben, da der Bau vorschriftsmäßig vorgenommen sei. Reich appellirte darauf an das Kreisgericht und dieses setzte selbst seinen Chefpräsidenten in Anklage­stand. Hassenpflug ging inzwischen nach Berlin und soll in einer Audienz beim König die Faden mit Kurhessen wieder angeknüpft ha­ben, da seines Bleibens in Neuvorpommern nicht län­ger sein konnte. Sein Defensor appellirte inzwischen an den Appellhof, dieser aber hielt die Anklage aufrecht und gab besagtem Intimus Friedberg auf, die Anklageschrift zu verfertigen. Da reiste Hr. Hassenpflug plötzlich bei Nacht und Nebel ab, mit solcher Eile, daß er sogar einen Ueberschuh verlor, um unser Minister zu wer­den. Die Vorladung und Anklageschrift ist darauf an seine Zimmer- thür geheftet worden, nachdem seine Frau und sein Sohn ihre Annahme verweigert, und ist Hr. Hassenpflug auf heute den 20. März wegen Betrugs von 350 Thlr. zu Greifswald vor die Assisen geladen. Ein kurhessischer Minister aber braucht sich vor keinem preußilchen Gericht zu stellen, und wenn er in contumaciam verurteilt wirb zum Ver­lust der preußischen Nationalkokarde, so hat et ja noch die hensiche rind die luxemburgische, und die alte sigmaringische das reicht hin. Man kann leicht denken, daß man in höheren Sphären bestimmt

eine Freisprechung erwartet.

Staffel, 19. März. Der König v. Würtemberg hat in sei­ner Thronrede bereits angekündigt, daß Oesterreich mit dem Entwurf des f. g. Bierkönigsbündnisscs einverstanden sei Die kölni­sche Zeitung gibt am 17. unter dem Titel:Aus dem Alleihei- ligsten der Diplomatie" allerlei Enthüllungen, wie dieses Einverständniß zu Stand gekommen; da erfahren wir denn, daß die

sächsische Regierung, die am meisten in der Klemme war, den Anstoß zu den betreffenden Unterhandlungen gegeben und zwar bereits im Herbst 1849. Im Oktober 18-19 hätten die Konferenzen in München begonnen zwischen Baiern und Sachsen, und der Hannö­versche Gesandte Knesebeck habe ihnen als Privatmann beigewohnt, obgleich Hannover damals uoch immer öffentlich am Erfurter Drei­königsbund festhielt. Am 17. Januar endlich haben auch Hannover und Würtemberg offiziell Antheil an den Berathungen genommen, und in 3 Stunden seien sie vollendet gewesen, warum nicht? es war Zeit genug gewesen sich vorzubereiten. Nun kamen aber Stö­rungen von Oesterreich dazwischen, wie zu erwarten, es wollte Nichts von einem Staatenhaase wissen, das Hr. v d. Pfoidten vorgeschla­gen, das Volkshaus wollte es auf 240 reduzirk haben, und die Auf­nahme des ganzen Kaiserstaates sollte conditio sini qua non sein, die HH Könige sollten eine Collectivnote nach Berlin und nach Wien gehen lassen, wahrend diese verlangten, daß Oesterreich zuvor beitrete und dann selbst Preußen die Note eingebe, außerdem sollte nicht mit der zukünftigen Nationalversammlung v er ei n ba r t werden. Han­nover trat nach dieser Wiener Botschaft am 21. Januar zurück, die übrigen fügten sich, und Oesterreich ließ zu, daß die Vereinba­rung verheißen wurde. Die Könige sollen eigenhändig an Ernst August geschrieben haben, er solle den widerspenstigen Stüve entfer­nen. Aber wir glauben, Stüve betrügt sie alle; jetzt erklärt Hanno­ver, da es der einzige unbetheiligte Staat sei, könne es den allgemei­nen Vermittler spielen. Die verschiedenen diplomatischen Sendungen Intriguen und Berichte, die dem endlichen Verständniß voraufgingen, unterscheiden sich nicht von solchen, die bei allen fürstlichen Vereinbar barungen eine Hauptrolle spielen. Die Collektivnote, welche die drei Könige zu 8 erlin und Wien eingereicht haben, und welcher in Wien nm 13. März mit Sanktion des Kaisers beigestimmt wurde, lautet:

r weiche durch die Bundesbeschlüffe

vom 30. Jrnr.j und /. Xpril 1848 in Aussichr gestellt wurde, ist durch g 3 der Convention vom M.Lept 1M9 über dre BMunq einer neuen proviscrifchen Bund.s- centralkommisiivn der freien Vereinbarung der einzelnen Staaten überlasten worden. Die aus Grund jener Konvenuon inzwischen ins Leben getretene Bundedkowmission wird daher nicht in der tage sein, die Initiative in der deutschen Verfassunasanaele- mnpeit zu ergreifen. Andererseits hat die Aufstellung der von den Remerunaen ^reufen, Sachsen und Hannover unterm 26. Mai ». J. vereinbarten Rcichèverfas- Hing die dadurch angestrebte Einigung sämmtlicher deutschen Staaten zu Begründung eines deutschen Bundesstaates nicht oerbdgefübrt. Zwar hat eine nicht unbedeutende Anzahl deutscher Staaten diesem Entwürfe sich angeschlossen, gleichwohl ist dessen

Annahme von Seiten anderer und insbesondere der größern süddeutschen Staaten abgeleynt, die nach den Bundesverträgen erforderliche Zustimmung Oesterreichs zu der Errichtung des aus dem übrigen Deutschland nach Maßgabe jenes Entwurfs zu bil­denden Bundesstaates aber ebenfalls verweigert worden. Wahrend nun diesen Lhat- sachen gegenüber die k. preuß. Regierung und verschiedene andere Regierungen sich dafür entschieden haben, die Vollziehung jenes Verfassungsentwurfs unter Anwendung auf einen engern Bundesstaat ins Werk zu setzen, haben dagegen die Regierungen von Sachsen und Hannover bei Errichtung dieses engern Bundesstaats, welche sie als außerhalb des von ihnen angenommenen Verfassungsentwurfs sowohl als der allseits als noch bestehend anerkannten Lundeèvertrage liegend betrachten zu müssen glauben, sich nicht zu beteiligen vermocht j und sowie einerseits behufs thatsächlicher Herstellung eines engeren Bundesstaates ein erster Reichstag einberufen worden ist, so gabelt andererseits die bei dieser Maßregel nicht beseitigten Regierungen gegen dessen Beschlüsse Verwahrung eingelegt. Unter diesen Verhältnissen haben es die k. Regierungen von Baiern, Sachsen und Würtemberg für ihre Pflicht, sowohl gegen ihre Lande als gegen das Gesammtvaterland gehalten, sich über einen Vorschlag zur Ausführung der erwähnten Bundesbeschlüsse zu einigen, welchen sie gemeinschaftlich zunächst an die k. k. österreichische und k. preußische Regierung gelangen lassen könn­ten. Sie sind deshalb in vertrauliche Verhandlungen getreten, deren Eigebniß eine zu München am 27. Febr. d. J. abgeschlossene und seitdem von den drei k. Regie­rungen genehmigte Uebereinkunft ist. Diese Uebereinkunft ruht auf der Ueberzeugung, daß die Zukunft der deutschen Nation nur durch eine Verfassung gesichert werden kann, welche den möglichst innigen Verband zwischen Oesterreich und dem übrigen Deutschland erhält, die beiden größten deutschen Staaten in gleich würdiger und ein­flußreicher Stellung umfaßt und, ohne Vernichtung der übrigen Staaten, solche Bundesorgane einsetzt, in welchen eine wirksame Lyätigkeit der Regierungsgewalt mit der freien Entwickelung des Volksgeistes durch eine Nationalvertretung sich zum Wohle des Ganzen verbinden kann. Indem nun die k. ... . Regierung den Un­terzeichneten beauftragt hat, der ?c. Regierung diese Uebereinkunft als den gemein­schaftlichen Vorschlag der drei k. Regierungen vorzulegen, gibt sie sich der Hoffnung hin, das k. Kabinet werde darin das ernstliche Bestreben erblicken, eine Grundlage zur Lösung der deutschen VerfassungSangelegenheiten zu bieten, und diesen Vorschlag nicht bloß in Erwägung ziehen, sondern auch mit dem k. preußischen (österreichischen) Kabinette und mit den übrigen Bundesregierungen, sei es nun unmittelbar oder durch Vermittelung der provisorischen Bundeskommission, welcher die drei k. Regierungen ihren Vorschlag zur Kenntniß mitgethcilt haben, darüber in Verhandlung treten. Die drei k. Regierungen glauben insbesondere, daß die in dem Vorschläge sowohl für Oesterreich als Preußen gebotene Möglichkeit des Beitrittes mit der Gesammtmonar- chie geeignet ist, die Hauptschwierigkeiten zu beseitigen, welche bisher der Verständi­gung zwischen diesen beiden Staaten über die Bundesverfassung entgegenstanden, und laden daher in dieser Voraussetzung die beiden Großmächte zu diesem Beitritte ihrer­seits im Hinblick auf Art. VI. der Wiener Schlußakte vom 15. Mai 1S2U förmlich ein. Der unterzeichnete benutzt diese Gelegenheit rc. zc.

0 Berlin, 18. März. Der Jahrestag unsrer Revolution geht trübselig vorüber. Am Sonnabend Abend erschien eine Prokla­mation Hinkelbep's, worin der Zugang zum Friedrichshain verboten wurde. Gleich darauf setzten sich unsereVolksmänner" nieder und verfaßten eine Proklamation, worin dem Publikum ebenfalls der Zugang zum Friedrichshain verboten, wenigstens abge­rathen wurde. Diese Proklamation wurde in der heutigen früh er­scheinendenNational-" undUrwählerzeitung" abgedruckt. Die We­nigsten kehrten sich daran. Schon gestern hatten Viele versucht, Kränze nach dem Friedrichshain zu tragen; zehn Schritte davon waren sie von den Konstablern zurückgewiesen worden. Heute rückte man die Schranken bereits weiter hinaus; das Landsberger Thor und die Straße vorher (dort liegt der Friedrichshain) wurden von Konstablern gesperrt; wenn sich eine Menge Volks versammelt halte, um zu passi- ren, wurde es zurückgetrieben; wer nicht schnell genug laufen konnte, wurde verhaftet. Lie Stockung zog sich bereits bcö zum Alexan- derplatz, da, um 5 Uhr, brach ein heftiges Schneegestöber herein, daö jetzt noch anhält; nur noch Einzelne verharrten in jenen Straßen, die Verhaftungen aber dauerten fort. Am Vormittag waren die Straßen ausnehmend shtl, die Geschäfte gingen matt, wie an einem Sonntage. Das war die heutige Feier der Märzrevolution, diesesSchandtags" in der preußischen Geschichte, wie dieDeutsche Reform" mit der Kreuzzeitung" um die Weite heult. Der Friedrichshain soll übrigens ganz vernichtet werden. Man will die Graber planiren und nachher die Ostbahn über die Stätte leiten; wo die Märzkämpfer schliefen, soll der Schweiß der 21 Millionen in die Luft dampfen. Gut! Ver­nichte man jedes Denkmal unsrer Unentschlossenheit! DieDeutsche Nef." feiert den heutigen Avend mit einem Leitartikel, wie ihn die Kreuzzeitung kaum je gebracht. Sie will, wie jener Wahnsinnige im Mährchen, die Blutspurcn jener Nacht von dem weißen Blatre der preußischen Geschichte fortkratzen; aber sie wird sich die Finger blutig kratzen und die rothen Blutzeichen werden bleiben. Sie schäumt vor Wuth über die gestrigen beiden Leitartikel derAbcndpost", denacht­zehnten März" undLa victoire est â nous. Sie ruft die Konservativen aller Schalt, rungen mit brüllender Stimme auf, sich gegen die herelnbrechende Sundfluih zu wappnen! Ja wappnet euch nur und schaart euch nur zusammen! Die Sundfluih schwemmt euch dennoch hinweg! Und bliebe nur eine Arche Noah übrig mit einem Häuflein Getreuer, so werden die Sturzbäche der Revolution dennoch aus den sich häufenden Wolken der Rache hcrabbrcchen, und Nichts wird übrig bleiben von dem Schmutz der Vergangenheit, als ein Düngerhaufe, die neue Welt zu befruchten! Außerdem nehmen die auowarti .cn Nachrichten unsre Aufmerksamkeit stark in Ansiruch. Die Konstitutio­nellen repetiren mit vor Wuth bleichen Lippen die Thronrede des