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Schweiz.

B Genf, 9. März Also aus der Intervention wird nichts, wie die Zeitungen aussicheren Quellen, von bcstunlcrrichtetcn Coire- spondenlkn, durch hochgestellte Pclsonen rc. mitzulheilcn im Stande sind". Der Bundesrath reibt sich die Hände vor Freude, daß die Struvianer und Siegwartianer" ihren Willen nicht haben und die geistreicheN. 3 3 " schmunzelt selbstgefällig: wir haben nie an den Krieg geglaubt! Qb die schweizerische Angelegenheit nochnicht reif" ist, oder ob wirklich der Friede Europa's nie gesicherter war als jetzt, ich weiß rs nicht. Wenn man a tout prix den Frieden erhalten will und kein Opfer, keine Blamage zur Erreichung dieses Zweckes scheut, so kann man schon den ewigen Friedenspropheicn spie­len , ohne Gefahr zu laufen, Lugen gestraft zu werden.

Wenn schon vor 3 Wochen derradikale Nouvelliste Baudois", Hrn. DrucyS Organ, offen sagte:Wir sind noch stets der Hoffnung, daß die Schweiz klug und stark genug fein wird, um ihre eigene Polizei zu machen und daß deshalb eine bewaffnete Intervention nicht nothwendig sein wird; so kann man davon einen Maßstab abnehmen, in wie weit der Bundesrath zu Konzessionen geneigt ist um des lie­ben Friedens willen. Die heutigeGazette de Lausanne will nun auch bestimmt wissen, daß sämmtliche Flüchtlinge ohne Aus­nahme ausgewiesen würden. Ja, ich glaube es selbst, die Schweiz wird keinen Krieg haben aber die gewünschte Ruhe wird ihr doch nicht zu Theil werden.

Frankreich.

-f Paris, 15. März. Der Spaß wird allmählich Ernst, so bitter ernst, daß wir Alle hierselbst vielleicht schon in 14 Tagen todt- geschlagen oder verkrüppelt oder eingekerkert sein können. Die Herren Reaktionäre sind über ihre letzte Pariser Wahlniederlage etwas ängst­lich im Gemüth, aber sie heucheln Todcvfrechheit undLa pati ie", eins ihrer schlimmsten Blätter, verlangt, Bonaparte solle sofort sich zum Kaiser machen, die Presse der Rothen mit 100,000 Fr. Kan- non per Blatt, belasten, also wie unter Hrn. LouiS Philipp, und das Wahlrecht in ein s. g. preußisches umändern. ES wird von diesem Bösewichterblatt heute ein förmlicher Anruf an die sechs Helden und Retter deS Landes gemacht, an die HH. Montalembert (Graf und Zcsuitcnzögliug), Berryer (Advokat und Jesuit), Thiers (setzt Frömm­ler), General Changarnier u. f. w. Diese Kerls sollen s i ch berathen und das Vaterland retten, im Nothfall mitKa­nonen". So möge denn also Deutschland eS wissen, am 15. März hat ein weißes Organ zuerst seit 1848 an den Bürgerkrieg feierlichst oppcüirt. Er kommt auch, der alte Teufel wäre auch sonst gekommen, wenn er auch nicht an die Wand gemalt worden wäre. Genug, wir erleben in 8 bis 14 Tagen Umsturz der Konstitution, Ministerwcch.el, Kaiserei, Königerei und Blutbad. Ob der Triumph sich auch aus dem Schlachtselbe für und erklärt, wie auf dem Wahlfeld, weiß Keiner. Die kleinere Bürgerschaft stimmte jetzt mit uns, und da sie noch selten so scharf ge^cn die volksfeindliche Reaktion verfahren war, so erstaunt man billig; sie ist cs, die unS zum Wahlsieg verhalf. Ob sie ruhig sich daS Wahlrecht nehmen läßt? AlS greife und feiste, wollüstige, faule, steinreiche und edelmutharme Staatsmänner Frank­reichs, die die Republik stürzen wollen, sind außer obigen noch zu rechnen Graf v. Molt-, Tuchatel und Herbert, die nur durch Zufall dem Galgen entschlüpften. DaS nächste Mal werden sie cs nicht. Ich könnte die Verworfenheit dieser Leute nicht groß genug abschil- dcrn, und begnüge mich daher, sie bündig und kurz dem deutschen Hohn und Zorn preis zu stellen.

* Paris, 16. Mälz. Gestern um 10 Uhr wurden von der Treppe des Stadthauses herab tie Wahlen verkündigt. Nach der Revision hat Carnot 137,797 Stimmen, Vidal 128,439 und dc Flotie 126,982 (blos 1300 mehr, als Foy , soweit hat man's doch gebracht!) Gewählt haben von 353,509 eingeschriebenen Wäh­len 200,198. Auf dem Platze vor dem Stadthausc waren aufge- stellt ein Bataillon Linie und von jeder Legion der Nationalgarde eine Compagnie mit dem Tbersten. Die demokratische Presse hatte noch Tags zuvor das Volk vom Besuch des Platzes abgemahnt nur einige hundert Menschen halten fich eingefunden. Die Nationalgarde unb die Anwesenden erwiderten die Proclamaiion mit einem Hoch auf die Republik, und verließen den Platz. Patrouillen zogen noch bis ge* gen 1 Uhr Nachmittags durch die Straßen; auch sollen um 12 Uhr die Truppen der Umgegend gegen Paris in Anmarsch gewesen sein. Aber Alles blieb ruhig, und die gewünschte Erneute war nichts. Die Gerüchte über den Ministerwechsel erhalten sich. Napoleon konferirt Lag und Nacht mit allen möglichen Größen, bald mit Dupin , bald uni Thiers, Melè, OdiUon Barrot, bald mit C ha ngar n ier. DaS Resultat dieser ganzen Hin- und Herzerrerci soll sein, daß Barsche

das Ministerium des Innern bekommen habe. Man erzählt, Napo­leon habe im ersten Wuth-Schrecken abdanken wollen, um an daâ Volk durch eine neue Präsidentenwahl zu appelliren. Armer Schlu­cker, dann wars noch früher aus. Bald jedoch brachten ihn die Ei­gentlichen zur Besinnung! Die halbamtlichePatrie" predigt förm­lich zum Bürgerkrieg mit den Worten:Die Gefahr ist gewiß. Der Feind ist der Art, daß man die Macht hat, ihn zu bekämpfen. Es kann daher für uns nur noch einen Gedanken, ein Interesse, einen Willen, eine Politik, eine Angelegenheit geben: auf tie Gefahr los- zugehn, den Feind zu besiegen und ihn zu vernichten."Die Revolution ist ein Kriegszustand. Wir sind darin. In dem Kriege, den die franz. Gesellichaft gegen die Anarchie führt, thun die gemei­nen Soldaten ihre Schuldigkeit mit Selbstverläugnung, die Führer haben sie nicht immer gethan. Wir wenden uns an den Präsidenten der Republik, an Changarnier rc. Den Tag vor der Schlacht, welche die französische Gesellschaft liefern wird, zählt unsere Kräfte! Bo­naparte, Montalembert, Changarnier, Molë, Berryer, de Broglie und Thiers müssen sich vereinen, um Frankreich zu befreien!"

England.

8 London, 14. März. Im Unterhause wurde gestern Gib- son'6 Grafschaften- Abgaben- und AuSgaben-Bill zum zweiten Male verlesen. Die Bill verlangt die Bildung von Repräsentantenkörpern in jeder Grafschaft, um die Einnahmen und Ausgaben der GrasschastS. gelber zu kontrolliren. Bisher waren die Magistratspersonen an der Spitze der Verwaltung der Grafschaft beinahe ohne alle Controlle über die Verwendung dieser Gelder. Ebenso wurde die Bill über die öffentlichen Bibliotheken und Museen zum zweiten Male verlesen. Die Diskussion über beide Gegenstände ist von keinem besonderen Interesse.

Das hiesige deutsche FlüchtlingSkomitè hat bei Gelegenheit seiner RcchnungSablage folgenden Aufruf erlassen, den hoffentlich alle demo­kratischen Blätter Deutschlands aufnehmen werden:

Durch die fortwährenden Ausweisungen auâ der Schwel'z"nffb auS Frankreich hat sich die Zahl der hiesigen unterstützungsbedürftigen Flüchtlinge in einem hohen Grade vermehrt. Fast täglich kommen neue Flüchtlinge hier an und meistens in einem solchen Zustande, worin sie nicht nur die gewöhnliche nothdürftige Unterstützung bedürfen, son­dern auch eben so dringende Auslagen für Bekleidung nöthig machen. DaS unterzeichnete Komitè wird unter diesen Umständen um so mehr in Anspruch genommen, je weniger die Versuche von anderer Seite her, Mittel zur Unterstützung der hiesigen Flüchtlinge aufzutreiben, von Erfolg gewesen zu sein scheinen, und je mehr daher alle hier ankommenden Flüchtlinge ihm sofort zugewiesen werden. ES ist den Bemühungen der hiesigen deutschen Arbeiter und der Flüchtlinge selbst gelungen, für manche der Letzter» Beschäftigung zu finden. Aber eine Menge Geschäftszweige, die den Flüchtlingen anderwärts offen stehen, sind ihnen aus verschiedenen Gründen und namentlich durch die Hetzjagd der Konkurrenz in dem übervölkerten London verschlossen. Und dann ist der Andrang der neuen Flüchtlinge so rasch, daß die Liste der zu Unterstützenden jede Woche anschwillt.

Obwohl bei der Verwendung der dem Komite überwiesenen Gel­der die größte Sparsamkeit beobachtet und die regelmäßige Unterstützung auf daS Nothdürftigste beschränkt worden ist, waS die hiesigen hohen Preise der Lebensbedürfnisse gestatten, so haben unter diesen Umstäu- den die FondS des Komitès sehr rasch zusammenschmelzen müssen. Wir müssen sogar befürchten, daß wir vielleicht bald außer Stand gesetzt werden, die hiesigen unbeschäftigten Flüchtlinge vor der Obdachlosigkeit und dem äußersten Elend zu schützen.

Wir appelliren daher nochmals an die Mittel der Partei in Deutschland selbst. Wir rufen ihr zurück, daß in dem Maße, in dem die Zahl und damit die Noth der Flüchtlinge tn der Schweiz und in Frankreich abnimmt, in dcmiclben Maße sie zunimmt in London und wir hoffen, daß nicht dahin kommen wird, daß Leute, die für die Freiheit und die Ehre deö deutschen Volkes die Waffen geführt haben, «hr Brod an den Stiaßenecken von London erbetteln müssen.

Alle Beiträge werden erbeten unter der Adresse: Mr. Henry Bauer, 64 Dean Street, Soho, London.

Loudon, Anfang März 1850.

Das sozial - dcmvkr. deutsche Flüchtlings- Komitè.

Carl M arr. Fr. En gelö. H. Bauer.

A. Willich. Carl Pfänder."*)

Es ist im Interesse ter zahlreichen hiesigen Flüchtlinge zu wün­schen, daß der Aufruf des Komitèâ seinen Zweck erreicht.

Die Course siud auf heutiger Börse neuerdings gewichen, Son« solö 95j i.

*1 Wir find bereit, Beträge anjunchme» und zu bestrickn. Die Sxped.

(Beilage.)