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Stärke und Eintracht, die wahre Kultur und Freiheit der Nation beruhen im letzten Grunde auf der Erhaltung und Pflege der Eigenthümlichkeit und Selbstständigkeit ihrer Haupt« stämme (d. h. ich will nicht mediatisirt werden). Eine jede gewalt­same Verschmelzung der letzteren, eine jede absolute Unterordnung des einen Hauptstammeö unter den andern würde der Anfang unserer innern Auflösung und daS Grab unserer nationalen Existenz sein. Für die rechte, für die dauerhafte Einigkeit unseres Gesammtvaterlandes gibt nur eine einzige politisch-mögliche und praktisch-durchführbare S?e> fafsungSform, eS ist die föderative. Glücklicherweise ist büfe Form einer weit größeren Stärke und Kraftentwickelung im Innern und nach Außen fähig, als die bisherige Bundesverfassung sie gewährte. Daß man diese Wahrheit zuerst in Frankfurt und nachmals in Berlin verkannte, hat die gegenwärtige Spaltung und Verwirrung unserer Zustände ganz allein herbeigeführt. Die unparteiische Geschichte wird es einst nicht verschweige», welcheZwecke und welche Lei- denschaften das Bündniß vom 2 6. Mai gestiftet haben. Die Größe und die Einigkeit der Nation haben nichts mit ihm gemein, auf die Volkssympathien kann es kei­nen Anspruch machen; es ist ein künstlicher So nderbund- versuch, auf den politischen Selbstmord der Gesammtheit berechnet, und eben deßhalb in der Mitte von den drei größten Landmächten ohne Aussicht auf Bestand in den Tagen der Gefahr. Die Durchführung dieses Bündnisses würde nicht zu vollbringen sein, ohne einen offenen Bundesbruch und ohne eine wissentliche Verletzung jener feierlichen Traktate, worauf unsere Stellung und Unabhängigkeit gegen Europa, sowie das politische Gleichgewicht Europa's überhaupt beruht. In richtiger Würdigung der Gefahren sowohl im Innern als nach Außen, zu welchen das Bündniß vom 26. Mai unausbleiblich führen müßte, wenn die Theilnehmer desselben auf ihm beharren würden, sowie ins­besondere um Meinerseits, soweit Ich dies vermag, der Gesammt- Nation daS kostbarste Pfand ihrer Größe und künftigen Ruhe, Ich meine die Einigkeit aller ihrer Bruderstämme, zu erhalten, habe Ich durch Mein Ministerium mit den Regierungen von Bayern und Sachsen Verhandlungen zum Behuf einer Verständigung über einen Entwurf einer das Gesammtvaterland begreifenden Verfassung an­geknüpft. Ich habe die doppelte Genugthuung, Ihnen heute mittheilen zu können, daß diese Verhandlungen ihren beabsichtigten Zweck erreicht haben, und daß sich die Regierung des Kaisers von Oesterreich mit dem Re­sultat derselben einverstanden erklärt hat. Sobald der VerfassungSentwurf der drei königlichen Regierungen zur Kenntniß des königlich preußischen Kabinets und der andern an dem Bündniß vom 26. Mai bisher betheiligten Bundesregierungen gebracht sein wird, wird Mein Ministerium Ihnen die erforderliche Vorlage davon machen. Ich gebe Mich gerne der Hoffnung hin, daß dieser von uns unternom­mene Versuch zur allgemeinen politischen und materiellen Einigkeit und zur Befriedigung Ihrer gerechten und zeitgemäßen Anforderungen den von Mir lebhaft gewünschten Erfolg haben möge.

WaS aber auch immer die Vorsehung in dieser schweren Frage uns und unsern Nachkommen beschieden haben mag, Ich darf Mir daö Zeugniß geben, daß Ich von jeher in der engsten Eintracht von Oester­reich und Preußen die wahre Bedingung unserer gemeinschaftlichen Wohlfahrt und die einzige Bürgschaft unseres innern Friedens und unserer nationalen Selbständigkeit erkannt und demgemäß in der gegen­wärtigen Krise unseres Gcsamintvaterlandes alle Meine Schritte, sowie diejenigen Meiner Regierung bemessen und eingerichtet habe. WaS in den Stürmen unserer Zeit allein Kraft und Dauer und Heil gewährt, das ist die Wahrung des alten Rechts, das ist das Festhalten an dem Positiven, an dem geschichtlich Vorhandenen, welches sich nicht abläugnen läßt und sich immer wieder von Neuem geltend zu machen weiß. Ich und die mit Mir in der Frage verbundenen Regierungen, Wir wollen der Nation ihr Anrecht auf die Vertretung der Gesammtheit bewahren, Wir wollen keinen politischen Neubau mit der Zerreißung unseres alten Rechtes, sondern die zeitgemäße Neuge­staltung dcö bisherigen Bundes; Wir wollen die gerechten Forderungen Preußens mit den Gesammtinter^ffen Deutschlands in Einklang bringen; Wir wollen aber unsere Partikularinteressen auf dem Altar des Vater­landes , nicht dieser oder jener spezifischen Macht, sondern nur allein der Gesammtheit zum Opfer bringen; Wir wollen weder Oesterreicher noch Preußen, sondern durch und mit Würtemberg ganz allem Oentsche sein und bleiben. Meine Minister werden Ihnen zur Prüfung die­jenigen Gesetzentwürfe verlegen, über welche eine Verabschiedung im Interesse des Landes vorzugsweise dringend erscheint, besonders em­pfehle Ich Ihrer sorgfältigen Beachtung diejenigen Vorschläge, welche die Bildung beider künftigen Kammern zum Gegenstände haben. Ich halte in Uebereinstimmung mit Meiner Regierung den CensuS von unbeweglichem und vom Kapitaleigenthum für die allein zeitgemäße und

einzig wesentliche Grundlage einer jeden berathenden Versammlung, und Ich bin überzeugt, daß der Parteigeist oder das Vorurtheil nicht ferner daS Grundeigenthum mit der Person seines Besitzers absichtlich verwechseln werden, daß man es vielmehr immer allgemeiner erkennen wird, daß in der legitimen Vertretung des Be­sitzes oder der Steuerpflicht, auf welchen beiden der materielle Staat beruht, eine der ersten Bürgschaften aller gesetzlichen Ordnung zu suchen ist. Sie wissen, Ich habe vor mehr als dreißig Jahren die Bahn der konstitutionellen Staatsordnung zu einer Zeit betreten, als ein solches Unternehmen mit Schwierigkeiten und Gefahren aller Art im Innern und nach Außen verknüpft war. Meine Regierung war nie weder eine absolute noch reaktionäre. Ich habe stets den Umständen und den Zeiten Rechnung getragen; und so oft neue Regeln der Füh­rung anzunehmen, neue Wege zum Besten des Gemeinwohls einzuschla­gen sind, werden Sie Mich jedes Mal bereit usb geneigt finde», die neuen gesellschaftlichen Thatsachen zum Besten unseres Volkes zu len­ken. Allein, Ich sage es Ihnen mit Meinem gewohnten Freimuth, fordern Sie von Mir keine Unmöglichkeiten, wie man solche seit zwei Jahren nur zu oft den Regierungen zum höchsten Nachtheile des Volks abverlangt hat, fordern Sie nichts von Mir, was mit den unwandelbar konstitutiven Wahrheiten der Gesellschaft, wie sie sich im Staate darstellt, unvereinbar ist; Ich würde es Ihnen, ein­gedenk Meiner höhern Regentenpflichten, nicht bewilligen können. Es gibt noch etwas Höheres, als das geschriebene konstitutionelle Ge­setz, eS ist das moralische Band der Gesellschaft (die Kasten- eintheiluug in Könige und Unterthanen). Ich kenne Meine Pflicht in dieser Beziehung vollkommen; Ich werde nicht erlauben, daß die Anarchie das Steuer ergreift, und die Umsturzpartei, wenn sie ihr Haupt erhöbe, würde es nur allzubald erfahren, daß sie in Würtemberg weder Wur­zel, noch Kraft, noch Anhang (??) hat.

Der Alterspräsident Schott dankt nach Beendigung der Thronrede Sr. Majestät im Namen der Versammlung für die Einberufung der­selben in folgenden Worten:Königliche Majestät! Alö dem ältesten Mitgliede dieser zweiten verfassungsberathenden Landesversammlung ist mir die Pflicht und die Ehre zu Theil geworden, Euer Königlichen Majestät den ehrfurchtsvollen Dank derselben für ihre Einberufung und für die durch Eurer Königlichen Majestät höchste Person vollzogene Eröffnung darzubringen. Durchdrungen von dem Gefühle der so eben beschwornen Verpflichtung, werden alle Mitglieder dieser Versammlung, das glaube ich versichern zu dürfen, eifrig bemüht sein, die Aufgabe, welche in so ernster Zeit an sie gestellt ist, mit ange­strengter Thätigkeit, mit fester Mäßigung und in gewissenhafter Ueberzeu­gung zu lösen, und ihre Arbeiten zur Ehre und zum Woyie Eurer König­lichen Majestät (!!) und deS Vaterlandes zu vollbringen suchen."

MLC nchen, 15. März. Nach viertägiger, zweimal bis gegen Mitternacht fortgesetzter Sitzung yaben die Geschworenen gestern Nachcs die beiden des am Professor Schwarz verübten Mordes Angeklagten schul- d i g erklärt, worauf der Gerichtshof die Todesstrafe gegen die Verurtheil- ten aussprach. Seit dem Jahre 1848 ist in Baiern kein Todesurtheil mehr vollzogen worden (Fugger!) ; die kürzlich erst in einer Sitzung der Kam­mer der Abgeordneten vom Justizminister gemachten Aeußerungen lassen aber mit ziemlicher Gewißheit vorhersehen, daß der gestern gefällte Spruch nicht unausgeführt bleiben wird. Das Windei v. derPfordten- schen S t a ats k l u g heit liegt nun ausgebrütet vor dem staunenden Blicke. Lohnt es der Mühe, selbes einer Prüfung zu unterwerfen? Wahrlich nein! DieMünchener Ueber ein fünft", die sich vom Werke der Nation, der durch das Parlament festgestellten Reichs- Verfassung, noch weiter entfernt, alâ dieBerliner Aufstellung", wird noch schneller alö diese ins verdiente Grab sinken. Auch sind es nicht sowohl die von der Pfordten'schen Mittheilungen über diese Sache, als vielmehr die vorangegangenen ministeriellen Vorträge über die bayerischen Finanzbedürfnisse, welche den Münchener JndifferentiSmus aus dem Gleichgewicht gebracht haben. Der Geldbeutel ist in Gefahr. Dieser Gedanke vergällt selbst Hofbrauhausbier und wirft graue Schatten auf blauweiße Loyalität.

Die Zeitverhältnisse haben außerordentliche Ausgaben unvermeid- lich gemacht, gleichwohl werden nur geringe außerordentliche Hülfen 11 Anspruch zu nehmen sein." Also sprach der König, alö er am 1 Oteri September vorigen JahreS den Landtag eröffnete. Seitdem Hal die Sia tSregierung, deren Sorgfalt laut derselben Thronrede ganz darauf gerichtet ist,die Lasten des Volks durch Sparsamkeit und Ordnung zu mäßigen", die Bewilligung zu einem Anlehen von 7 Millionen von den Kammern verlangt und erhalten, ein Budget für die nächsten beiden Jahre vorgelegt, welches einen Ausfall von 11 Millionen nach- weist, und gestern eine Summe von fast 22 Millionen beansprucht, 7 und 11 und 22 macht 4 0 Millionen! Das ist's also, was man in Baiern bei einer Bevölkerung von 44 Millionen nur ger«nge au- ß e r ordentliche Hülfe nennt. (Macht auf jeden Kopf nur 9 Thlr...)