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trauensadresse Unterschriften zu sammeln, auch einige hundert bereits zusammengebracht haben, nicht aber von StaatSdienern etwa, sondern von Bürgern. Nicht daß es keine Staatsdiener gäbe, die für Haffen- pflug schwärmten! Genug und aber genug! Aber die Herren sind noch vorsichtiger als vorsichtig, sie werden herankommen, wenn Hassen- pflug unumstößlich fest sitzt, einstweilen halten sie sich den Rücken frei und tentiren Zeit und Stimmung durch Lobgesänge des Hrn. Hassenpflug wegen Arbeitskraft, Klugheit u. dergl. WaS liegt auch diesen Menschen daran, ob Jemand ein Freiheitsmörder ist, das ist in ihren Augen kein Verbrechen, wenn sie nur ihren monatlichen Ge­halt und ihre gute Pension beziehen. Hierüber aber hat ihnen Herr Haffenpflug durch Hrn. Duysing einen furchtbaren Schrecken einjagen lassen, den er in der Kammer erklären ließ, daß nicht einmal zur Auszahlung der Gehalte Geld vorhanden sei. — Es könnte leicht passiren, daß Hr. Hassenpflug eines schönen Morgens an dem Ersten eines Monats nichts auSzahlte und den Herren sagen ließe: „Da se­hen Sie, was eine konstitutionelle Wirthschaft , wie die Eberhard'S, hervorbringt, dem Sie eine Fensterparade gemacht haben ! " "') — Die Menschen würden Konstitution, März und Eberhard verfluchen und ihren neuen Herrn auf den Knieen vergöttern, wenn er ein UebrigeS thut und sie nicht verhungern läßt. — Auch die Ritterschaft empsin- det Haffenpflug'sche Sympathien; die Obervorsteher ließen eine Adresse für Hassenpflug zirkuliren, bis sich Hr. v. Schenk weigerte, sie weiter zu befördern. Sie werden eine zweite ohne Hrn. v. Schenk machen! — Alle diese Menschen würden solche Handlungen nicht wagen, wenn sie außer an die „s. g." moralische Macht des Volkes noch an seine Fäuste glaubten. — Der erst gilt für mächtig und wird gefürchtet, der seine Worte mit der That nicht unterstützt, sondern unterstützen kann und den Muth dazu hat. DaS geben wir der „Nenhessischen" und ihren „moralischen" Freunden zu bedenken. — Revolutionäre Beschlüsse helfen nichts, — und die Geld- verweigerung war eben so gut einer, als das Nichteingehen auf jede Vorlage, — (in der Verfassung selbst liegen die Keime der ewigen Revolution.) — wenn die revolutionäre Thatkraft fehlt. DaS ist aber eben der Konstitutionellen Unverstand, das nicht glauben zu wollen!

H Gera, 17. März. — Nehmen Sie eine Lupe zur Hand und eine Karte, und suchen Sie zwischen dem 50sten und 5 iften Grad n. B. — und wenn Sie ein Pünktchen finden, wo ein lahmes Prin­zip seinen lahmen Reiter abgeworfen hat, so haben Sie Gera und das Reußenland. Nachdem unser alter Prinzipreiter unö verlassen, und wie die Sage geht, in Dresden mit Heckerhul und Bart für die Reichsverfassung gestritten hat, herrscht über uns der sanfte Hein­rich (62). Wir haben auch eine Kammer von ganzen 19 Mann, die etwas roth ist, und nur unser gutes Bier vermag die Krämer­seelen über die Angst zu trösten, die sie ihnen bisweilen einflößt; Erfurt ist jetzt ihr Stern, der ihr konstitutionelles Possenspiel vor der gewaltigen Demokratie erretten soll und nach dem sie zwei ihrer Besten aussenden werden, um das Heil zu holen. Daß von J bei der Wahl zum Erfurter Volkshause nur ^ — ^ der Wähler sich be- theiligten, wissen Sie. Dennoch behaupten die Eigentlichen, mit ihrem bekannten Wahnwitz, die Majorität, den Kern des Volkes hinter sich zu haben, obgleich ’ unserer Deputirten Demokraten waren, ob­gleich daS Reußenland einen Blum, Wirth und Fröbel in'S Par­lament wählte.

Mit der jüngst erfolgten Publikation der vom Landtage berathe­nen, ziemlich freisinnigen (thüringischen) Gemeindeordnung ist der de­mokratischen Partei ein weites Feld zur Thätigkeit eröffnet. Sie wird dasselbe ihrer würdig bebauen, sie würde es mit um so größerem Er­folge , wenn eine tüchtige demokratische Presse ihr zur Seite stände, und die Partei selbst besser organisirt wäre. Hoffen wir, daß beiden Mängeln recht bald abgeholfen wird. Für die politischen Flüchtlinge in der Schweiz wurden von hier an 200 Thlr. abgesendet; eine eben­falls nicht unbeträchtliche Summe für Kinkels Familie ergab die Feier des 24. Februar. DaS Vereinörecht ist hier noch uneingeschränkt, es ist aber auch die einzige von den uns gebliebenen Märzerrungen­schaften. (Wird nicht lange mehr dauern.) Von den hier bestehenden 5 Vereinen gehören 3 der demokratischen, 2 der konstitutionellen Partei an; unter ersteren heben wir den Arbeiterverein und den sozialen Klub hervor, beide wirken mit Erfolg namentlich unter dem Hand­werksstande. Wundern Sie sich nicht, daß 2 der Vereine der konsti­tutionellen Partei angehören. Ihre zweifelhafte Existenz hat ihren Grund darin, daß Gera neben einer Residenzstadt zugleich Fabrikstadt zweiten RangeS ist. Daß der Geldsack selbst bei gutem Willen der entschiedenste Gegner der Demokratie sein muß, ist selbstredend. In der Kürze wird hier ein demokr. Frauenverein gebildet werden und

*) Ist bereits im Ministerium beschlossen. D. Red.

vielleicht auch eine freie Gemeinde. In dem benachbarten Altenburg sind seit Kurzem 4 — 5 solcher Gemeinden entstanden, eine gleiche Anzahl ist im Entstehen begriffen. Morgen, am Jahrestage der Berliner Revolution, werden in Altenburg die Assisen eröffnet. Größtenteils Preßprozesse kommen zur Entscheidung vor die schwarz- weiße Clique der nach dem berüchtigten weimarischen Gesetze gewähl- ten Geschworenen. Auf Nichtschuldig haben die Angeklagten schwer- lich zu rechnen.

Aus Dev Pfalz. Preußen und Oesterreich darf nicht allein bleiben im standrechtlichen Verdienste um das Prinzip der Monarchie — Baiern folgt — Sachsen wird folgen u. s. w. — Fugger ist in Landau er sch offen. Ueber die Hinrichtung entnehmen wir dem „Nürnberger Correspondenten " Folgendes:

Um 5 Uhr Morgens war die sämmtliche Garnison auf dem Platze hinter der Kommandantschaft in Karre ausgestellt. Um 5s Uhr wurde Fugger in den Kreis gebracht. Sein Gang war ruhig, sein Benehmen äußerst entschlossen. Als ihm das Urtheil verkündet und der Staab über ihn gebrochen (und die Stücke zu seinen Füßen geworfen) wurde, verzog er keine Miene. Er wurde dann durch die Poterne dieses Platzes auf den Scheibenplatz im Graben hinausgeführt. Wie er in die Poterne kam, zog er noch vor dem General v. Wum­mern, der an der Seite stand, sein altdeutsches Barret vom Kopfe und grüßte ihn. Pfarrer Roth begleitete ihn auf die Nichtstätte. Auch als auf ihn angeschlagen und ihm die Augen verbunden wurden, stand er ruhig und fest. Fünf Kugeln drangen ihm in den Kopf und eine in die Brust: der Tod erfolgte augenblicklich. Während der drei Tage seit der Publikation des Urtheils war er ganz ruhig gewe­sen, am letzten Tage schrieb er einen Brief an seine Mutter und hän­digte denselben dem Pfarrer Roth ein, um ihn nach seinem Tode der Post zu übergeben. Dem Muth und der Kaltblütigkeit, die er an den Tag legte, konnte Niemand, der dem traurigen Akte beiwohnte, seine Ächtung versagen. So viel man hört, sind noch 8—12 $oM= urtheile vom Kriegsgerichte gefällt, und man glaubt deshalb, daß all- mählig noch mehrere Erlchießungen stallfinden werden.

Speyer. Tagesbefehl. Der kommanvirende General bringt hiermit zur allgemeinen Kenntniß, daß in Folge Generalauditvrats- entschlreßung, alö Revisionsgericht der Armee, vom 31. Jan., der wegen des Militärverbrechens der Desertion aus einem bedrohten Platze zum Feinde, in Verbindung mit dem gemeinen Verbrechen deS StaalöverralhS zweiten Grades verurtheilte Unter-Lieutenant Graf Fugger, heute früh 6 Uhr durch Puloer und Blei vom Leben zum Toce gebracht wurde. Die Erecution fand im Hintergraben der Fe­stung Landau Statt. Soldaten! Wenn Se. Majestät der König, un­ser oberster Kriegsherr, nicht aufgehört haben, die Armee mit Ver­trauen, Wohlwollen und Fürsorge zu begnadigen, so mußte die mas­senhafte Desertion und der Hochverrath in der Pfalz, das väterliche Herz unseres allergnädigsten Königs tief verletzen und die Sicherheit des Staates in Gefahr bringen; deßhalb ist dem Arme der Gerech­tigkeit freier Lauf gelassen, um Verbrechen zu bestrafen, die der königl. Armee von jeher fremd waren, um die Kriegozucht herzustellen und jenen Geist unbefleckter Ehrenhaftigkeit durch alle zu Gebote stehenden gesetzlichen Mittel zu befestigen, denn ohne unbtfleckle Ehre besteht kein Kriegerstanv, ohne die festen Bande der Disciplin keine Armee. Hauptquartier Speyer, am 11. März 1850. gez. TaxiS, General- lieutenant.

Ltuttgart, 16. März. — Gestern ist vom König in Person der demvkiatiiche Landtag eröffnet worden unter großem Pomp. Der König will Bieten Wühlern lmponireu. Die ganze Garnison bildete Spalier vom Schlosse bis zum Sländehauö, Kanonendonner und die Musik mit: „ Heil unserm " spielten dem berittenen Zuge auf, an des­sen Spitze der König war. Im Släiidehaus empfing ihn eine Depu­tation der Versammlung, er bestieg darauf einen goldnen Thron, nahm den 13 neu eingetretenen Mitgliedern den Handschlag ab und laS die Thronrede, die man als den Ausdruck der dem preuß. Sonderbund fernstehenden Könige überhaupt annehmen darf, und die wir ihrer Wichtigkeit halber vollständig niittheilen. Sie lautet:

Meine Herren Abgeordneten!

Die Lage von ganz Deutschland und die inneren Verhältnisse Würtembergo machen eS Mir zur strengsten Pflicht, Mich mit der größten Offenheit auszusprechen.

Deutschland hat seit den März-Ereignissen des JahreS 1848 nicht aufgehört, der Spielball der Parleisucht und deS Ehrgeizes zu sein. Der deutsche Einheitsstaat ist ein Tr au m b i l d und daS ge­fährlichste aller Traumbilder, eben sowohl unter dem deut­schen, alS unter dem europäischen Gesichtspunkte. Alle Wege, welche man nach diesem verkehrten Ziele bereits eingeschlagen hat und noch ferner einschlagen möchte, werden immer nur zum Gegentheil, d. h. zur Spaltung und Auflösung der Gesammtheit führen. Die wahre