Einzelbild herunterladen
 
  

— 296 —

fer Ehrenmann ist schon seit Monaten der Unterschlagung öffentlicher Gelder angeklagt. Es ist ihm dies in der Versammlung der Stadt- verordneten öffentlich vorgehalten worden, er hat sich nicht reinigen kön­nen. Darauf ward eine gerichtliche Untersuchung beantragt, doch der Schwertadressenheld ließ sich das nicht kümmern, und erschien nach wie vor in den Versammlungen des Stadtraths und der Stadtver­ordneten, und diese liefen es ruhig geschehen. Jetzt ist nun die An­klage, nachdem sie lange beim Stadtgericht herumgezogen worden ist, vor das Oberappellationsgericht gekommen. Dieses aber will in die Wirksamkeit des Untergerichtes nicht eingreifen, und laßt die Sache wieder ans Stadtgericht zurückgehen, indem es diesem die Entschlie­ßung darüber anheimstellt. Nun sage noch Jemand, unsere Gerichte wären nicht unabhängig! Hier ist ein Beispiel so klar wie die Sonne. Zwar Hal das OberappeUationszericht in Sachen der Maiangeklaglen hundertmal das Gegentheil gethan, und in die Selbstständigkeit der Untergerichte einbegriffen. Das Subjekt erscheint aber nicht auf Vor­ladung des Stadtgerichts. Beim Stadtrathe nahm er endlich Urlaub. Von Suspension desselben ist natürlich keine Rede, er ist ja keines politischen, sondern nur eines gemeinen Verbrechens angeklagt, und ein gemeiner Verbrecher bleibt immer noch zu den höchsten Aem­tern fähig. (Avis â Mons. Hassenpflug!) Sie sehen, es ist bei uns eben nicht anders, als anderswo. —

Das Mädchen der Barrikaden, Pauline Wunderlich, ist als Hochverrätherin, und schuldig bewaffneten Aufruhrs gegen die Regierung des Staates von Rechtswegen zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurtheilt worden. Warum nicht zu Pul­ver und Blei? Ich glaube, der Fall ist nicht einmal in Oesterreich vorgekommen, bas doch sonst eben keinen Unterschied macht zwischen den Geschlechtern. Die tapfere Kämpferin, die dem Tode so kühn ins Auge geschaut hat, und deren Muth auch im Leben nicht gebeugt worden ist, liegt jetzt krank von der langen Haft im Spitale. Sie ist also dem Staate nicht mehr gefährlich, und die Milbe unserer ho­hen Justiz wird die kranke Rebellin wohl zu zehn Jahr Gefängniß begnadigen. Aber ist es nicht weit gekommen in unserer Zeil? Ein Mädchen gegen ein Königreich! Arme Monarchie, wärst Du nicht selbst ein Weib, Du hättest lange keine Ritter und Verehrer mehr: aber die Jugend wendet sich von Dir, Dir ist nichts geblieben als — -— — „dein alterndes Haupt."

Von den zum Tode begnadigten Soldaten und Reservisten sind acht zu 20 und mehrjähriger Zuchthausstrafe verurtheilt worden.

W Leipzig, 15. März. — Die Strafe der fünf Personen, die wegen Sturmläutens am 6. Mai v. I. zu 3 bis 8jährigen Zucht­haus verurtheilt waren, ist auf zwei- bis dreimonatliches Gefängniß ermäßigt worden.

Am letzten Sonnabend brachten die hiesige Studenten der Me­dicin dem Prof. Oppolzer vor seiner Abreise nach Wien, wohin er berufen ist, ein harmloses Fackelständchen. Wie nachträglich bekannt wird, hat die Behörde dieser ganz unpolitischen Manifestation mehr­fache Schwierigkeit in den Weg gelegt und zum Schutze der Stadt an diesem Abend nicht nur eine Compagnie Communalgarde außerge­wöhnlich aufgeboten, sondern es haben noch zwei Compagnien Schützen in der Pleissenburg schlag- und marschfertig gestanden. Späße!

Die freien Gemeinden liegen unsern Staatsbehörden sehr im Ma­gen ; die Retter des Staates drehen und wenden sich nach allen Sei­ten, um ein Mittel zu finden, wie sie diesem neuen Ungethüme in­direkt zu Leibe gehen können. Denn zu einem direkten Verbote fehlt den Leuten der Muth. So haben sie denn wieder die neue Entdek- kung gemacht, daß die freien Gemeinden im Sinne der Grundrechte gar keine RcligionsgeseUschaft seien, und mithin ihre Versammlungen in ter Kategorie der Klub- und Volksversammlungen fielen. Das Mittel ist nicht übel, denn die Noth macht noch die dümmsten Köpfe erfinderisch, aber cs wird nicht viel helfen. Hier heißt es — ent­weder - oder.

Frankreich.

.... ' 15. März. — Am 14. waren die Abstimmungen der zwo.s ezn e von Paris des zum Seinedepartement gehörenden Mili- tars und von 90 Sektionen der Landgemeinden bis auf 6 bekannt; !o7aL02n Carnot 132,835, Vidal 128,723, De Flotte 127,050 Stimmen; d.e Kandidaten der Absolutisten dagegen- 124,090, 1W1U 123 069, »..,... 122,873 ®^ % Armee, deren Stimmabgabe man nun vollständig kennt, hat Earnot 0699, Vidal 6 c> 15, De Flotte 6533 Stimmen gegeben ° Lahittè dagegen erhielt nur 5363, Bonjean 4911 und Foy 5378 - Die Legitimisten hegen jedoch die Hoffnung, bei der Neviston mindestens die Stimmen De Flotte'ö noch bis auf eine kleine Majorität her- aufzubliiigen, oder gar Foy zur Majorität. Daâ läßt sich Alles machen. — Aus den Departements sind bis jetzt 14 soz alistische unU

9 gemäßigte Wahlen bekannt. Unter den Sozialisten ist Vidal, der im Unterelsaß gewählt ist; er wird diese Wahl annehmeu und in Paris wird eine neue Wahlschlacht beginnen. — Man trägt sich fortwährend mit Gerüchten, daß dieser oder jener Minister seine Entlassung ge­geben, die aber von Napoleon nicht angenommen sei. In Paris selbst herrscht die tiefste Ruh; daö Volk wird von den sozialistischen Blättern ermahnt, nicht vor dem Stadthaus zu erscheinen bei Verkündung der Wahlen, weil die Regierung einen Krawall anstiften wolle, um kar­tätschen zu können. Die „Voix du Peuple" behauptet sogar, nächsten Sonntag wolle der Präsident eine Revue halten, dann solle auf ihn ein Pistol abgefeuert werden, und sofort im Tumult das Kaiserthum ausgerufen werden; man hoffe, die Demokraten würden dann die Barrikaven besteigen, und die versammelten 50,000 Mann würden gegen sie marschiren. Man sieht, die Spannung der Gemüther ist außerordentlich.

Eingesandt.

Melsungen, 16. März. -^ „ Die Sladtralhswahl ist vor der Thür!" In diesem Znruf im Artikel der Hornisse Nr. 60 von hier, hat man-von gewisser Seite glücklich das einzige Mittel gefun­den, einen Theil des Stadtrathes an der empfindlichen Stelle anzu­greifen und so zu bearbeiten, daß er in jenem Zuruf,, eine persön­liche Beleidigung findet.

Die Absicht hiervon liegt sehr nah, und es ist zu verwundern, daß die geehrten Stadtrathsmitglieder dieje nicht erkennen. Will man sie nicht erkennen? — dann hat freilich jener Artikel seinen Zweck ver­fehlt, dann thut cs uns leid, den verehrlichen Stadtrath auf die Gefahr, in welcher neben dem städtischen Interesse, seine eigne Au­torität schwebt, aufmerksam gemacht zu haben.

Das Schreiben des Vorstandes vom „Volksverein" (für manche Leute eine sehr unbequeme Märzerrungenschaft) war an den „Stadt­rath und nicht an den „Bürgermeister" gerichtet."

Trauungen 1 Geburts- und Todesfälle in Kaffek.

(Vom 8. bis zum 14. März 1850.)

Verehelichte: George Conrad Haake, Fabrikarbeiter, aus Veckerhagemmst Marie Catharine Krum. — Anton Joseph Frei, Fabrek-Bte-chschmiev, Mltwkäkir Elisabeth Loiheisen. — Carl Friedrich Hartmann, Tagelöhner, mit Margarethe Eli- saberh Bernd. — Andreas Leinyoje, Schneidermstr. zu Eschwege, mit Anna Mar­garethe Ruch.

Geborne: Martin, des Husaren-Unterofsiziers, Joh. George Wagner, ©. — Friederike Mathilde Elisabeth, des Hauptmanns, Ludwig Friedrich Wilhelm von Baumbach, T. — Caroline Louise, des Garde- Genèd'armen, Joh. Melchior Schütz, T. — Conrad Heinrich, des kucfiirstl. Saalwärters, Johann George Bell, S. — Conrad Hermann, des L>chriftsetzerè, Christian Friedrich Schmeißer, S. — Anne Gertrude Caroline, des Wagnermeisters, Johann Heinrich Schäfer, T. —Hermann, des Fabrikarbeiters, George Conrad Haake, S. — Des Kramers, Conrad Göpfert, sunget.) T. — George Julius Otto, des Lehrers, K Wagner, S. — Catharine Elisabeth, unehel. — Anne Henriette Wilhelmine, des Bleichers, George Jakob, T. — Johann George, des Maurer- und Steinhauermeisters, Wilhelm Heinrich Grau, S. — Christoph Ludwig, des Fabrikarbeiters, Martin Rumpf, S. — Julie Wil­helmine Adolphine Louise Amalie, des Amts -Physikus und praktischen Arztes zu Oberaula, Dr. Johann Wilhelm Auffarth, T. — Heinrich Georg, des Fabrikarbei­ters, Johann Christoph Bachmann, S. — Marie Sophie, des verstorbenen Ober­gerichtsrathes, Wilhelm Weber, nachgeb. T. — Friedrich Valentin, des Schuh- machermeisters, Heinrich Christian Schinke, S. — Earl Wilhelm, des Schuhmacher- meisters, Johann Heinrich Götze, S. — Wilhelmine Caroline Juliane, des Mini- sterial Hülfskanzlisten, August Wilhelm Sellmann, T. — Marche Wilhelmine, des Stadlkämmerei-Gehülfen, Johann Caspar Zirnitâ, T. — Marie Betti Elise Louise, des Dr. n>ed. Ernst Herzog, T. — Anton, des Genèd'armen, Augustin Körber, S. — Adam Carl, des Töpfermeisters, Adam Dur, ©- — Hieronymus, des Hand­schuhmachers, Franz Maurer, S. — Wilhelm Carl, unehel. — Henriette, unehel.

Gestorbene: Johann Puul Köhler, Kriegsrath und Kriegszahlmeister, alt 61 I. 4 M. 18 T. — Auguste, des Trompeters, Johannes Euler, T, alt > 3." Des Kramers, Conrad Göpfert, unget. T., alt 17 T. — Anne Catharine Elisa­beth, deS Schuhmachermcisters, Jakob August Höller, T., alt 10 M. 10 T. — Catharine Henriette, des Schneidermeisters, Andreas Jakob Eckhardt, Ehefrau, geb. Spangenberg, alt 23 J I I. M 5 T. — Iustus Gundla ch, Postkonduktcur, alt 44 J. 4 M. 10 T. — Catharine Elisabeth, des Schreiners, Christian Bergling, Ehefrau, geb. Schneider, alt 33 J 11 M. 8 T. — Bernhard, des Tagelöhners, Heinrich Kunze, S., alt 9 M. 8 T. — Johann Wilhelm Sälzer „Postbrieflräger, alt 38 I. 10 M. 11 T. Carl Frietrich Martin Lorenz, Blechsänniedemeistir, alt 3i> I. 6 M. 19 T. — Conrad Andreas Theodor, unehel., alt 6 M. 22 T. Heinrich Franz Florian, des abwesenden Schauspielers, Carl Friedrich Siegner, S-, alt 2 I. 9 M. !) T. — Christiane Wilhelmine Caroline, des Tagelöhners, Johann Peter Bähr, T, alt I I. 10 M. 19 T. — Marie Emilie, des Gärtners, Jakob Röse, T., alt 1 I. 10 M. 3 T. — Caroline Mathilde, des SattlermcHerS, Frie­drich Auel, T., all 8 M. 14 T. — Andreas August, des Schlossermeisters, Chri­stian Voigt, S., alt 10 M. weniger 5 T. — Sophie Friederike, des verstorbenen Steuer-Inspektors zu Rosenthal, Martin Brandau, nachgelass,ne T., alt 31 I. 3 M. 15 4 — Philipp, unehel ch, alt I M. 2 T. — Margarethe, des verstorbenen Kaufmanns und Gastwüths zu Fritzlar, Franz Schmalstich, hinterlassene Wittwe, alt 65 J. — Anne Catharine Sophie, des Steucr-Exekutanten, Schäfer, Wittwe, geb. Törfler, alt circa 49 I.

(Beilage.)