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Grafschaft Limerick mit einer Anzahl Polizisten und GerichtSdiener auf die Ländereien von Rahienagh, um eine Anzahl der Bewohner außer Besitz zu setzen. Nachdem 34 Familien aus ihren Wohnungen getrie­ben waren, schritten die GerichtSdiener zu ihrem ZerstörungSwerk, in dem sie große Uebung bekundeten. In wenigen Augenblicken waren die Wohnungen in Ruinen verwandelt. Man kann sich kaum eine traurigere Scene denken. Alte Männer und Weiber, junge Frauen mit Säuglingen an ihrer Brust, weinende Kinder jeden Alters wur­den ohne alle Rücksicht auSgetrieben. Vergebens waren die Bitten der an Fieber oder Ruhr auf dem Krankenbette Liegenden um einige Tage Aufschub, bis sie auSgehen könnten oder ihren letzten Athemzug gethan hätten. Laßt sie ins Arbeitshaus gehen, rief ihnen der Eigen­thümer nach. So wurden in einem kleinen Theil des Wahlbezirks Kilccdy 185 Personen heimathSloS in die Welt geworfen, weil sie alte Renten nicht zahlen konnten, die, wie die Eigenthümer sehr gut wissen, gänzlich unerschwinglich sind. Die Pachtpreise sind fürchterlich hoch, manchmal 4 Lstrl. 15 Sch. ein Acre, der gewöhnliche Preis ist 3 Lstrl. bis hinunter zu 1 Lstrl. 15 Sch. für daS schlechteste Land." — Scenen wie die oben beschriebenen sind in Irland, im Aschenbrödelland der vereinigten Erbweisheit und honetten Schurkenstreiche an der Ta­gesordnung. Die Konkurrenz unter den Landbewohnern bei Bewer­bung um ein Stückchen Land ist so groß, daß sie jeden Preis bewilli­gen müssen, um nur ein Fleckchen Erde zu haben, auf dem sie Kar­toffeln für sich und ihre Familien ziehen können.

Consols heute flau. Conrs 95^—96, auf Zeit 96^. Beunru­higende Gerüchte über die griechischen Angelegenheiten wirkten drückend auf den Geldmarkt.

Ständesitzung.

(Bom 15. März.)

Landtagskommissar fehlt. — Verlesung des Protokolls und der Eingaben. —

Hr. Pfeiffer I. stellt den Antrag, die Regierung zu ersuchen, für die Höchstbestcuerten des Bezirks Eschwege eine Neuwahl anzuord­nen, da er sich genöthigt sehe, den 1. April d. I. sein Mandat nie­derzulegen. — Angenommen. —

Der Hr. Präsident verlies't sodann zwei Danksagungsschreiben der HH. Obersteuerdirektor Pfeiffer und Obergerichtsrath v. Roques für die auf sie gefallene Wahl zum Staatenhause, mehrere Zustim- mungsadreffen zu dem von der Ständeversammlung eingehaltenen Verfahren gegen daS Ministerium: von Schmalkalden, Rauschenberg und Kassel, sowie zwei Interpellationen der HH. Hahndorf und Lederer; die von Hrn. Hahndorf geht dahin, die Landtagökvmmis» fivn zu ersuchen, Aufklärung über die gegen den dermaligen Herrn Staatsminister Hassenpflug wegen rechtswidriger Verwendung öffent­licher Gelder und Fälschung angeblich eingeleitete Untersuchung zu ertheilen, eventuell stellt er den Antrag, die hohe StaatSregierung zur Einziehung aktenmäßiger Nachrichten zu veranlassen; die von Hrn. Lederer, wie hoch das Heirathsgut der ohne Leibeserben verstorbenen Kurhess. Prinzessin Karoline Amalie Herzogin v. Sachsen-Gotha, aus dem Staatövermègen empfangen, sei, und ob dasselbe dem Staatsver­mögen wieder einverleibt werden solle. — Hr. Henkel: Er habe in der vorigen Sitzung bemerkt, daß, wenn er heute keine Antwort auf seine Interpellation bekomme, er dieselbe als verneint annehmen werde; er nehme nun an, daß das Ministerium das Mißtrauensvotum dem Kurfürsten nicht vorgelegt und nicht um seine Entlassung eivgckommcn sei. Er halte es daher für angemessen — und stelle hiermit den An­trag —, dem Kurfürsten daS Mißtrauensvotum selbst einzuhändigen und ihn an sein Versprechen zu erinnern. — An den VerfassungsauSschuß.

Tagesordnung.

Bericht deâ BudgetauSschusses über die in der vorigen Sitzung gemachte Mitteilung des Finanzministeriums in Beziehung auf den verlangten Credit von 644,000 Thlr. — Der Ausschuß trägt darauf an, den verlangten Credit nicht zu bewilligen.

Hr.Regierungökommissar Geh. Oberfinanzrath Duysing: Er habe nur vom finanziellen Standpunkte die Mittheilung zu ver­theidigen ; d'.eselbe sei hervorgerusen theils durch eine Aufforderung der hohen Ständeversammlung, theils durch eine Anzeige der Haupt- staatskaffe über Unzulänglichkeit der vorhandenen Fonds zur Erfüllung der Verbindlichkeiten. Es habe sich im Laufe deö vorigen Jahres ein Defizit von 1 Million Herausgestellt, welches im Augenblick durch die Verwendung des Betriebskapitals des laufenden Jahres gedeckt sei. Dieses fei dadurch erschöpft, und müsse daher wieder ersetzt wer- den, wenn nicht daraus- eine wahre Landeskalamität entstehen solle. — Hr.' Bayrhoffer: Er stelle folgenden Antrag: In Erwägung, daß. die Ständeversammlung wiederholt ihr Mißtrauen gegen das neue.

Ministerium ausgesprochen und demgemäß dasselbe auf Grund der landesherrlichen Verkündigung vom 11. März 1848 für unzulässig erklärt hat; in Betracht, daß nunmehr ein Eingehen auf irgendwelche Vorlage eine thatsächliche Verzichtleistung auf die Erfüllung dieses landesherrlichen Versprechens hinsichtlich des neuen Ministeriums sein würde: beschließt die Ständeversammlung, auf die Vorlage nicht ein- zugeheu. — Er stelle diesen Antrag, um eine bestimmte Erklärung der Versammlung zu erhalten, ob sie dem Ministerium gegenüber eine ra­dikale Opposition machen wolle; er beziehe sich zur Begründung des- selben auf das in der vorigen Sitzung von ihm Gesagte. Wolle man wirklcch daS Ministerium stürzen, so müsse man auch dabei radikal zu Werke gehen und alle Unterscheidungen fallen lassen. Thue man das nicht, so werde er sich auf einen rein prinzipiellen Standpunkt stellen. Er würde dann das Mißtrauensvotum nur für eine Pflicht der Ständeversammlung halten, dem Kurfürsten zu erklären, daß das jetzige Ministerium in Beziehung auf feine Vergangenheit den Verhei­ßungen vom 11. März 1848 nicht entspreche. Es frage sich nun aber, ob man nicht die Verheißungen vom 11. März gewissermaßen mit Ge­walt im Stande der Nothwehr durchsetzen müsse. Die Linke müsse nothwendig im Klaren sein, wie die Majorität sich dem Ministerium gegenüber stellen werde; erkläre sich dieselbe für seinen Antrag, so werde die Linke mitgehen, gleichsam den Weg, wo ein Wille dem an- dern entgegentrete; wenn nicht, so werde sie sich auf den Standpunkt der prinzipiellen Opposition stellen, sie könne dann keinen andern Stand­punkt anerkennen. — Hr. Hildebrand: Er sehe keine» Unterschied zwischen dem Antrag deö Ausschusses und den dem Hrn. Bayrhoffer; letzterer wolle, daß man prinzipiell auöspreche, daß man dem Mini­sterium Alles verweigern wolle, während jener gleich bei einem für daS Ministerium empfindlichen Punkte dieses Prinzip bethätigen wolle. Es handle sich jedoch hier darum, womöglich einen einstimmigen Be- fW 3U faVen, und deshalb möge man doch alle Parteirücksichten­fallen lassen, und nicht die geschloss-ne Opposition spalten. ES laffe sich gegen die Mittheilung viel sagen vom finanziellen Standpunkte auS, doch er lasse dies hier unerörtert, da es sich im Augenblick le­diglich um den politischen Standpunkt handle. — Hr. Pfeiffer H.: Im Resultate stimme er mit beiden Anträgen überein, im Prinzip jedoch seien seine Ansichten verschieden von denen des Hrn. Bayrhoffer. Die Versammlung dürfe die Vertretung der Rechte des Volkes eigenmächtig nicht aufheben, dazu habe sie keine gesetzliche Befugnis Er sei überhaupt ein entschiedener Feind dce Steuerverweigerung, um welche es sich freilich im gegenwärtigen Falle durchaus nicht handele; es handele sich viel­mehr um Verweigerung eines außerordentlichen Kredits. Eö liege hier ein scheinbares, durchaus noch nicht geprüftes Defizit vor, eine Ver- willigung auf Treu und Glauben würde also ein ganz besonderes Vertrauen vvraussctzeu. — Hr. Duysing: Er müsse sich auf die Mit­theilung der Hauplstaatökasse beziehen, nach welcher aus dem verflos­senen Jahre ein Defizit von 700,000 Thlrn., den außerordentlichen Kriegöetat ungerechnet, vorhanden sei. Dieses Defizit sei zwar augen­blicklich gedeckt worden durch das Betriebskapital des JahreS 1850,' allein nun fehle es zu den laufenden Ausgaben an allen Mitteln, wes­halb baldige Anshülfe nothwendig sei.— Hr. Theobald: Wer stehe denn dafür, daß das neue bewilligte Betriebskapital für seine Zwecke verwendet werde? Einem solchen Ministerium bewillige man weder ein Betriebskapital, noch ein sonstiges Kapital. Man müsse übrigens weiter gehen und zunächst auf gar nichts eingehen, da man sich durch daö Mißtrauensvotum auf einen prinzipiellen Standpunkt dem Mini­sterium gegenüber gestellt habe, waS nach konstitutionellem Brauche zur Folge haben müsse, daß das Ministerium entweder abtrete oder die Kammer auflöse. Es thue jedoch gerade daS Gegentheil, es kümmere sich nicht um das Mißtrauensvotum und nehme Haudlungeu vor, durch welche dasselbe noch mehr gcrcchtfertigtwcrde. Wolle man sich nun einem so konsequenten Feinde gcgcuüber auf Unterscheidungen einlassen, so sei man entschieden im Nachtheile. Der von einem Centralpunke auS Wirkende habe die Fäden über das ganze Land in Händen und könne nach allen Richtungen hin auf daö Volk seinen Einfluß auöübcn, und auf diese Weise bald festen Boden gewinnen. Man müsse da­her jetzt die Zeit benutzen. Eine jede Korporation nun, welche nicht einen festen Gesichtspunkt»» Auge habe, demoralisire sich selbst; die Oppo­sition werde bald nicht mehr so geschlossen dastehen; aus der Trennung werde für die Parteien ein falscher Standpunkt hervorgchen, welcher vermie­den werden müsse. Dem fest auftretenden Willen müsse ein eben so enlschiedcner Wille entgegentreten, welcher für eine Gesammtheit nur im Prinzipe zu finden sei. In diesem Falle müsse die Linke und die Rechte zusammenhalten gegen den gemeinsamen Feind, allein dazu gehöre auch ein gemeinsamer Halt; dieser liege im Antrag von Bayrhoffer.

(Schluß folgt.)

(Erste Beilage.)-