- 281 -
der sogenannte Bruch mit Hannover. Die Konstitutionellen machen wieder einmal ein Gesicht, alS ob bad europäische Gleichgewicht gestört wäre. Possen! Die Zeit ist hin, wo Jemand noch im Ernst glaubte, Preußens herrliches KriegSheer würde Hannover mit Gewalt der Waffen zwingen, am Dreikönigsbunde festzuhalten. Wo nichts mehr ist, da hat selbst der König von Preußen sein Recht verloren, und olympisches Gelächter ertönte von allen Seiten, als die Nachricht von einer Klageanstellung gegen Hannover beim BundeS- schiedsgericht ruchbar wurde. Wie mögen die hohen Herren gelacht haben, als sie dem Aberwitz der „Eigentlichen" diejeâ Opfer der Klage- anstellung brachten! — Professor Huber, ein Intimus der Herren Gerlach und Stahl, mit welchem Letzterem er im März 1848 eine „Missionöreise" nach der Schweiz machte, hat den Eid auf die Ver- fassung verweigert, weil er die Treue gegen den König mit der gegen die Verfassung für unvereinbar halte. Der Mann hat entschieden Recht! UebrigenS ist dies ein bloßeS Verblüffungsmanöver, gegenüber den Demokraten, die mit sehr großer Gewissensruhe den E>d auf die Verfassung leisten. Man will später damit renommiren. Daß Hr. Huber eine glänzende Pension erhalten wird, bedarf wohl kaum der Frage. Ein ähnliches Verblüffungsmanöver versucht tu der heutigen Kreuzzeitung Freund Gödsche. Vom Staatsanwalt zu bekannter Stunde „Complice Ohm's" genannt worden zu sein, hat ihn infam gewurmt. Er hat deshalb am 1. März einen Brief an die Staatsanwaltschaft gerichtet, worin er in ähnlichem hochfahrenden Tone, wie beim Wal- keck'schen Prozeß, Satisfaktion fordert für jene Aeußerung, zu deren Begründung bis jetzt noch keine Schritte geschehen seien. Nur ruhig, guter Bursche! Hr. Gödsche muß übrigens sehr bornirt sein, wenn er nach 12 Tagen schon eine Antwort von einer preußischen Justizbehörde verlangt. Er veröffentlicht nämlich jenen Brief, weil in dieser Zeit noch keine Antwort erfolgt sei. Freilich ist es mehr als unverantwortlich, daß der Redakteur des Zuschauers so lange auf eine Antwort warten soll, wie der Todtenbund-Hetzel. — Gestern fand die berüchtigte Doktordissertation deS Studenten Groddeck: De morbo democratico, nova insaniae forma (über die Demokraten- krankheit, eine neue Art des Wahnsinns) — unter ungeheurem Zulauf« Statt. Zwei der besten Lateiner, Prof. Agathon Benary und Professor Krüger, würdigten den Doktoranduö der Opposition und ließen, sich herab den jungen Kreuzritter vor aller Welt fürchterlich zu bta- miren. Unter schallendem Gelächter mußte Groddeck abtreten, — erhielt aber trotzdem das Doktordiplom! Wir gratuliren zu der reichen Praxis! Jedenfalls wird er bald ordentlicher Professor sein, und mit derselben Gründlichkeit über die Ausrottung der Demokratenseuche lesen, wie der erwähnte Professor Huber über die soziale Frage, die «r durch die innere Mission und durch Betstunden zu lösen denkt! —
Oesterreich.
In Prag sind die Differenzen zwischen den Arbeitern und Arbeitgebern polizeilich beigelegt worden; die Einen, welche ohne vorläufige Ankündigung die Arbeit verließen, sind inS Gefängniß gesteckt; die Anderen, welche ihren Entschluß, die Arbeit einzustellen, vorher anzeigten, sind alS erwerblose Individuen ausgewiesen worden. (A. Z.)
Dänemark.
— Die Sendung deS preußischen Russen, Hrn. v. Rauch, hat in der That keinen anderen Grund, alâ die Lähmung der schleswig- holsteinischen Armee durch Verrath der preußischen vorzubereiten, für den Fall, daß sie es gegen den Willen Rußlands wagen sollte, die „Feindseligkeiten"zu eröffnen, d.h. ihre Rechte zu vertheidigen, dieselben Rechte, die Preußen anerkannt hat.
Rußland hat erklärt, daß eS sofort seine Flotte in die Ostsee schicken würde, sobald der Krieg gegen Erwarten auübräche. England hat dasselbe erklärt, aus sehr begreiflichen Gründen, aus denselben Gründen, auS denen es in Griechenland die Rolle des „Dabeiseins" zu spielen übernommen hat. Die unglücklichen Herzvgthumer genießen den Fluch der Diplomatie in vollen Dosen. Es ist gut so! Auf diese Art werden sie gründlich von ihren Illusionen kurirt. DaS Gcdächiniß der bodenlosen Niederträchtigkeit der preußischen Politik wird keine Macht der Welt auö den zähen Herzen der Schleswig- Holsteiner auszutilgen vermögen.
Kvpenhatzen, 7. März. — Die Stettiner „Ostsee-Zeitung" läßt sich von Kopenhagen Folgendes schreiben: Ich kann Ihnen heute folgende verbürgte Nachricht geben. In eine bestimmte Verlängerung des Waffenstillstandes würde Dänemark nur unter folgenden Bedingungen willigen: Auflösung der schleswig-holsteinischen Armee oder Reduzirung derselben auf wenige Tausend Mann; Auflösung der Lau- deöversammlung; Einführung eines veränderten Wahlmodus; Besetzung von Rendsburg durch dänische oder schwedische Truppen. — Den Stieben schließt Dänemark nur dann ab, wenn ihm die Vereinigung
der Herzogthümer mit Dänemark garantirt wird. Diese Vereinigung wird auf folgende Grundlagen hin verstanden: Dänemark wird jedem einzelnen Herzogthum eine ganz freie Verfassung oktroyiren (give), mit eigenen Finanzen und eigener Verwaltung. DaS Schleswig'sche Militär wird jedoch als Dänisches betrachtet, und daS Holsteinische alS ein Theil der Truppen des deutschen Bundes. Die Herzogthü- mer sind von einander völlig unabhängig. Dänische Thronfolge wird in den Herzogthümer« eingeführt.
Frankreich.
Die Rothen haben gesiegt, in den Departements mit einer enormen, in Paris mit einer geringeren Majorität. Das Militär hat fast überall roth gestimmt.
ff Paris, 12. März. — Die Wahlresnltate können nicht vor Donnerstags Abends oder Freitag früh publizirt werden, koch weiß man heute schon laut den Theilberichten, daß die rothen Kandidaten siegen Auch hat die Armee, soweit sie aus pariser Kindern besteht, sich ziemlich gut beim Stimmen benommen; z. B. die Pariser welche in Toulouse im Jägerkorps garnisoniren, haben alle Mann für Mann roth gestimmt. Es vergeht Zeit, ehe alle diese pariser Stimmen nach Paris kommen und zusammcngezählt werden. Diese Zusammenzäh. lung ist sehr langweilig, und wird dabei fürchterlich betrogen, obschon die Demokraten Leute aus ihrer Mitte zum Beaufsichtigen absenden; es gehen doch immer einige tausend demokratische Vota dabei zu Grunde oder werden schurkischer Weise dem Feinde zu gute geschrieben. Neulich warfen die Demokraten einen solchen falschen Rechnenmei'ster zum Saale hinaus; aber was nützt das? sein Nachfolger war schwerlich besser. Die Polizei hat Befehl, in aller Eile heute oder morgen noch eine Emeute bervorzuzaubern, damit man Kanonen auffahren und Belagerungszustand oktroyiren könne; die regierenden Bösewichter haben diese Kunststücke nöthig , um ihre Niederlage in der Wahlurne zu vergüligen. Schon steht an den Straßenecken der Po- lizeidefehl, die an der Bastillesäule seit 8 Tagen aufgehangenen 60(10 JnmorteUenkränze ihrer Inschriften (z. B. „an die Todten" — „die Gefangenen an die Todten ") zu berauben; man hofft dadurch das Volk zum Aufstande zu reizen und dann ;u kartätschen. Auch die deutschen pariser Demokraten hingen einen Kranz auf, mit der Inschrift in schwarz roth gold: „ les de'mocrates allemands“ oder „republique universelle“ (allgemeine Republik). Jedenfalls möge sich Deutschlands Demokratie gefaßt halten, sie wird bald das Feld, geschrei ihrer französischen Brüder hören; denn gesetzt auch, letztere wollten gern noch warten, so würden sie von der imfamsten aller europäischen Reaktionsbanden, der französischen, bald doch zum Schwerte getrieben werden. Wir werden wohl manchen braven Mann binnen Jahr und Tag auf dem Schlachtgesilde der Barrikaden, des KerkerS und Schaffots einbüßen. Aber nur zu.
England.
s London, 12. März. — Im Oberhause passirte die Eisenbahn- auditbill die zweite Lesung. Im Unterlaufe wurde ein Amendement der Lordö zur Parteiprozessionenbill für Irland angenommen, in Ko- mitösitzung setzte sodann das Haus die Diskussion über die Geldbe- willigungen für die Armee fort. For Manle schlug die Bewilligung von 99,128 Mann , von denen 39,730 für die Kolonien, vor, die 3,562,430 Lstrl. kosten würden. Bei den starken Armeen Frankreichs, Preußens und Oesterreichs würde eine größere Reduktion der Stellung Englands als Großmacht nachtheilig sein. Der Redner scheint nicht zu wissen, daß eS in Deutschland noch Armeen genug giebt, die gerne zum zweiten Male Landsknechtdienste für englisches Geld leisten würden. Hume blieb bei seinem Antrag, für dieses Jahr nur 89,000 Mann zu bewilligen und im nächsten Jahre eine weitere Reduktion von 9000 Mann vorzunehmen. Nach einer längeren Diskussion wird HumeS Antrag verworfen, sodann die ursprüngliche Motion angenommen und der Regierung auf Abschlag der Kosten für die Armee 1,700,000 Lstrl. bewilligt. Hierauf kam daS Marinebudget vor. Baring, erster Lord der Admiralität, kündigte für das abgelaufene Jahr ein Deficit von 211,000 l!|hl. an und forderte für daS Jahr 1850/51 6,613,000 Lstrl. oder 408 000 Lstrl. weniger wie 1849 50. An Mannschaft werden 39,000 verlangt. Hume machte einen Versuch, diese Zahl auf 31,469 zu reduziren, fiel inveß auch hiermit durch. Von Baukes interpellirt, erklärt Palmerston, eS seien keineswegs 130 griechische Schiffe saisirt, sondern höchstens 40 50. Dieselben wurden frei- gegeben werden, sobald die Ansprüche Englands befriedigt seien, sollte indeß die Zahlung der englischen Reklamationen verweigert werden, so werde die Regierung die Schiffe dem Völkerrecht gemäß verkaufen lassen und auS dem Erlös die Forderungen befriedigen.
AuS dem „ Limerick" und „Clare Examiner" entnehme ich fol» gende Thatsachen: „Am letzten Samstag ging der Untenan ff der