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wäre. Bonaparte schändet und verpestet gründlichst die letzte Achtung, die der abergläubige und aberwitzige Theil Frankreichs noch seit 1848 vor s. g. Autoritätsprinzipien besaß. Von den Impertinenzen, denen die schlechter situirte Menschheit seit dem 13. Juni 1849 auSgesetzt ist, hat man in Deutschland keinen Begriff. Die ruchlose Klike, die zehn ReaktionSblätter besoldet, die Herren Fould, Delamarre, La- valette, Rougemont, d'Argout und Spießgesellen, lauter Millionäre, Aktionäre und Rentiers erster Klasse, lassen von Zeit zu Zeit ein antirepublikanisches Theaterstückchen spielen, z. B. jetzt wieder le coup d’ëtat , „der Staatsstreich". Sie füllen mit ihren Knechten, Komptoirburschcn und Klienten das Parterre, klatschen und jauchzen, und die Polizei schmeißt ohne Umstände jeden Demokraten, der zischt, hinaus. In jenem Vaudeville wird daS schleunige Ende der Republik herbeigefleht und prophezeit. Ich fürchte, alle diese Klatschmei- ster, in Paris, wie in den 86 Provinzen deS Landes, werden heute über 365 Tage nicht mehr klatschen können, und zwar aus einem absoluten Grunde. Wenn irgend von Jemanden das alte Sprüchlein gilt: „Furcht hat er, aber keine Besserung", so ist es von ihnen. „ Kein Funke Edelherz, Edelmuth, Edelsinn , nur stinkende, schmutzige Selbstsucht; daS ist der Charakter der Reaktionäre (sagt „La voix du Peuple"), und je gräßlicher unsre Socialverbrechen, der Pau- perismus, die Prostitution, die Ausbeuterei und Freibeuterei deS Reichen und Faullenzers wüthen, desto zufriedener werden diese Bestien. Verzeihe unser Lesepublikum unS den bittern Ausdruck: Gott helfe unS, wir können nicht anders, denn dieses sind keine Menschen. Wir geben nicht den hohen Titel Mensch einem menschlichem Leibe, der Herumläust auf die Börse, und zu den Weibern, und ins Theater, und an den Mittagstisch, und ein paar Mal die Feder eintunkt, um böse Worte zu schreiben. O, diese verruchten Buben, sie haben das Weib erniedrigt und daS Volk verdummt. Sie haben den versklavten Personen, über die sie die hohe, reiche Kanaille, gebieten, keine oder (was schlimmer) eine schiefe Erziehung gegeben, und wenn du so ein heruntergekommenes Menschenwesen mit dem heiligen Worte der Sozialdemokratie berührst, dann brüllt eS, oder grinzt dir in's Gesicht: so laßt mich docy in Ruhe, die Welt muß so sein, wie sie ist." Die Broschüre, die jetzt offen Herstellung deS Throns begehrt, ist von Vaucorbeil, einem armen Musiklehrer, unterzeichnet, aber wahrlich nicht geschrieben; er ist zu simpel dazu. Er ist im Hause des Bibliothekar Lefevre, der im Palast des Bonaparte angestellt ist; er ist der Geliebte der Madame Lefevre und hat sich von ihrem Manne die Broschüre in die Federdiktiren lassen. Er bekommt viel Geld von Bonaparte. Die auf Polizeikosten zu 200,000 Stück erschienene frühere Broschüre, die auch eine niederträchtige Schmähung auf die 48er Revolution war, ist von einem bekannten Polizisten, Namenâ Chenu, der sich in die leichtgläubige Gunst des Polizeipräfekten Caussidiere zu schleichen gewußt' hatte, und sogar in dessen republikanisch-soziali- ftischer Polizeigarde eine Ofsizierstelle bekommen hatte. Ein dritter Lump war de la Hodde, der mit genauer Noth nur dem Tode von Caussidiere'S Hand nach der Revolution ent ing. Man hat von ihm noch die Register, worin er denunzirte, seit 1846. Was sollen wir aber, wir unglücklichen, gemarterten Demokraten sagen, wenn wir erfahren, wie nachlässig die 48er Demokratiehäuptlinge sich damals betrugen? Statt obige Spione zum Henker zu schicken, ward Groß- muth und Pardon betrieben. Unseliger Lamartine !
Türkei.
Von der bosnischen Grenze. Die Einnahme der Festung B i h a c s durch die bosnischen Insurgenten bestätigt sich. Der Pascha entfloh nach Travnik. Die Ueberrumpelung gelang durch die List der Insurgenten und die unbegreifliche Nachlässigkeit des Pascha. '
Den in Bihacs garnisonirendeu Arnauten ist freier Abzug gestaltet. Die vereinigten Insurgenten werden nach Banjaluka rücken.
G r i e ch e n l a n d.
(N. 3.) Eine telegraphische Depesche aus Triest vom 10. März Nachmittags 3 Uhr meldet:
Piräus, 5. März. Die strenge Blokade ist aufgehoben. England wird einstweilen ein zuwartendes Benehmen beobachten. Die bis jetzt gekaperten Schiffe werden als Pfand betrachtet. Kourier Grose ist als Ueberbiinger der von Seite Englands angenommenen französischen Vermittelung angelangt.
Nachruf.
Kassel, am 14. März. — Am 10. März verschied dahier der Blechschmievemeister Carl Friedrich Martin Lorenz im -37. Lebensjahre, eins der unzähligen Opfer der Monarchie, ein politischer Märtyrer der 30ger Jahre. Als Jüngling von 21 Jahren wurde er auf Requisition des deutschen Bundestages als Mitglied der politischen Verbindung des s. g. jungen Deutschlands von den Schweizerbehörden verfolgt und so lange von Kanton zu Kanton gehetzt, bis er auf österreichisches Gebiet gerieth. Hier wurde er sofort verhaftet und nach einem vergeblichen Fluchtversuch grausam mißhandelt und mit Ketten geschloffen nach Kassel ausgeliefert. Drei Jahre lang saß er hier in Untersuchungshaft; alle Versuche seiner Verwandten und Freunde, ihn gegen Caution auf freien Fuß zu setzen, blieben vergeblich. Daö Resultat der Untersuchung war die Verurteilung deS Unglücklichen zu sechsjähriger Zuchthausstrafe; bei der Publikation dieses herben und grausamen Urtheils rührte ihn der Schlag. Er war sich wohl bewußt, den Zorn der Tyrannen erregt zu haben, aber selbst nach monarchischen Begriffen hatte er eine solche Strafe nicht verdient. Die politische Verbindung, der er angehörte, hat erst in späterer Zeit jene der Monarchie so gefährlichen Erschütterungen zur mittelbaren Folge gehabt. — Die Lähmung durch den Schlag bewirkte, daß der unglückliche Lorenz die Appellationsfrist unbenutzt verstreichen ließ und ohne Weiteres unter Gaunern und Spitzbuben die diktirte Strafe antreten mußte. Diese sechs langen schaudervollen Jahre hatten seinen tapfern Geist und seinen Körper zerbrochen, und siechend und ohne Lebensmuth stieg er aus seinem Kerker, um 5 Jahre in dem Schooße seiner Familie in Kränklichkeit und trüber Gemüthö- stimmung hinzusiechen, bis ihn der Tod rach einem halbjährigen schweren Leiden von seiner Dulderlaufbahn erlöste. — Er starb unter demselben finsteren Regiment, das ihm diese Verfolgungen und Qualen bereitet — unter dem Regiment Hassenpflug. — Trotz den Schmerzen, die ihm das kühne Bekennen seiner politischen Ueberzeugung gebracht, blieb er bis in den Tod fest und treu bei fernem Bekenntniß, ein schlichter Handwerker, mit dem Herzen eines Ehrenmannes, von dem mancher berühmte oder gelehrte Herr kein Stückchen aufzuweisen hat, dem die große erbärmliche Welt pomphafte Nekrologe in daS Grab nachruft. Ehre dem Gedächtniß seines edlen Namens! Ehre dem Grab, das seine Hülle birgt.
ES sei unS ein Mahner an die Leiden unserer Knechtschaft und an den unausgesetzten Kampf gegen unsere Peiniger und Unterdrücker.
Seinem Sarge folgte eine zahlreiche Schaar seiner politischen Freunde, an seinem Grabe sprach I),-. Kellner Worte der Ermahnung zur-standhaften Ausdauer im Streite für die Wahrheit nach dem Vorbild des edlen Verblichenen.
Ernennungen re.
Der vorhinnige Justizminister Moritz v. Baumbach ist zum Präsidenten des Obergerichts in Marburg, der Untergerichtsanwalt Karl Scheffer in Gudensberg zum Aktuar beim Justizamte daselbst, und der Rechtspraktikant Johanu Baptist Heller in Homberg zum Aktuar beim Justizamte in Eiterfeld provisorisch ernannt. — Der Obergerichtsrath Walentin Jeseph Werlhmüller zu Rothenburg, und der vorhinnige Justizbeamte Rath Heinrich Karl Harke zu Birnstein sind in den Ruhestand versetzt. — Die erledigte Pfarrei Rosenthal, in der Klasse Rauschenberg, ist dem Seminarlehrer und außerordentlichen Pfarrer Wilhelm Bang in Homberg übertragen. — Der praktische Aizt, Wundarzt und Geburtshelfer Dr. Wilhelm Kahler zu Oldenburg ist zum Physikus für das Amt Oldendorf provisorisch ernannt. — Der Buchhalter bei der Landes -Kredilkasse zu Kassel, Ludwia Georg Windemuth, ist zum zweien Kassirer, der Rentmeister Johann Friedrich Alster zu Trendelburg zum zweien Kontroleur, und der Probaror Georg Malcomes znm Buchhalter bei der Landeskreditkasse bestellt.
R26j Anerbieten
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Königsstraße Nr. 191, im Hause
1366] des Herrn Hof-Sattlers Stautz.
(Beilage.)