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ab. Vier Tage muß er sitzen, und als endlich sein Vater mit Mühe seine Freigebung bewirkt, wird ihm gesagt, daß ihm die viertägige Untersuchungshaft für seine Verbrechen, verbotene Lieder gesungen zu haben, aus besonderer Milde als Strafe angerechnet werden solle. DaS Lied ist übrigens nicht verboten.

Schwerin, 9. März. — Moritz Wiggers ist zum Präsidenten der Abgeordnetenversammlung gewählt. Der konservative Gegenkan­didat, Ebert, ist erster Vizepräsident. — Wiggers hielt folgende An­rede an die Versammlung: „Ernst sind die Gefahren, die von Innen und Außen die von unserm Großherzoge, treu seinem gegebenen Worte, verkündete und von dem größten Theile des mecklenburgischen Volkes mit Freuden begrüßte Verfassung bedrohen. Groß ist die Verantwor­tung, die wir in dieser ernsten Zeit übernommen haben, dem engeren wie dem weiteren Vaterlande gegenüber. Desto mehr ist es unsere heilige Pflicht, in Frieden und Einigkeit das Ziel, welches wir unS gesteckt, zu erstreben; dann wird eS unS trotz aller Hindernisse und Feinde gelingen, unser rechtsgültiges Staatsgrundgesetz durchzuführen, und somit die Freiheit, den Wohlstand und daS Glück deS mecklen­burgischen Volkes auf die Dauer sicher zu stellen."

Der Verwaltungörath in Berlin hat zu gleicher Zeit gesprochen» Seine Beschlüsse in der mecklenburger Angelegenheit lauten:

1) dem Großherzoglich mecklenburg-schwerinschen Bevollmächtigten zu eröffnen»'

a. daß der vorliegende Fall nach der Ansicht deS VerwaltungS- ratheS allerdings dazu geeignet sei, vor einer Verfügung der BnndeS-Central-Kommission nach Maßgabe der von der Kön. Preußischen Regierung unterm 8. Oktober v. I. ertheilten Zu­sage zur Kenntniß und Beurtheilung des VerwaltungSrathes gebracht zu werden;

b. daß in dem Ersuchen der Bundes-Centralkommission um eine Gegenäußerung noch nicht die Erklärung liege, daß sich die­selbe zur Entscheidung über die Anwendbarkeit der Patent- Verordnung vom 28. November 1817 kompetent erachte, und daß es sclbstvcrstanden sei, daß über die von der Großherzog­lich Mecklenburg-schwerinischen Regierung vorzubringenden Ein­wendungen gegen diese Anwendbarkeit vor weiterem Vorschreiten der Bundes Centralkommission durch richterliches Urtheil ent­schieden werden müsse;

c. daß in dem Erlasse der Bundes-Central Kommission vom 11. Januar d. J. kein eigentliches Mandatum Inhibitorium, sondern nur eine Abmahnung erblickt werden könne;

2) der königl. preußischen Regierung die gegenwärtige Verhandlung mit dem Ersuchen um Erwägung bei den den Bundeskommissarien zu ertheilenden Instruktionen mitzutheilen.

Die Sache ist nun in der Ordnung. Die BundeScentralkom- mission hat also nicht das Urtheil zu sprechen, wohl aber die Voll- sueckung desselben. DaS genügt hoffentlich.

Die Regierungsvorlagen an unsere Abgeordnetenkammer betreffen 1) Geld, Geld, Geld, 2) den Anschluß an das Interim und 3) einige Kleinigkeiten wegen Nicht-Beeidigung des HerreS re. auf die Verfassung re.

Gotha, 9. März. (N. Z.) Unser Landtag ist vor einigen Tagen hier zusanimengetreten; die Prüfung der Wahlen war der erste Akt seiner Thätigkeit. Die Wahl eines Vorsitzenden fiel auf den Buch- 1 andler Becker, denselben, welcher im vorigen Jahr zu der Zusammen­kunft der Gagern'schen Partei in Gotha Veranlassung gab, und der bereits als Alterspräsident die Vorverhandlungen deS Landtags geleitet hatte. Ueber die Stärke der in der AbgeoidnetenVersammlung ver­tretenen politischen Parteien läßt sich gegenwärtig ein untrüglicher Schluß noch nicht ziehen, da mehrere der Depulirten zu den sogenann­ten Indifferenten sich zählen, gewiß aber ist, daß die Demokratie, wenn nicht numerisch, doch durch Kenntniß und Intelligenz der konsti­tutionellen Partei überlegen sein wird, die eigentlich nur durch einige ältere Beamte vertreten ist. Zur Charakteristik eines für konstitutionell geachteten Abgeordneten kann die Anführung dienen, daß er in seiner Berichterstattung als Mitglied einer Wahlprufungö-Kommission die Ab­geordneten - Versammlung eine „herzogliche" nannte. (Der Mann ist gegen die „Theilung der Gewalten".)

Auch in K o b u r g ist der Landtag bereits zusammengetreten und hat seine Berathungen über die sogenannte deutsche Frage (den An­schluß deö HerzogthumS an das Bündniß vom 26. Mal d. J.) begon­nen. Der frühere, durch die Reaktion verdrängte mciningische Minister v. Speß Hardt ist zum Vorsitzenden erwählt worden.

DaS Militär unseres Landes wird in einigen Wochen zur Be­setzung einer Bnndessestung auüinarschiren und einer preußischen Beiatzung Platz machen, wodurch allerdings die von der Mehrzahl der Bevölke­rung gewünschte Mediatisirung wenigstens faktisch beginnen wird.

Ä-ieobaden, 9. März. — (N. P. Z.) Die Kammer hat

heute die Wahl eines Mitgliedes zum Staatenhause vertagt; sie will erst noch Mannschaft werben, damit die Linke sie nicht etwa beschluß­unfähig mache. (Die Linke wird sich doch nicht „unehrenhaft" auf­führen wollen?)

Frankreich.

^ Paris, 10. März. — Die erste Wahlschlacht beginnt, morgen die zweite, übermorgen ist Ruhe, Mittwoch ist Zählung, Freitag wird daö Resultat bekannt gemacht. Wie ungeheuer setzt die Gespanntheit ist, wäre schwer zu beschreiben» Die Gasse wimmelt voll Männer jedes AnzugS und Aussehens, die zur Stimmurne eilen, von Morgenö 8 Uhr biS Nachts 10 Uhr. Ein leiser Schauder zuckt, bäucht mir, in den infamen Gliedmaßen der Reaktion, denn schon scheint sie zu wittern, daß sie nicht völlig siegt. Die sonst so berüchtigten Jäger auâ Afrika stimmten gestern bedenklich roth, und doch waren diese Truppen stets antidemokratisch bisher. Sehr zutrauungSvoll darf man gegen sie auch heute noch nicht sein, hinter der Wahlurne haben sie Freiheltösiun, aber dem Volk auf der Gasse gegenüber schießen sie doch wohl los. Die Meinung ist hier verbreitet, die Könige und Kaiser Europa'S würden nicht über die Schweiz und Frankreich herstür­zen, wenn diese 29 Wahlen roth würden, würden es aber thun, wenn selbige weiß würden. Der Erfolg soll unS bald zeigen, was an die­ser Prophezeiung Wahres ist. Bonaparte, der schon Morgens, wie wenn er ein regierendes Stierhaupt mit Scepter und Krone wäre, Audienzen gibt, empfing neulich Frau Louise Aston (auS der Familie deö französischen Revolutionsgeneral Hoche von 1793) und den mit dieser Schriftstellerin zugleich vorgelassenen deutschen Jour­nalisten und Preßflüchtling Hrn. Friedrich Emmanuel Crüger (aus Königsberg); die Konversation drehte sich um Allgemeines ohne Be­deutsamkeit. Uebrigens ist Crüger, als deutscher demokratischer Zei- tungökorrespondent, von hier polizeilich expulsirt worden und reist nach Italien, um ein deutsch-italienisches Verbrüderungsblatt dort zu stiften, dessen biojetziger Mangel fühlbar genug wird. Durchaus nö­thig ist es, damit die abscheulichen Eindrücke, die durch die nieder­trächtige, bullendoggische Weise der Deutschthümler im Frankfurter Parlament auf Italiens Gemüther gemacht worden (wie auf die Po­lens), endlich einmal gründlichst ausgelöscht werden. Hier wird ein neues Volkslied mit Musik publizirt, La Gauloise, „das gallische Lied", gedichtet von Thuillier und komponirt von Arnouy. Es ist gewaltig und heißt in freier Uebersetzung also (es wird, wie man mir berichtet, so eben konsiszirt): „Der Boden zittert, die Luft er» „bebt von wildem Rufe, seht dort die ungeheure Wolke, die der „Norden mit wildem Sturm schickt: Gallische Männer, das ist der „Feind! Er hat die Ufer deS Stromes bewaffnet (deS Rheins), „er wird euch aber nicht bändigen können. Der Gallier versteht eS „nicht, ein Sklav zu sein, eher stirbt er fechtend und ohne Zagen. „Wohlauf, in Kampfeshitze schlagen wir die fremden Eindringlinge „ab: wir sind nimmer zu bezwingen, wir sind Löwen. — Söhne „Galliens, deö starken, unS verbindet wie einst der Heldenmnth, vor- „wärtS mit Liederklang gegen jene Zwingherren. Rettet das Vater- „land, ihm gehört unser Bein und Blu: und Herz und Haupt. Gal- „lienö Kinder, vorwärts! — Marsch! vorauf! gebt uns die Waffen, „ihr wackern Greise! Lebet wohl, ihr Frauen, ihr Mütter. Liebste „Kinder, lebt wohl, ihr seid nach unserm Tode die Helden, die unter „der heiligen Fahne siegen sollen. Rosse, voran, über Hügel und „Thal, Dorf und Stadt. Auf, leichte Krieger, macht Jagd auf die „Ungerechten, erlöset die Freiheit; wir dürfen nicht unsrer Väter „Leichensteine geschändet sehen durch die fremden Despotenknechte; „laßt unS rein und frei erhallen unsre Felder und Hütten. — Vor- „wärts, junge Soldaten, zu Fuß und zu Pferde, ihr glühenden Kam- „pfer, ihr siegenden Kolonnen: bald bringt ihr mit Jubel die Palme „der Schlachten heim. Die Könige Europa'S, voll Frechheit und „Tücke, pflegten boshaft-teuflisch die Unwissenheit der Völker: doch „unsre gallische Stirnen strahlen vom Wetterleuchten der Menschheits- „zukunft. O Volk, du sollst nicht mehr dich biegen und schmiegen „vor Henkern und Treibern, vor Kronenträgern, die nichts als Dienst- „boten der Vernunftmörderzunft, der Pfaffen, sind. — Vorwärts, auf, „dahin, rasch wie die Sturmfluth im Zorn. Gallier, die Stunde der „Rache schlägt: die Könige haben sich verschworen, uns zum Trotz und „Gotte zum Trotz! Sie sind wahnwitzig geworden, sie heulen zum „Volke: „„Uns gab der Himmel die Erve und die Menschen."" „Diele Köniae werden wir niederwerfen, belastet mir ihren Lastern, „und keine Verzeihung wird ihnen das Volk gewähren. — Vorwärts, „marsch! Die Trompeten und Hörner erschallen! Seht da, vor uns, „die Barbaren des Nordostens! Gallier, beginnt heute eure Rie>en- „gefechte, wie ehemals. Wir fliegen zum Siege und Hcldentove, un „die Despoten Europa'S zittern." — Dies ergreifende Lied macht aus- sehen, und vielleicht gerade, weil eö konsiszirt wird.