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cf Fulda, 9. Marz. — Um Gotteswlllen sorgen Sie dafür, daß die „Hornisse" regelmäßig hier anlangt, denn ihr Ausbleiben er­regt bei allen (?) Parteien lebhafte Besorgnisse. „Sie ist konfiszirt!" heißt es dann jedesmal, und wenn die Hornisse erst todt ist, dann gehr es auch an uns, an uns, die Gemäßigten, die gesetzlich Fortschrei­tenden, die Ordnungsliebenden, die Möglichkeitspoliliker, die braven Männer, die Ehrenwerthen, die Ruhigen und Prinziplosen, deren Zu­kunft eine Gehaltszulage oder ein Aemtchen ist. Die Hornisse ist jetzt beliebt hier; ihr Blitzen und Donnern gegen Hassenpflug ist jetzt ebenso willkommen, als ihre Wurfgeschosse gegen den „guten" Eberhard un­willkommen waren; trotz alledem bleibt sie aber ein „unpraktisches Watt", (ich wähle den gelindesten Ausdruck) das sich anmaßt, den gesunden Menschenverstand der „Praktiker", der „erfahrenen Männer", für eine Idee zu begeistern. Von Hassenpflug besorgt man zunächst, daß er seiner alten Maxime getreu, Versetzungen vornimmt, ein wah­res Glück übrigens, wenn er die Vetterschaften und Cliquen sprengte, die ein Krebsschaden an unserer Verwaltung sind!

Die Politiker im Piusverein sehen in dem Minister einen Groß­deutschen nach ihren Begriffen und sind ruhig, denn er ist ja Mysti­ker, Jesuit im Frack, der mit Teufel und Hölle die Gemüther zahm macht.

Das „Schandblatt", der „Wacht auf!" der noch immer lebt, ist im Wachsen und behauptet trotz seiner Feinde, dem Militär, der Geist­lichkeit und den Staatsdienern, das Feld. DaS „dämonische Papier", wie es ein Pfaffe genannt hat, war in einige Untersuchungen wegen Preßvergehen verwickelt, die eine betraf die Beleidigung des Medici- nalrathes Wiegand (dessen politische Thätigkeit gänzlich aufgehört hat) in Beziehung auf seinen Dienst; die andere eine Verdächtigung des StadtratheS; die Rathskammer hat dem Vernehmen nach Beruhen des Verfahrens verfügt, „weil Beweis der behaupteten Facta erbracht worden!"

Die Wahlen zum Erfurter „Reichstage" sind hier sehr gut aus­gefallen ; durchschnittlich hat sich 3*T der Urwahler an der Wahl be­iheiligt; trotzdem berichtet die Neuhessische neulich, der Grund dieser Nichtbetheiligung an der Wahl sei im Fuldaer Jndifferentismus zu suchen, der sich ebenso stark dei der Landtagswahl (Wahl Weinzierls) kund gegeben; die vornehme Dame begreift aber nicht, daß zwischen ^ und 3‘- ein Unterschied ist.

Wie man hört, soll Hr. Venedey Fulda in Erfurt vertreten, doch ist dies ein sehr unbestimmtes Gerücht, weil zuerst Hr. Hassenpflug und nicht die Wahl nach Erfurt die Gemüther unserer Politiker be­schäftigt.

Homberg, 1.3. März. — ES zirkulirt hier eine Adresse für Hassenpflug und gegen die Ständekammer. Die Mucker unterschreiben, daß eö eine Lust ist. „Wir freuen uns", heißt eö in der Zuschrift, „ein Ministeium zu haben, das nicht durch die Revolution, sondern durch die freie Wahl unseres allergnävigsten LandeüvalerS an seinen hohen Posten gekommen ist, und das Bertrauen, daß eö Höchstdensel- hcn unter dem Beistände unseres Gottes mit Weisheit berathen und mit kräftiger Hand unterstützen werde, Gesetz und Ordnung in unserm theuren Vaterlande zu handhaben, und die Freiheit und Wohlfahrt unseres Volkes gegen die zu schirmen, welche auS Unverstand oder aus Selbstsucht und Eigennutz darauf hinarbeiten, sie zu untergraben." Hr. Hassenpflug ist gerettet. DaS „Volk" steht hinter ihm. Obendrein zweifeln wir gar nicht, daß eine gewisse Sorte Leute den Seminaristen sich in der Kürze anschließen wird. Variatio delectat.

Berlin, 10. März. — Man spricht davon, dre Bundescentral­kommission werde auf 3 Monate ihren provisorischen Zustand ver­längern. Oesterreich habe den Antrag gestellt, und Preußen werde zustimmen. Die übrigen Staaten würden sich dann der Verlängerung „nicht entziehen" können. Glückliche Zeit der Frankfurter Provisorien!

Der BerwaltungSrath hat beschlossen, Hannover wegen seines Abfalles von dem ersten Dreikönigsbündniß beim Bundesgericht zu verklagen.

Münster, 7. März. — Der Temme'sche Prozeß ist endlich so weit gediehen, um die Sache vor die Geschworenen bringen zu können. Der Verhandlungstermin wird der 15. oder 20. April sein.

Hannover, 9. März. — Die beiden Kammern interpelliren mit rastloicm Eifer Die zweite fordert vom Ministerium Aufschlüsse über „den gegenwärtigen Stand der deutschen Angelegenheit", die erste über die Abberufung des preußischen Gesandten von Hannover. Zn letzterer Beziehung hat die Regierung erwiedert, der Gesandte sei allerdings fort, er komme aber vielleicht wieder. Die Antwort genügt deutschen Volksvertretern.

Natürlich erwartet man, daß sich Hannover rrcch besinne, und dem Vierkönigsbündniß (nicht dem Dreikönigsbündniß) schließ­lich beitreten werde. Hr. v. Beningsen wird in Wien bearbeitet sein. Der Differenzpunkt zwischen Hannover einerseits und Sach­

sen, Baiern und Württemberg andrerseits besteht in der Forderung eines Staatenhauseö Seitens Hannovers. Die drei Königreiche halten dasselbe nicht für nöthig, ja sogar für schädlich. Sie wollen eine starke Bundesgewalt und sonst nichts, denn daß die sogenannte „Natio­nalrepräsentation" (durch die Ständekammern zu wählen!!) auf weniger als nichts hinausläuft, unterliegt wohl keinem Zweifel.

Braunschweig, 6. März. — (N. D. Z.) Die Opposi­tion in der Abgeordnetenkammer, 25 Mitglieder stark, hat bei der heutigen Wahl eines Mitglieds zum StaatenhauS gezeigt, daß sie ohne Logik und Konsequenz ist. Sie hat sich zwar der Wahl enthalten und erklärt, daß ihre politische Ueberzeugung ihr eine Theilnahme daran untersage, aber sie ist im Saale geblieben, um — die Versammlung durch daS Verlassen desselben nicht beschluß­unfähig zu machen! Herr Hollandt, der frühere Reichötagsadgeorvnele, stand an der Spitze dieser Halbdemokraten, von denen zwei keinen ganzen machen. (Hr. Hollandt hat Recht! Man muß keine Opposi­tion zu weit treiben. In Hessenkassel entfernten sich von 17 Demo­kraten nur drei bei der Wahl zum StaatenhauS. Allerdings sprachen hier Nützlichkeitsgründe für daö Bleiben. Hr. Hassenpflug wurde cs ganz gern gesehen haben, wenn die Kammer sich auf diese Art aufgelöst hätte. Man mußte bleiben, um sich den Spaß der parla­mentarischen Opposition gegen den neuen Minister nicht zu verderben.)

Schleswig-Holstein. General Rauch, bekanntlich ein Russe vom reinsten Wasser, ist von Seiner preußischen Majestät hier­her gesandt, um die Wiedereröffnung der Feindseligkeiten zu verhin­dern. Hr. Rauch wird gewiß seiner Mission alle Ehre machen. Die Schleswig-Holsteiner werden nach allen Regeln des Anstandes be­trogen und verrathen. „Es sind ja keine gewöhnliche Rebellen", man muß also piano vorschreiten. Hr. Rauch war ehemals Kriegsminister. (Die kurhessische Kammer hat den Schleswig-Holsteinern Trost zuge­sprochen und Hülfe verheißen. Die kurhessische Kammer hat auch der preußischen Politik Weihrauch gestreut. Die kurhessische Kammer wird mit der Sendung deö Hru. Rauch gewiß sehr zufrieden sein.)

Die Landeoversammlung soll biâ zum 18. nach Kiel einberufen werden. Die Statthalterschaft hat Geld nöthig.

Die Gerüchte über den Ausbruch der Feindseligkeiten zwischen den Dänen und Schleswig-Holsteinern bestätigen sich nicht. Die Statthalterschaft wird thun, waS ihr befohlen wird.

^ Leipzig, 12. März. — Wie behauptet wird, soll nächsten Monat in Dresden eine Zusammenkunft zwischen vier erhabenen Herr­schern stattsinden. Als solche nennt man außer unserm guten König, den kaiserlichen Säugling von Oesterreich , den bairischen Bierkönig und den allen englischen Oberlanddrosten von Hannover. Das wird jedenfalls eine höchst erbauliche Familienscene geben zwischen diesen hohen Häuptern. Der neunzehnjährige Landeövater Franz Zoseph und der siebzigjährige Ernst August werden sich gerühct in die Arme sinken und sich einander Freundschaft geloben bis zum Grabe, dem Beide gleich nahe sind. Alle vier werden unter Kanonensalven und Trompetentusch auf daS Wohl des großen Vaterlandes trinken. Dann werden sie sich berathen, wie das große Vaterland am Besten klein gemacht werde» kann, und wie man sich gegen den etwas begehrlichen königlichen Bru­der von Preußen verhalten soll, der ganz Deutschland allein aufessen oder als Trinkgeld für seine gehabte Mühe in die Tasche stecken möchte. — Die alten Zeiten kehren wieder. Die hohen Herren ver­meinen wieder, mit PiUnißer Beschlüssen ihre getreuen und ungetreuen Unterthanen regieren zu können. Ein Fürstenkongreß! Heilige Einfalt ! Ein Fürstenkongreß mit Hoffesten, Illuminationen, Paraden, Turnircv, Spielen und Schauspielen! Wo sind die Fürsten? Ist das nicht der krasseste Anachronismus in einer Zeit wie der jetzigen?

OW Dresden, H- März. — Unsere Machthaber werden nach­gerade kindisch. Hören Sie folgendes Geschichtchen aus unserer be­lagerten Gegenwart: Der fünfzehnjährige Schneiderlehrling Koch durch­schritt, von einem Geschäftsgänge zurückkehrend, den Hof der Reiter- kaserne, indem er nachstehende Worte des auf Robert Blum von J. Knall gedichteten Liedes vor sich hinsang:

„Windischgrâtz hat gut gezielet,

Deutschland ging der Schuß durchs Herz!

Auf der linken Seite fühlet

Eö des Helden Todeöschmerz!"

Der in der Nähe befindliche Wachtposten verhaftete hierauf den Knaben, und der Wachtkvmmanvanl lieferte denselben nach längerer Verzögerung an die Polizei ab. (Warum nicht an ein Kriegsgericht?) Dort gestand der junge Verbrecher unumwunden ein, er habe, ohne etwas dabei zu denken, zum Zeitvertreibe den Verö gesungen. Doch waS geht das die Polizei an? Der jugendliche Verbrecher wird ein­gesteckt, und man läßt ihn auch, vbwoyl er vat, sich für fein Geld etwas zu essen kaufen zu dürfen, da er den Morgen noch nichts ge­gessen habe, bis zum Abend hungern und nahm ihm seine Baarschaft