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Dritter Jahrgang.

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Kassel, Donnerstag den 14. März

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Wir find preußisch.

Daâ sind wir freilich schon längst. Aber jetzt begreifen wir'â erst. Wir sind so gut wie untergestopft und bleiben'S. Wir werden unS auch in diese Lage zu finden wissen. Ein preußischer General ist unser Fürst, ein preußischerbeschränkter" Unterthan und StaatSdiener ist unser erster Minister, der preußische König ist unser Kriegsherr und Schirmvogt, eine preußische Festung ist unser Kapitol, ein preußi­schess. g." Parlament ist unser Gesetzgeber und Vertreter. Alles DaS sind wir mit Einwilligung von Oesterreich; wir sind also auch österreichisch. ES geschieht auch mit Einwilligung von Rußland folglich sind wir auch russisch. Wir sind preußisch, bedeutet also soviel alS: wir sind russisch!

Dem Wesen nach waren wir auch unter unsern Landgrafen schon russisch, die auf russische Weise auf unS herumtrampelten, auf russische Weise unS auöbeutelten und verkauften, und auf russische Weise un­serer Vorfahren Gut und Blut mit Maitressen und deren Kreaturen verjuxten und verjubelten. Aber dies war doch ein selbstständiges Russischsein. Unsere Fürsten waren aus eigner Neigung und auS eig­ner Lust und Liebe Kosacken. Unsere Fürsten waren doch selbstständig. DaS Volk war damals überhaupt noch nicht auf der Welt, sondern nur in den Büchern und in einigen wenigen Exemplaren, denen man so schnell als möglich das Lebenslicht auSzublasen suchte. AlS aber in Frankreich daö Volk zuerst auf die Welt gekommen war unter den furchtbaren Schmerzen der Revolution, da ging es zu Ende mit der Selbstständigkeit der kleinen deutschen Ezaren. Die einen jagte Na­poleon zum Teufel, die andern nahm er zu dienstbaren Lakaien an. Er wußte aber sehr gut, daß der wirkliche russische Oberczar niemals zugeben würde, daß Menschen, die dem Wesen nach unter die russische Knute gehörten, unter dem Schwert Napoleons dienen sollten; des­halb zog er »ach Rußland, um seinem Nebenbuhler an Ort und Stelle den Hals zu brechen. Es war ein Kampf um Sein oder Nichtsein, dessen Ausgang für Napoleon das Nichtsein wurde und für den Russen das Sein. Denn über die russischen Gränzen wälzten sich seine Kosacken und seine Rubel; und Europa war jein. Die russischen Grundsätze deS absoluten Despotismus wurden die Herrscher Deutschlands, und Metternich, der im Privatsold des Ezaren stand, bemühte sich, mit jesuitischen Kniffen denselben dem widerspenstigen dummen Michel mundgerecht zu machen. Man ließ die kleinen Staa- ten sich Konstitutionen machen, denn man erklärte schon auf dem Kon­greß zu Aachen, daß dieses kurzweilige Verfassungsspiel nicht weiter um sich greifen solle, als es zurussischen" Zwecken nöthig sei! Der deutsche Bundestag war der Regulator dieser edlen Zwecke. Die gutmüthigen deutschen Volksstämme bildeten sich damals ein, sie könn­ten auf eigne Faust in ihren Ländern hausen und wirthschaften, bis man ihnen das Dach über dem Kopf weggenommen, oder das Funda­ment ihrer StaatSgebäude unterminirt hatte, bis sie fühlten, daß ihre gerühmte Freiheit ein Gaukelspiel gewesen, regiert nach dem Willen der Oberkosacken Europas an goldnen Drähten, deren Enden in dem geheimen Kabinct des Ministeriums deâ Auswärtigen zu St. Peters­burg zusammenliefen. Und wir machten die Märztage. Sofort erklärte der Obcrkosacke, den kleinen Staaten in Deutschland hat man zu viel Spielraum gelassen, von nun an müssen sie entweder gänz­lich aufgehoben, oder vollständig mediatisirt werden. Nur unter der Bedingung dürfen noch einige Zwetschenfürsten auf dem Thron blei­ben, daß sie sich hinführo nur als Statthalter betrachten und thun nach ihres Herrn Willen und Wohlgefallen. Und stehe, also geschah!

Mag nun ein solcher kleiner Staat unter Preußens oder unter Oesterreichs spezieller Aussicht stehn, mag er in Erfurt oder unter dem Interim noch auf kurze Zeit äußerlich und scheinbar seine Selbstflän-

digkeit retten; er wird nur noch ein Vasall sein, ohne alle freie, eigenthümliche Fortentwickelung, und seine Freiheiten werden zusammen- schrumpfen auf den Grund und das Maaß der bestehenden Verhältnisse zu Berlin, Wien oder Petersburg. Kurz, wir sind russisch! Und wir werden nicht mehr, wie in den 30r Jahren oder wie in den Jahren 1848 und 1849 unS einbilden können, daß wir die Herren unseres Schicksals seien, oder daß unsere Fürsten diese Rolle spiel­ten. Eberhard war gegen seinen Willen der Diener des preußisch­russischen Absolutismus, Hassen pflüg ist es mit Willen. Diener sind beide, wie alle diese Duodezminister! Sie haben unS nach Erfurt geführt, sie haben uns zum Interim geschleppt, sie werden uns hin­zerren, wohin man befiehlt, daö Ziel ist die Knute. Auf diese Weise wird man unâ die Kleinstaaterei so herzlich überdrüssig machen, daß wir aus Leibeskräften nach völligem Aufgehen in ein großes Reich schreien werden, nur um uns vor unserer eignen Lächerlichkeit zu er­retten; und nur auf diese Art wird aus unseremkurzweiligen Ver­fassungsspiel", wie Metternich zu nennen pflegte, ein welterschüt­terndes Drama werden, bei dem wir als geschulte Kämpfer unS noch eine Rolle ausbitten werden. Wir können auS diesen Gründen die Hoffnung unserer sanguinischen Konstitutionellen nicht theilen, welche in Hassenpflug einen Minister sehen, dem sich der Boden unter den Füßen wegziehen ließe, wenn man ihn isolire, oder das ganze Land ihm gegenüberstelle. Dem Volke selbst ist der Boden einer selbststän­digen Existenz längst abhanden gekommen, eben so gut wie den Ba­densern. Der Unterschied ist nur, Baden folgt der russisch-preußischen Knute nur gezwungen, wir gehorchen ihr bereits auS bloßer Angst, freiwilUg, auch ohne einen Hassenpflug. Unser ganzes Nestchen Selbstständigkeit ist nur ein unschuldiger Spaß, den unS die Ober-Kosacken herzlich gern lassen, weil sie von feiner Unschädlichkeit durchdrungen sind. Wir sind russisch, Volk wie Fürst und zwar unter königl. preußischer allergnädigster Aufsicht, geführt durch Hrn. Hassenpflug.

Deutschland.

Kassel, 13. März. ES zirkuliren hier gedruckte Formulars zu einem Mißtrauensvotum gegen Hassenpflug oder vielmehr zu einem Vertrauensvotum für die Ständekammer, die bekanntlich ihren mora­lischen Eindruck aufwendet, um Hrn. Hassenpflug aus seinem Amte zu bringen. Die Demonstration ist ganz unschuldig, aber auch ganz nutzlos. Die Ständekammer hat sich nie um die Stimme deö Volkes beküm­mert, Hr. Hassenpflug wird es auch nicht thun. Die Ständekammer hat das Vertrauen des Volkes stets präsumirt, Hr. Haffenpflug wird dasselbe thun. Die Ständekammer hat unterVolk" immer eine be­sondere Menschenklasse verstanden, Hr. Hassenpflug wird es ihr nach­machen. DaS Volk sind die Homberger Seminarlehrer.

ff Kussel, 13. März. Die Opposition, die Opposition t Es geht nichts über eine gesinnlmgstüchtige Opposition. Der Verfas- sungsausschuß soll beschlossen haben, den Ständen den Vorschlag zrr machen, sie möchten nur auf alle Gesetzvorlagen des Hrn. Hassepflug, eingehen, nachher aber den Daumen auf den Beutel drücken, d. h. kein Geld verwilligen. Es ist kolossal! Das ist der praktische Niederichlag der fürchterlichen konstitutionellen Sprützfluthen vom ver- wichenen Dienstag. Geht heim, im Ernste, geht heim, oder in ein Kloster!

Kassel, 13. März. Die Muckerpartei arbeitet hier bereits an einer Vertrauensadresse für Hassenpflug. Warum sollten die HH- Dehn - Nothfelser und Genossen schweigen, wo es gilt, für das Him­melreich zu wirken? Uebrigens ist diese Keilerei eine sehr scb'echtc kertaktik. Schweigen ist unter gewissen Umständen besser denn "ccu. Hassenpflug weiß ja, daß er diè Majorität h '" ff" sich hat, wie der Leuchtthurm vom Bürger und Weißbiertrinker Manteuffel spricht»