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Kassel, Dienstag den i2. März
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Am 11 März 185«.
Es fehlt weiter nichts, als daß sich einige Hombergische Schulmeister, einige Landbeamten und Ehren «Pietisten zusammenthun und unserer neuesten Februarerrungenschaft Hassenpflug ein Vertrauens
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votum übermalten; alsdann werden sowohl Spötter wie Absolutisten behaupten können, wir wären noch im Besitz sämmtlicher Märzerrun- genschaften und der Fürst habe kein einziges Wörtchen gebrochen, sondern eben erst all' seine Worte auf die rechtschaffenste Weise von der Welt erfüllt! — Das Volk, namentlich der Bauer, würden sie sagen, lechze nach einem derben Zuchtmeister; die gedankenlose Waffe verlange inbrünstig nach einem gewaltthätigen Führer, sie sei der freien WillenSentschciduug schon längst herzlich müde, sie wolle von Neuem gehetzt, gepeitscht, gedrangsalt und gegeißelt werden zu ihrem kleinen unpolitischen Tagewerk, zu Beten und Fasten und Steuerzahlen. Und Hassenpflug sei der gewaltige Nimrod vor dem Herrn, welchen die irregeleiteten Herzen der verscheuchten Heerde alS ihren Hirten und Schlächter mit Hosiannah! begrüßten. Nur ein Vertrauensvotum, meine Herren, eS ist ja so leicht! es wird Ihnen so kinderleicht, der Welt den Trost zu gewähren, daß niemals ein Füistenwort gebrochen wurde, und,.daß der Stamm der Kurhessen mit Tdemnrh »»h Freude daS Joch auf sich nimmt. daö ihm der Herr — zu Berlin nämlich —
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Jn Gnaden aufgelegt., — Wir fangen beinahe selber an zu zweifeln, ob Hr. Hassenpflug wirklich die entschiedene Abneigung des Volkes hat, da die Stände selbst nicht Viel auf ihr eigenes Mißtrauensvotum geben, sondern ganz lustig mit Hrn. Hassenpflug konferiren und ihn falu^ren und ob nicht das dumme Volk blos geboren ist, um ge« züchtigt und geschunden zu werden und um Frohndienste zu verrichten; unb ob nicht blos Wenige auserlesen sind denen, um mit der Bibel zu reden, der Herr viel gegeben, um viel von ihnen zu fordern, und ob wir nicht heimgesucht werden müssen wegen der Missethat unserer Väter bis ins dritte und vierte Glied, — und unsere Urenkel wieder wegen unserer Missethaten, und so weiter biö in alle Ewigkeit. — Wer sich in diese Gedanken vertiefte, dem kann es gehn, wie dem alten Republikaner Börne, welchen Deutschland von sich gestoßen in die kalte Fremde, seinen edelsten Sohn als der Kummer und die Verzweiflung an seinem gefolterten Herzen zu nagen begann, und sein Volk keinen einzigen Kranz, sein einziges Zeichen der Hochachtung und Anerkennung hatte, um die Schmähungen seiner und der Freiheit Feinde zu zerbrechen und ihre giftigen, Pfeile für seine einsame Brust abzustumpfen und ihre Wunden mit dem stillenden Balsam der Liebe zu heilen. — Eö könnte ihm widerfahren, daß er über sein Volk den Stab bräche und an seiner Rettung verzweifelte; eS könnte sein, daß er mit bitterer Lust ansing rn den Schmerzen zu schwelgen, die ihm das Unglück des Vaterlands täglich und stündlich bei eitet, zu schwelgen in dem einzigen Trost, daß es daö Looö des deutschen Volks sei, der ewige Jude der Völker zu heißen, der seit Jahrtausenden vergebens nach seinem Vaterlande sucht und nach seiner Freiheit, und der stirbt im Augenblick, wo er'S gefunden! — Aber ein Blick auf die tausend Herzen, die verschlagen und verbannt in aller Welt dasselbe Loos, dasselbe Schicksal beklagen, ein Blick auf die zurückgebliebene Schaar, die treu und gläubig an dem anncr der Freiheit hält: — und freudig und muthig schreiten wir cr Zukunft entgegen, wo auch der letzte Fuukcu jenes gepriesenen arzfeuerS verlöscht und nur daö Feuer unserer begeisterten Herzen re unlle Nacht durchleuchtet. — Ungebeugter Muth ist unsere ganze
“ "^ss sw reicht hin, um nicht bloö einen März, sondern n ganzen Frühling von Freiheit zu erobern! —
Deutschland.
Kassel, 12. März. — Unsere Linke ist in integrum restitnirt. Das Organ der konstitutionellen Partei, daö bekanntlich bis dato den Kammer - Demokraten alles mögliche Schlechte nachgesagt, sie allen „sittlichen" und „geistigen Haltes baar" erklärt hatte, attestirt gestern der Linken, sie habe sich in den letzten Wochen ganz „ehrenhaft" aufgeführt. Die Linke mag sich bedanken. Das Attest der „Neuhes- sischen" genügt jedenfalls, um für die nächsten Ostern eine Versetzung zu rechtfertigen.
Um mehrerer „Schmeichelei" willen attestirt die „Neuhessische" der Linken noch extra, wie sie, Hr. Pfaff und Hr. Oetker nämlich, letzhin deutliche Beweise bekommen hätten, daß die „Hornisse" nicht daö Organ der Volkspartei sei. Es ist himmlisch. Seit Monaten wußten die Neuhessen der Linken keinen größeren Schimpf anzuthun, als sie mit dem Namen „Hornissenpartei" zu belegen, auf einmal ist alles ein finstres Mißverständniß, die Linke hat sich ja ehrenhaft aufgeführt. Wir gönnen der „Neuhessischen" diese Freude über den verlorenen Sohn, versichern ihr aber, daß die „Hornisse" ganz unschuldig daran ist, wenn sie jemals von der „Neuhessischen" „Organ der Volköpartei" genannt worden ist. Wer kann vor Mißverständ- nisse? Die „Hornisse" hat leider das Unglück, Organ ihrer Redaktion zu sein. Sie soll eö auch bleiben.
* Kassel, 12. März. — Die Opposition der Neuhessischen gegen Hrn. Hassenpflug dauert fort. Waâ sagen Sie dazu? Erstaunen Sie nicht, fürchten Sie sich nicht? Und nebenbei opponirt die gute Dirne auch noch der Hornisse, — das neue Quartal ist ja im Anzuge. Geld regiert die Welt! Die Berichte aus den Provinzen sollen hinsichtlich des PreßvereinS nicht eben sehr erfreulich lauten, die gütigen Gastgeber ziehen sich allmählich in ihr Hassenpflug'scheâ Dunkel zurück. DaS gute Kind ist also gezwungen, albern zu sein. Oder haben Sie die gestrige Zusammenstellung „hinsichtlich der politischen Eide" verstanden? Vilmar über die politischen Eide und die Hornisse über politische Eide, und die Hornisse sagt gerade das Gegentheil von Hrn. Vilmar, und Hr. Vilmar das Gegentheil von der Hornisse. Reim' dich, oder ich fresse dich — — — *)
f Kassel, am 12. März. — Gestern war die linke Seite der Ständeversammlung von Hrn. Schwarzenberg zu einer vertraulichen Besprechung mit der Rechten eingeladen worden. Daö Resultat der langen Verhandlung soll so ziemlich auf nichts hinauslaufen. Schade, jammerschade! Eintracht gibt Macht! Warum sträubt sich die Linke gegen die süßen Umarmungen des Hrn. Nebelthau?
— Am 11. März. — Man hört, daß sich von verschiedenen Seiten Mühe gegeben wird, die Staatödicner zu einem Vertrauens. Votum für Hrn. Hassenpflug zu bewegen. Kommt's heute nicht, so kommt's morgen. Die Staatsdiener auf dem Lande sind ganz entzückt, daß sie endlich einmal wieder ein starkes Regiment und plein pouvoir in christlich-germanischen Stvckpriigcln haben. Sie haben die Ebcrhard-Henkelschen Gesetze cxccutirt, so länge eS möglich war,__ gegen die Dummheit und Unmöglichkeit kämpfen aber selbst Götter vergebens, geschweige denn kurheffische Assessoren und Rechtspraktikanten. Hasfentflug bedeutet in den Augen unserer Beamten der lebendige „Hausfrieden", der leibhaftige „Normalzustand". Sie athmen wieder auf. Daö Frühjahr kommt.
£ Rinteln# 10. März. — Gestern fand die wiederholte Auf-
*) Wir bemerken, daß wir alle Opposition gegen die Renbeißdde möglich zu vermeiden suchen. Ihr Schein-Prinzip ist geschlagen, was gehl uns das Blatt an. Von jetzt an haben wir einen tüchtigern Gegner, als Herrn Oetker und ^enosten,' wir meinen die HH. Hassenpflug und Vilmar. Grammen wir uns, daß wir die „Konstitutionellen" los sind; gratnliren wir uns, daß wir endlich einen Femd dar Mrs haben, den wir zu bekämpfen aber nicht 411 verlachen brauchen. >L ie Red.