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sammensinken muß. Es ist ein wahrer Ekel, wie dieser Schlendrian noch fortbesteht. Die Reaktionspartei ist so frech in Frankreich, daß einst daS Volk nur mit Mühe zurückzuhalten sein dürfte, in gerechter Vergeltung sie bis auf den letzten Mann todt zu schlagen; Girardins La presse sagte sehr vernünftig gestern: „unsere französische Reaktion, obschon sie 1789, 1830 u. 1848 auf die Finger geklopft wurde, und einen freiern Ueberblick auf die Weltdinge endlich wohl gewonnen haben könnte, ist so verstockten Gemüths, daß eine ganz exemplarische Züchtigung ihr nicht erspart werden wird. Wann, wie? ist nicht nöthig zu prophezeien. Die Partei der hiesigen Gold - und Silbermänner ist cs, durch welche ein Schwarm hungriger Polizisten, und eine Meute geldgieriger oder armer, oft geistreicher, aber immer bösartiger, Publizisten besoldet wird. Diese Söldner schlagen mit Säbel und Feder drein, und wissen nicht, daß dadurch das Volk zum gräßlichsten Zorn entflammt wird? Daß diese Geldfürsten unsre Sozialrevo- lutiou hassen, ist natürlich. Aber unnatürlich dumm ist, wenn sie letztere zu ersticken sich einbilden. Die Soldaten und die Priester, diese zwei Säulen, worauf die Gesellschaft ruht, werden nicht immer aufrecht bleiben können." Eine niedliche Karrikatur ward gestern früh konsiszirt: ein rauchender Altar nebst Kruzifix rechts und eine mit Kartätschen geladene Kanone links dienen zu Unterlagen einem kolossalen Geldsack, und erst auf diesem steht eine Reihe Throne und Kronen; eine sehr beleidigende Umschrift war die Ursache der Konfiskation. — Sonstiges Neue ist nicht vorhanden: die Wahlen der 29 Ersatzde- putirten fallen den 10. März; find die Erkornen lauter Rothe, so ist der moralische Eindruck ungeheuer, und leicht könnte es dann auf den Gassen loSgehen. Eher wird es auch in Deutschland nicht wieder gut, in der ganzen Welt nicht. Ausweisung einzelner deutschen Flüchtlinge von hier findet immer noch statt. — Dr. August Hermann Ewerbeck (aus Danzig) publizirt in franz. Sprache einen Ueberblick der neuesten deutschen Philosophie, in einem größern Bande; es wird damit endlich einmal den französischen Demokraten wie Aristokraten schlagend gezeigt werden, daß unser Deutschland seit 1841 unaufhörlich die Ideen theoretisch dièkukirte, die in Frankreich praktisch gelöst werden sollen.
Paris, 4. März. — DaS Wallfahrten nach dem Bastilleplatz und das Bekränzen der Julirevolutionssäule geht fort als stille Demonstration gegen die Regierung. Ganze Deputationen, selbst aus den Departements ziehen herbei, und überdecken den vergitterten Ort mit Liebeszeichen.
SlraHburq, 3. März. — Wie sie wühlen, diese napoleonischen Lakaien, unter dem Volk, um für ihren Herrn und Meister die Herzen zu gewinnen und dem Sozialismus an'S Leben zu gehen. Eö hilft alles — nichts! — So hat General Montholon ein Manifest ergehen lassen, worin er alles Unglück, alles Unheil auf die Rothen wälzt! „Schließt sie aus", ruft er, „von der Nationalversammlung, und Alles wird gut werden! Das Geld wird wieder zum Vorschein kommen; euer Eigenthum wird alsdann an Werth zuneh
men, eure Ernte wird gut verkauft, und an die Stelle eures Leidens und Elends wird Freude und Wohlstand treten." Freude und Wohlstand durch die Wucherer und Börsenleoparden! Es ist nicht thöricht, sondern kindisch! — Er gibt alsdann eine Schilderung von den Rothen, die den Schilderungen der Sozialdemokraten durch unsere Philister in Deutschland so ähnlich ist, daß wir sie aus Spaß mittheilen müssen. Er sagt: „Durchgehen wir jetzt miteinander das Personal der Rothen und Sozialisten, und sehen wir, ob es geeignet ist, euch Zutrauen einzuflößen: — Die schwatzhaften Advokaten, denen Niemand einen Prozeß anvertraut; — durch eigene Schuld zu Grunde gegangene Fabrikanten und Kaufleute; — die nichtsnutzigen Faullenzer, Trinker und Schreier unter den Arbeitern; — die Leute, welche sich wollen gefährlich machen, um sich aldann für eine Stelle zu verkaufen, von der sie auf Kosten des Staatsschatzes leben können; — die Landstreicher, kurz, die Hefe Frankreichs bildet den größten Theil deâ Personals der Rothen und Sozialisten. Diesen verschiedenen Gattungen muß man noch beifügen diejenigen, die aus Furcht roth sind. Der Rothe auS Furcht ist vielleicht der verächtlichste von Allen. Selbstsüchtig und unedel zugleich, führt er folgende Sprache: „So lange die rechtschaffenen Leute am Ruder sind, habe ich nichts für meinen Besitz zu befürchten; ich will mich also den Rothen anschließen, damit sie mich verschonen, wenn sie etwa zur Herrschaft gelangen." Die Unglücklichen, verblendet in ihrer dummen Selbstsucht, sehen nicht, daß sie die ersten Opfer der Habgier derjenigen sein werden, die sie ihre Brüder heißen. Wollt ihr solchen Leuten das Schicksal Frankreichs, das Glück eurer Familien anvertrauen? Nein! das ist nicht möglich; dazu habt ihr zu viel Herz und Verstand."
Nein! sie haben keinen Verstand, denn sie denken nicht wie der napoleonische Simpel, der ihnen diese Thorheiten und Lügen vorschwatzt. DaS Manifest schließt damit, daß der elende „Neffe des Kaisers" gepriesen wird. Durch sich ist er Nichts — nur durch seinen Onkel, der ihn, wenn er lebte, ebenso verachten würde, als seine andern schwachköpflgen Verwandten, z. B. einen Jerome u. dgl.
Berichtigung.
In dem Bericht über die Ständeversammlung vom 5. März ist unter den Herren, welche sich der Wahl in's Erfurter Staatenhaus enthalten haben, der Name Sunkels zu streichen und der Name Malkmus hinzuzusctzen.
Ernennungen rc.
Der Gymnasial-Direktor, Pfarrer Dr. August Friedrich Christian Vilmar, in Marburg, ist zum vortragenden Rathe im Ministerium des Innern unter Beilegung des Prädikats „Consistorialrath" ernannt. — Der zu der erledigten zweiten Pfarrei zu Oldendorf präsentirte außerordentliche Pfarrer Hermann Thomas Ottomar Conradin Kahler ist bestätigt, und der Amtswundarzt Rudolph Theodor Wilhelm Lius zu Jesberg ist an die erledigte Amtswundarztstelle für das Amt Fritzlar versetzt.
Dekanntmachungen.
13261 Haupt-Niederlage für Kurhessen von den berühmten 6/i breiten Leinen aus der großen Sechandlung, dos Stück von 72 Ellen für 8 Thaler.
Der ungeheure Absatz dieses LeiuenS, welches in neuerer Zeit von der Seehandlung namentlich nach Amerika expedirt wird, auch von mir in die verschiedensten Gegenden Deutschlands versendet worden ist, beweist eS am besten, daß dieses Fabrikat einen Ruf erreicht hat, der dessen Absatz und vielfachen Gebrauch auch für die Dauer garantirt. Ich habe dieserhalb die Hauptniederlage für Kurhessen übernommen, und halte es nicht am Ort, jetzt in der Messe weitere „Lobpreisungen und Anempfehlungen" dieses Leinens vorzubringen, sondern übergebe nachstehende Zeugnisse von einigen meiner Abnehmer, denen die Qualität des Leinens convenirt hat, der Oeffentlichkeit.
Zeugnisse.
to 5. Schönfeld'» Wittwe gekaufte Leinen aus der großen Seehandlung, das Stück von 72 Ellen â8Thlr., wäscbt und trägt sich sehr gut. Dies Bereinige Wahrheit gemäß. Kassel, den 26. Februar 1830. Elise BeincrSdorf.
Kassel^den^ ^Febeuar^irz^ ^ °Cn ^' Sdjönfelä's Wittwe gekaufte Leinen, das Stück von 72 Ellen für 8 Thaler, höchst preiswürdm darüber ft^uncn^mt^ ^mäß, daß das Leinen von 5- Schönfeld'» Wittwe aus der großen Seehandlung von vorzüglicher Qualität ist, und man varuver 1 raunen muß, daß ein so gediegenes Fabrikat um so niedrigen Preis geliefert wird. Kassel, den 26. Februar 1850. 2. Bender.
demselben erklären/ KM? im Dezem^ iU Oberhemden verwendet, desselbe nun schon seit längerer Zeit getragen und kann "ur^meim Zufriedenheit mit
®‘ttBe ^°"l-ld S-kauften Original-Leinen, zu dem Preise von 8 Thlrn. das Stück von 72 Ellen, sehr zufrieden bin, bescheinige ich yiervuru^. I. Nivoir.
Indem ich genanntes Leinen bestens empfehle, bemerke ich, daß jedes Stück mit einer gedruckren Etiquette und meiner Na mens Unterschrift versehen ist, und daß sich während der Messe die Haupt-Niederlage für Kur Hessen befindet Friedrichsplatz- und Carlöstraße-Ecke Nr. 76, im Hause des Herrn Werner.
J. Schönfeld's Wèttwe.
(Erste Beilage.)