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allmäblich geschlossen hat. Und so ist es gut. Es ist gut, daß daS Sielen - Monats - Kind gestorben ist; die wahre Freiheit würde diese Fehlgeburt nicht gebracht haben. Es ist gut, daß es gestorben ist; aber wie eS gestorben ist, wird Schmach, Schimpf und Schande häufen auf euch, die ihr zum Giftmorde den Becher gehalten, die ihr das arme Kind überredet habt, den tödtenden Trank über die bleichen Lippen gleiten zu lassen. Fluch über euch!

Für das nächste Kapitel bleibt uns noch übrig, auf die Stellung Preu­ßens und Oesterreichs bei der gegenwärtigen Krisis einen Blick zu werfen.

Deutschland.

△ Kassel, 8. März. — Bon Haffenpflug zu glauben, er fürchte oder wünsche einen Krawall, ist nach meiner Ansicht nicht richtig. Seine Genossen mögen solche Ansichten haben oder gehabt haben, namentlich der Kriegsminister , dem das Borbild seines edlen Onkels vorschwebt; Hassenpflug sieht weiter. Dieser schlaue Jesuit weiß nur zu wohl, daß Kurhessen bereits so gut wie mediatisirt ist, das ganze Land hat bereits das drückende Gefühl, daß unsere Schicksale sich nicht mehr innerhalb unserer Grenzen erfüllen, sondern in Berlin, in Berlin allein. Wir sind bereits gänzlich zur preußischen Pro- vinz herabgesunken, ohne alle eigene, selbstständige Thatkraft, sonst wäre Hassenpflug längst über die Höhe geflogen. DaS Alles weiß und fühlt Hassenpflug so gut wie wir. Seine Aufgabe, Kur­hessen möglichst selbständig zu erhalten und den alten Bundestag wie­der möglich zu machen und gegen das offizielle Preußen, gegen die Büreaukratie Manteuffel, die schwarzgelben Ideen von Fried­rich Wilhelm IV. und von Radowitz, die Ideen der Partei Gerlach durchzusetzen, — fordert einen bedeutenden Aufwand von aalglatter Schlauheit und Schlangenklugheit (die Vilmar in seinem Blätt­chen so eindringlich empfiehlt) und von Vorsicht in Behandlung des Volks selbst. Jeder plötzliche, unvorhergesehene Zufall könnte die ganzen Pläne in die Luft sprengen, — deshalb sucht Hr. Hassenpflug selbst eher einen Krawall zu vermeiden als zu provoziren, und seinen plumpen Helfershelfern hat er nach meiner Ansicht selbst das Hand­werk gelegt, indem er die einbcorderten Soldaten wieder nach Hause gehen ließ. Es muß ihm darum zu thun sein, einzuschläfern, nicht darum, aufzustacheln, — er muß versuchen, der Volkspartei, wenn nicht zu gefallen, doch ihr Achtung abzunöthigen, denn er wird sie im Nothsall zu seinen Zwecken gebrauchen wollen, er wird sie, wie das Ministerium Stüve, benutzen wollen, um, im Nothfall auf sie sich stützend, Erfurt zu vernichten und die besten Männer. Der Volkspartei der Ständekammer also, wie der deS ganzen Landes rufen wir abermals zu: traut keinem Versprechen des persönlichen Feindes, unbekümmert um seine gleisnerischen Lockungen gehet den geraden Weg des Prinzips und der Pflicht!

* Kassel, 8. März. — In der heutigen Ständesitzung war wie­der kein Landtagskommissar, dafür aber fanden sich zwei Minister ein. Hr. v. Baumbach theilte schüchtern und stotternd die Kandidaten mit, unter welchen die Ständekammer den 4ten Deputirten in's Erfurter StaatenhauS zu wählen hat, eS waren Waitz, v. RoqueS und Wetzel. Der Minister des Aeußern gerieth in liebliche Verlegenheit, als er gefragt wurde, ob die Regierung nicht vorher die drei von ihr zum StaatenhauS Abgeordneten nennen wolle; die arme Null sah sich stumm ringS um und erklärte, daß sie nicht darüber unterrichtet sei. — Nun aber erschien der Löwe des TageS, Hessenfluch selbst; eine noch von seinem Vorgänger restirende unbedeutende Gesetzesvorlage über die Verjährungsfristen benutzend, zeigte er dem Hause, daß ihm seine Mißtrauensvota höchst gleichgültig seien. Schon in einer Sitzung des DerfassungSausschusses, der er selbst beigewohnt, hat er zu ver- stehen gegeben, daß er nicht mit der Ständeversammlung brechen will. Durch sein Erscheinen in der Kammer gibt er diese Versicherung von euern und erklärt, daß doch nächstens wegen der Erfurterei eine eendlgung der Geschichte vor der Thüre stehe. Nachdem er so en passan tjr das -Schicksal vorauSverkündet, mißt er sie ringsum mit Blicke , die da sagen: Hier ist der Herr! \ â T , und die ganze Kammer (mit ihr ~ ?" ^'"ken) fahren devotest empor von ihren Sitzen. fälsch wirkt auf diese Schwächlinge die Erscheinung eines eiscr- nen Willens, der es nicht verschmäht, unter milden Formen seine ersten Geiselhiebe aufzuzahlen. Und diese Schwachköpfe wollen von Opposi­tion sprechen, - und unter einem Nebelthau'. — Gerechte Götter straft sie für diese Lüge! - straft sie doppelt und dreifach! WaS diese Opposition zu bedeuten haben wird, mag man aus der glaubwürdigen Nachricht entnehmen, daß im ersten Augenblick vor Hasseupflugs Erscheinen in einer Versammlung der Rechten und einiger Gotyaer Busenfreunde von mehreren StaatSdienern die Aeußerung siel: was man machen könne? man müsse sich dem neuen Diktator anschlie­

ßen (und ihn zu konstitutionellen Schritten nöthigen, nebenbei?). Ein bekannter gothaisch gesonnener Redakteur habe ihnen darauf zugerufen: „Damit er euch nach einem halben Jahre über Bord werfe. Nein, hier ist nur Opposition möglich auf Leben und Tod!" Und sie machten Opposition, — aber nicht auf Leben und Tod. Die Sitzung war noch dadurch spassig, daß Henkel endlich nach 14 Tagen, die er in Paris ver­bracht, um die Revolution an der Quelle verachten zu lernen, wieder erschien. Man denke, eine Ministerkrisis und Henkel, der Henkel fern von seinen Bürgern in Sodom und Gomorrha. Er ver­fehlte nicht, daS Unglück kurz dadurch zu charakterisiren, daß er die neue Gestaltung der Dinge niederschmetternd nannte, und nach­träglich dem Eberhard'schen Vertrauensvotum und Mißtrauensvotum beitrat. Nun ist Kurhessen wenigstens getröstet!

Kassel, 8. März. — Daß man in Wien über unsere Minister­wirthschaft jubelt, läßt sich denken. Der „Lloyd" vom 3. März sagt, der Kurfürst habe seit dem Rücktritt Hannovers und SachsenS keine Freude mehr am Erfurter Bündniß gehabt; die Entlassung Eberhards deute eher auf einen Rücktritt vom norddeutschen Svndcrbund, als auf Reaktion! Beides, meine edle Wienerin! Allein vollkommen Recht hat sie, wenn sie fortfährt: „der Austritt KurhesscnS (aus dem Erfurter Svndcrbund) würde den geographischen Verband des preußi­schen Bundes in einem solchen Grade lockern, daß auf dessen Halt­barkeit gar keine Rechnung mehr zu machen wäre. Bereits sind Ol­denburg, Bremen, Hamburg in einer Lage, daß sie ihre Verpflichtung, im Bunde zu bleiben, von anderen Staaten abhängig machen müssen. Das neue Haus hat nicht allein Riffe, sondern Löcher! Es fehlen ganze Wände!"

OW Dresden, 6. März. — WaS lange währt, wird gut, sagt das Sprichwort; darnach hätten wir von unserer zweiten Kammer etwas Außerordentliches zu erwarten, denn die Debatten über die deutsche Frage dauern bereits drei Tage. Drei Tage und noch kein Ende! Die Redelust so einer Kammer kann ein Land arm und un­glücklich machen. Abgesehen von der Langeweile! Der Ausschuß­bericht des Hrn. Biedermanu, der allein eine Sitzung außsüllte, ist vollkommen im Stande, als Aequivalent für 6 Monate Zcllcnhaft ill" den Strafkoder ausgenommen zu werden; rechnet man dazu die gehal­tenen europäischen Reden, die zu einem solchen Strome von Beredt- samkeit anschwollen, daß am Schluß der zweiten Sitzung noch fünfzehn Redner angemeldet waren, die mit den Flutheu ihrer Rede das lecke Schifflein der deutschen Einheit flott machen wollten, so kann man sich einen Begriff von der Geduld des Publikums machen, daS mit wahrer Todesverachtung drei Tage lang seinen Posten auf der Gallerie be­hauptete, trotz den Redegewäffern oder wässrigen Reden, die von allen Seiten heranflutheten. Der Antrag der Majorität des Ausschusses lautet so: „Die Kammer wolle gegen die Regierung als ihre feste Ueberzeugung aussprechen, daß sie eine schleunige und unverzögerte Erledigung der deutschen Verfassungsfrage im Geiste der, schon von der Narionalversammlung zu Frankfurt angestrebten Begründung eines Bundes staates mit parlamentarischer Regierung und einer aus Wahlen deS Volkes hervorgehenden Ge­sa mm tv ertretun g alö die unerläßliche Bedingung nicht allein der Herstellung eines gesicherten und dauernden Zustandes der allgemeinen deutschen Verhältnisse, sondern insbesondere auch einer gedeihlichen Entwickelung der innern sächsischen Angelegenheiten und einer ersprieß­lichen Thätigkeit der sächsischen Volksvertretung betrachte, daher auch nur einer in diesem Sinne aufrichtig vergehenden Re­gi e r u ng S p v li t i k ihre Unterstützung zu gewähren vermöge." Sie sehen, dieser Anfang klingt ganz schön, aber waâ ist deS Pudels Kern? WaS die aus den Wahlen des Volkes hervorgehende Ge- sammtvertretung? Lachen Sie nicht! — Das ist der Reichstag zu Erfurt. WaS könnte von Hrn. Biedermann und Consorten Anderes " kommen? Große Phrasen und kleine Gesinnungen, das ist das Wesen der besten Männer. — v. Dies kau, als Minorität des Ausschusses, beharrt dagegen fest bei der Reichsverfassung, natürlich ohne den Strohkaiser. — Der Abgeordnete Hr. Wigand, Schönredner, eröff­nete die Debatte. Er spricht eben so schön wie laug. Er erklärt sich für den Dieskau'schen Antrag, will sich aber den Kaiser nicht nehmen lassen. (Nun, er kann ihn behalten, das Volk wird ihm denselben nicht streitig machen.) Hr. Wigand sprach übrigens, daS muß man anerkennen, mit Wärme und Eindringlichkeit für seine Sache, aber er wollte offenbar eine eu r o p ä isch e Rede halten : beschwor daher Gott, die Fürsten und alle Welt, citirtc Sir Robert Peel und deklamirte aus UhlandS Gedichten. Hr. Wigand meint es in seiner Weise recht gut, aber seine Hauptforce sind Worte, und daS ist das Wesen der radikalisirten Altliberalen, zu denen er gehört. — Nach ihm folgt der Abg. Hr. Kolb, der sich in geographische Untersuchungen vertieft, was und wo Deutschland sei, und eS endlich in Preußen und speziell auf der Festung Erfurt findet. — Hr. Funkhänel spricht ebenfalls für den Majoritätöantrag, will jedoch die Grundrechte dem sächsischen