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1850

Kassel, Sonnabend den 9. Marz

Die Mission Hassenpflug's

5.

Hr. Hassenpflug ist gekommen, Kurhessen zuzubereiten, zu­zubereiten auf die Segnungen der Politik des Hrn. v. Gerlach, der HH. Arnim, Stahl und Konsorten. Er ist aber nicht bloâ gesandt für Kurhessen, sondern im Namen der deutschen Contrerevolution, im Interesse Erfurt's und Frankfurts, im Namen der heiligen Alliance und deren Intentionen.

Den konstitutionellen Tröpfen werden endlich die Augen aufgehen. Schamroth, verzweifelnd über ihre wahnsinnige Politik des Vertrauens werden sie zu Boden sinken. Aber der Name derbesten Männer", derEigentlichen", wird ihnen Nachfolge« wie ein Gespenst, wird ihnen den Verrath am deutschen Volk in die Ohren schreien, wird ihnen in feder Minute ihreö Lebens die Folgen ihrer Anmaßung, ihrer Arroganz, ihrer Selbstüberschätzung, ihres Meineides, mit blu­tigen Zeichen an die Wand schreiben:Ihr seid verworfen!"

DaS Spiel Preußens ist bald zu Ende gespielt. Noch ein Mo­nat oder zwei, und der Saal mit den glänzenden Lichtern wird öde und leer stehen; voll Ekel, voll Abscheu werden die Besseren unter Euch in ihre Heimath zurückkehren, fluchend über die falschen Bank­halter , über die spitzbübischen Croupiers mit dem lächelnden Munde, den gefälligen Manieren. Euer Fluch kommt gerade zwei Jahre zu spät. Damals hättet "ihr aufbrausen sollen, als Preußen zuerst dem Parlamente in Frankfurt in's Gesicht spie, damals hättet ihr fluchen, verdammen, zur Hölle verfluchen sollen, alö Preußen die Dreikönigs­verfassung offerirte, als es euch den Eid, den ihr auf die Reichöver- fassung geschworen, vom Herzen stahl, als euch meineidig machte, euch den Stempel des Verbrechens aufdrückte, um um euch nachher zu den andern Verbrechern zu werfen, um hohnlachend über eure gebrandmarkten Leiber hinweg in das Heerlager deS russischen Abso­lutismus zu schreiten. Oder habt ihr die Politik Preußens noch immer nicht erkannt? Während Oesterreich mit brutaler Frechheit den lästigen Bund mit der Revolution brach, kokettirte, liebäugelte daö jesuitische Preußen mit ihr, lockte es die Revolution in seine eisernen Arme, gab es ihr langsam wirkendes Gift ein, lag in heuchlerischem Schmerz über der armen Kranken, deren bleiche Wangen andeuteten, daß sie kein drittes Frühfahr mehr erleben würde. Kennt ihr nun die preußische Politik? Seht ihr nun, wie ihr genarrt, gefoppt worden seid? O, wäre fa so tölpelhaft gewesen, euch, den Getreuen deâ Herrn v. Gagern, dcö Söldlings der Tyrannen, der da sein Ritter- wort verpfändet hatte, für die Reichsverfassung zu stehen und zu fallen, zuzumuthen, ohne alle ritterliche Ercuse linküumkehrt zu machen, ohne allen Vorwand eurer Ehre Lebewohl! zu sagen. Die Preußische Politik hat euch die Ercuse, den Vorwand in die Hände gegeben, sie hat euch die Dreikönigsvcrfassnng offerirt. Auf den Grund dieser Verfassung, an deren Ausrechthaltung niemand geglaubt hat, als ihr, konntet ihr, getröstet über eure Perfidie, euren Trenbruch, die Erhebung in Dres- den niedcrmetzcln, die Erhebung in den Rheinlanden und Baden zu Tode hetzen lassen. Ihr habt's gethan! Ihr habt's gethan, und ihr seid betrogen, genasführt, wie eine Bauerndirne von dem Berliner Gecken überlistet worden. Laßt euch einen Vorwand geben, um euch auch darüber zu trösten.

Die Wasser der Revolution sind verlausen, die Absicht der Diplomaten ist erreicht. Wozu nun die Drcikönigöverfassung, daö Erfurter Parlament ?

Auch die Hölle hat Anstand. So gut ihr cineâ Vorwandcâ bedurftet, um der Frankfurter, eurer eigenen Verfassung, den Rücken zu kehren, eben so gut bedarf Preußen eines Vorwandes, um von seiner Verfassung abzufallen, um euch, die Gothaer, wieder loszu- werden. Eine auögepreßte Zitrone wirft man fort, eine Dirne, der

man die Ehe versprochen, die man unter Schwüren und Küssen ver­mocht hat, sich preiszugeben, ihre Ehre gegen ein teuflisches Verspre­chen anszutauschen, kann nur die offene Schamlosigkeit von sich wer­fen, eine solche Dirne sucht man allmählich zu enttäuschen, auf den letzten Schlag vorzubereiten. So will es der Anstand der Hölle, die Delikatesse, der gute Ton!

Hr. Hassenpflug soll euch vorbereiten. Statt eures Märzmini- sters, der keine andere Wahl hatte, als entweder offen zu erklären, daß er betrogen sei, oder euch immerfort die glühenden Küsse der preußischen Politik vorzulügen, sendet euch Preußen den -eiskalten Mi­nister, der diese preußische Liebe nur noch wie ein Geschäft behandelt, der euch fühlen läßt, daß noch nicht alle Liebe zu Ende, daß sie aber nahe am Ende sei. Versteht ihr das? Es ist bitter, sehr bitter, zu erfahren, daß man Grisette war statt einer Braut, das Gift muß aber verwunden werden. Hr. Hassenpflug braucht nicht von Er­furt abzufallcn, er braucht nichts zu dekretiren, er braucht nicht zu sagen, daß eure letzte Hoffnung gescheitert sei, daß Preußen euch nur gebraucht habe, wir wiederholen, Hr. Hasscupflug ist nicht ge­sandt zu reden, sondern zu schweigen. Der eiskalte Mann braucht nur vor euch zu treten, und ihr wißt, was es mit euren Hoffnungen zu bedeuten hat. Die preußische Politik zeigt eine bewundernswerthe, dankenswerthe Zartheit, das preußische Kabinct beweist seinen Gothaern gegenüber einen rührenden Takt.

Seid ihr klug geworden? Nein! Bis auf den letzten Augenblick werdet ihr aus den Gesichtszügen des Hrn. Hassenpflug in der Er­furter Frage ein Ja! herauslesen, ihr werdet so lange hoffen und lieben, bis dem preußischen Kabinct nichts anderes übrig bleibt, als einem solchen Stumpfsinn, einer so wahnwitzigen, närrischen Verblen­dung, einer solchen Zähigkeit im Vertrauen, einer solchen Hartnäckig­keit in der Liebe das offene Nein! entgegenzusetzen. Während ein Mädchen von 10 Jahren auö allen Verbeugungen, die Preußen seit 2 Jahren gegenüber der Revolution gemacht hat, nichts anderes alâ eben diesesNein, nein, nein!" herauSgefunden hätte, werdet ihr auch fetzt noch verblendet genug sein, zu hoffen! Jeder ist seines Glückeâ Schmied! Wollt ihr plötzlich verzweifeln, der König von Preußen kann seine Hände in Unschuld waschen.

DaS Erfurter Parlament wird beschickt, die Drcikönigsoerfaffung wird berathen, die berathene Verfassung wird suspendirt, die suSpen- dirte Verfassung wird von Kurhessen, Hessen-Darmstadt, Nassau und Baden, sie wird von Mecklenburg rc. verworfen werden. Auf alle diese Positionen werden bis zum entscheidenden Momente, d. h. bis zum Zusammentritt des Parlaments, contrerevolutionäre Minister, die Spießgesellen des Hrn. Hassenpflug, vorgeschoben sein. Hr. v. Rado- witz wird schließlich erklären, daß er bis an dieGrenzen deS Mög­lichen" vorgeschritten, daß das Werk nicht an ihm und seinen gehei­men Planen, sondern gescheitert sei an dem PartikularismuS, an dem Eigensinn der kleinen -Dynasten. Hr. v. Radowitz ist ein kluger Mann. Er schlägt das Haus, das er zur Freude der Gothaer auf- gebaut, nicht mit eigner Faust in Trümmer, sondern mit den Fäusten seiner Getreuen. Der schleichende Jesuit wird die Gothaer vor die Trümmer zitiren und eine rührende Rede halten über menschliche Pläne und Berechnungen, über irdische Täuschungen und Kurzsichtigkeit, über irdische Schwachheit und betrogenen guten Willen. Die Gothaer werden dem Jesuiten die Hand drücken und bedauern, daß so einem cdcln Menschen so schlecht gelohnt wird auf dieser Erde.

Die Komödie wird dann zu Ende sein. Die Wetterwolken der Revolution werden zertheilt, ihre Waffertrvpfc» einzeln geh' daö Heer der Revolution, daâ im März 1848 so stolz » i, wird zerstreut und einzeln geschlagen sein; Feigheit, Verrats LP und Blindheit werden eS dahin gebracht haben, dap ps Herz to Mâ,jl»z° «gf.m <m-->â--, W W 611 $'"*"' "