denz, die man den Arbeitervereinen zu geben gedenkt. — In Zürich bat man den Flüchtlingen, Dr. Gallus Meier (ehemals Civilkommis- sar in Heidelberg), Wollmann, Komloffl, Damm, Fennerv. Fenneberg, Techow und Peter die Eröffnung gemacht, daß sie sich in kürzester Zeit zu entfernen haben, ebenso Schlöffel und Barbo im Aargau. Wiesner ist förmlich aus Zürich ausgewiesen, nur d'Ester ist es gelungen, sich in Freiburg als Arzt und Apotheker festzusetzen. Die Reaktionäre in allen Kantonen schöpfen neuen Muth, nnd schmieden Pläne, so namentlich in Freiburg, wo die Regierung schon mehrmals durch den Ruf: »die Bauern kommen!« in Schrecken gesetzt ist. Sie läßt den ehemaligen Jesuitenpallast befestigen, um dort ihre Zuflucht zu nehmen, außerdem ist die Besatzung der Stadt verdoppelt. Auch in der Wahlbewegung im Kanton Bern gewinnen die Konservativen Terrain. So ist's immer in der Schweiz gewesen; siegt in Europa die Reaktion, so heben die Konservativen die Häupter, revoltirts in Europa, so werden sie eben so schnell wieder unterdrückt. Vogt nennt deshalb die Schweiz den Thermometer Europas *). — Auch in Basel haben Verhaftungen und Beschlagnahme von Papieren stattgefunden. Durch alle Kantone geht diese von der Centralpolizei ange ordnete Brutalität. Das Resultat ist Null! — Das Neueste ist die Ankunft Röslers von Oels, der glücklich vom Hohenasperg entkommen ist und nun nach Amerika übersiedeln will. — Der Bun- desrath hat der Regierung von Zürich gemeldet, daß auf seine Verwendung die französische Regierung die Flüchtlinge der Schweiz abneh- wen wolle, um sie in die Fremdenlegion zu stecken. — Der Jnva- sionsplan gegen die Schweiz, der von General Schönhals herrühren soll, hat keinen geringen Schrecken bei uusern Philistern erregt; es ist gut, daß wir die Operationen nun kennen; vielleicht hat irgend ein guter Freund der Schweiz auf solche Weise ihr die Gefahren ad oculos de- monstriren wollen, indem er in einem solchen Plane ihre Schwächen aufdeckte.
Frankreich.
ff Paris, 3. März. — Die Kandidaten der rothen Partei sind so ziemlich ihrer Wahl sicher; nur wegen Paul Deflotte, Marinelien- tenannt außer Dienst, erhebt sich ein leises Bedenken, er ist bei ei- nem guten Theil der Bürgerschaft als grimmiger Sozialist gefürchtet; die zwei andern (Paris hat am 10. März nur diesmal drei zu wählen) Vidal, Sekretär von Louis Blanc, und Carnot, ehemaliger Unterrichtsminister, Sohn des großen Carnot aus der ersten Revolution, sind so gut, als gewählt. Carnot war nebst seinem durch die Bourbons 1815 verbannten Vater lange in Magdeburg ansässig ; der Vater ist dort begraben; er beschäftigt sich viel mit deutschen Studien. Vidal ist ein rechter Sozialist, und Deflotte ein ehemaliger Tranöportirter von den Junibarrikaden 1848. Die Partei deö „National" hat sich mit der rothen diesmal verbündet, sie sagt, sie sähe ein daß eS sich um das Bestehen der Repüblik, und nicht um diese oder jene Faktion handele. Das ist sehr richtig, aber schlimm ist, daß der „National" es heute erst einsieht, nachdem er wie ein Rasender zwei Jahre lang gegen die Sozialen gekämpft hatte. Wie dem auch sei, besser spät als nie. „Die Despotie der Geldmänner und Aristo (so heißen hier beim Volke die Aristokraten) kann lediglich durch eine allgemeine Verbrüderung aller Demokratieparteien gebändigt werden. Die Präfekten der Departements erlassen täglich die tollsten Rundschreiben gegen die Republikaner. Die Bürgermeister und Schulzen sind von den Präfekten ein- und absetzbar, nachdem vor und nacy dem Kaiserreich sie eS stets vom Volk gewesen; die s. g. republikanische Negierung von 1848 hat damit also etwas vollbracht, was selbst die Bourbons scheuten. Mit Grausen sehn wir diesen Zustand und erzittern in der tiefsten Seele vor dem nahenden Strafgerichte deö Volks", spricht der „ National de l'Ouest", und so ist es auch. WaS auS all diesem Unfuge folgen wird, ist sehr klar. Neuigkeiten im eigentlichen Sinne deö Wortes sind seit mehreren Tagen nicht vorgefallen; daS Merkwürdigste wäre etwa die Haltung, die Bonaparte der Schweiz gegenüber nimmt. Er will durchaus imponirend austreten, und deshalb zieht er um Besancon eine starke Beobachtungsarmee zusammen, deren General Magnan, ein wüthend kaiserlich gesinnter Antirepublikaner. Es steht übrigens Bonaparte fortdauernd gut mit dem österreichischen und russischen Gesandten, und läßt sich in allen Zirkeln stets „Herr Prinz" oder „Prinz Präsident" anreden, obschon die Konstitution ihm keinen anlern Titel als Citoyen president zuerkennt. So wird täglich stündlich, minütlich die Konstitution höhnisch verletzt. Es ist auch am Ende einerlei. Die Abnahme der Jmmortellen-Kränze an der Freiheits- faule des Bastilleplatzes durch Polizisten erregte solches Mißfallen bei den Bürgern selbst, daß die Kränze wieder hingeschafft wurden.
*) S. Deutsche Monatsschrift v. Kolarschek (Bogt über schwei'zerischc Verhältnisse), an welcher viele Kapazitäten der Frankfurter Linken Mitarbeiten, und die wir hiermit allen unsern Lesern bestens empfehlen. Die Red.
Paris, 3. März. — Der elende Napoleon stellt sich, als werde er nur Lausanne und Genf besetzen, wenn Preußen und Oesterreich in die Schweiz rückten, um ihnen entgegenzutreten, während er einfach Halbpart macht. Der General Dufour hat bei ihm um Schutz für die Schweiz nachgesucht. — Die an der Schweizergränze speziell aufgestellten Truppen stehen unter General Lafontaine. — Dem elenden Kaisergeck geht eS übrigens von Tag zu Tag übler. Der HanSwurst hatte sich zuerst in Schulden gestürzt durch seine Wahlbestechungen, die ihm über 1 Million Franken kosteten, die ihm Thiers verschafft, und wodurch er von Anfang an von den Börsenwölfen abhängig wurde; — seine Schulden stiegen durch seine luxuriöse» Bälle re., durch seinen Harem (er unterhält fortwährend 6 Geliebte in einem besondern Hause, die man in Paris les dames de la présidence nennt) *), setzt darf er sich kaum auf der Straße blicken lassen vor seinen Gläubigern. Kürzlich wollte ihm ein Pferdehändler nur gegen baare Bezahlung einen Hengst ablassen. Er muß Kaiser werden — denn der andere Weg geht nach dem Schuldthurm. — Man erzählt sich, Louis Napoleon habe die abgefallenen Changarnier, Lamoricivre und Cavaignac zu einem Essen einladen wollen, um diese drei gefährlichen Gegner zu verhaften. Der Plan sei entdeckt worden und Changarnier in'S Elyjee gegangen, um ihn zur Rede zu stellen, während die beiden Andern auf seine Rückkehr warteten, um, wenn sie nicht bis zu einer bestimmten Stunde erfolgt sei, eine provisorische Regierung zu bilden. Aber Louis hat Alles abgeleugnet! — Im letzten Heft des „Napoleon" faselt der Louis selbst über die Schweizerfrage, worin er abermals sedeö Eingehen auf Preußens Plan namentlich ableugnet. — Heute wallfahrten die Pariser nach der Julisäule, wo Hunderte von Blumenkränzen niedergelegt wurden. — Jeden Abend sind die großartigsten Wahlversammlungen, in welchen die Montagne selbst erscheint und von dem Volk mit Enthusiasmus begrüßt wird.
* Paris, 3. März. — Wie weit die Spionerei und Schurkerei hier geht, können Sie aus der Ausweisung des Hrn. Saß, des Korrespondenten des „Berliner National", erkennen. — Von Berlin erfährt man, daß ein französischer Staatsmann dorthin gë7 schrieben hat, daß Frankreich vor dem Gift des Sozialismus nur durch einen Krieg zu retten sei. „Dieser Krieg würd« selbst auf die Gefahr hin, daß Frankreich die entschiedenste Niederlage erlitte, von Vielen gern unternommen", um dann eine Regierung in Frankreich herzustellen und die Gesellschaft zu retten. Also Schande und Schmach von Außen gewünscht, um sie im Innern ganz zur Herrschaft zn bringen! — Das ist mehr als Verrath, es ist die Erklärung des Bürgerkriegs der Privilegirten gegen das Volk mit Hülfe der Fremden, wie 1791. Nur daß das adlige Koblenz jetzt zu Paris sitzt, im Herzen des verrathenen Volkes! Dafür wird es desto leichter erdrosselt. — Das Mondkalb hat eine Bank für Ehrendarlehen gegründet, um damit die armen Wähler zu bestechen. Jeder Gutgesinnte bekommt ohne Garantien Darlehen (bis zum 10. März, dem Wahltag! dann wird der Spaß aus sein!). — Der »National« sagt: In gewissen Kreisen hat man über Ehre eigene Begriffe — Spielschulden zc. sind Ehrenschulden — sonstige Schulden braucht man nicht zu bezahlen. — Beim Volk ist jedes Darlehn eine Ehrenschuld!
England.
S London, 4. März. — Das Parlament hatte gestern und vorgestern keine Sitzung. Die Parlaments- und Finanz-ReformerS suchen sich für ihre Niederlage im Hause durch eine vermehrte Agitation zu rächen. Am Freitag hielten sie ein großes Meeting in Worcester ab, zu dem die Partei von hier auS die bekannten Herren F. KnowleS und G. Thompson, letzterer Parlamentsmitglied, deputirte. Die gewöhnlichen Beschlüsse für eine Ausdehnung deö Stimmrechts (im Hume'schen Sinne), sowie für eine Reduction deö Budgets gingen einstimmig durch. Eine ähnliche Versammlung fand am selben Tage in Holt in Norfolk statt. — Die Chartisten agitiren seit einiger Zeit für eine Abschaffung sogenannter „Zölle auf die Wissenschaft", worunter sie den Penny - Stempel auf die Zeitungen, die Accise auf Papier, die Abgaben von Anzeigen und den Zoll auf im Auölande gedruckte Bücher verstehen. All diese Abgaben, verbunden mit der Kaution, die jede Zeitung stellen muß, machen die s. g. Preßfreiheit in England zu einem Monopol für die besitzenden Klassen.
Am Samstag Abend kam der Severn mit Nachrichten von ChagreS bis zum 28. Jan. an. Er hatte circa 1,400,000 fl. meist für Rech' nung hiesiger Kaufleute an Bord. Die englischen Schiffe werden, wenn sie um daö Cap Horn herum sind, meistens von ihrer Mannschaft
") Interessante Mittheilungen hierüber finden sich in Alfred Meißners revolutionären. Studien aus Pariè. Die Red.
(Beilage)