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Dritter Jahrgang.

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Kassel, Freitag den 8. März

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Die Mission Hassenpflug s

Wir haben in den drei vorhergehenden Kapiteln von der innern Mission HassenpflugS gesprochen. Knüpfen wir einige Betrachtungen daran. Hr. Hassenpflug hat die Aufgabe, den aberwitzigen Glauben gewisser Hämmlinge wieder in seine Rechte einzusetzen, die Krone ein­zuhüllen in den Opferdampf, der von den gotteslästerlichen Altären aufsteigt, daâ Heer zu begeistern zu dem Schlachtruf:Mit Gott für Kurfürst und Vaterland!" Durch Heer, Beamten und Pfaffen (wer will es einem Fürsten verdenken, die Diener, die er ernennt, in seinem Interesse, im Interesse der Selbsterhaltung zu verwenden, wer wollte der Natur der menschlichen Dinge Halt gebieten?) wird er versuchen, das von liberalen und demokratischen Tendenzen unterwühlte Volk für das Prinzip seines Meisters zu dressiren, es auf den Bräutigam vorzubereiten, der über Nacht einmal eintreffen wird. Sein Schwert ist der Fanatismus der rothen Reaktion, seine Zuflucht der Wall von Bajonetten, die um die Grenzen Deutschlands blitzen, seine Siegeszuversicht gründet sich auf die Konsequenz der Contrerevolution, auf den Haß und die Verachtung gegen die Halben und Falben, die Lügner und Scheinheiligen, auf den Blödsinn einer konstitutionellen Monarchie, worin der Monarch auf einer Reflexion des Verstandes beruht, auf die Nothwendigkeit MM verzweifelten Kampfes gegen diesen Verstand, eines Wagstüchä -Hut Caesar, aut nihil! ^^

Kurheffen hat ein eigenes Schicksal. Scheinbar am weitesten vorgeschritten in liberalen, konstitutionellen Institutionen, wird es auf einmal Jahrzehende hinter seinen Auslaufepunkt zurückgeschleudert, ist plötzlich dazu ausersehen, zuerst in Deutschland den ganzen Segen, die ganze Schmach und Erniedrigung eines konzentrirten Muckerregi- mentS zu fühlen. Wovor man in Preußen, im Lande der Uckermär­ker und der Garden, noch zurückschrak, vor einem Ministerium Ger­lach nämlich, in Kurheffen hat man eS gewagt; Kurhessen, daâ ge­quälte, geschundene, daS revolutionäre, beruhigte Kurhessen mußte das Material zu den Gerlach'schen Experimenten liefern, Kurhessen ist es, nach dem sich die Fühlhörner derErlöser der Menschheit" ausstrecken sollten, um zu sehen, wie viel sich einenz Volke zumuthen läßt, wie viel sich dem deutschenHunde" aufbürden läßt, wie weit in der Praxis dermoralische Eindruck", die ),Macht der konstitutionellen Ideen" reicht. Gerade das Land, in welches die Pflugschaar der neuen Zeit am tiefsten eingeschnitten hatte, wurt^ auSerwählt, auf seinen Flnren die teuflische Lache über all' den IrÄralen FastnachtSspuk, all' die konstitutionellen Ideen, die vertrockneten Freiheitsphrasen aufschla­gen zu hören. Die Strafe ist hart, die Rache ist scheußlich. Oder fühlt ihr nicht diesen Hohn, diesen Spott, diesen Uebermuth der Contre­revolution? Eine HandvollJunker in Christo" hetzt ihre berittenen Stallknechte über eure Saaten, heißt sie, eure Ernten in die Gaffen werfen, euch verlachen, um die Waden peitschen, euch wie einen Har­lekin maltraitircn.

Vor dem Odem deS Hrn. Hassenpflug werden eure liberalen Ge­setze verdorren, wie GraS. ES sind ja keine Gesetze, cs sind Abstrak­tionen, mathematische Formeln. Der revolutionären Kraft, der Kraft zum Widerstande, habt ihn ja durch eure eigenen Gesetze den Mund verboten, ihr habt sie verflucht wie die Pest, auSqestoßen von dem Boden der gesetzlichen Opposition. Im blinden Vertrauen auf eure gekrönten Häupter habt ihr den Fürsten daS Wasser zugetragen, um das Feuer derAnarchie" löschen zu können, ohne zu bedenken, daß eine Zeit kommen könnte, wo ihr selbst unter die Anarchisten gewor­fen würdet. Zittert nun! Ihr habt einen Wall gcthürmt zwischen Volk und Volk, ohne zu ahnen, daß der Mann , den ihr auf diese

Weise schützen wolltet vor demaussätzigen" Volke, euch selbst wieder aussätzig nennen, euch selbst wieder überfallen, niedermetzeln könnte. Wo ist nun eure Zuflucht, wo sind nun die geschlossenen Kolonnen? Divide et impera! Euerm Hohnlachen über die erschlagene Anarchie, über die Sicherstellung eurer Interessen folgt das Hohnlachen über die genarrten Tölpel, über die gutgläubigen, gefälligen Seelen, die da wähnten, dieJunker in Christo" hätten in ihrem Lexikon daS Wort Dank noch immer nicht gestrichen, sie hätten noch etwas ande­res im Herzen, als Rache, Rache! Zittert! Es gibt keine größere Freude dort oben, als über ein Volk, das sich selbst zerschlägt, daS sich zerklüftet nach Interessen, das so aberwitzig ist, edelmüthig zu fein, großmüthig, gnädig und barmherzig zu sein. Die Fürsten lachen über euren Edelmuth, eure Großmuth und Barmherzigkeit. Sie wis­sen, daß hinter dieser Großmuth nicht ein Prinzip, sondern der heiß­hungrige Eigennutz verborgen ist, daß ihr wuchern wollt mt eurer Barmherzigkeit, wie ihr wuchert mit Weib und Kind, mit Ehre und Schande, mit Fluch und Segen. Die Fürsten wissen, daß eure Heilig­keit die Andacht eines Tartüffe ist, daß ihr mit der einen Hand betet, um mit der andern euern Seckel zu füllen. Täuscht euch nicht mehr, betrügt euch nicht mehr! Eine politische Uebertölpelung ist unmöglich. Die Fürsten sind so klug, sie sind klüger als ihr; wie ihr sind sie alles Enthusiasmus, aller Begeisterung, aller Ideale baar und ledig, sie spekuliren, wie ihr, sie rechnen, wie ihr, wie der gemeinste Schacher­jude. Wollt ihr den Profit haben, sie wollen es auch.

Seid ihr klug geworden? Nein! Und wenn morgen euer Mini­ster Eberhard wieder an die Spitze träte, ihr würdet morgen wieder mit ihm eure ewigen Vertrauensgesetze dekretiren, Gesetze, die sich an Feiertagen lesen lassen, die aber nicht ausreichen in einer Zeit der Stürme und der Gewitter, in unserer Zeit, wo jedes Gesetz eine Lanzenreihe des Mißtrauens sein muß. Mißtrauen! O, eS war rührend, wie uneigennützig und gewissenhaft, als wäret ihr die unparteiische Gerechtigkeit selbst und nicht die Partei! ihr einer jeden eurer getheilten Gewalten ihre Rechte zumaaßet, wie ihr euern Staat sicher stelltet gegen euch, daS Volk, und daS Volk zu sichern wähntet gegen den Staat, war rührend, wenn es nicht kindisch, tölpelhaft gewesen ist. Als ob nicht, so lange überhaupt von einer Staate die Rede ist, von einem Staate dem Volke gegenüber, d. h. also von einem Staate, der bei irgend Jemandem als ein Privat­eigenthum deponirt, irgend Jemandem in Pacht gegeben ist, als ob eS da nicht eine wahnsinnige Rechtâverschleuderung wäre, statt für eine Garantie des Staates dem Volke tausend und abertausend Garantien zu geben, die Garantien gleich zu machen, sich in der Theorie ba- lancircn zu lassen? Die theoretische Gleichheit ist die praktische Un­gleichheit, die theoretische Gerechtigkeit ist in der Praxis allemal Lolkö- verrath, Uebervortheilung, Betrug. Der Staat ist Er, sein Besitzer, und der Besitzer findet sein Recht ohne euch.

Jede Verfassung ist ein Mißtrauensvotum. Warum eilt ihr so, Abbitte dafür zu thun? Warum eilt ihr so, in jedem ergänzenden Gesetze zu dieser Verfassung ein Vertrauensvotum zu geben? Pressirt es so, dem Volke die Rechte wieder zu stehlen, die eS sich erobert hat? Eilt es so, den Fürsten die Rechte wiederzugeben, die ihnen ge­nommen sind? Unsere ewigen Dränger und Peiniger werden das Miß­trauensvotum bei Seite legen, mit dem gegebenen Vertrauensvotum den Gegenbeweis liefern. Sie werden wuchern mit eurem Vertrauen, sie werden mit diesem Vertrauen jede Seite der Verfassung überdecken, sie werden in aller Eile keine Verfassung mehr haben, sie werden kraft eures Vertrauens wieder Absolutisten sein. Die Männer eures Vertrauens werden sie von sich stoßen, die Gesetze eures Vertrauens werden in die Hände der Männer eures Mißtrauens gelegt we. en.

Die Zeit in Kurhessen war erfüllt. Trotz eurer Nberalen l- tutionen war die politische Kraft deö Volkes zersetzt. ^att : a