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Dritter Jahrgang.

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Kassel, Dienstag den 5. März

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Die Mission Haffenpflug s

Vor 15 Jahren war Hr. Haffenpflug Mucker wie jetzt, aber 15 Jahre haben seine Haare gebleicht, seinen Scheitel kahl gemacht. Hr. Hassenpflug ist nicht mehr der alte.

Vor 15 Jahren stand Hr. Hassenpflug in seinem eignen Dienste, Hr. Haffenpflug war stolz und herrschsüctig, der Minister erkannte Niemanden, nicht einmal seinen Fürsten, alü Autorität an, er selbst war die Autorität, die Religion, die Verfassung, das Gesetz, der Staat, die Gesellschaft. Vor 15 Jahren diente Hr. Haffenpflug sei­nem Prinzip nicht des Prinzips, sondern seiner, des Hrn. Hassenpflug, persönlichen Herrschaft, seiner Unentbehrlichkeit, seines Ruhmes, seines Stolzes wegen. Der Minister war damals gefährlich als Mann, als Individuum, als die eiserne Faust eines eisernen Willens, einer unge­stümen Manneskraft, der höchst persönlichen Energie. Daö ist vorüber.

Hr. Hassenpflug ist 15 Jahre älter geworden. Die Stürme der Zeit sind über ihn hingegangen, vor seinen Augen ist ein Thron zer­trümmert, sind andere wankend geworden, vor seinen Augen hat das Volk gegen seine eignen Dränger und Peiniger den Kampf auf Leben und Tod begonnen. Hr. Hassenpflug ist ein Greis. Die Tage deö Ehrgeizes sind dahin, es ist keine Zeit mehr, dem persönlichen Ruhm nachzusagen , seine Lanze für ein teuflisches Bravo von den Tribünen, für eine blutige Rose von den Damen einzulegen, die Herrschsucht, die Ruhmbegierde müssen niedergekämpft werden, der kahle Schädel würde ohnehin zu einer ungestümen Seele nicht passen die welke Hand würde ohnehin schlecht stehen zu dem Aufbrausen eines ehrgeizigen Herzens. Hr. Hassenpflug hat sich gedemüthigt und seine Kraft nicht dem eignen, sondern dem Ruhme des Herrn und seiner Diener geweiht. Er ist kein Gregor geworden, sondern ein Loyola.

Hr. Hassenpflug ist heute nicht mehr Herr, sondern Di ener deS Prinzips, und deshalb ist er dreimal gefährlicher als früher. Nicht der Hassenpflug von damals war Jesuit, sondern Hassenpflug ist setzt. Wäre der Mann zurückgekommen, wie er gegangen, er würde kein Viertelsahr regieren, und das Volk würde ihn mit Fäusten todt­schlagen, er würde gesteinigt werden. Aber der Mann hat daS stolze Haupt gebeugt unter einen höher» Willen, er steht da vor uns nicht als Mensch, sondern als Gespenst, als die fleischlose Idee, als ein Buchstabe, er ist nicht er selbst, sondern seine Mission, nicht der un- gcMme Charakter, sondern ein eiskalter Stern in jener finstern Constel- lation, die da bedeutet:Unbedingte Restauration der Herrschaft von der Gnade Gottes". Hr. Hassi npflug ist nichts mehr und nichts weniger alS eine der Figuren in dem Schachspiel des russischen Kabinets. Und deshalb ist er gefährlich.

Unbedingte Herrschaft von der Gnade Gottes!"Vernichtung aller und seder VolkSsouveränetät." Schon in einem Artikel der vo- rigen Woche ist erklärt worden, daß damit nicht blos der Republik, sondern der konstitutionellen Partei, der Volksvertretung überhaupt der Tod geschworen ist. Oder ist die konstitutionelle Volksvertretung nicht die Volkssouveränctät, nur aber in ihrer elendesten, korrupte­sten, unhaltbarsten Form? Steht etwa in der Abstufung, welche der konstitutionelle Aberwitz für die Vertretung fordert, der Abstufung nach Höchst-, Mittel- und Geringstbesteuerten, irgend ein Ersatz für die Abstufung in Adel und Kanaille? Ist mit jener Abstufung die Volks­vertretung nicht demSande, den Wellen, dem Winde" des Volks, dem täglichen, stündlichen Wechsel preiSgegeben? Ist nicht eben jene ständische Vertretung nachAdel und Pack" die einzige, die nach den Ansichten derHerren" auf Fels gebaut ist, die Verheißung hat? Bedeutet nicht der Adel, der Erbadel jene ewig dauernden Rippen in dem Körper deS ewigen Blutumlaufeö, der ewigen Zersetzung und Neubildung? Ist das Geld, der Besitz ein Ersatz für jene Erbschaft

des BluteS, jene Vererbung der adeligen Tugenden, als da sind Treue, Hingebung, Aufopferung, Verehrung und Ritterstolz? Erklärt nicht die konstitutionelle Partei, daß ihre Beschränkung des Wahlrechts nicht etwa eine Beschränkung der VolkSsouveränetät, sondern nur eine nothwendige Regelung derselben sei, daß nur bei einer solchen Rege­lung die wahre Stimme des Volkes zur Erscheinung komme, dann aber auch keinen Widerstand duldet? Fordert sie nicht, daß die ver­antwortlichen Minister in letzter Instanz vor diesem Extrakte der VolkS- meinungen, vor diesem süperben, extrafeinen raffinirten Extrakte den Nacken beugen sollen?

Die Mission deS Herrn Haffenpflug duldet weder konstitutionelle noch demokratische Volksvertreter. Hr. Haffenpflug wird die Worte des Herrn Büff, die dieser feine Mann im Anfänge 1848 den Ständen zurief:Wollt ihr unsere Getreuen sein, wollt ihr?" wieder aufneh- men , er wird im Auftrage seines Herrn und Meisters das kurhessische Volk eine kurze Zeit nicht mit diesem, sondern in Hinsicht auf dieses Prinzip zu regieren haben, eine kurze Zeit, bis in Erfurt und in Frankfurt, wo die Adern des Petersburger Absolutismus zu Tage gehen, die Dinge entschieden sind, bis in Hessen weder ein Hassen­pflug, noch sonst ein Premierminister nöthig ist, bis das klopfende Herz unseres Vaterlandes, daü gern gestorben wäre, wenn es die deutsche Freiheit gefordert hätte, das sich gern von der Luft der deut­schen Freiheit für den Boden der deutschen Einheit hätteeigen" machen lassen, bis dieses klopfende Herz von der Luft der allgemeinen Knechtschaft, der allgemeinen Tyrannei auf dem Boden irgend einer russischen Provinz zueigen" gestandrechtet worden ist.

Vernichtung aller und jeder Volkssouveränctät!"Aufhebung aller und jeder Volksvertretung!" Lacht nicht, lacht nicht! Ich habe euch gesagt, Hr. Haffenpflug ist nicht mehr sein eigner Herr, sondern Hr. Haffenpflug ist Knecht. Hr. Haffenpflug ist uicht gesandt, damit er herrsche, sondern damit er sich überflüssig mache. Er wird die Verfassung halten, wie er gelobt hat, er wird die bestehenden Gesetze halten, wie er gelobt hat, und er wird unS doch vernich­ten, er wird der sterbenden Freiheit dennoch das Auge zudrücken. Hr. Haffenpflug ist auf diese Position gesandt, damit seine eiserne Hand sich kalt und schwer auf unser Herz lege, damit wir nicht in der letzten Verzweiflung aufzucken, wenn der letzte Schlag geführt wird, der Schlag, den die konstitutionelle Thorheit nicht erwartet, den sie vor allen Din­gen nicht daher erwartet, woher er kommen wird. Lacht nicht. Hr. Haffenpflug wird weder hängen noch köpfen, er wird nur wie ein Alp auf unserer Brust liegen, er wird uns mitten unter seinen Um­armungen ersticken.

Die konstitutionelle Partei sicht und hört nicht. Sie wird jubeln, wenn der neue Minister das Erfurter Parlament beschickt, wenn er die Stände während der Erfurter Verhandlungen vertagt, nachdem er die konstitutionelle Partei durch Berathung und Annahme einiger passablen Gesetze vor dem Volke kympromittirt hat, wenn er die folgenden Ge­setze in Erfurt oktroyircn läßt, die konstitutionelle Partei' sieht nicht, daß Hr. Haffenpflug eben nur gesandt ist, um das Volk zuzurichten zu dem, was da kommen wird, daß der neue Minister nicht wäre ge­sandt worden, wenn es demnächst nicht etwas zu vollziehen gäbe, waS Ji. Eberhard nimmer und nimmer hatte vollziehen dürfen, ohne seinen Namen an den Schandpfahl zu schreiben, etwas, was da von Erfurt oder Frankfurt dem deutschen Volke verkündet werden wird, etwas Ungeheuerliches, Höllisches, Teuflisches, etwas, was das Programm deS Hrn. Hassenpflug erst erfüllen wird:Aufhebung aller Volkssvu- veränetat, Aufhebung der Volksvertretung!"

Kindische Anmaßung und Eitelkeit, wenn die konstitutionelle harter glaubt, den drohenden Wetterwolken in Erfurt trotzen, die Petersbur­ger Donnerkeile abpariren zu können. Elendes, hochverratherischeS Vertrauen! Eure Fäuste werden zerschlagen zu Boden sinken, das ße-